Nina: Maila wird sanft am Beckenknochen vorbeigerüttelt

Nina erzählt ihrer dritten Tochter Maila die Geschichte ihrer Hausgeburt. In den Nebenrollen: Mailas Papa, ihre großen Schwestern sowie 2 Hebammen. 

Die Geschichten, wie Mailas ältere Schwestern zur Welt kamen, kannst du hier lesen:

Viel los davor!
17.1.2016. Am Tag vor deiner Geburt war, wie meistens, viel los bei uns. Mittags waren wir im Schwimmbad und nachmittags beim Geburtstag von Papas Cousin. Schon den ganzen Tag hatte ich immer mal wieder stärkere Wehen und eine leichte innere Unruhe.

Ich wollte nicht gern alleine sein, deshalb bin ich auch mit ins Schwimmbad, was dann auch ganz schön war. Ein letzter Ausflug zu viert. Abends habe ich deine großen Schwestern ins Bett gebracht und wollte es mir auf dem Sofa gemütlich machen, als ich immer stärkere und regelmäßigere Wehen bekam.

Dein Papa meinte irgendwann, die Abstände wären bei fünf Minuten, und ob wir nicht lieber die Hebammen anrufen sollten. Ich habe immer noch gehofft, dass es wieder aufhört und du noch ein paar Tage in meinem Bauch bleibst. Ehrlich gesagt wollte ich lieber schlafen.

Ab in die Badewanne
Aber du hattest andere Pläne und deshalb kam gegen halb 11 Constanze vorbei, um mal nach uns zu sehen. Ich saß inzwischen in der Badewanne und mir wurde klar, dass es sich wohl doch um deine Geburt handelte.

Dein Papa machte deine CD an und witzelte noch rum dass er auch Diskomusik oder „was Härteres“ auflegen würde wenn mir das lieber wäre. Ich wollte mich immer noch nicht so ganz auf Geburt einlassen und eigentlich nur meine Ruhe…

Irgendwann war das Liegen in der Wanne unangenehm und ich hatte das Bedürfnis mich zu bewegen, um besser mit den Schmerzen umgehen zu können. Inzwischen war es ca. 12 Uhr und mein Muttermund laut Constanze auf 3-4 cm. Spitze. Schmerzen waren so schon heftig genug und erst so wenig?

Der Zeitplan der Hebamme
Constanze meinte sie hätte keine Kinderbetreuung morgens — ob es OK wäre, wenn sie an Lena abgeben würde, damit sie sich noch etwas ausruhen könnte. Klar, da kann ich ja schlecht nein sagen.

Aber ein Teil von mir hat dann den Turbo eingelegt; ich wollte eigentlich nicht, dass es noch so lange dauert, dass sie geht und wieder kommt… Prompt wurden die Wehen heftiger und ich verarbeitete die Wehen an der Stange unseres Hängesessels. Immer wieder ließ ich mich bei der Wehe daran fallen und hing an der Stange. Dann wieder aufstehen, nächste Wehe dasselbe Spiel.

Angelos hatte, glaube ich, Angst um meine Knie oder die Nachbarn unter uns und holte deshalb eine Matratze aus dem Kinderzimmer.

Gegen halb 1 kam Mira halb verschlafen, küsste den Bauch und meinte sie wollte dem Baby nur nochmal Gute Nacht sagen. Dass ich mitten in der Nacht nackt an der Stange hing und Wehen veratmete, schien sie nicht zu registrieren. Auch Constanze am Esstisch, die alles ruhig begleitete, nahm sie nicht wahr.

Shake it, baby!
Irgendwann davor hatte ich in den Wehenpausen merkwürdige Schmerzen; hatte das Gefühl, du kommst nicht ins Becken. Bei Miras Geburt gab es eine ähnliche Phase und einen ähnlichen Schmerz, irgendwie nach vorne. Ich erinnerte mich, dass Vroni mich damals im Liegen in der Wanne hin und her seitlich ein Bein in der Schlinge gerüttelt hatte und dass sich Mira so ins Becken drehen konnte.

