Ein überhörtes Bahngespräch — ein Dank an die Papas, denen es nicht egal ist

Heute Morgen saß ich in der S-Bahn und träumte vor mich hin.

Wie das so ist — es fließen die Gesprächsfetzen… man hört hier ein Wort, dort ein Wort…

„Krankenhaus“…. „Geburtsvorbereitungskurs“…
und schwupps. Meine Aufmerksamkeit ist da.

Hinter mir unterhalten sich zwei Männer, beide geschätzt Ende 30 / Anfang 40, über die klassischen „Gedöns„-Themen, wie unser Bundeskanzler a.D., Gerhard Schröder, sie einst nannte.
Die Themen wechseln schnell:
– Der kleine hat Fieber, bekam Zäpfchen.
– Der Geburtsvorbereitungskurs in Spandau ging den ganzen Tag.
– Wie hoch ist eigentlich diese Hebammen-Haftpflicht für freiberufliche Hebammen? Also, ich bezahle im Moment circa 20 €… Selbst, wenn die 200 zahlen müssten, wäre das ja schon ein krasser Betrag. (Laut diesem Bericht in der RP waren es 2017 rund 6500€ im Jahr, also rund 540€ pro Monat.)
– Uns wurde im Vorhinein von Freunden viel Panik gemacht, dabei ging doch dann alles so glatt.
– Ich war froh, dass mir im Geburtsvorbereitungskurs nochmal gezeigt wurde, wie das Kind durch das Becken kommt — im Biologieunterricht hatten wir das nicht. Oder ich hab nicht zugehört. Vielleicht hat es mich damals nicht interessiert.

Ich habe immer nur Gesprächsfetzen mitbekommen, zu wenig, um die inhaltlichen Zusammenhänge voll zu verstehen oder zu bewerten.

Dennoch hat mich das Gespräch glücklich gemacht:

Ich finde es schön, dass sich zwei Männer, offensichtlich Väter, über die Themen Geburt, Hebammen und Kliniken unterhalten.

Ich finde es schön, dass sie diese Themen nicht den Frauen überlassen.

Aus meiner Sicht können Männer, wenn sie denn dazu bereit sind, eine wichtige Rolle bei der Geburt ihrer Kinder spielen. Im Idealfall ist der werdende Vater für die Schwangere eine Bezugsperson. Die beiden vertrauen einander. Warum sollte solch eine Vertrauensperson sich nicht positiv auf den Geburtsprozess auswirken? Voraussetzung dafür ist, dass der Vater sich seiner Rolle bewusst ist und bereit ist, diese Rolle auch auszufüllen. Um das zu erreichen, solltest ihr ähnliche Vorstellung davon haben, wie eure Geburt ablaufen soll. Wenn das nicht der Fall ist, kann die Anwesenheit sich natürlich auch negativ auswirken. (In diesem Fall kannst du über eine Doula als Geburtsbegleitung nachdenken…)

Partner*innen der Gebärenden unvorbereitet in die Geburt zu schicken, ist deshalb keine gute Idee. Vorbereitet können sie aber nur sein, wenn sie bereit sind, sich zu informieren. Wie diese Vorbereitung im Einzelnen aussieht, ist natürlich sehr unterschiedlich und den persönlichen Vorlieben vorbehalten. Wichtig ist aber die intrinsische Bereitschaft dazu.

Diese Bereitschaft, sich mit den Themen zu befassen, bei denen sie nur die 2. Geige (oder den Kontrabass!?) spielen, war nicht immer selbstverständlich. Ich bin mir unsicher, ob sie heutzutage selbstverständlich ist. Für diese beiden Herren in der S-Bahn heute Morgen war sie selbstverständlich. Und das macht mich glücklich.

Mir persönlich tut es gut, zu wissen, dass Menschen sich auch sachlich und interessiert mit diesem Thema befassen, wenn sie nicht gerade schwanger sind oder beruflich damit zu tun haben.

Danke, liebe Väter in der S-Bahn, dass ihr euch neben den Unwägbarkeiten des Berliner ÖPNV-Netzes (gestern viel die Bahn zwischen Schönholz und Tegel aus und der eine Papa kam dadurch eine Stunde zu spät nach Hause; statt beides zu tun, musste er sich deshalb zwischen Büroablage und Zocken mit dem Sohn entscheiden — er entschied sich für Zweiteres) auch mit Geburten, Geburtsvorbereitungskursen und Hebammen beschäftigt.

Vielleicht kommt das Thema dann ja auch in der immer noch sehr männlich domininierten Politik an, und es ist nicht mehr nur ein Thema, das Männer nur wenig und Frauen auch vermutlich nur (statistisch) ein bis zwei Mal im Leben konkret betrifft.

Danke, liebe Väter in der S-Bahn.
Danke!