„Ich gehe jetzt duschen“ — Mein Mann bei unserer Hausgeburt

Dies ist Teil 1 der Serie Serie: Väter und Partner*innen während der Geburt.
Hier gelangst du zu Teil 2: „Was mache ich hier?“ — Väter und Partner*innen während der Geburt

Unser zweites Kind gebar ich in unserer Wohnung, als geplante Hausgeburt. Anwesend waren neben dem Neugeborenen und mir meine beiden Hebammen (hier kommst du zum Artikel „Hebammen bei Hausgeburten„).

Unser Kind war ein paar Minuten alt, ich stillte, die Nachgeburt stand noch aus. Die Hebammen beschäftigten sich mit dem Papierkram. Und mein Mann sagte: So, wenn nichts dagegen spricht, gehe ich jetzt duschen.

Es war nachts, gegen 2 Uhr. Abends, nachdem ich unser erstes Kind ins Bett gebracht und selber noch ein paar Minuten geschlafen hatte, hatte ich verkündet, dass unsere Geburtseinleitung (Artikel kommt noch) Früchte trage und die Geburt bevorstand. Seitdem war er also im „Geburtsmodus“. Die Hebamme kam zur Unterstützung. Er war aber wichtiger für mich.

Ich erinnere mich an verschiedene Momente, in denen er mir half, zum Beispiel, indem er einen Punkt am Steißbein massierte, mir in den Gebärpool half oder mit mir unsere gemeinsame Meditation durchführte. Im entscheidenden Moment war ich bei mir und dem Kind. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass er (sehr bewegende) Fotos gemacht hat — dankenswerterweise ohne Blitz.

Und so war ich etwas erstaunt, dass er nach der Geburt erstmal duschen gehen wollte.

Eigentlich hätte es mir aber klar sein müssen.

Er war genauso fokussiert auf die Geburt, wie ich. Er hatte sich genauso akribisch darauf vorbereitet (hier kommen die Verlinkungen hin zu gemeinsamer Geburtsvorbereitung) und er hatte während der Geburt seinen Teil sehr gewissenhaft erfüllt. Es war also auch für ihn anstregend:

– Körperlich, weil er mir immer wieder in eine andere Position half und nach der Geburt seiner tropfnassen Frau samt Kind aus dem Gebärpool auf die Couch half
– Mental, weil er komplett auf mich fokussiert war und durch diese Aufmerksamkeit sehr zeitig unterstützen konnte

Er war also zum einen durchnässt von Wasser, Schweiß und Blut; zum anderen war seine Konzentrationsfähigkeit nun Freude gewichen. Ich hatte mit dem Neugeborenen zu tun. Er wollte genießen. Und dazu gehörte für ihn, sich körperlich frisch zu machen, und auch einen Moment allein zu genießen, sich still freuen zu können.

Es sprach nichts dagegen, dass er duschen ging. Danach kam er wieder, sah blendend aus, half den Hebammen, kuschelte sein Kind und umsorgte seine Frau. Am nächsten Morgen machte er seine beiden Kinder (das ältere hatte die gesamte Geburt verschlafen) miteinander bekannt.

Mir wurde erst im Nachhinein klar, wie viel er zu dieser gelungenen Geburt beigetragen hat.

Wie ging es deiner Geburtsbegleitung? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar, oder lies hier weiter bei Teil 2 der Serie: „Was mache ich hier?“ — Väter und Partner*innen während der Geburt.