Medizinische Voraussetzungen für eine Hausgeburt

In Deutschland gilt prinzipiell die freie Wahl des Geburtsortes. Praktisch wird diese aber eingeschränkt: Wenn du nicht allein gebären willst, sondern in Zusammenarbeit mit einer Hebamme, dann darf diese Hebamme dich nur unter bestimmten Voraussetzungen bei einer Hausgeburt begleiten bzw. wird dir, selbst wenn es rechtlich möglich wäre, von einer Hausgeburt abraten.
Diese medizinischen Voraussetzungen für eine Hausgeburt sind:

  • Deine Schwangerschaft verläuft unkompliziert: Du wirst nicht als Risikoschwangere eingestuft, hast keine nennenswerten Beschwerden, fühlst dich eigentlich gut.
  • Du bekommst nur ein Kind. Mehrlingsschwangerschaften werden häufig als Risikoschwangerschaften klassifiziert. In Deutschland ist es sogar relativ üblich, dass Mehrlinge durch einen Kaiserschnitt geboren werden. Auch bei Zwillingsgeburten raten die meisten Ärzt*innen zu einer Geburt im Krankenhaus, wo im Notfall sowohl die chirurgische als auch kindermedizinische Betreuung gewährleistet ist.
  • Deine Plazenta sitzt an der richtigen Stelle: Manchmal kommt es vor, dass die Plazenta am Gebärmuttermund sitzt und somit dem Kind den Weg in den Geburtskanal versperrt. In diesem Fall raten die Ärtz*innen meistens zu einem Kaiserschnitt.
  • Du hast keine Vorerkrankungen, die eine schnelle medikamentöse Behandlung erfordern, wie zum Beispiel Diabetes.
  • Dein Kind hat keine Erkrankungen: Manchmal können Ärzt*innen bereits vor der Geburt gewisse Erkrankungen des Kindes feststellen. Ist dein Kind an einer solchen Krankheit erkrankt und sollte es deshalb direkt nach der Geburt behandelt werden, ist eine Hausgeburt unter Umständen die falsche Lösung für dich.
  • Du fällst in keine Risikogruppe: Dieses Kriterium ist eher „weich“: Bist du eine Risikoschwangere, weil du früher mal geraucht hast? Hast du ein erhöhtes Risiko, weil du kurz vor deinem 40. Geburtstag stehst? Hattest du vor zehn Jahren mal eine Fehlgeburt, danach aber zwei gesunde Kinder zur Welt gebracht? Die Einschätzung liegt beim medizinischen Personal — und nicht zuletzt bei dir! Wie fühlst du dich, was tut dir gut?

 

Es kann passieren, dass du dich auf eine Hausgeburt vorbereitest, du aber dann kurzfristige Entwicklungen berücksichtigen musst:

  • Du hast sehr frühe Wehen: Eine Hausgeburt ist ab der 36. Schwangerschaftswoche möglich — also genau dann, wenn dein Säugling nicht mehr als Frühgeburt gilt. Hast du vor diesem Zeitpunkt starke Wehen, solltest du dein Kind lieber nicht zu Hause zur Welt bringen, denn statistisch gesehen ist die Chance zu groß, dass es nach der Geburt medizinische Hilfe benötigt.
  • Der Säugling liegt in Steißlage: Idealerweise murmelt sich dein ungeborenes Kind munter in deinem Bauch herum, bis es irgendwann zu groß dafür wird. Und dann sollte es, wiederum idealerweise, mit dem Kopf nach unten liegen. Manche Kinder sind da anderer Meinung und hocken lieber in „Steißlage“, also mit dem Popo als tiefstem Punkt, in der Gebärmutter. In diesem Fall gibt es verschiedene Möglichkeiten: Mit deiner Hebamme kannst du eine äußere Wendung versuchen (sie versucht also, durch Druck an der richtigen Stelle das Ungeborene umzudrehen), du kannst dich auf eine Geburt in Steißlage einlassen oder du kannst dir überlegen, einen Kaiserschnitt durchführen zu lassen. Oh, und natürlich kannst du auch einfach abwarten und hoffen, dass das Ungeborene sich von selber dreht (das wird aber unwahrscheinlicher, je größer es ist…). In jedem Fall bedeutet die Steißlage, dass das medizinische Personal dir davon abraten wird, dein Kind jenseits einer Klinik zur Welt zu bringen.
  • Dein Fruchtwasser ist grün: Grünes Fruchtwasser bedeutet, dass es deinem Kind nicht gut geht. Wenn du einen Blasensprung hast und das Fruchtwasser ist grün, fahr ins Krankenhaus.

 

Wie immer gilt auch hier: Deine Hebamme wird dich gerne beraten, ob sie dich bei einer Hausgeburt begleiten kann. Neben den medizinischen Voraussetzungen solltest du aber auch andere Aspekte bei deiner Entscheidung in Erwägung ziehen:

  • Logistik vor, nach und während der Geburt
  • Unterstützung durch Familie, Freund*innen oder eine Doula
  • Örtliche Gegebenheiten in der Wohnung und in der Nachbarschaft