Annika: Vom langen Weg, die Geburtserfahrung anzunehmen

Interview mit Annika Hayman

Im heutigen Beitrag stelle ich dir Annika Hayman vor. Als ich sie kennenlernte, ging es gar nicht zuerst um ihre Geburten sondern um ihre Arbeit als Freedom Coach. Als wir jedoch länger miteinander sprachen, war ich fasziniert von ihren Geburtserfahrungen und den Schlüssen, die sie daraus zog. Deshalb freut es mich sehr, dass ich dir im heutigen Interview sowohl ihre Geburtserfahrungen als auch ihre Arbeit vorstellen darf.

Ich kennzeichne den Beitrag aufgrund des Verweises zu ihrer Arbeit als unbezahlte Werbung.

Stell dich doch bitte kurz vor!

Ich bin Annika Hayman und bin 38 Jahre alt. Vor 11 Jahren bin ich in die USA ausgewandert, um dort mit meinem jetzigen Mann zusammen zu sein. Ihn lernte ich in meinem Au-Pair-Jahr, das ich dort nach meinem Studium absolvierte, kennen.  Studiert habe ich Mathe und Kunst auf Lehramt, habe das Lehrerinnensein aber nach der Geburt meines ersten Sohnes an den Haken gehängt.

Nun bin ich Freedom Coach for Mamas. Ich begleite Mütter (und werdende Mütter) dabei, sich mit ihrer inneren Wahrheit zu verbinden und in ihre Stärke zu kommen, um die Mutter für ihr Kind sein zu können, die es wirklich braucht. Meine Mission ist es, Kinder frei von Ewartungen und unnötigem Balast aufwachsen zu lassen. Kinder brauchen Mütter, die bewusst handeln und ihre Verantwortung für ihre eigenen Probleme übernehmen und nicht ihre Kinder damit belasten.  Eine Frau in ihrer Stärke, die ihre Freiheit lebt, kann auch ihren Kindern ermöglichen, sich frei zu entwickeln.

Wie würdest du deine Geburtserfahrungen kurz zusammenfassen?

Die Geburt von Noah vor neuneinhalb Jahren war 7 Stunden kurz. Ich hatte mich auf eine lange beschwerliche Geburt eingestellt und wurde auf mehreren Ebenen total überrascht. Er kam nach zweimal Pressen in unserer Badewanne in unserem Zuhause zur Welt.

Niki kam vor fast 8 Jahren wie ein Wirbelwind zu uns. Die Hebamme schaffte es fast nicht zur Geburt und der Geburtspool war noch nicht befüllt. In weniger als 4 Stunden Wehen und ohne wirkliches Pressen lag er auf einmal in meinen Boxershorts in unserem Bett.

Warum hattest du vor Noahs Geburt die Einstellung, dass sie beschwerlich und langwierig sein würde? Wie genau wurdest du überrascht?

Ich habe damals an einem sehr intensiven Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen, der Bradley Method of Natural Childbirth. Es waren 13 Wochen, in denen wir uns als Paar mit einem anderen Paar und der Lehrerin jeden Montagabend für 3 Stunden trafen. 

[Lesetipp: Der kompetente Hausgeburtsvater]

Ich fühlte mich sehr gut vorbereitet. Sie hatte uns die verschiedenen Phasen der Geburt erklärt und wir hatten für jede Phase mehrere Übungen und Optionen ‚trainiert‘ und durch ‘Experimente’ herausgefunden, wie unser Partner uns begleiten könnte, wenn wir Unterstützung brauchten. 

Ich weiß noch, dass Mimi, unsere Lehrerin, immer davon gesprochen hat, das die Transition Phase, also die Übergangsphase, für jede Frau total verschieden sein kann in Länge und vor allem im Schmerzlevel… Halt nicht vorhersehbar und dass es Plateau-Phasen gibt, in denen es so scheint, dass nichts passiert und dass besonders, wenn man im Krankenhaus ist, Stress gemacht werden kann, weil die Geburt zu stagnieren scheint. Über den letzten Punkt machte ich mir keine Sorgen, da ich ja eine Hausgeburt plante.