Kurzerhand legte ich mich auf den Boden, Füße an die Wand und rüttelte an meinem Bauch und versuchte so den Teil von dir, der da verklemmt war, am Beckenknochen vorbeizurütteln… Das sah sicher lustig aus, und hätte mein Gehirn funktioniert, wäre ich mir vielleicht komisch vorgekommen oder hätte mich ausgeschüttet vor Lachen.

So folgte ich einfach den Impulsen meines Körpers und ließ geschehen, was geschehen wollte. Auch wenn es mich dieses Mal all meinen Willen und ganz viel Kraft gekostet hat.

Spürbar mit Köpfchen
Irgendwann traf Lena ein, ich kniete gerade auf der Matratze und haderte mit meinem Schicksal, sie meinte: „ Nina, ich weiß du hast keinen Bock, aber vielleicht magst du mal fühlen, du kannst sicher schon den Kopf spüren.“ Nix da, ich hatte wirklich keinen Bock und das blöde Kopfspüren wollte ich erst recht nicht. Für was, sind doch eh erst drei Zentimeter. Dann wanderte meine Hand an deinen Kopf und ich fühlte deine zarte Haut. Ein wunderschönes Gefühl. Danke Lena für den Impuls.

Nun war ich viel motivierter und kurze Zeit später hatte ich das Gefühl, pressen zu müssen — und tat das natürlich auch. Constanze hatte irgendwann zwischendrin beschlossen, dass es wohl doch besser war, wenn sie dableiben würde, und eine der beiden schickte Angelos, um eine Thermoskanne zu holen.

Ich schrie nach ihm, weil ich das Gefühl hatte, du würdest gleich geboren werden. Dein Kopf füllte mich komplett aus. Ich hätte dich gerne mit meinen Händen in Empfang genommen, das ging aber technisch nicht, weil ich im Vierfüßler war und Angst hatte, das Gleichgewicht zu verlieren. Kurz fühlte ich deinen Kopf und rief: „Könnt ihr bitte auf meinen Damm aufpassen?“ Angelos kam angeflitzt und dann wurde auch schon dein Kopf geboren.

Gut gelandet
Bei der nächsten Wehe, um 1.16 Uhr, warst du da. Ziemlich erschrocken hast du deine Ärmchen in die Höhe gerissen und uns mit weit aufgerissenen Augen angeschaut. Ich war einfach nur überwältigt und Weinkrämpfe schüttelten meinen ganzen Körper; so glücklich und erleichtert war ich, dass du endlich auf meinem Bauch lagst.

Angelos setzte sich hinter mich und wir waren ganz überwältigt von dir und unserem Glück. Nachdem deine Plazenta geboren wurde, zogen wir um ins Bett, wo du auch bald anfingst zu trinken. Lena und Constanze untersuchten mich, und bis auf eine kleine innere Schürfung war glücklicherweise alles heil geblieben. Constanze ging nach Hause um ihren wohlverdienten Schlaf nachzuholen.

Nach zwei Stunden weckten wir deine großen Schwestern und gemeinsam mit deinem Papa durchtrennten sie deine Nabelschnur. Lena machte einen Abdruck deiner Plazenta in der Schale, die ich in der Schwangerschaft dafür getöpfert hatte.

Ganz fasziniert und ziemlich aufgedreht waren deine Schwestern und, wie wir auch, konnten sie sich nicht an dir sattsehen. Du schliefst auf mir selig und süß, sonst bekam keiner viel Schlaf für den Rest der Nacht.

Gegen 4 verabschiedete sich auch Lena, und wir versuchten, uns ein wenig auszuruhen. Nun zu fünft im Bett kuschelten wir uns aneinander und genossen diese ganz besonderen ersten Stunden mit dir kleinem neuen unberührten Menschlein, so klein, doch schon so groß, ganz neu und doch schon so alt. Schön, dass du da bist, kleine Maila Nova, wir lieben dich jetzt schon alle bis in die Unendlichkeit!