Was ist eine Geburtsgeschichte?

[Die Einleitung ist zu beiden Artikeln der Serie gleich; scrolle einfach herunter bis zur nächsten Überschrift, wenn du die Einleitung schon kennst.]

Herzlichen Glückwunsch, du bist Mama!

Vielleicht bist du zum ersten Mal Mutter geworden, vielleicht hast du schon früher Kinder zur Welt gebracht. In jedem Fall wirst du wohl gerade mit dir und dem Kind beschäftigt sein.

Manche Leute fragen: „Wie war die Geburt?“ und haben bestimmte Vorstellungen davon, was du antworten solltest

  • Schrecklich, aber als das Neugeborene da war, hab ich alle Schmerzen vergessen
  • Ein Höllenritt
  • Totale Extase
  • Das medizinische Personal hat total versagt
  • So mittel

Das mag teilweise oder sogar alles auf dich zutreffen. Es ist in jedem Fall nicht mehr, als eine Zusammenfassung.

Viele wollen auch nur die „Eckdaten“ wissen, also Dauer der Geburt (je länger, desto höher meist die Anerkennung… hierzu verlinke ich noch einen Artikel, wenn er fertig ist), Größe, Gewicht, Geschlecht und so weiter.

Das alles ist aber keine „Geburtsgeschichte“, wie ich sie verstehe.

Was ist eine Geburtsgeschichte?

Deine Geburtsgeschichte beinhaltet mehr als nur besagte Eckdaten. Deine Geburtsgeschichte widmet sich deinen Gefühlen, deinen Zweifeln und freudigen Momenten, deiner ganz persönlichen Wahrnehmung deiner Geburt.

Im offiziellen Geburtsprotokoll, dass die Hebammen führen (meistens bei außerklinischen Geburten ausführlicher, hier folgt noch der Link zum Artikel über das Geburtsprotokoll), mag drin stehen „Wehen im Abstand von 3 Minuten“. Das sagt aber noch nichts darüber aus, ob es dir in diesem Abschnitt der Geburt gut ging, ob du eine Pause gebraucht hättest (oder bekommen hast) oder lieber  schnell weitergemacht hättest.

Und ganz bestimmt steht da nicht drin, dass du dich in einem bestimmten Moment ganz besonders über eine Person geärgert hast, die sich blöd angestellt hat.

Das alles gehört in deine persönliche Geburtsgeschichte. Wie der Name schon sagt, ist es kein Protokoll, dass die medizinisch messbaren Fakten zusammenfasst, sondern deine subjektive Erfahrung der Situation. Da jede Person die selbe Situation unterschiedlich wahrnehmen kann, kannst auch nur du deine Geburtserfahrung aufschreiben.

Hier ein paar Beispiele für den Unterschied zwischen Geburtsprotokoll und Geburtsgeschichte.

Geburtsprotokoll Geburtsgeschichte
Wehen im Abstand von 3 Minuten, jeweils circa 20 Sekunden lang. Die Wehen kamen jetzt öfter. Sie wurden auch heftiger, aber nicht länger. So konnte ich nach jeder Wehe wieder gut Kraft schöpfen.
Muttermund 7cm geöffnet. Gerade kam die Ärztin rein und wollte sehen, wie weit mein Muttermund geöffnet ist. Mir passte das gar nicht. Ich wollte mich nicht für sie hinlegen. Ich hab es dann trotzdem gemacht. Es fühlte sich nicht gut an. Sie sagte, der Muttermund sei 7cm geöffnet. Super. Es brachte mir in der Situation gar nichts, es zu wissen.
Geburt einer Tochter, 52cm, 3500g. Liana war geboren. Ich hatte sie im Arm und schaute sie an. Ich hatte das Gefühl, sie schaute zurück. In diesem Moment wusste ich: Dafür lebe ich.

Manche Frauen beginnen ihre Geburtsgeschichte mit den ersten Wellen, andere Frauen bereits bei einer (natürlichen oder medikamentösen, Links dazu folgen) Einleitung, andere erst wieder, wenn der Muttermund schon weit geöffnet ist.

Manche Frauen vergleichen auch mit ihren Vorstellungen, mit ihren Wünschen und Ideen — oder mit vorherigen selber erlebten Geburten.

Manche Frauen beschreiben, was andere Leute während der Geburt gemacht haben; andere Frauen beschränken sich nur auf sich selber.

Entscheide selber, was dir gut tut und wann der richtige Moment gekommen ist. Und schreib dir einfach alles von der Seele. Denn das macht den Wert einer Geburtsgeschichte aus.

Wenn du die Geburtsgeschichten anderer Frauen lesen möchtest, schau hier rein. Und teile gerne auch deine Geburtsgeschichte mit uns — als Kommentar, oder auch als Nachricht, wenn du magst.

Warum du deine Geburtsgeschichte aufschreiben solltest, erfährst du hier.