Aufruf zur Studienteilnahme: Geburtserfahrungen & psychische Gesundheit

An der FU gehen Meike Blecker und Daria Dähn der Frage nach, wie sich die konkrete Geburtserfahrung auf die betroffenen Frauen auswirkt. Nun haben sie zu einer Studie aufgerufen, die ich im Folgenden vorstellen möchte. Und natürlich gilt: Falls du in die Zielgruppe fällst, freue ich mich, wenn du die Forschung mit deinen Erfahrungen unterstützt!

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Studie zu Geburtserfahrungen und psychischer Gesundheit: Worum geht es?

In der Studie werden aus psychologischer (nicht medizinischer) Sicht die Zusammenhänge zwischen Geburtserfahrung und der persönlichen Verfassung der Frauen im späten Wochenbett erhoben. Falls du jetzt schon weißt, dass du an der Studie teilnehmen willst: Hier ist der Link.

Was ist das Ziel?

Die Studie soll dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung von Frauen während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt zu verbessern. Dabei steht insbesondere die Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen im Fokus.

Außerdem wollen die Forscherinnen Daten erheben, mit deren Hilfe ermittelt werden kann, welche Faktoren eine schwierige Geburtserfahrung sowie eine psychische Belastung nach der Geburt vorhersagen.

Wer kann an der Studie teilnehmen?

Die Studie richtet sich an alle Frauen, die 8 bis 10 Wochen vor Studienteilnahme ein oder mehrere Kinder geboren haben. Bisher haben schon über 500 Frauen teilgenommen. Wie immer gilt bei solchen Studien aber: Je mehr Frauen mitmachen, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse.

Ich kann mir vorstellen, dass gerade die Teilnahme von Frauen, die sich nicht als „weiß“ identifizieren, sehr hilfreich ist, um in jeder ethnischen Gruppe genügend Datensätze für eine statistische Relevanz zu generieren.

Wie ist der Fragebogen aufgebaut?

Zunächst werden die typischen sozio-ökonomischen Daten erhoben: Dein Alter, dein Ausbildungsstand, wie viele Kinder du hast, wie hoch euer Haushaltseinkommen ist.

Überrascht haben mich die Fragen zur sexuellen Orientierung, zur Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe und zur Diskriminierung.

Danach geht es dann um die psychologische Verfassung vor und während der letzten Schwangerschaft sowie seit der Geburt des Kindes.

Auf diese Fragen folgen noch ein paar Angaben zum Kind: Wann wurde es geboren, in welcher Schwangerschaftswoche, war es eine Mehrlingsgeburt, wie kam das Kind zur Welt, wie lange dauerte die Geburt? Und wie schätzt die Studienteilnehmerin die Geburt insgesamt ein?

Gesondert wird dann nach schwerwiegenden Komplikationen gefragt. Diese werden auch konkretisiert: „Mit schwerwiegenden Komplikationen meinen wir zum Beispiel schwerwiegende Blutungen, Auffälligkeiten der Herztöne des Kindes, vorzeitige Ablösung der Plazenta.“

Danach geht es um die Erfahrung während „Hotspots“, also besonders schwierigen Momenten während der Geburt und im folgenden dann darum, wie sich die Studienteilnehmerinnen jetzt fühlen. Dabei gibt es sowohl die Möglichkeit, körperliche Symptome wie zum Beispiel Träume oder Konzentrationsprobleme anzugeben wie auch psychische Symptome wie zum Beispiel Entfremdungsgefühle.

Im Anschluss geht es darum, wie sehr diese Symptome Einfluss haben auf das tägliche Leben, zum Beispiel in Bezug auf Appetit, Schlafprobleme oder Niedergeschlagenheit.

Die nächsten beiden Seiten beschäftigen sich mit der Beziehung zum Baby und die Mutterrolle sowie mit der Frage, welche Unterstützung die Studienteilnehmerin gerade erhält.

Spannenderweise geht es danach um die eigenen Kindheits- und Jugenderfahrungen, zum Beispiel um Hunger, Zuschreibung von negativen Eigenschaften, familiäre Gewalt, Liebe.

Und der Fragebogen endet mit einer Auflistung von Hilfsangeboten, falls die Beantwortung negative Gefühle geweckt hat (dazu unten mehr).

Wie lange dauert die Teilnahme?

Rechne für die Teilnahme 20 Minuten. Falls dein Baby unterbricht, kannst du die Beantwortung auch unterbrechen (puh!).

Du willst an der Studie teilnehmen? Hier geht es zur Umfrage.

Was passiert, wenn die Teilnahme psychisch belastend ist?

Meike Blecker sagte mir auf meine Frage zu möglichen Belastungen:

Am Ende der Umfrage stellen wir Hilfsangebote und Anlaufstellen zur Verfügung, z.B. die Telefonseelsorge oder auch das Hilfetelefon schwierige Geburt von Motherhood e.V.

Forschung zum Beispiel zu Traumata zeigen aber, dass selbst traumatisierte Studienteilnehmerinnen eine Studienteilnahme in der Regel meistens eher als positiv als als belastend wahrnehmen. Unsere Erfahrung ist, dass Studienteilnehmerinnen häufig das Gefühl haben, durch das Teilen der eigenen Erfahrungen zu etwas Sinnvollem beizutragen. Tritt dennoch eine psychische Belastung nach Studienteilnahme auf, so ist diese meist vorübergehend.