Ich hatte aber irgendwie diese zwei Phasen besonders im Gedächtnis während des gesamten Geburtsvorgangs und habe insgeheim darauf gewartet, dass diese Übergangsphase eintritt und voll schmerzhaft wird. Die Überraschung kam dann, als die Hebamme meinen Muttermund checkte und meinte, dass ich eingentlich soweit sei und pressen könnte. Ich solle doch mal versuchen.

Da durfte ich mich dann erstmal drauf einstellen und umdenken, weil ich immer noch auf die dollen Schmerzen gewartet hatte, die so schwierig sein sollten. Von da an waren es dann auch echt nur Minuten, bis ich meinen süßen Kleinen in den Armen hielt. Also wurde ich bezüglich der Zeit und auch der Schmerzen positiv überrascht. 

Im Nachhinein denke ich, es war gar nicht schlecht, dass ich mich auf eine anstrengende, lange Geburt vorbereitet hatte, so konnte ich ja nur positiv überrascht werden! Und es wurde mir auch niemals gesagt, dass es schwer und schmerzhaft sein wird, nur dass es so sein könnte. Das hat mir immer die Hoffnung gelassen, dass es für mich nicht so sein muss. Eher negativ überrascht wurde ich nach der Geburt.

Inwieweit wurdest du nach der Geburt negativ überrascht?

Noahs Fruchtblase war nicht geplatzt, bevor ich anfing zu pressen. Als ich also drückte und er rauskam, wurde er durch das Springen der Fruchtblase noch beschleunigt. Er kam also echt herausgeschossen und dabei bin ich sehr gerissen. Äußerlich, aber innerlich noch viel mehr. Meine Hebamme hat mich eine halbe Stunde später, als ich im Bett lag mit meinem Baby auf der Brust, genäht. Aber ich habe das Gefühl, dass sie nur die äußere Haut genäht hat.

Ich weiß auch gar nicht, ob man den Muskel hätte reparieren können in dieser Situation… Damals hatte ich lange Schmerzen, bis die Wunden geheilt waren. Auch heute habe ich immer noch Probleme mit meinem Muskel, der nie richtig zusammengwachsen ist. Ich habe Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und auch wenn ich mal zu viel getragen habe oder beim Benutzen von Tampons. 

Wenn ich Fotos sehe von Noahs Geburt und die vergleiche mit anderen Wassergeburten (die online gezeigt werden), gibt es einen großen Unterschied. Ich sizte in einer Badewanne voll Blut. Damals dachte ich, dass das normal sei. Heute denke ich, dass ich echt viel Blut verloren hatte von diesen Verletzungen.

Ich habe mir damals gewünscht, dass meine Hebamme mich etwas verlangsamt hätte, aber sie war diejenige, die mir das Gefühl gab, dass ich schnell machen müsse. Sie hatte Noahs Puls gemessen, bevor ich anfing, zu pressen und ohne mir wirklich was zu sagen. Ich hatte das Gefühl, dass sie den Helferinnen mitteilte, dass er schnellstens raussollte. Ich nahm an, dass sein Puls zu tief war und nur der Gedanke, dass mein Kind nicht okay sein könnte, gab mir diese Kraft so doll zu pressen, wie ich konnte — bis mir schwindelig wurde.

Glücklicherweise ging es Noah gut, als er da war. Das war in dem Moment die Hauptsache. Im Nachhinein wundere ich mich manchmal, ob das nicht auch für ihn ein bisschen schnell ging. Wissen werde ich es nie, ob er auch okay gewesen wäre, wenn ich langsam gemacht hätte.

Es wird schon so gut gewesen sein, wie es war.

Das heißt, du hättest dir mehr Aufklärung von den Hebammen gewünscht, in dem Moment?

