„Oh weh!“ Der Begriff der Wehe

Einer der wichtigsten physiologischen Vorgänge bei der Geburt ist das rhytmische Zusammenziehen der Gebärmutter. Diese „Musikelkontraktionen“ (ja, die Gebärmutter ist ein Muskel!) sind nötig für die Geburt: Zum Einen bewegt sich daduch das Kind im Bauch nach unten, Richtung Gebärmutterhals. Und zweitens verkürzt sich der Gebärmutterhals. Beide Vorgänge sind nötig, damit das Kind zur Welt kommen kann.

Dieses rhythmische Zusammenziehen kann mit dem lateinischen Lehnwort „Kontraktion“ bezeichnet werden. (lateinisch contractio, = Zusammenziehung). Meistens wird es jedoch anders genannt, nämlich „Wehe“.

Laut Duden kommt das Wort „Wehe“ aus dem Mittelhochdeutschen „wēwē“, was soviel wie Schmerz oder Leid bedeutet.

Wir bezeichnen also einen der wesentlichen Vorgänge bei der Geburt als Schmerz. Muss das so sein? Nein, natürlich nicht. Aber es ist eben normal, und weil es normal ist, benutzen wir das Wort. Was macht es mit uns, während der Schwangerschaft, wenn wir uns mental und körperlich darauf vorbereiten, unser Kind zur Welt zu bringen, und alle Welt spricht andauernd von Wehen? Uns wird Angst und Bange. Oh weh, diese Wehen werden Schmerzen bereiten und vielleicht werden sie so stark sein, dass ich es nicht aushalte…

Ich finde es schade, wenn wir uns durch eine unglückliche Wortwahl selber Angst eintreiben.

Vielleicht geht es dir nicht so. Vielleicht denkst du beim Wort „Wehe“ an das „Hinwegwehen“ im Winde. So ging es meinem Mann. Er stellte sich immer vor, das mich jede Muskelkontraktion ein Stückchen näher an unser Kind heranweht. Und deshalb nutzte er den Begriff Wehe.

Vielleicht ist dir aber auch ein anderes Wort lieber. Wenn du Biologin oder Altertumsforscherin bist, gefällt dir vielleicht „Kontraktion“. Es ist ein Fremdwort, aber es beschreibt den körperlichen, den physiologischen Vorgang, ziemlich genau. Falls du nicht auf Fremdworte stehst, kann auch „Zusammenziehen“ ein Wort für dich sein.

Andere Frauen sprechen von „Wellen“, denn die Kontraktionen kommen und gehen, wie Wellen eben.

Eine Freundin sprach sogar mal von „Kitzeln“, weil sie sich vorstellte, dass jede Bewegung ihr Ungeborenes kitzeln würde.

Wie auch immer du den Vorgang bezeichnest: Such dir ein Wort aus, dass dir selber passt! Manche Menschen werden dich vielleicht komisch anschauen, wenn du nicht „Wehe“ benutzt, doch sollte dich das nicht abhalten. Fühl dich wohl, denn das wird dir bei der Geburt in keinem Fall schaden.

Ungern benutze ich übrigens auch das Wort „entbinden“. Lies hier, warum 🙂