Vor- und Nachteile einer ambulanten Geburt

Eine ambulante Geburt ist eine Geburt im Krankenhaus, nach der du mit deinem Kind wieder nach Hause gehst, anstatt auf die Wöchnerinnenstation verlegt zu werden.

Eine ambulante Geburt ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Wie alles im Leben, hat auch eine ambulante Geburt Vor- und Nachteile. Welche für dich persönlich mehr wiegen, kannst natürlich nur du entscheiden.

In diesem Beitrag habe ich Vor- und Nachteile gesammelt. Falls du diese Sammlung lieber in zwei kurzen Beiträgen lesen möchtest, klicke hier:

Vorteile einer ambulanten Geburt
Nachteile einer ambulanten Geburt

 

Vorteile einer ambulanten Geburt

  • du schläfst danach in einem Bett, das du kennst — in deiner Lieblingsbettwäsche, auf der gewohnten Matratze.
  • du hast alle Dinge, die du gerne um dich hast, schnell wieder um dich — ob Bücher, Filme oder Kleidung…
  • Besuch: Menschen benehmen sich häufig respektvoller, wenn sie in fremden Schlafzimmern sind, als in „unpersönlichen“ Räumen, wie einem Krankenhauszimmer. Wenn du also Menschen im Schlafzimmer empfängst, dann werden sich die Menschen hoffentlich mehr auf dein Wohlbefinden konzentrieren. Außerdem wirst du mit deinem Besuch nicht von unangekündigten Visiten des Krankenhauspersonals überrascht.
  • Du bist mit deine*r Partner*in zusammen, auch außerhalb der Besuchszeiten
  • Essenswünsche: Du bist nicht auf das Krankenhausmenü angewiesen. Stattdessen isst du das, worauf du gerade Lust hast: Entweder kochen andere für dich, oder du wärmst vorbereitete eingefrorene Gerichte auf, oder du bestellst bei der Essenseinrichtung deiner Wahl. (Wenn du stillst, sind bestimmte Lebensmittel für dich tabu. Sprich mit deiner Hebamme darüber. Jenseits dieser Lebensmittel verzichten manche Frauen auf bestimmte Inhaltsstoffe, um zum Beispiel Blähungen beim Baby vorzubeugen. Die Wissenschaft ist sich allerdings uneins, welchen Einfluss diese Lebensmittel wirklich haben).
  • Hebammentermine: Die Hebamme wird mit dir Termine machen, um dich zu Hause zu besuchen. Das ist großartig, denn sie kommt dann, wann sie sich angekündigt hat, und nicht einfach irgendwann zur Visite. Und ganz ehrlich:  Der Hebamme ist es auch egal, wie dein Haushalt aussieht
  • Garten / Balkon: Du kannst draußen sein, wenn du willst, ohne erst Kilometer durch das Krankenhausgebäudelabyrinth zu laufen…
  • Kinder: Ältere Geschwisterkinder gewöhnen sich von vornherein an das Neugeborene. Sie sind, wenn sie wollen, dabei, wenn du Besuch empfängst. Sie fühlen sich also nicht ausgeschlossen. (Das könnte passieren, wenn sie das Gefühl haben, dass alle zu Mama gehen und niemand zu ihnen.) Ältere Kinder können außerdem erleben, dass eine Geburt keine Krankheit ist — denn eigentlich ist das Krankenhaus ja für Kranke da. Je nach Alter können sie dich sogar unterstützen — Windeln zurechtlegen, das Neugeborene in der Wiege schaukeln, ihm etwas vorsingen… Allerdings: Du solltest dich nicht darauf verlassen, dass du alleine die gesamte Kinderbetreuung übernehmen kannst. Du bist für die Neugeborenenbetreuung zuständig; für die anderen Kinder solltest du eine zusätzliche Betreuung finden. Aber vor dieser Herausforderung stehst du wohl unabhängig davon, ob du zu Hause oder im Krankenhaus bist.
  • Tagesablauf: Frühstück gibt es dann, wenn du möchtest. Die Dusche ist frei, wenn du sie brauchst. Im Idealfall läuft zu Hause der Tag nach deinem „Termin-Plan“, nicht nach dem Schichtplan im Krankenhaus. (Hier werde ich den Artikel zu „Besuch nach der Geburt“) verlinken, sobald er fertig ist.
  • nette Menschen: wer nicht nett ist, kommt auch nicht rein. Im Krankenhaus hast du auf das Personal nur bedingt Einfluss…

Nachteile einer ambulanten Geburt

  • die U2, also die Vorsorgeuntersuchung, die zwischen dem 3. und 10. Lebenstag durchgeführt wird, ist im „Wöchnerinnen-Programm“ im Krankenhaus Standard. Wenn du aber dann schon nicht mehr im Krankenhaus bist, musst du dich um die U2 selber kümmern. Sprich: Ein*e niedergelassene*n Kinderärtz*in führt die Vorsorgeuntersuchung durch. Problematisch dabei ist, dass so junge Neugeborene kaum in den Praxen vorgestellt werden (normalerweise sind sie eben im Krankenhaus). Deshalb ist es wichtig, dass du dich vorher in der entsprechenden Praxis erkundigst, ob so junge Säuglinge angenommen werden und wie du den Termin legen kannst. Natürlich ist es schwierig, vor der Geburt bereits einen Termin zu vereinbaren, aber du kannst zumindest erfragen, ob es spezielle Zeiträume gibt, in denen nur gesunde Säuglinge in der Praxis sind (z.B. zu Impfterminen). Wenn das Kind dann geboren ist, solltest du anrufen und einen Termin für die Vorsorgeuntersuchung vereinbaren. Außerdem solltest du vorher eventuelle Ferienzeiten erfragen — wenn die Praxis um den Geburtstermin herum geschlossen ist, solltest du dich nach einer anderen Praxis umsehen. Manche Mediziner*innen und Arzthelfer*innen sind außerdem schlicht ungeübt mit so jungen Kindern und stellen sich unter Umständen nicht besonders geschickt mit ihnen an. Und schließlich könnte es sein, dass du (auch trotz Termin) noch warten musst. Für manche junge Familie ist auch das ziemlich anstrengend. Im Krankenhaus kannst du einfach warten, bis die U2 bei euch im Zimmer durchgeführt wird. Soll zusätzlich zur U2 noch das Neugeborenenblutscreening durchgeführt werden, ist der Zeitraum, in dem die Vorsorgeuntersuchung durchgeführt wird, noch geringer. (Manche Hebammen bieten an, das Blut für das Screening auch abzunehmen. Falls das für dich einfacher ist, frag also deine Hebamme im Vorhinein bereits, ob sie die Blutprobe nehmen kann.)
  • Manchmal muss der Neugeborenen-Hörtest wiederholt werden. Falls das nötig ist, muss dafür eine HNO-Praxis aufgesucht werden.
  • Besuch: Manche Menschen erwarten eine fürstliche Bewirtung, wenn sie dem Neugeborenen ihren Antrittsbesuch abstatten. Das kann für dich eine Belastung werden. Eigentlich sollte es doch andersherum sein: Die Besucher*innen bringen Essen mit, oder bieten an, vor Ort etwas zu euch zu kochen (oder anderweitig im Haushalt zu helfen, -Link zu „Hilfe nach der Geburt“ hier, sobald der Beitrag fertig ist-).
  • Haushalt durch Partner*in und Haushaltshilfe: Wenn du mit einem Neugeborenen zu Hause bist, entsteht in besagtem Haushalt mehr Arbeit, als wenn du im Krankenhaus bist (erst recht gilt das, wenn die gesamte Familie alternativ im Familienzimmer untergebracht ist und deshalb zu Hause überhaupt keine Haushaltsarbeit anfällt, und nur jemand aus der Nachbarschaft mal die Katze füttert, die Blumen gießt und die Post reinholt). Eine Frau, die vor kurzem ihr Kind geboren hat, will essen (es muss also gekocht und abgewaschen werden), sie wird duschen, sie wird frische Wäsche anziehen wollen (und das eventuell sogar ziemlich häufig, falls die Wochenblutung oder austretende Muttermilch ins Spiel kommen)… Kurzum: Wenn du mit deinem Neugeborenen zu Hause bist, fällt dort Arbeit an. Die übernimmt entweder dein*e Partner*in oder befreundete bzw. verwandte Helfer*innen — oder eine Haushaltshilfe, die in bestimmten Fällen von der Krankenkasse bezahlt wird. (Hier werde ich dazu noch verlinken.)
  • Kinder: Oben habe ich die Vorteile einer ambulanten Geburt für Geschwisterkinder beschrieben. Natürlich gibt es auch Nachteile: Je nach Alter und Gemüt sind ältere Kinder nur bedingt für die direkte Umgebung eines Neugeborenen geeignet. Manche Kinder wollen vielleicht gerade dann mehr Aufmerksamkeit, so dass es leichter ist, dass sie zu Hause sind und du mit dem Neugeborenen noch nicht zu Hause bist.
  • Neugeborenengelbsucht: Manche Kinder entwickeln eine Neugeborenengelbsucht. Ich kann davon leider selber ein Lied singen… Wenn du zu diesem Zeitpunkt bereits wieder zu Hause bist, bedeutet das für dich: Regelmäßig ins Krankenhaus und zur Blutwertkontrolle. Das kann ausgesprochen anstrengend sein.
  • Füße stillhalten: Manche Frauen können zu Hause nicht die Füße stillhalten. Wenn sie zu Hause sind, dann machen sie sich nützlich. Im Krankenhaus sind sie gezwungen, noch ein bisschen runter zu schalten.
  • die Klingel: Der Postbote klingelt, die Nachbarskinder klingeln… Und im Zweifelsfall bist du jedes Mal wach, obwohl du eigentlich gerade schlafen wolltest. Wenn du die Klingel nicht ausstellen kannst oder anderweitig unangemeldete Störungen vermeiden kannst, kann dich das schnell um den Verstand bringen.

Wie gesagt: Welche Aspekte für dich persönlich ausschlaggebend sind, kannst nur du entscheiden — und die Entscheidung kann natürlich mit jedem weiteren Kind (oder durch die Änderung der Umstände auch während einer Schwangerschaft) anders ausfallen!

Habe ich noch Aspekte vergessen? Lass es mich wissen!