Yvonne: Klein, aber stark!

Yvonne musste erfahren, dass ihre Familie sie nicht unterstützte. Als dann gegen Ende der Schwangerschaft die Schmerzen Überhand nahmen, wurde ihr Sohn per Kaiserschnitt geboren.
Immer schon wünschte ich mir ein Kind. Durch Lebenswandel, Partner und Krankheit hat es nie so geklappt. Eine Fehlgeburt hatte ich mit 21; lange habe ich gebraucht, das zu verarbeiten.

Zum 31.12. 2011 entstand mein über alles geliebter Sohn. Ich wusste es direkt, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt weder einen Zugang zu meinen Gaben hatte, noch zur Spiritualität.

Ich bangte und hoffte, dass es Wirklichkeit wird. Ab der 5 Schwangerschaftswoche bin ich zum Arzt, da ich zu dieser Zeit noch viele Medikamente nahm. Ich hatte eine superliebe Frauenärztin, die mich wirklich unterstützt, beruhigt und betreut hat.

So, war ich dann mit 36 glücklich schwanger, schon da passte mir keine Hose mehr.

Ich hatte mir immer alles so schön vorgestellt und sah mich schon mit einem kleinen Mädchen umherlaufen. Die Frauenärztin bereitet mich darauf vor, dass es ein Junge wird; ich glaubte ihr nicht.

Mit der 20. Woche war es Gewissheit, dass es ein Junge wird — und von meinem heutigen Standpunkt aus genau richtig. An diesem Tag bin ich einfach aufgestanden und aus der Praxis gegangen. Das gab zum nächsten Termin mächtig Schimpfe, aber ich musste das erstmal auf die Reihe bekommen.

Die ganz Schwangerschaft war überschattet vom Tod meines Opas und Streit in den Familien, und wie ich mit meinen Krankheiten auch noch ein Kind bekommen könnte. Aber ich liebt dieses Kind, selbst da schon, über alle Maßen. Meine Nachbarin sagte immer: So, wie der Kleine Kerl jetzt schon gestreichelt und geliebt wird, kann es nur gut werden.

Mittlerweile war ich in kürzeren Abständen bei meiner Ärztin, meine Fibromyalgie, der Stress, das alles zerrten an mir. Ich sagte immer nur, sie soll gucken, wie es ihm geht. Wenn mit dem Baby alles in Ordnung ist, halte ich die Schmerzen aus.

Im achten Monat musste ich in Krankenhaus, da leichte Wehen einsetzten — wohl wegen des Drucks, unter dem ich stand. Als ich in der 37. Woche war, konnte ich einfach nicht mehr — er war aber immer noch so klein.

Ich konnte kaum mehr laufen vor Schmerz. Mittlerweile verkalkte auch die Plazenta, so kam direkt die Einweisung ins Krankenhaus mit den Worten: „Jetzt reicht es, Sie haben sich tapfer geschlagen, aber nun setzen wir der Quälerei ein Ende!“

Ich weiß noch, es war ein sonniger Tag, es wurden 36 Grad daraus.

Durch meine Missbrauchsgeschichte rieten sie mir zum Kaiserschnitt mit Spinalnarkose. Als ich in den OP kam, war alles noch ganz locker, und dann setzten sie die Spritze und ab da war es nur noch die Hölle. Mein Herz überschlug sich, und das von Söhnchen Nikolai auch, so dass alles nur noch ultraschnell gehen musste.

Sie haben ihn wirklich aus mir rausgerissen. Das kann man auch nicht beschönigen. Ich durfte ihm noch kurz eine Kuss auf den Kopf drücken und dann nahmen sie ihn mit. Er war so winzig, ich hatte nur Angst, dass sie ihn auf die Kinderintensivstation mitnehmen würden, und hoffte, dass er über 2500 Gramm hatte.

Mittlerweile war ich kurzzeitig nicht mehr anwesend und wurde mit Schlägen wieder zurück geholt.

Mein Lebensgefährte war dabei, ich hörte Nikolai brüllen, er schrie sich ins Leben. Ich wollte zu meinem Sohn.

Und endlich, nach allen Tests, durfte er zu mir — mit 2.620 Gramm! Er durfte also auch bei mir bleiben. Wir verbrachten den ganzen Tag im Kreißsaal — er mit einem Laken um mich herum gebunden.

Trotz dieser Geschichte haben wir gerade in diesen Stunden alleine im Kreißsaal eine sehr enge Bindung aufgebaut.

Die Tage im Krankenhaus lass ich mal weg (von liebevoll und nett war da eigentlich garnichts); am 2. Tag nach der Kinderuntersuchung bin ich nach Hause.

Vom ersten Tag war er ein Mamakind. Als ich das erste Mal bewusst in seine Augen geschaut habe, sah ich diese uralte Seele. Wahnsinn.

Mit meinem Sohn kam mein erneutes Erwachen. Dafür gehe ich jeden Schritt, den ich in meiner Entwicklung machen darf und soll weiter.