Warum du deine Geburtsgeschichte aufschreiben solltest

[Die Einleitung zu den Beiträgen dieser Serie ist gleich. Scrolle einfach weiter zur nächsten Überschrift, falls du diese Einleitung schon kennst.]

Herzlichen Glückwunsch, du bist Mama!

Vielleicht bist du zum ersten Mal Mutter geworden, vielleicht hast du schon früher Kinder zur Welt gebracht. In jedem Fall wirst du wohl gerade mit dir und dem Kind beschäftigt sein.

Manche Leute fragen: „Wie war die Geburt?“ und haben bestimmte Vorstellungen davon, was du antworten solltest

  • Schrecklich, aber als das Neugeborene da war, hab ich alle Schmerzen vergessen
  • Ein Höllenritt
  • Totale Extase
  • Das medizinische Personal hat total versagt
  • So mittel

Das mag teilweise oder sogar alles auf dich zutreffen. Es ist in jedem Fall nicht mehr, als eine Zusammenfassung.

Viele wollen auch nur die „Eckdaten“ wissen, also Dauer der Geburt (je länger, desto höher meist die Anerkennung… hierzu verlinke ich noch einen Artikel, wenn er fertig ist), Größe, Gewicht, Geschlecht und so weiter.

Das alles ist aber keine „Geburtsgeschichte“, wie ich sie verstehe.

Wenn du regelmäßig Tagebuch führst, wirst du vermutlich so oder so einen Eintrag über deine Geburt schreiben. Vielleicht wolltest du auch nur die besagten „Eckdaten“ eintragen. Das wäre schade.

Schreib lieber deine persönliche Geburtsgeschichte auf. (Wie das geht, erfährst du unter diesem Link. Hole dir hier Inspiration beim Lesen der Geburtsgeschichten anderer Frauen.)

Ach Quatsch, wozu aufschreiben — du warst ja dabei!? Stimmt… Schreib sie trotzdem auf. Denn:

  • Du wirst es mir kurz nach der Geburt nicht glauben, aber im Laufe der Zeit wirst du Einzelheiten zur Geburt vergessen. Deshalb ist es immer schön, diese nachlesen zu können.
  • Es hilft dir, verschiedene Geburten auseinander zu halten — hattest du diese total tolle Duftkerze bei der Geburt der ersten oder der zweiten Tochter?
  • Du lässt dir von anderen Personen keine „alternativen Darstellungen“ auftischen, die versuchen, ihre Deutungshoheit über deine Geburt durchzudrücken.

Und warum nun überhaupt die Mühe?

  • Beim Schreiben ordnen wir unsere Gedanken. Wir können differenzieren, einordnen, priorisieren. Uns fallen nach und nach Details ein, die wir in unsere Geschichte einarbeiten können.
  • Wenn du alles aufschreibst, bist du vielleicht in der Lage, für die nächste Geburt daraus zu lernen. Zum Beispiel kann es sein, dass dir auffällt, dass du dich jedes Mal gestört gefühlt hast, wenn du das Bild an der Wand anschauen musstest… Oder dass dir der nasse Waschlappen total gut tat.
  • Eine Geburt kann ein wunderschönes Erlebnis sein; sie kann aber auch mit Traumata verbunden sein. Alles aufzuschreiben hilft bei der Verarbeitung:
    • Dir wird klar, welche Aspekte für dich problematisch waren
    • Du kannst herausfiltern, ob du Groll gegen bestimmte Personen hegst und diesen leichter verzeihen
  • Du kannst die Geschichte (evtl. in einer gekürzten Version) der Verwandtschaft oder Freund*innen schicken, die zu weit weg wohnen, um persönlich deine Geschichte zu hören.
  • Wenn du magst, kann deine Geburtsgeschichte auch als Feedback für beteiligte Doulas und Hebammen genutzt werden.
  • Du kannst anderen werdenden Müttern helfen: Es kursieren viele Geschichten von Horrorgeburten, manche von „normalen Geburten“ (schmerzhaft, aber okay), und (meinem Gefühl nach zu wenige) von schönen Geburten. Teile deine Geburtsgeschichte — nicht, um Frauen Angst zu machen, sondern um die Gemeinschaft der gebärenden Frauen zu stärken.

 

Habe ich noch Aspekte vergessen? Hast du deine Geburtsgeschichte aufgeschrieben? Hinterlass mir gerne einen Kommentar!

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