Besuch nach der Geburt

Für die meisten Schwangeren ist es so: Sie fiebern der Geburt ihres Kindes entgegen. Oder sie fürchten sich davor. Auf jeden Fall machen sie sich für die Zeit danach vielleicht Gedanken ums Stillen, um Windeln, um ihren Körper… Aber vermutlich wenig um Besuch.

Klar, wir wollen unseren Lieben unser neues Familienmitglied zeigen. Wir sind schließlich stolz darauf! Um so enttäuschender ist es deshalb, wenn der Besuch nach der Geburt im Chaos endet.

Ich erinnere mich noch gut an die Geburt unseres ersten Sohnes, und an die zwei Tage danach. Unser Sohn war nach einer schwierigen Geburt nachts zur Welt gekommen. Vormittags gingen wir nach Hause. Mein Mann hatte für den Tag darauf (also den 2. Lebenstag des Säuglings) seine Kollegin zum Frühstück eingeladen. Die Idee war gar nicht so schlecht: Sie bringen frische Brötchen mit; den Rest haben wir zu Hause.

Blöd nur: Als es an der Tür klingelte, schlief mein Mann tief uns fest. Ich war wach, ungekämmt, ungewaschen, glücklich, und stillte. Ich hatte nicht auf dem Schirm, dass Besuch kommen sollte. Wer weiß, vielleicht war es die Stilldemenz?

Ich wäre gerne einfach sitzen geblieben. Stattdessen öffnete ich mit Kind an der Brust die Tür und war die gute Gastgeberin, bis mein Göttergatte endlich mal aus dem Bad kam.

Ich hatte keine Lust auf Besuch. Erst recht nicht auf Leute, die ich kaum kannte. Und erst recht nicht darauf, den Tisch für Gäste decken zu müssen, alles hübsch herzurichten etc.

Heute würde ich das anders machen:

  • Wenn mein Gatte Leute einlädt (bzw. deren Selbsteinladungen nicht abbügelt, ist er auch für die Gäste zuständig, nicht ich).
  • Leute, die ich einlade, werden vorher gebrieft:
    • „Gebürstete Haare kannst du vergessen.  Make-up auch. Ich werde immerhin nicht nackt sein. Oder, jetzt, da ich es mir überlege, vielleicht doch, wenn du im einzigen Moment kommst, in dem ich mal duschen kann.“
    • „Bring gerne was zu essen mit. Ich esse gerade mehr, als ich kochen kann.“
    • „Kannst du auch noch ne halbe Stunde mit dem großen Kind spielen?“
    • „Komm zur ausgemachten Zeit. Davor und danach ist die Klingel aus. Ich schlafe. Oder das Kind schläft. Oder wir beide schlafen.“
    • „Sei mir nicht böse, wenn ich dich vergesse.“ (Wie gesagt, diese Stilldemenz).
    • Und, das allerwichtigste, gerade bei Leuten, die keine weite Anreise haben: „Sei bitte nicht böse, falls ich absage, wenn es mir oder dem Säugling kurzfristig nicht so gut geht“.

Besuch ist etwas Schönes, aber er soll nicht in Hektik ausarten. Im Krankenhaus ist es noch wichtiger, den Besuch zu planen: Wer unangemeldet kommt, ist eventuell da, wenn eigentlich gerade Visite ist, oder es wird sehr eng, wenn zu viel Besuch auf einmal da ist.

Wenn du kannst, stell dein*e Partner*in, Mutter, Schwiegermutter oder irgendeine Person ab, für dich den Besuchsdienst zu koordinieren und alle abzuwimmeln, die du nicht sehen willst oder die ein Zeitfenster haben, dass dir nicht passt, oder die unangemessene Ansprüche an deinen Haushalt, deine physische und psychische Belastbarkeit oder dein Äußeres haben.

Hab immer im Kopf: Auch wenn die Geburt super lief, hast du dir danach die Zeit verdient, Kraft zu schöpfen für dich und dein Kind. Erst danach kommt irgendwann der Besuch, und auch dann nur, wenn er dir gut tut!

Versuch, die Menschen darauf einzunorden, dass dem Säugling das 6. Kuscheltier auch nicht weiterhilft — dass du dich aber dafür sehr über eine kleine Haushaltshilfe freust — ob die Menschen nun Essen mitbringen, die Wäsche aufhängen, für dich einkaufen gehen: Dir fällt bestimmt ein „Geschenk“ ein, das du tatsächlich gut gebrauchen kannst!

Erzähl mir, wie du den Besuch nach deinen Geburten erlebt hast — was hat dich gefreut, was hat dich geärgert? Hinterlasse mir gerne eine Kommentar!