Serie: Geheimnisse des Muttermundes

Oha, noch so ein Nischenthema.

Der Muttermund hat eine wichtige Rolle während der Schwangerschaft und Geburt.  Lasst uns in dieser Serie ein wenig auf die Feinheiten eingehen.

Beim Schreiben ist mir aufgefallen, dass dieser Blogeintrag ziemlich lang werden würde. Ich habe mich deshalb dafür entschieden, ihn in einer Serie zu veröffentlichen. Dieser Beitrag enthält alle Teile der Serie. Willst du nur bestimmte Teile lesen, findest du hier die entsprechenden Links:

Was genau ist der Muttermund?

Eigentlich haben Frauen sogar zwei davon, nämlich den äußeren und den inneren Muttermund. Der innere Muttermund liegt zwischen Vagina und Gebärmutterhals. Der innere Muttermund verbindet das obere Ende des Gebärmutterhalses mit der Gebärmutter.

Es handelt sich jeweils um ringförmige Muskeln, die sich auch ohne Schwangerschaft zusammenziehen und weiten können: Verschiedene Zyklus-Phasen verändern auch den Muttermund. Abhängig von der Zyklusphase ändert sich auch die Beschaffenheit des Schleimpfropfes, der den äußeren Muttermund verschließt.

Und außerdem wird er beim Orgasmus aktiv und öffnet sich, so dass Spermien leichter den Weg in die Gebärmutter finden können. (Spannend, oder!? Theoretisch liegen die Chancen, schwanger zu werden, also höher, wenn die Frau ebenfalls einen Orgasmus beim Sex hat!)

 

Was ist seine Rolle während der Schwangerschaft?

Während der Schwangerschaft wird die Rolle des Muttermundes von Tag zu Tag „schwerwiegender“: Dieser Muskelring ist mitverantwortlich dafür, dass dein Kind nicht vor der Zeit aus deinem Körper purzelt. (Eine genauso wichtige Rolle gegen das Rauspurzeln hat der Beckenboden. Dazu an anderer Stelle mehr.)

Wenn aufgrund besonderer Umstände davon ausgegangen werden muss, dass sich der Muttermund frühzeitig öffnen könnte, wird er manchmal während der Schwangerschaft zugenäht und dann erst wieder zur Geburt geöffnet. Alternativ kann auch ein Ring eingesetzt werden, der den gleichen verschließenden Effekt auf den Muttermund hat und dann erst gegen Ende der Schwangerschaft entfernt wird. Das Zunähen des Muttermundes wurde in der näheren Vergangenheit häufiger praktiziert; heutzutage jedoch nur noch bei starken Gebärmutterhalsschwächen.

Natürlich ist es, dass der Muttermund während der Schwangerschaft von einem Pfropf aus zähflüssigem Schleim verschlossen ist. Dieser Schleim schützt die Gebärmutter und damit dein Kind vor dem Eindringen unerwünschter Keime.

 

Welche Rolle hat er bei der Geburt?

Schleimpfropf

Oft ist es eines der ersten Anzeichen für die beginnende Geburt, dass der Schleimpfropf, der den Muttermund verschließt, sich löst. (Dieses Lösen kann aber auch andere Ursachen haben, zum Beispiel sehr viel Bewegung.) Frauen stellen dann beim Wäschewechsel fest, dass das Höschen nass ist. Der Schleimpfropf kann sich als Ganzes lösen, oder nach und nach. Manche Frauen merken es auch gar nicht, weil er sich zum Beispiel beim Schwimmen löst. Oft ist eine Lösung des Pfropfes vom Muttermund auch mit einer Schmierblutung verbunden — und die bemerken die allermeisten Frauen.

Muttermundverkürzung

Damit dein Kind geboren werden kann, muss der Muttermund sich weiten. Als Faustregel gilt dabei, dass das Kind hindurch passt, wenn die Öffnung 10 cm beträgt. Deshalb messen viele Hebammen, Ärzt*innen und auch gebärende Frauen den Fortschritt der Geburt an der Öffnung des Muttermundes. (Valeria erzählt zum Beispiel davon, wie du hier lesen kannst.)