Ja, in dem Moment hätte ich mir ein bisschen mehr Führung und Aufklärung gewünscht. Sie und ihre 2 Helferinnen haben uns eigentlich die ganze Zeit in Ruhe gelassen. Die Helferinnen waren nur für die paar Minuten der Geburt anwesend und die Hebamme selber hat nur zwischendurch mal geguckt, wie es uns ging…

Das war auch ganz gut so, aber in dem Moment fühlte ich Stress von ihr und da hätten wir wohl vorher besser drüber reden sollen, wieviel ich informiert werden wollte, wenn etwas Unvorhergesehenes passieren würde… Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass ich als mein heutiges Ich selber gefragt und Klarheit gefordert hätte, auch mitten in einer Geburt. Damals war ich noch nicht soweit.

Warst du dann danach wegen deiner Verletzungen noch mal bei einem*r Ärzt*in?

Ich hatte ungefähr 10 Monate nach der Geburt ein Gespräch mit meinem Frauenarzt, weil ich beim Sex (immer noch) Schmerzen hatte und der meinte, dass ich eine ‚reconstruction surgery‘ machen lassen könnte. Dabei würden die Teile, die nicht richtig zusammengewachsen waren, wieder aufgeschnitten oder angeschnitten und dann richtig zusammengenäht. (Ich stelle mir das so vor wie beim Töpfern, wenn man den Ton an den Seiten anrauen muss, bevor man 2 Teile zusammensetzt, da es sonst nicht halten würde.)

Er meinte aber, dass das wenig Sinn ergebe, wenn ich noch ein Kind haben wollte, weil es dann ja alles wieder reißen könnte. Also entschied ich mich für die zweite Möglichkeit: Physiotherapie. Das Ziel war es, bestimmte Gegenden um die Narben und den Muskel so zu stimulieren und zu massieren, dass sie sich entspannten oder so. Ich weiß das gar nicht mehr so richtig.

Es war auf jeden Fall eine etwas seltsame Erfahrung. Diese Therapeutin fand dann heraus, dass meine Nerven so geschädigt waren, dass ich sogar Schmerzen an anderen Stellen fühlte, als die sie berührte. Naja, es half irgendwie schon ein bisschen, was sie da tat.  Aber nach zwei Monaten Behandlung war ich wieder schwanger und damit wurde die Behandlung abgebrochen.

Und trotz dieser Erfahrung hast du dich für eine zweite Hausgeburt entschieden?

Ja, trotz dieser Erfahrung eine zweite Hausgeburt, weil ich ja nun schon so ‚offen‘ war, dadurch, dass das nicht zusammengewachsen war. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass da noch irgendwas mehr reißen könnte, ehrlich gesagt. Und wenn es wieder passieren würde, dachte ich mir, würde ich danach zu dem Spezialisten gehen, der alles rekonstruieren würde. Ich bin da wirklich mit dem Mindset reingegangen, dass es schlimmer nicht werden könnte. 

Und war’s auch nicht! Ich bin überhaupt nicht gerissen bei Niki. Kein Stück. Dadurch erholte ich mich natürlich total schnell nach Niki. Da wurde mir erst einmal bewusst, was da eigentlich bei Noah passiert war und ich verstand auch, warum andere, besonders auch mein Mann, nicht verstanden hatten, dass ich nach Noahs Geburt noch so lange Schmerzen hatte und nicht lange Laufen konnte, nicht schwer tragen konnte…

In dem Moment habe ich mir dann endlich zugestanden, dass da echt was schief gelaufen war bei Noah und dass ich nicht die Dumme war, die irgendwie fantasierte.

Wie genau lief Nikis Geburt denn ab?

Es war Mittwoch Abend. Ich war mit Noah bei unserer Musikklasse, die wir jeden Mittwoch Abend, eigentlich mit meinem Mann Greg zusammen, besuchten. Die 3 Musiker spielten coole Songs, die auch die Erwachsenen gut fanden, und mischten es mit Spielchen für die 6 Monate – 5 Jährigen und lehrten dabei noch musikalische Prinzipien.

