Mama ohne Kind

Nadine schreibt auf ihrer Website „Mama ohne Kind“ von ihren zwei Geburten. Mit Luis war sie 16 Wochen schwanger, mit Robin 20 Wochen. Beide Kinder wurden geboren; bei beiden stand vorher fest, dass sie nicht lebensfähig sein würden.

Nadines Geschichten haben mich zu Tränen gerührt. Darüber zu schreiben, offen damit umzugehen, finde ich sehr stark von ihr. Ich wünschte, ich könnte etwas für sie tun. Ich weiß, dass ich das nicht kann. Nadine und ihr Mann Micha haben eine genetische Mutation, die dazu führt, dass ein gemeinsames Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 25% nicht lebensfähig ist.

Zweimal haben diese 25% nun zugeschlagen. Zweimal freuten sich die beiden, hofften, bangten. Und zweimal kam die Nachricht, dass die Kinder nicht lebensfähig sein würden.

Nadine ging durch zwei Geburten. Im Krankenhaus hatte sie Wehen, gebar ein Kind, und musste ohne Kind das Krankenhaus wieder verlassen. Ich kann an ihrem persönlichen Schicksal Anteil nehmen; ich kann daran nichts ändern. Das weiß Nadine genauso gut wie ich.

Trotzdem schreibe ich diesen Beitrag, und zwar, weil ich davon überzeugt bin, dass Nadine trotz allem würdevolle Geburten verdient gehabt hätte.

Von Robins Geburt erzählt Nadine nicht viel. Nur, dass es lange dauerte und anstrengend war. Robin lebte ein paar Stunden nach seiner Geburt; Nadine schreibt über diese Zeit.

Von Luis‘ Geburt schreibt Nadine ausführlicher. Auch bei dieser Geschichte habe ich geweint. Und gleichzeitig regte sich in mir eine Wut, dass Nadine die Geburt als einen Moment zum Wegwerfen erleben musste. Sie hatte das Gefühl, dass die „betreuende“ Ärztin Robin eher entsorgte als umsorgte — zum Beispiel riss sie die Nabelschnur einfach durch. Nadine hatte keine Hebamme an ihrer Seite. Ihre Mutter und ein Geistlicher unterstützten sie.

Ich bin zutiefst schockiert. Eine Frau, die ein Kind zur Welt bringt, und dieses Kind liebt, will eine liebevolle Umgebung; sie will Menschen, die sie und ihre Gefühle annehmen. Sie will sich nicht als notwendiges Übel fühlen.

Natürlich ist das Krankenhauspersonal lieber bei der Geburt gesunder Kinder dabei statt bei Fehl- und Totgeburten. Trotzdem: Nadine hätte besseres verdient gehabt. Schwierig genug ist ihre Situation auch schon ohne kaltherziges Personal.

Ich wünsche Nadine von Herzen alles Gute für die Zukunft, dass ihre Engel Luis und Robin auf sie und ihre Familie aufpassen — und dass in unserer Gesellschaft Platz ist für Liebe und Geborgenheit, wenn wir sie am meisten brauchen.