Sylvia: 1/3: Angelika: Erstmal putzen

Sylvia berichtet über die Geburten ihrer drei Töchter. Die anderen beiden Geschichten kannst du hier nachlesen:

Sylvia 2/3: Nadine: Die körpereigene Geburtsvorbereitung
Sylvia 3/3: Vanessa: aller guten Dinge sind drei

Bei Angelika, meiner Ältesten, war ich 27 Jahre alt. Die Zeit mit meiner Maus im Bauch war wunderbar, natürlich mit emotionalen Auf und Abs. Gesundheitlich und entwicklungstechnisch gesehen ging es uns echt gut.

Angelikas Geburt kündigte sich an, als ich nachts um 1 Uhr munter wurde, weil meine Hose feucht war – tja, das war der Blasensprung. Ich hab gar nicht so richtig mitbekommen, dass so die Geburt beginnen soll. Mir wurde das alles ganz anders erzählt; bzw. hab ich auf andere Hinweise geachtet.

Also fing ich zu putzen an (was hatte ich sonst zu tun!?). Ich hab auch nochmal die nasse Bettwäsche gewechselt. Während dieser Zeit war ich alleine; Angelikas Vater und ich lebten nicht miteinander.

Bis um 4 Uhr früh war ich normal beim Putzen. Erst, als ich mein Ziehen im Rücken mal zeitlich betrachtete, wurde mir bewusst, dass es Wehen sind, und zwar im Abstand von 5 Minuten!

Ich war ein bisschen aufgeregt.

Also, auf ins Spital, wo ich um ca 5:30 aufgenommen wurde. Meine Schwester und ihr Mann fuhren mich sitzend (!) ins Krankenhaus -– es war viel Schnee zu diesem Zeitpunkt. Im Krankenhaus war ich alleine; die Schwester gab mir noch eine Tablette zum Schlafen, doch das klappte auch nicht so recht.

Gegen 9 Uhr ging ich dann ins Kreißzimmer, weil ich den starken Drang hatte, zu urinieren. Zuerst meinte die Schwester, es sei noch lange Zeit, doch bei der Kontrolle des Muttermundes sagte sie, dass ich da bleiben könne.

Naja, dann hab ich mit der Schwester „Gestritten“ – wir haben uns heftiger unterhalten –was ich auch brauchte. Sie war eine recht burschikose Dame, resch und (vor allem für mich gut) ehrlich.  Ich bin ja nicht wehleidig, doch das Ziehen im unteren Rücken war schon lästig. Naja, und da bin ich halt nicht gerade nett gewesen. Die Wortlaute weiß ich nicht mehr…

Ich bin natürlich in die Geburtsvorbereitungskurse gegangen, doch haben sie mir leider nicht das gebracht, was ich scheinbar brauchte. Die Schwester hat mir einfach mit starker Stimme die Wahrheit über die Geburt gesagt. Und dass ich die Schmerzen wegatmen solle. Auch bewegte ich mich mittels etwas gehen.

Ja, was soll ich sagen, um 9:30 musste ich dann am Bett liegen bleiben und „unterhielt“ mich weiterhin mit der Schwester. Auf dem Bett hat sie mir gute Ratschläge gegeben, bezüglich Beine anziehen und mit den Händen an den Unterschenkeln halten. Und die Power, die da in mir so drinnen steckt wegen der Schmerzen, hat sie gesagt, ich solle den Druck nach unten bringen statt zu schreien.

Das hab ich auch getan – und ehe ich mich versah, hatte ich vielleicht drei Presswehen – und Angelika rutschte aus mir ins neue Leben. Um 9:52 war sie dann schon da. Sie wurde mir gleich auf den Bauch gelegt – und mich durchströmten wahre Glucksgefühle. Es war sooo schön!

Währenddessen, ich bekam es gar nicht wirklich mit, kam ein Arzt, der mich zur Un-
terstutzung bei der Geburt unten geschnitten hat – Angelika hatte zum damaligen Zeitpunkt schon ihren „großen Dickschädel“.

Als sie dann auf meiner Brust lag, und die Nabelschnur durchgeschnitten wurde, hat mich der Arzt genäht. Ich weiß nur, dass mir kalt war – naja, wir Frauen wissen ja, welche Anstrengung das ist.

Dann wurde Angelika genommen, gewaschen… und mir gleich wieder gegeben.
Als der Dammschnitt genäht war, durften wir noch kurz dort bleiben und kamen ca. 2,5 Stunden später schon ins Zimmer.

Und ab da hatte ich Verantwortung für eine vollkommenen Menschen — der mittlerweile schon 23 Jahre alt ist.