Noah war 21 Monate alt und mochte lieber mit mir tanzen als mit den anderen Kids, also machte ich das und tanzte mit ihm durch den Raum. Ich war genau 39 Wochen schwanger an dem Tag. Mein Mann hatte ein wichtiges Businessabendessen mit seinem Boss und dem Inhaber der Firma, der mit ein paar anderen Leuten aus der Schweiz angereist war. Normalerweise fand dieses Budget-Meeting, das dann einen Tag später anstand, jedes Jahr in Kalifornien statt, aber mit Berücksichtigung auf meine Schwangerschaft hatten sie es in das Ostküstenbüro verlegt.

Als Noah und ich die Musikstunde um 19 Uhr verließen, meinte einer der anderen Väter zu mir, „Bis nächste Woche!“ Und ich antwortete nur: „Ich werde nächste Woche nicht hier sein, bis dahin wird das Baby geboren sein!“
Wir gingen noch Tacos essen und waren dann gegen 20 Uhr zuhause. Ich brachte Noah ins Bett und legte mich selbst hin. Greg kam gegen 22:30 Uhr nach Hause und fiel, etwas angetrunken, ins Bett. Morgen war sein großer Tag. Er hatte sich gut vorbereitet für seine Präsentation. Wir hatten immer gesagt, dass Niki nach diesem Termin jederzeit kommen könnte, wenn er nicht schon vorher geboren war.

Mein Bruder sollte an dem Nachmittag auch aus Deutschland angeflogen kommen, um eine Hilfe mit Noah zu sein, wenn es soweit war.

Ich wachte auf, als Greg ins Bett kam. Er schlief sofort ein und ich konnte nicht richtig einschlafen. Um Mitternacht war ich dann wach und hatte Krämpfe, ich dachte noch nicht richtig an Wehen, es fühlte sich einfach unangenehm an…

Ich döste vor mich hin und fing dann an, auf die Uhr zu gucken. Um 1 Uhr hatte ich Wehen, die 3 Minuten auseinander und sehr regelmäßig waren. Ich konnte noch liegen, aber es war mir nun klar, dass Niki diese Nacht zu uns kommen würde. Ich weckte Greg auf mit den Worten: „Der wartet nicht auf dein Meeting!“ Obwohl Greg aus dem totalen Tiefschlaf kam, war er sofort hellwach.

Bei Noah hatte ich bestimmt 2-3 Stunden immer wieder auf dem Klo verbracht und mein Darm hatte sich mit jeder Wehe entleert… Also dachte ich, dass das bei Niki auch so sein würde. Solange das nicht passierte, dachte ich, dass es noch dauern würde. Um 2 Uhr mochte ich nicht mehr liegen. Ich stand an einer hohen Kommode und wog meine Hüften während der Wehen hin und her. Greg schrieb unserer Hebamme eine Nachricht. Sie antwortete nicht. Eine halbe Stunde später rief er sie an und sie meinte, dass sie in 50-60 Minuten da wäre. Es waren vier Hebammen, die sich abwechselten, und eine hatte immer Dienst und würde dann eine zweite anrufen, wenn es näher zur Geburt kam.

Natürlich hatte die Hebamme Dienst, die am weitesten von uns weg wohnte… Zwischendurch war Noah aufgewacht, wie jede Nacht, aber da ich mich nicht mit ihm hinlegen konnte, kam er in unser Bett und guckte einen Mozart Musik Cartoon. Wir machten alles bereit für Niki, wie Pads und extra Bettlaken aufs Bett ziehen, und hatten nicht wirklich Zeit für Noah. Der saß total zufrieden und putzmunter in unserem Bett und guckte sein Video, während ich neben dem Fernseher mein Hüftwiegen vollzog.

Die Hebamme kam kurz nach halb 4 an und wärmte sich und ihre Geräte kurz auf, die sie im kalten Auto aufbewahrte. Es war Ende November…

Sie bat mich, mich aufs Bett zu legen, um Nikis Herzschlag zu hören. Liegen war sooo unbequem, dass ich das gar nicht wollte, aber ich wollte nun auch wissen, dass es Niki gut ging, also legte ich mit kurz auf die Seite ins Bett, auf die vorbereiteten Pads. Ich lag, sie hörte. Eine schmerzhafte Wehe ereilte mich und ich jammerte wohl etwas. Ich wollte einfach nur wieder auf meine Beine, war aber in diesem Moment wie gelähmt, als diese Wehe durch meinen ganzen Körper ging.

