Lori: Wenn das Wunschbaby behindert ist

Lori teilt mit uns ihre wunderschöne Geschichte von ihrem kleinen Sohn. Ihre Liebe ist durch die Krankheit nicht weniger geworden, denn Liebe kennt keine Gründe. Dennoch würde sich Lori von unserer Gesellschaft wünschen, dass auch ihr mehr Normalität gegönnt wäre.

Es war 2012;  mein Sohn war auf dem Weg, nachdem sich 2 Sternchen von uns verabschiedet hatten.

Es war die 18. Woche und wir wollten unbedingt wissen, was es nun wird. Was sich rausstellte, war die Gewissheit, dass unser Wunschbaby behindert auf die Welt kommen wird. Sein rechter Oberschenkel war kürzer, als der Linke. Klingt erst einmal nicht so schlimm, doch mit welchen anderen Diagnosen so etwas Alles zusammen hängen könnte, habe Ich nicht gewusst.

Nun gingen die ganzen Untersuchungen los: Fruchtwasserentnahme und ständiges Ausmessen, fast jede Woche. Dazu kamen Blutungen und fürchterliche Ängste. Das Thema Abtreibung stand plötzlich im Raum… So sollte es doch Alles nicht laufen…

Die Monate vergingen und ich musste die letzten 4 Wochen vor Geburt im Krankenhaus verbringen, weil mein Kind nicht mehr wuchs. Als die Herztöne immer langsamer wurden, sollte schnell gehandelt werden. Wehen einleiten!

Nach 8 Stunden Wehentropf, fast geschlossenen Muttermund und kaum vorhandenen Herztönen ging es in den OP zur Sectio.

Er war wunderschön. Ich habe noch sein Gesicht vor Augen. Er war 42cm klein und 1,975 kg leicht. Und wunderschön.

Völlig benebelt schoben sie mich dann in ein anderes Zimmer, der Kleine wurde untersucht. Die Ärztin kam dann mit ihm im Arm und sagte „Uns ist da noch was aufgefallen“. Ihm fehlten an der rechten Hand 2 Finger… Es war mir so egal.

Wir verbrachten die erste Nacht zusammen, dann musste er auf die Intensivstation, weil er nicht trank. Er war so schwach, dass er bei der kleinsten Anstrengung einschlief. Er bekam eine Magensonde und ich eine fette Infektion durch die Nadel in meinem Arm.

Sie haben uns getrennt… Durch den Kaiserschnitt konnte Ich mich nicht bewegen, das Fieber der Infektion tat ihr übriges. Nach ein paar Tagen durfte Ich mit ihm auf die Neo ziehen und ich musste ihn erstmal richtig kennen lernen.

Ich hatte etwas Angst vor dem Personal dort, denn die Schwestern auf der Wochenstation taten gefühlt alles, damit es mir möglichst noch schlechter geht. Das Schlimme war ja wirklich, dass Ich in diesem Krankenhaus selber gearbeitet habe und absolut entsetzt war, wie diese Frauen mit den Müttern und Kindern umgingen. Aber auf der Neo war alles perfekt.

Nach 2 Wochen durften wir das Krankenhaus verlasse, und ab da begann der wirkliche Stress: Physio, mehrmalige Operationen pro Jahr, immer wieder durch ganz Deutschland fahren, um die Ärzte abzuklappern, die auf diese super seltene Krankheit spezialisiert waren.

Nun kommen wir klar. Trotzdem wünsche Ich mir immer wieder Normalität. Die Frage nach dem Warum stellt sich mir noch immer, mittlerweile selten. Er ist noch immer wunderschön.