Christines Geburt: Ihre Überzeugung gegen den Rest der Welt

Wäre es nach Christines Umfeld gegangen, wäre ihr Sohn gar nicht zur Welt gekommen. Sie behielt Recht:

 

1983

Nach 4 Jahren Warten, dass ich schwanger werde, war es endlich soweit und ich hielt endlich den ersehnten Mutter-Kind-Pass in Händen. Schließlich sollte meine Tochter nicht wie ich als Einzelkind aufwachsen.

Aber es bedarf einer kleinen Vorgeschichte um zu verstehen, was genau da ablief.

11.SSW: mein Asthma macht mir zu schaffen. Beim 1.Kind kein Problem, war es diesmal fatal. Der Notarzt kam und beorderte mich auf Grund meines Zustandes und eines Status Asthmaticus ins Krankenhaus. Dort wurde irgendwie die Angabe meiner Schwangerschaft übersehen und man wollte mir das übliche Cortison in die Venen schießen.

Im letzten Moment wurde dies mit der Bemerkung „na servas, alles retour, die ist schwanger“ vom behandelnden Arzt der Schwester, die mit der entsprechenden Spritze herbeieilte, entgegengerufen.

Guter Rat war damals teuer, weil in der 11. SSW Cortison ein No-Go war.  Darum wurde ein riesiger Inhalationsapparat herangeschafft, der mir pausenlos feuchte Luft ins Gesicht blies.

Mein Sauerstoffgehalt im Blut begab sich schon sehr in die kritische Phase, was ich auch merkte –ich konnte nicht mehr. Um dies zu sagen setze ich mich auf und dann… Ja, dann folgte einige Zeit auf der Intensivstation. Die Frauen im Zimmer merkten zum Glück rechtzeitig, dass ich die Augen verdrehte und bewusstlos wurde.

Es war Ostern… Ich kann mich an einen kleinen Schokoosterhasen erinnern, den mir meine Tochter in der Intensivstation entgegenstreckte. Dann kam wieder ein Loch…

Als sich alles stabilisiert hatte, wurde ich zur Untersuchung auf die gynäkologische Station gebracht, um zu prüfen, ob das heiß-ersehnte Kind in meinem Bauch das alles überlebt hatte. Also rauf auf das Bett und Bildschirm an.  Der Arzt fand das Kind und da ich mittlerweile schon in der 12.SSW war erkannte man ganz gut, dass es ziemlich komplett aussah.

Nun der Dialog mit dem Arzt: „na, schauen wir mal, ob das Herz überhaupt noch schlägt… Ah ja… Es schlägt, da ist es, aber es kann sein, dass es einen Gehirnschaden abbekommen hat. Durch den Sauerstoffmangel.“

Meine Tränen flossen. Plötzlich begann das Kind im Bauch mit „Schwimmübungen“ und mir schoss in diesem Moment durch den Kopf: „Tu mir nichts, mir geht es gut“

Ich weiß nicht, wie lange ich dort lag, wenigstens Zeit hatte der Arzt genug. Dann kam: „Wir müssen uns ja nicht gleich entscheiden, ob wir abtreiben.“

Pause

Entgegen aller anderen Ratschläge aus Familie und Freundeskreis, und auch Ärztekreis, weil ich ja wieder schwanger werden könnte, entschied ich mich für das Kind und vertraute auf mein Bauchgefühl und die Botschaft.

Und obwohl gerade in den nächsten Monaten immer wieder Filme über behinderte Kinder (sollte das als Omen gelten?) im Fernsehen liefen, mein Herz natürlich immer wieder unsicher wurde, ja eigentlich von anderen erst unsicher gemacht wurde — keiner verstand, warum ich das Risiko einging.

„Im Regal stehen ja noch viele andere Kinder.“ Austauschbares Leben kam nie für mich in Frage. Die engmaschigen Kontrollen, die mir auferlegt wurden, ließ ich über mich ergehen.

Bis, ja bis die ersten Senkwehen einsetzten. Da traf mich die Seele mit ihrer Angst und versperrte mir die Bronchien, die Stunde der Wahrheit rückte näher.

Hatte ich recht behalten mit meinem Gefühl, es sei alles in Ordnung? Oder hatten alle anderen Recht? Werde ich die Kraft dazu haben? Was, wenn nicht alles in Ordnung ist?

Also wieder ins Krankenhaus, diesmal mit Cortison, da es so kurz vorher die Lungenreifung beim Kind förderte und mir genug Sauerstoff gab.

Die Geburt war dann ganz normal, das Krankenhaus zwar in Alarmbereitschaft, aber ich versuchte, mich nicht noch mehr nervös machen zu lassen. In den Träumen sah ich ihn schon vor mir…

Dann lag er da, auf meiner Brust, alle Tests hervorragend bestanden, gesunde Farbe und gesunde Reflexe, von Anfang an sehr, sehr hungrig.

 

Alles gut gegangen — mein Sohn hat mir das richtige gesagt!