Michelle, die Hebamme, meinte nur, ich sei okay. In diesem Moment brach mein Fruchtwasser heraus und es fühlte sich an, als überschwemmte ich das ganze Bett. Ich dachte in mir, oh scheiße, so fühlt es sich also an, wenn die Blase platzt und gleich darauf ereilte mich wieder eine Wehe, noch stärker als die davor. Ich fühlte mich als müsse ich nun endlich kacken und dachte, naja, kack drauf, das Bett ist eh schon überschwemmt, dann macht Kacke nun auch nichts mehr aus. Ich drückte ein bisschen.

Little did I know, es war kein Stuhlgang, sondern Nikis Kopf, den ich da auskackte und Greg war derjenige, der auf einmal zur Hebamme meinte, zieh mal ihre Boxershorts runter. Er war dabei, mit einem Wasserschlauch den aufblasbaren Geburtspool zu befüllen. Dann ging’s super schnell. Ich drehte mich auf den Rücken und drückte Niki, diesmal so langsam ich konnte, mit der nächsten Wehe raus und Michelle legte ihn mir gleich auf die Brust.

Noah fand das gar nicht lustig, er fing an hysterisch zu brüllen. Greg nahm ihn auf den Arm und wollte ihn beruhigen, aber das war nicht leicht. Greg wollte nun auch bei mir und dem Baby sein, aber Noah wollte nur möglichst weit weg von uns sein. Als die Nabelschnur nicht mehr pulsierte, wollte Greg sie zerschneiden, aber das ging nicht mit Noah im Arm. Es dauerte also etwas und Michelle war anzusehen, dass sie etwas verwirrt war und nicht so recht wusste, was zu tun war. Es war alles so schnell gegangen, dass sie der anderen Hebamme nie Bescheid gegeben hatte, zu kommen… Also schrieb sie ihr, dass es nicht mehr nötig war. Sie selbst war erst 20-25 Minuten bei uns als Niki geboren wurde. Wir hatten sie also gerade noch rechtzeitig aufgeweckt. Greg schrieb seinem Boss eine SMS, um zu sagen, dass er nicht zum Meeting kommen würde.

Mein Bruder stieg ins Flugzeug zum gleichen Zeitpunkt als Niki geboren war. Ihn erreichte die Nachricht über die Geburt bei Zwischenlandung in Paris. Noah beruhigte sich irgendwann soweit, dass Greg mit ihm im Arm die Nabelschnur durchschneiden konnte. Es waren kommende schwierige Tage für ihn, weil er mir und Niki nicht nahe sein wollte.

Mir ging es super am folgenden Tag. Ich hatte zwar ziemlich starke Nachwehen, aber dafür nahm ich Schmerztabletten und Kräutertinkturen. Ich war kein bisschen gerissen, was das zum Klogehen viel angenehmer machte als nach Noahs Geburt. Greg holte meinen Bruder am Nachmittag aus Boston ab, was 75 Minuten entfernt war. Mir ging es so gut und ich war so fit, dass ich kein Problem damit hatte ein paar Stunden alleine zu sein mit Niki. Niki hatte auch das Stillen sofort raus. Es war total verrückt an meiner Brust zu fühlen, wie stark er saugte. Das war mit Noah damals viel schwieriger gewesen, was ich ja nicht wusste ohne Vergleich.

Abends bekam Greg dann die Nachricht, dass das Meeting auf Freitag verschoben wurde und es von ihm erwartet wurde, seine Präsentation zu halten. Mit meinem Bruder als Hilfe für Noah war es ok, dass er 3 Stunden zur Arbeit ging und dann eine Woche bei uns blieb.

Wie alt war Noah zur Geburt von Niki? Was meinst du, was genau hat ihn so geschockt? Und habt ihr seitdem mal drüber gesprochen?

