Sternenkinder

„Die wie vielte Schwangerschaft ist das denn?“ – „die Vierte.“ – „ach, ich dachte, du hast „nur“ zwei Kinder?“ – „Ja, und ein Sternenkind.“ Pause. Stille. Unangenehme Stille.
Version 1: „Oh, das tut mir leid.“
Version 2: „Ein was?“

Die meisten Menschen lernen erst, was ein Sternenkind ist, wenn sie oder Menschen in ihrer engeren Umgebung davon „betroffen“ sind.

Wikipedia definiert Sternenkinder wie folgt:

„Als Sternenkinder werden im engeren und ursprünglichen Sinn Kinder bezeichnet, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm vor, während oder nach der Geburt versterben.[1] Im weiteren Sinne wird Sternenkind von betroffenen Eltern auch für solche Kinder verwendet, die mit mehr als 500 Gramm Geburtsgewicht sterben.[2]

Der poetischen Wortschöpfung liegt die Idee zugrunde, Kinder zu benennen, die „den Himmel“ (poetisch: die Sterne) „erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sternenkind, abgerufen am 27.8.2018).“

Der Begriff legt den Fokus dabei auf das Kind, statt auf den Vorgang der Fehlgeburt.

Nicht immer erwähne ich mein Sternenkind. Aber wenn ich es erwähne, und dann mein*e Gegenüber mit dem Begriff nichts anzufangen wissen, war ich erst selber unsicher. Verdammt, wie genau erklärst du das jetzt? Und so ging ich anfangs eben doch über zu den „fehlerbezogenen“ Erklärungen: „Ich hatte eine Fehlgeburt“. (Einen ausführlicher Bericht findest du hier: Das Kind, das ich nur kurz begleiten durfte — Geschichte meiner Fehlgeburt).

Irgendwie fand ich das aber unangemessen. Denn schnell kommt man dann wieder auf die körperlichen Begebenheiten einer Fehlgeburt. Darauf will ich aber selten hinaus, wenn ich sage, „ich habe auch ein Sternenkind“. Viel mehr will ich auf das Kind hinaus, das ich nur kurz begleiten durfte. Das Kind, als eigenständiges Wesen, nicht als gescheiterte Schwangerschaft.

Also überlegte ich mir eine bessere Formulierung zur Erklärung des Begriffs Sternenkind. Meistens formuliere ich ungefähr so: „Ich war mit einem Kind schwanger. Noch im ersten Drittel hat mein Körper die Schwangerschaft abgebrochen. Unser Kind schaut nun von den Sternen auf uns herab.“ In dieser Formulierung findet sich der Bezug auf das Wesen im Mittelpunkt, und sie erklärt gleichzeitig, warum ich diesen (sülzig-kitschig-romatisch-poetischen!?) Begriff des Sternenkindes verwende.

Wie und wann sprichst du über dein Sternenkind? Benutzt du einen anderen Begriff? Hinterlass mir gerne einen Kommentar!