Meike Blecker

Diese Argumentation finde ich durchaus einleuchtend. Ich glaube, problematisch ist es vielleicht eher für Frauen, die bisher ihre Geburtserfahrung als ziemlich okay eingestuft haben („das ist halt so“, hat mir dazu mal ein Herr gesagt) und erst durch die Fragen der Studie merken, dass das vielleicht doch nicht alles tippitoppi war.

Gerade für diese Frauen ist die Linkliste am Ende vermutlich Gold wert, weil sie so direkt aufgefangen werden.

Wie lange kannst du an der Studie teilnehmen?

Die Umfrage zur Studie läuft bis „circa Mitte Februar 2023“, sagte mir Meike Blecker. Lass dir also nicht zu viel Zeit und nimm teil.

Was passiert mit den Studienergebnissen?

Meike Blecker antwortete mir auf meine Frage:

Die Studienergebnisse werden in Form von Artikeln in Fachzeitschriften veröffentlich werden. Eine Aufbereitung für die Öffentlichkeit ist via Social Media (Instagram) geplant.

Meike Blecker, Initiatorin der Studie zu Geburtserfahrungen und psychologischen Auswirkungen

Na, und zusätzlich wäre es doch toll, wenn wir eine populärwissenschaftliche Zusammenfassung auch hier auf dem Blog veröffentlichen könnten 😉

Was ist der bisherige Forschungsstand?

Die Zeit von Schwangerschaft bis 1 Jahr nach der Geburt ist eine Phase erhöhter Vulnerabilität von Frauen in Bezug auf psychische Erkrankungen. Studien zeigen, dass circa eine von fünf Frauen an einer postpartalen Depression erkrankt (diese unterscheidet sich von den sogenannten Baby Blues, die nach einigen Tagen von selber verschwinden).

In Bezug auf Geburtserfahrungen wissen wir, dass die subjektive Geburtserfahrung ein guter Prädiktor dafür ist, ob Frauen nach der Geburt posttraumatische Belastungssymptome entwickeln. Ebenso sagen psychische Erkrankungen, die vor der Schwangerschaft bestanden, vorher, ob und wie sehr eine Frau nach der Geburt psychische belastet ist.

Es gibt jedoch bislang zu wenig Forschung dazu, welche Geburtserfahrungen genau als besonders belastend erlebt werden und das Risiko für eine psychische Belastung nach der Geburt erhöhen. Außerdem fehlt Forschung dazu, was während der Geburt Schutzfaktoren sind. Diese können die Wahrscheinlichkeit verringern, dass es nach der Geburt zu einer psychischen Belastung kommt.

Meike Blecker

Meike hat auch angeboten, dass ihr euch bei Interesse an den wissenschaftlichen Hintergründen (oder auch bei anderen Fragen) gerne per Mail an sie wenden könnt.

Gibt es eine persönliche Motivation zu dem Forschungsthema?

Hinter Forschung stecken Menschen. Und die haben ihre eigenen Geschichten und Erlebnisse. Deshalb habe ich Meike und Daria auch gefragt, warum gerade dieses Thema für die beiden so interessant ist.

Meike Blecker, Foto: Michel Buchmann Photography

Allgemein wollen wir die Gesundheitsversorgung von Frauen zu verbessern und Frauen (-gesundheit) sichtbarer machen. Noch immer wird viel (medizinische) Forschung ausschließlich an Männern durchgeführt. Das Phänomen hat sogar einen eigenen Namen: Gender Data Gap.

Wir wollen die Notwendigkeit von psychologischen Aspekten in der Geburtshilfe aufzeigen und einen entsprechenden Handlungsbedarf formulieren.

Meike Blecker

Persönlich kommt dazu, dass Daria bereits seit mehreren Jahren im Projekt SmartMoms zu postpartaler Depression arbeitet und entsprechend liegt es ihr am Herzen, diesbezüglich aufzuklären sowie Präventions- und Behandlungsangebote zu optimieren.

Daria Dähn, Foto: Privat

Meike hat ihrerseits bereits viele tolle Geburtsgeschichten von Freundinnen gehört. Dabei ist die Frage entstanden, was es aus psychologischer Sicht braucht, damit Geburtserfahrungen retrospektiv als positiv empfunden werden (und ebenso, welche Faktoren entscheidend dazu beitragen, dass eine psychische Belastung nach der Geburt entsteht).

Wer steckt hinter der Studie?

Daria Dähn, M.Sc. Psychologie und Psychotherapeutin i.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Klinische Psychologie & Psychotherapie der FU Berlin im Projekt SmartMoms  

Meike Blecker, M.Sc. Psychologie, Doktorandin & wissenschaftliche Mitarbeiterin Klinisch-Psychologische Intervention, Projekt „ELSA“ zu ungewollten Schwangerschaften

Wo gibt es mehr Infos?

Am einfachsten findest du die Initiatorinnen auf Instagram: GeburtsGeschichten (@geburtsgeschichtenstudie) • Instagram-Fotos und -Videos

Und teilnehmen kannst du hier: https://ww3.unipark.de/uc/GeburtsGeschichten/

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