Noah war damals 21.5 Monate alt. Ich glaube, dass er es einfach nicht verstand, was da genau passierte. Ich habe zwar mit ihm Bilderbücher vorher gelesen und ihm erklärt, wie Niki aus meinem Bauch auf die Welt kommen würde, aber in dem Moment konnte ihn da leider keiner durch begleiteten.

Ich war so in mir, auf mich und Baby konzentiert und Greg damit beschäftigt das Wasser einzufüllen, dass er überhaupt nicht wusste, was passiert und allein gelassen wurde mit seinen Gefühlen.  Und zusätzlich ist so ein Neugeborenes ja auch ganz schön creepy anzusehen, im ersten Moment. Mir fällt gerade kein passendes deutsches Wort ein.

Hätte Niki eine Stunde gewartet, wäre alles viel behutsamer für Noah gelaufen. Ich hatte dieses Bild davon im Kopf, wie er und Greg neben dem Pool sitzen würden und zusammen die Geburt von Niki erleben würden. Aber so ist es nun mal nicht gelaufen. Ich habe Noah schon oft drauf angesprochen und ihm erzählt, wie es war. Er meint, dass er sich nicht erinnern kann. 

Und wie haben die Geburten deiner Kinder euer Leben als Familie beeinflusst? Privat und beruflich?

Hausgeburten waren auf jeden Fall die richtige Entscheidung für mich als Gebärende und uns als Paar. Wir waren uns sicher, dass wir keine von diesen im Krankenhaus üblichen Prozeduren wollten und unsere Kinder in unsere häusliche Atmosphäre gebären wollten.

Mein Mann hatte mit seiner Ex-Frau schon zwei Kinder und sie wurden beide im Krankenhaus unter PDA geboren. Es war erst nicht einfach für ihn, sich vorzustellen, dass es auch anders und viel natürlicher gehen könnte. Ich bin ihm sehr dankbar dafür, dass er da offen sein konnte und verstand, dass es für mich das Richtige war.

Ich habe seit den Geburten ein anderes Gefühl für meinen Körper. Es ist doch Wahnsinn, wozu unsere weiblichen Körper im Stande sind. Wir sind dafür gemacht, Leben in uns anwachsen zu lassen und es dann weiter zu versorgen durchs Stillen.

Unsere Brüste und unsere Muttermilch sind immer noch Wunder für mich. Ich bin stolz darauf, dass ich meinen Kindern den, aus meiner Meinung nach, besten Start ins Leben verwirklichen konnte und das alles durch mein Vertrauen in meinen Körper, ohne Angst, dass etwas schief gehen könnte und wir ein Krankenhaus brauchen würden. (Wir wären natürlich ins Krankenhaus übergewechselt, wenn etwas nicht gut gelaufen wäre, aber mein Gefühl war einfach, dass alles passt.)

Für mich sind die Geburten ein Beispiel dafür, dass ich als Mama meiner Intuition folgen darf, wenn es um meine Kinder geht, aber auch darum, andere Entscheidungen im Leben — und besonders auch für mich selbst — zu treffen.

Ich konnte mich in den letzten Jahren immer mehr von gesellschaftlichen Normen trennen, die sich einfach für mich nicht rund anfühlten und anfühlen. Ganz oft geht es für mich um die Frage, was der natürlichste Weg ist und meist ist das der Weg, der mit meinen Werten konform ist. Ich lebe also nun ein Leben nach meinen Werten, immer motiviert und inspiriert durch meine Kinder.

Ich komme nochmal auf das Thema Geburt zurück. Ganz wichtig ist für mich nämlich, dass bei einer Geburt natürlich nicht nur der Körper der Mutter eine Rolle spielt, sondern natürlich auch das Kind. Es ist ein Zusammenspiel der beiden, das die Geburt ausmacht. Und genau diese Verbindung zwischen Mutter und Kind beschäftigt mich sehr.