Obwohl die Öffnung des Muttermundes also etwas darüber aussagt, wie gut dein Baby durch den Geburtskanal passt, sagt sie nichts darüber aus, wie schnell dein Kind geboren wird. Manchmal dauert eine Öffnung von einem Zentimeter sehr lang, während der folgende Zentimeter innerhalb von nur wenigen Minuten geschafft ist.

Übrigens öffnet sich der Muttermund erst, wenn sich der Geburtskanal zwischen innerem und äußerem Muttermund, also der Gebärmutterhals, deutlich verkürzt hat. Wer sich das nicht so richtig vorstellen kann und keine Lust auf medizinische Videos hat, dem sei dieses Video von Liz empfohlen:

(Das Video stammt von Liz Chalmers und ist bei Youtube abzurufen. Sie hat mir erlaubt, es für diese Homepage zu nutzen. Alle Rechte für das Video liegen bei Liz.)

Darin wird sehr deutlich, dass sich erst der Gebärmutterhals verkürzt, bevor sich dann der Muttermund weitet.

Im Gegenteil zum Video kann übrigens in der Realität noch etwas geschehen: Der Muttermund kann sich während der Geburt auch wieder schließen! Dies wird vor allem von Frauen berichtet, die sich an einem bestimmten Punkt während der Geburt sehr unwohl fühlten. Der Körper bekommt dann die Signale, dass jetzt kein guter Geburtszeitpunkt sei — und versuchte deshalb, den Prozess so weit wie möglich umzukehren. (Zu diesem Fluchtinstinkt habe ich mich hier noch ausgelassen.)

 

Welche Probleme können in Bezug auf den Muttermund auftreten?

(Ich beschränke mich hier auf geburtsrelevante Probleme, nicht alles, was pathologisch je mit einem Muttermund passieren könnte…)

  • Er kann sich während der Schwangerschaft zu früh öffnen, siehe oben.
  • Er kann sich während der Geburt nicht öffnen, siehe unten.
  • Er kann sich während der Geburt wieder schließen, siehe oben.
  • Er kann während der Geburt einreißen, siehe unten.

Welche medizinischen Vorgänge werden während der Geburt am Muttermund praktiziert?

Wie oben erwähnt, wird der Muttermund manchmal während der Schwangerschaft per Zunähen oder Ring verschlossen und erst kurz vor der Geburt wieder geöffnet.

Besonders häufig ist während der Geburt dann das Abtasten des Muttermundes, um  den Grad der Öffnung desselben zu bestimmen. Theoretisch kann die gebärende Frau das selber machen, wenn sie beweglich genug ist. Oft sind Hebammen oder Ärtz*innen gefragt. Manche Frauen wollen den Fortschritt der Öffnung gerne wissen, um sich zu vergewissern, dass es mit der Geburt voran geht. Manche Frauen empfinden es aber auch als sehr störend und würden das Abtasten gerne verhindern. Beides ist okay, und es ist auch okay, während der Geburt die Meinung darüber zu ändern.

Wenn sich der Muttermund während der Geburt nicht öffnet, wird er manchmal künstlich gedehnt. Das ist für die meisten Frauen schmerzhaft, kann aber helfen, die Geburt zu beschleunigen.

 

 

Was passiert nach der Geburt mit dem Muttermund?

Innerer und äußerer Muttermund entfernen sich nach der Geburt der Plazenta wieder voneinander. Der Gebärmutterhals dehnt sich zurück in seine ursprüngliche Länge.

Falls der Muttermund während der Geburt einreißt, wird die Heilung noch einige Zeit dauern. Helfen können dabei Sitzbäder, es ist aber in jedem Fall angeraten, fachlichen Rat zu suchen.

Man wird deinem Muttermund ansehen, dass er an einer Geburt beteiligt war. Oft ist der Muskel nach der Geburt nämlich langfristig etwas nach „außen“ gedrückt. Dies hat für seine Funktion jedoch keine Bedeutung.