Von der Kreisklasse in die Bundesliga — warum uns der Sport hilft, uns auf die Geburt vorzubereiten (Teil 3 der Serie „Sport als Geburtsvorbereitung“)

Dies ist Teil 3 der Serie Sport als Geburtsvorbereitung.

Bisher ging es eher darum, welche Aspekte du berücksichtigen solltest, wenn du während der Schwangerschaft Sport machen möchtest. Nun ist dies aber kein Blog über die Schwangerschaft, sondern ein Blog über Geburt. Insofern sollte es nicht wundern, dass ich nun zur eigentlich essentiellen Frage komme: Wie kann uns Sport helfen, uns auf die Geburt vorzubereiten? Aus mehreren Gründen ist Sport als Geburtsvorbereitung sinnvoll:

  • Sport fördert im Allgemeinen die Gesundheit; sprich, wer Sport macht, wird im Durchschnitt weniger krank; die Abwehrkräfte sind höher. Das kann uns für eine Geburt nur nutzen; denn eine Geburt während einer Grippe ist umso anstrengender.
  • Durch Sport lernst du deinen Körper kennen. Du weißt, welche Bewegungen dir gut tun, welche Bewegungen problematisch sind. Du kannst die Schwachstellen deines Körpers einschätzen (bei mir sind es zum Beispiel das Knie und die untere Wirbelsäule; kurz vor dem Steiß). Dieses Wissen kann dir helfen, bereits im Vorhinein Maßnahmen zu ergreifen, um diese Schwachstellen ausgleichen zu können. (Ich weiß zum Beispiel, dass ich bei Wellen einen Gegendruck am Steiß brauche, um sie in die richtige Richtung zu lenken.
  • Du hast eine gestärkte Rumpfmuskulatur. Egal, welchen Sport du betreibst; immer ist ein Ziel, die Rumpfmuskulatur, also die kleinen Muskeln in Rücken und Bauch, zu stärken. Dies hilft dir ungemein, die Belastung der Geburt gut auszuhalten.
  • Dein Beckenboden ist sensibilisiert. Mit einer gestärkten Rumpfmuskulatur geht in den allermeisten Fällen auch ein gestärkter Beckenboden einher. Wichtig ist dabei, dass der Beckenboden nicht unter Dauerspannung stehen soll. Es geht vielmehr darum, dass du ihn bewusst an- und entspannen kannst.
  • Konzentrationsfähigkeit: Erfolgreiche Sportler*innen arbeiten oft mit Psycholog*innen zusammen. Das hat einen Grund: Wer sich nicht vorstellen kann, zu gewinnen, wird es auch nicht. Selbst, wenn du keine Leistungssportlerin bist, wirst du die Erfahrung gemacht haben, dass du beim Sport in der Gegenwart lebst. Du konzentrierst dich voll auf das, was du tust, auf genau diesen jetzigen Augenblick. Diese Konzentration auf das, was ist, statt das, was war, oder das, was kommen wird, kann dir bei der Geburt sehr helfen. Übrigens gilt das auch andersherum: Viele Menschen, die Ausdauersport betreiben, werden es kennen, dass zum Beispiel beim Joggen, Radfahren, Langlaufen oder Schwimmen die Gedanken schweifen. Du lässt dich gedanklich einfach treiben, hierhin, dorthin… Und auf einmal bist du deine zehn Kilometer gelaufen, ohne es gemerkt zu haben. Auch das kann dir bei der Geburt helfen. Denn die Fähigkeit, die Gedanken zwischen den Wellen nicht fokussieren zu müssen, sondern einfach auszuschalten, kann dir nötige Entspannung bringen.
  • Ausdauer: Logisch; wer Sport macht, trainiert auch die körperliche Ausdauer. Es geht hierbei nicht darum, dass du unbedingt so und so viele Minuten rennen können musst. Die Geburt ist in dieser Hinsicht weniger ein Marathon und mehr eine Bergtour beim Radeln: Zeitweise ist es anstrengend, aber dann kommt die nächste Abfahrt und du kannst dich erholen. (Karita beschreibt das sehr schön in ihrer Geburtsgeschichte.) Wichtiger ist, dass du deine Ausdauer selber einschätzen kannst; dass du also merkst, ob du dich in deinem normalen Belastungsbereich befindest, oder stark darüber hinaus gehst. Hiermit hängt auch der nächste Punkt zusammen:
  • Atmung: Beim Sport trainierst du unweigerlich deine Atmung. Egal, ob es beim Schwimmen darum geht, statt des Zweierzuges einen Viererzug zu machen, oder beim Biathlon darum geht, nach einer hohen Belastung die Atmung wieder zu verlangsamen, oder ob du beim Yoga deine Bewegungen dem Rhythmus deines Atems anpasst — jeder Sport klappt besser, wenn die Atmung entsprechend kontrolliert wird. Das ist unglaublich wertvoll für die Geburt, um zu verhindern, dass du zu flach atmest, wenn du tief atmen solltest.
  • Ernährung: Du weißt aus Erfahrung, welche Nahrungsmittel dir auch kurz vor körperlicher Belastung und kurz danach gut tun. Ist es der Klassiker, die Banane? Oder liebst du bestimmte isotonische Getränke? Was dir beim Sport gut tut, kannst du auch bei der Geburt brauchen.
  • Vertrauen in deinen Körper: Hier schließt sich der Kreis zum ersten Punkt. Wenn du regelmäßig Sport machst, bedeutet das, dass du dich regelmäßig mit deinem Körper beschäftigst. Du forderst euch beide immer wieder heraus, du hörst aber auch auf seine Signale, wenn etwas zu viel wird. Und das kannst du ganz hervorragend auch auf die Geburt anwenden. Wenn du deinem Körper vertraust, kannst du nämlich deinen Kopf einfach ausschalten und den Körper machen lassen.

Habe ich noch Aspekte vergessen, wie uns Sport als Geburtsvorbereitung dienen kann? Lass es mich gerne in einem Kommentar wissen!