Ich habe jetzt ein ganz anderes Bild von Kindern als ich noch vor 10 Jahren hatte. Für mich sind Kinder ganze Menschen. Sie wissen schon im Mutterleib, was für sie gut ist, wann sie bereit sind auf die Welt zu kommen und vieles mehr. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt und erlebe immer wieder, wie Mutter und Kind miteinander kommunizieren (mehr oder weniger erfolgreich…) und verstehe nun, dass Kinder nicht geformt und trainiert werden müssen, um ‘gute’ Erwachsene zu werden. Sie sind genau perfekt, so wie sie sind. Sie sind nicht unser Eigentum, sondern frei und wir dürfen so dankbar dafür sein, dass wir sie begleiten dürfen in ihrem Leben, bis sie uns nicht mehr brauchen und auf eigenen Füßen stehen.

Meine Kinder sind meine Gurus. Durch sie darf ich mich immer wieder neu kennenlernen und werde ständig daran erinnert, wo ich noch an mir arbeiten darf. Unsere Vergangenheiten müssen nicht unsere Gegenwart diktieren. Wir dürfen uns von allem lösen, was uns nicht mehr dient und genau dann werden wir richtig glücklich sein. Wir werden unsere Kinder so pur sehen, wie sie sind und ihnen ermöglichen, ein freies Leben zu führen, ohne dass wir unseren eigenen Ballast auf ihnen abladen.

Und genau dabei helfe ich anderen Müttern. Seit ca. 2 Jahren bin ich Mom Coach. Ich weiß aus meiner Erfahrung, wie viel uns von unseren Eltern und auch Generationen davor mitgegeben wurde, was uns davon abhält, wir selbst zu sein.

Unsere Kinder brauchen aber unser ganz authentisches Selbst. Sie werden uns solange spiegeln, was bei uns los ist, bis wir nicht mehr anders können, als uns unserer Vergangenheit zu stellen. Wenn wir dies nicht tun, machen wir unsere Kinder schuldig und schieben ihnen Verantwortungen zu, die wir eigentlich selbst tragen sollten. 

Meist kommen wir erst ins Umdenken, wenn sich unsere Kinder ‘bedenklich’ verhalten… die Frage ist, was ist hier eigentlich los? Was ist eigentlich meins und was gehört wirklich zum Kind?

Ich liebe meine Arbeit. Es ist so schön zuzusehen, wie Mütter in ihre eigene Stärke treten, wieder sie selbst sind, frei und offen und ihre Kinder wirklich sehen können ohne irgendwelche Filter, die ihnen auferlegt wurden. Genau das ermöglicht den Kindern dann, auch sie selbst zu sein und nicht mehr um die Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern kämpfen zu müssen. Die Verbindung zwischen Müttern und ihren Kindern sind so wichtig. Ich kann es gar nicht oft genug erwähnen 🙂

Und wirklich jede Frau kann sich von ihren Mustern und Blockaden befreien, die meist schon in der Kindheit geformt wurden. Es ist ein Prozess und passiert meist nicht von heut auf morgen, aber es lohnt sich wirklich sehr in Begleitung zu wachsen. Keiner muss da alleine durch und dafür bin ich hier.

Annika Hayman mit ihren Söhnen Noah und Niki. Copyright Annika Hayman.

Welche Empfehlung hast du für Frauen, die demnächst ein Kind zur Welt bringen?

Liebe zukünftige Mama, 

ich habe ja schon erwähnt, wie wichtig die Verbindung zwischen Mama und Kind ist. Da gibt es viele Forschungsberichte, wie sich Synapsen im kindlichen Gehirn verbinden, wenn Kinder eine stabile Bindung erfahren in jungen Jahren und wie sich das auf ihr ganzes Leben auswirkt. Natürlich gibt es auch die negativen Berichte darüber, welche Probleme Menschen haben, die keine stabile Bindung zu einer Person in ihren formativen Jahren hatten.

