„Was mache ich hier?“ — Väter und Partner*innen während der Geburt

Dies ist Teil 2 der Serie „Väter und Partner*innen bei der Geburt“.
Teil 1 („ich gehe dann mal duschen“) findest du hier.

Klar: Die Frau bekommt das Kind. Und ja, das medizinische Personal ist irgendwie dabei, weil es eben was von der Sache versteht und eingreifen kann, falls das sinnvoll ist (außer, du entscheidest dich für eine Alleingeburt).

Und was macht der Vater, dein*e Partner*in oder eine Doula nun während der Geburt?

Sie alle haben keine direkte medizinische Funktion. Doulas haben zwar selber Kinder geboren, normalerweise aber keine Hebammenausbildung. Väter sind nur in seltenen Fällen Geburtshelfer oder Gynäkologen.

Statt Medizin sollte für diese Menschen Wohlbefinden im Vordergrund stellen. An dieser Stelle möchte ich eine kleine Unterscheidung machen: Die Doula kümmert sich um dein Wohlbefinden. Ein*e Partner*in kümmert sich jedoch auch um das eigene Wohlbefinden. Das ist auch nötig.

Über die möglichen „praktischen Aufgabengebiete“, die Partner*innen und Doulas während der Geburt übernehmen können, möchte ich an anderer Stelle berichten (und dann hier verlinken). In diesem Beitrag soll es um die emotionale Situation deine*r Partner*in während der Geburt gehen. Ich gehe in diesem Beitrag davon aus, dass dein*e Partner*in bei der Geburt dabei ist, weil ihr euch einig seid, wie eine Geburt im Idealfall verlaufen soll. (Manchmal ist das auch nicht der Fall — lies dazu hier mehr.)

Während du also euer Kind zur Welt bringst, ist dein*e Partner*in voller Vorfreude, aufgeregt, vielleicht auch ein bisschen ängstlich oder zumindest unsicher. Manche würden vielleicht gerne „irgendwie helfen“, andere wünschen sich nun, da es so weit ist, vielleicht doch anderswo hin. Gut ist es, wenn er in diese Situation genauso vorbereitet geht, wie du. Dabei gilt für euch beide: Vorbereitung kann viele Ängste und Unsicherheiten nehmen; und gleichzeitig gibt es keine Garantie dafür, dass es so läuft, wie geplant.

Stell dir vor, du bist guter Dinge, hast das Gefühl, das alles den normalen Gang nimmt. Dein*e Partner*in aber ist verspannt, ist unsicher. Es kann gut sein, dass du das unterbewusst mitbekommst, oder dass Bedenken sogar geäußert werden. Und das kann dich aus deiner Konzentration bringen. Oder stell dir vor, du hattest eine gute Geburt, und dein*e Partner*in erzählt dir nachher, dass alles ganz schrecklich war.

Um solche Situationen zu vermeiden, gibt es nur eines: vorher so viel wie möglich reden, und konkrete Wünsche festhalten.

  • Möchtest du, dass dein*e Partner*in dich zwischendurch anspricht, oder möchtest du in Ruhe gelassen werden? Für manche Geburtsbegleitungen ist es hilfreich, wenn sie wissen, dass sie bei Bedarf angesprochen werden; andere möchten lieber aktiv Unterstützung vorschlagen.
  • Soll die Unterstützung Bescheid geben, bevor sie den Raum verlässt (und sich dann wieder zurückmelden)?
  • Wen kann die Person bei Zweifeln oder Problemen ansprechen? Soll das im Geburtsraum geschehen, oder lieber außerhalb?
  • Bei welchen praktischen Aufgaben fühlt sich dein*e Partner*in wohl, welche sollen lieber von anderen Personen durchgeführt werden? (Hier werde ich noch verlinken.)

Es ist wichtig, dass dein*e Partner*in eine Rolle hat. Das muss nicht unbedingt eine aktive Rolle sein, aber am Ende soll es *eure* Geburtsgeschichte sein. Denn diese Person ist auf einmal mitverantwortlich für dieses kleine Lebewesen. Sie sollte ebenso eine Geschichte zu erzählen haben, wie du. Damit diese Rolle mit deiner Wunschgeburt zusammenpasst, ist es um so wichtiger, dass ihr euch vorher absprecht.

Damit es am Ende heißt: Unsere Geburt war ein tolles Erlebnis, und damit alle drei gemeint sind.

Welche Rolle hatte dein*e Partner*in bei euren Geburten? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar!