„Bei mir war alles so schrecklich“

Wenn du als Frau mit Babybauch unterwegs bist, scheint das für manche andere Frauen genügend Anlass zu bieten, von ihren eigenen Geburten zu erzählen.

Oder vielleicht hast du tatsächlich gefragt — „wie war es denn bei dir so?“

Im besten Fall sind einige schöne Geburtsgeschichten dabei – von Klinikgeburten (wie Corinnas), von Geburtshausgeburten (wie Claudias), von Hausgeburten mit Hebamme (wie Laras) oder von Alleingeburten (wie Marys).

Dann machen dir diese Geschichten hoffentlich Mut, lassen dich zuversichtlich auf deine eigene Geburt blicken und entlocken dir Detailfragen („welche Einlagen hast du für den Wochenfluss genutzt?“).

Oder du hörst traumatische Geburtsgeschichten, mit vielen Dingen, die schief gelaufen sind. (Oder zumindest Geschichten, die du so nicht erleben willst.)In manchen Frauenrunden hast du vielleicht sogar den Eindruck, dass es darum geht, die eigene Geburt als die schlimmste von allen darzustellen: „Was, du lagst nur 8 Stunden in den Wehen? Du Glückliche, bei mir waren es 14 Stunden!“ „Was, du hattest keinen Dammriss? Dann weißt du ja nicht, was Schmerzen sind…“

Wie gehen wir mit solchen Erzählungen um?

Einerseits, das ist zumindest mein Credo auch gerade für diese Internetseite, hat jede Geburtsgeschichte, jede Erfahrung, ihre Berechtigung. Es nützt nichts, wenn wir über die schwierigen, die unangenehmen, die missbräuchlichen Geburten schweigen.

Andererseits ist das, was uns ständig umgibt, für uns auch sehr präsent. Es fällt naturgemäß schwerer, sich von schrecklichen Geburtsgeschichten zu distanzieren, wenn diese uns wesentlich häufiger begegnen, als die positiven, die transformierenden, die orgiastischen Geschichten.

Wenn wir angsterfüllte Geschichten hören, können wir dann dennoch ohne Angst in die Geburt gehen?

Ja, manche Frauen können das. Nein, nicht alle Frauen können das.

Wenn du, wie ich, zur zweiten Gruppe gehörst, dann ist es eine Überlegung wert, sich bewusst von negativen Geburtsgeschichten abzuschotten, bis du selber deine Geburtsgeschichte beisteuern kannst.

  • Halte dich fern von Internetseiten mit Horrorgeschichten (dies bringt mich zu der Frage: Sollte ich die Geburtsgeschichten auf diesem Blog nach traumatisch/nicht traumatisch kennzeichnen?)!
  • Sei im persönlichen Gespräch offen und ehrlich: „Du, ich weiß, dass das deine persönliche Geschichte ist, und ich will sie dir nicht nehmen. Ich möchte aber selber keine Geschichten von problematischen Geburten hören, bis das Kind auf der Welt ist“. Manche Frauen mögen das als Naivität abtun — denn schließlich kann eine Geburt schmerzhaft, und manchmal auch gefährlich, sein. Sag ihnen, dass du die medizinischen Risiken mit medizinischem Personal besprichst — aber nüchtern, ohne die typischen Sätze wie „solche Schmerzen hatte ich noch nie.“
  • Stell deine Fragen, deine Ängste an deine Hebamme oder eine*n Ärzt*in. Lass dir, gerade, wenn du eine außerklinische Geburt planst, die Fakten nennen und auch in den Zusammenhang setzen in Bezug auf Wahrscheinlichkeiten und Folgen der Komplikation.

Wie bist du mit Horrorgeburtsgeschichten umgegangen? Hast du sie ignoriert? Dich bewusst abgeschottet? Hattest du das Gefühl, dass sie dich beeinflusst haben?

Welche Strategien hast du genutzt, um dich von negativen Geburtsgeschichten abzuschotten?

Hinterlass mir gerne einen Kommentar!