Kinder haben Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen, um mental und körperlich gesund aufwachsen zu können. Jedes Kind, jeder Mensch, will sich gesehen fühlen. Jeder braucht Sicherheit, um sich geschützt zu fühlen. Ein Kind kann sich nur sicher fühlen, wenn jemand versteht, welche Bedürfnisse erfüllt werden müssen und dies auch tut. Andernfalls fühlt sich ein Baby in Lebensgefahr. Diese Verbindung zur Mutter (die normalerweise die erste Bezugsperson ist) fängt schon im Mutterleib an. Das winzige Wesen kriegt alles mit, was in der Mama vorgeht, fühlt alle Gefühle mit und versucht einen Sinn daraus zu machen….

Also empfehle ich, die Zeit der Schwangerschaft schon zu nutzen, dein Baby zu fühlen, zu kommunizieren und ihm das Gefühl von Liebe und Sicherheit zu vermitteln.

Je besser ihr euch schon ‘kennt’, desto besser könnt ihr bei der Geburt aufeinander eingehen. Vertraue dem Prozess, deinem Körper und deinem Kind, dass ihr das zusammen schafft, dein Baby gesund auf diese Welt zu bringen.
Des Weiteren ist es so wichtig, dass du den Geburtsvorgang genau verstehst. Es sollte da keine Überraschungen geben, die dich unsicher machen.

So eine Geburt steht in deiner Power, wenn du deinen Körper kennst und wenn du weisst, was bei einer Geburt passieren wird. Nur so musst du dich nicht ‘blind’ auf Ärzte oder sonstige Menschen verlassen, sondern bleibst bei dir und in deiner Macht.

Lerne dich kennen und übe mit deinem Partner oder anderen Personen, die bei der Geburt bei dir sein werden, was du brauchst, um dich wirklich öffnen zu können für dein Baby. Verkrampfung und Ungewissheit bringen dir Schmerzen. Übe, dich auch in ‘harten’ Situationen zu entspannen. 

Magst du angefasst werden oder lieber ganz alleine sein? Magst du Massagen? Magst du Musik oder lieber Ruhe? Es gibt so viele Moeglichkeiten sind vorzubereiten auf eine Geburt. Ich habe damals Eiswürfel in den Händen gehalten um Schmerzen zu simulieren und mein Mann und ich haben ausprobiert, wie ich mich trotzdem entspannen konnte…

Es machte total Spaß, mich zu erleben und mich mit meinem Mann näher zu verbinden, denn es ist toll, wenn man während der Geburt nicht zu viel reden muss und sehr gut aufeinander eingespielt ist.

Wenn du und dein Partner herausfinden, dass er nicht in der Lage ist, dir diese Sicherheit zu geben, findet eine andere Person, die es übernehmen kann. Doulas sind z.B. genau dafür da, Mamas zu begleiten.

Kinder sind Wunder und ich würde mir wünschen, dass Eltern auf dieser Welt sie auch als solche behandeln und nicht als ein Eigentum, das man so behandelt wie man will. Und gleichermaßen bist auch du ein Wunder, denn du wurdest als Kind geboren. Behandle dich mit ganz viel Respekt und Selbstliebe, denn nur so wirst du dein Kind mit vollem Herzen lieben können.

Ich wünsche dir eine wundervolle Geburt und magische Wochen des Kennenlernens mit deinem Kind. Ich wünsche dir, dass du dein Kind so sehen und behandeln kannst, wie es für sie/ihn richtig ist und du keine Erwartungen stellst, die nicht ohne Verbiegen erfüllbar sind.

Ganz viel Spaß beim Wachsen, zusammen mit deinem Wunder.

Wenn du, nachdem du all dies gelesen hast, fühlst, dass du gerne ein Stück auf deinem Weg begleitet werden magst, melde dich gerne bei mir und wir finden heraus, wie ich dir helfen kann.

Ganz viel Liebe, Annika Hayman

So erreichst du Annika Hayman

Mehr über ihre Arbeit (auf englisch) erfährst du auf ihrer Homepage und ihrem Blog:  https://annikahaymancoaching.com/ 

Außerdem kannst du sie über Facebook und Instagram erreichen oder ihr über Whatspp eine Nachricht schreiben. Nutze dafür diese Nummer: 001-(508)642-7444. (Es gelten die jeweiligen Datenschutzbestimmungen der anbietenden Firmen.)

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