Doula vs. Hebamme? Ergänzen statt Ersetzen

Vor ein paar Wochen war Welt-Doula-Woche. Ich postete dazu auf Facebook einen „Dank an alle Doulas“. Eine entsetzte Leserin schrieb mir daraufhin zurück, dass sie es ganz schrecklich finde, dass die professionelle Geburtshilfe nun auf Doulas ohne medizinischen Hintergrund ausgelagert werde. Es sei zwar gut, dass Frauen immerhin Doulas hätten (die sie allerdings selber bezahlen müssten), aber eigentlich müssten Hebammen doch den Job übernehmen und das eigentliche Problem sei deshalb, dass der Hebammenberuf immer weiter ausgehöhlt würde.

Diese Antwort hat mich dazu gebracht, hier eine Klarstellung zu formulieren:

Doulas ersetzen nicht die Hebammen.

Hebammen sind ausgebildete Geburtshelferinnen. Hebamme oder Geburtshelfer darf sich nur nennen, wer die staatliche Ausbildung abgeschlossen hat. Der Fokus der Hebammen und Geburtshelfer bei der Geburt liegt entsprechend auf der medizinischen Betreuung der Gebärenden und des Kindes.

Doulas haben keine medizinischen Aufgaben.

Vielmehr sind sie eine Vertrauensperson für dich. Ihre Aufgabe ist es, für dich da zu sein — bei Schichtwechseln im Krankenhaus, in der frühen Geburtsphase, bevor du ins Krankenhaus oder Geburtshaus fährst bzw. bevor deine Hausgeburtshebamme bei dir eintrifft… Ausführlich habe ich die Rolle einer Doula auch hier beschrieben: Was ist eine Doula?

Im Idealfall arbeiten die Doula und die Hebamme Hand in Hand. 

In diesem Video auf Youtube erklärt die Hebamme Cornelia Enning (zusätzlich zu vielen anderen Themen) zum Beispiel auch, dass sie die Arbeit von Doulas sehr schätze und schon viele Jahre mit ihnen zusammenarbeite. Sie sieht es so: Im besten Fall unterstützt die Zusammenarbeit von Hebamme und Doula die Gebärende ideal bei ihrer Geburt. Dabei nehmen sich Hebamme und Doula nicht die Arbeit weg, sondern arbeiten im Gegenteil Hand in Hand.

Der Deutsche Hebammenverband veröffentlichte 2010 eine Stellungnahme über Doulas. Diese kannst du hier abrufen. Darin wird deutlich, dass Hebammen die Doula-Betreuung nicht grundsätzlich ablehnen sollten, im Einzelfall aber genau verdeutlichen sollten, welche Aspekte der medizinischen Aufsichtspflicht der Hebamme zufallen. (Als Beispiel wird die Geburtsposition genannt: Wenn die Gebärende dem Rat der Doula folgt (und dieser vom Rat der Hebamme abweicht), sollten der Hebamme bei späteren „Folgeschäden“ daraus keine Nachteile entstehen.)

Heraus stellt der Hebammenverband das Ziel, das Hebammen und Doulas in ihrer Arbeit verbindet: „Der Wunsch der Frau steht für die Hebamme im Mittelpunkt. (Seite 7)“ Sprich: Die gebärende Frau entscheidet, denn sie ist diejenige, die sich selber am besten kennt. Und weiter:  „Es wird deutlich, dass das gemeinsame Ziel von Hebammen und Doulas eine angemessene und umfassende 1:1 Betreuung ist, die eine interventionsarme Geburtshilfe ermöglicht. (Seite 8)“

Kritisch sieht der Hebammenverband die Auslagerung von Hebammentätigkeiten, z.B. der Stillberatung, auf Doulas — denn die Doula-Tätigkeiten werden nicht von der Kasse übernommen. Somit werden „Leistungen, auf die die Frau einen Anspruch hat, auf zahlungskräftige Bevölkerungsgruppen beschränkt werden (Seite 8)“.

Fazit:

Mein persönliches Fazit ist deutlich: Die Hebammensituation in Deutschland muss kurzfristig und mit langfristigem Effekt verbessert werden. Hebammenleistungen dürfen nicht auf Doula-Leistungen (und damit auf den privaten Geldbeutel) ungelegt werden. Gerade bei Klinikgeburten mit Schichtwechsel kann die Unterstützung durch eine Doula dagegen genau das sein, was die gebärende Frau braucht. Deshalb: Hebammen und Doulas haben unterschiedliche Aufgaben, die beide wichtig sind. Eine Doula ersetzt keine Hebamme, sondern ergänzt deren Arbeit. 

(Und ps: Ein*e Ärzt*in ergänzt ebenfalls nur, und sollte nicht ersetzen….)

Wie siehst du die Rolle von Hebammen und Doulas? Ist es für dich ein Entweder-Oder? Oder eine Ergänzung? Welche persönlichen Erfahrungen hast du gemacht? Schreib mir gerne in einem Kommentar!