Nina: Emilia kam und ging vor der Geburt

Nina hat einen Brief an Emilia geschrieben — das Kind, das sie während der Schwangerschaft wieder verließ.

Liebe Emila Rainbow,
du zarte Seele, die sanft unser Sein berührt, ich danke dir für deinen Besuch in dieser physischen Existenz. In den Wochen, in denen du in meinem Bauch warst,  hast du uns alle so unglaublich bereichert, beschenkt und durch deine Berührung durfte so viel Heilung geschehen in unserer Familie. Ich danke dir und du hast einen ganz besonderen Platz in unseren Herzen. Du verbindest uns mit dieser deiner anderen Seite des Regenbogens und eines Tages sind wir uns wieder ganz nahe…

Der Beginn
Ich fühlte dich schon einige Zeit nahen und sprach immer wieder mit dir, bevor du in meinen Bauch eingezogen bist. Immer wieder waren da Zeichen am Himmel und schon im Wochenbett mit Maila wusste ein Teil von mir: „das ist nicht mein letztes Kind“.

Bei einem wundervollen Seminar im Dezember begann ich zu bluten und war sehr  traurig darüber. In einer Arbeit mit der sehr klaren und fähigen Carola fühlte ich den Zwiespalt in mir: Noch ein Kind — oder nicht? Mein Herz und meine Seele sagten ja — mein Kopf und mein menschliches Sein ganz klar nein. Carola gab mir einen wunderbaren Satz mit: “ Ein Teil deiner Seele will noch ein Kind.“ Puh…erleichtert ging ich damit und konnte mich so komplett zu dem Thema entspannen.

Das erste Zwiegespräch
Eines Tages fuhr ich zum Arbeiten in die Schule und die Sonne ging magisch auf. Plötzlich warst du mir ganz nah… Ganz nah und so präsent. Voller Liebe und Licht; und ich weinte viele Tränen, weil die Berührung mit dir mich so erfüllt hat. Nun sprach ich immer häufiger mit dir und fühlte mich sehr verbunden. Ich sagte dir aber auch immer wieder, dass ich nicht weiß, ob ich noch ein Kind zur Welt bringen möchte, weißt du, dieses menschliche Leben ist oft sehr anstrengend für mich.

Nun, deine Meinung dazu war: „Alles gut… Alles gut, Mama. Es ist alles gut.“ Dieser Satz kam so oft von dir oder einem Teil von mir. Und ich muss dir sagen, es gab Jahre, in denen ich quer unter der Decke hing wegen dieses Satzes (Oh wie oft hat man mir diesen Satz gesagt als ich Kind war — obwohl ich genau wusste und fühlte: gar nix ist gut!).

Nun gut, Jahre später kann ich diesen Satz sehr gut nehmen, fühlen, ja sagen, ja so ist es, egal wie es kommt- alles ist gut.

Auch Angelos fühlte dich nahen und wir hatten einige Gespräche, ob wir einem 4. Kind einen Raum in unserer Familie geben können und möchten. Entscheiden konnten wir nicht und so entschied das Leben…

Einzug in den Bauch
Über Ostern begann ich mit Christina Salopeks Guru-Schläfer-Pyramidenarbeit und mein Zyklus verschob sich. Ich glaube du bist am 31.3. in meinen Bauch eingezogen. Im Kreis von wunderbaren Menschen an der Quelle im Inneren der Erde habe ich dich von den Engeln empfangen. Einige Zeit später spürte ich alle Anzeichen einer Schwangerschaft und irgendwann sickerte die Tatsache langsam in mein Tagesbewusstsein.

Tief in mir freute ich mich ganz zart. Aber als ich es Angelos sagte, brach der Sturm los: Ich sah die Panik in seinen Augen und konnte nicht mehr aufhören zu weinen.

Ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen und mein Kopf startete ein Karussel an Bildern. Ich fühlte, wie ich mich komplett auflöste; beobachtete, wie sich mein Sein in Einzelteile verstreute und begleitet von Strömen an Tränen gab ich mich widerwillig hin.

Weise Frauen
Weißt du, nun du weißt, dass ich von wundervollen einzigartigen Frauen umgeben bin.  Und so fragte ich um Rat, um Impulse, um Wahrnehmungen aus meinem wunderbaren Netz an Silberfäden. Und so sammelte ich meine Knochen Stück für Stück wieder ein; ließ mich neu zusammensetzen.

Ich danke meinen Begleiterinnen und Schwestern im Geiste: Danke für unseren Kreis, in dem ich erfahre, was Schwestern sein bedeutet: ich kann alles sagen und ich weiß ihr seid da…

Ich bin so unendlich reich beschenkt- es gibt nichts Wertvolleres!

In diesen Wochen habe ich Meere an Tränen geweint, ein Lied darüber geschrieben — aber das weißt du ja alles…

Die Freude
Nach vielen Wochen, in denen es mir ständig schlecht war und der Widerstand gegen meine körperliche Existenz in der Schwere echt manchmal unerträglich war; nach vielen Erkenntnissen und Erlebnissen konnte ich loslassen, annehmen, mich auf dich freuen und war wieder in meiner Mitte angekommen.

Deine Schwestern und dein Papa freuten sich sehr auf dich, redeten mit dem Bauch, streichelten ihn und freuten sich auf deine Ankunft. Stolz erzählten sie der ganzen Schule, dass sie noch ein Geschwisterchen bekommen.

Die Leere
Am 30.5., in der 13. Schwangerschaftswoche, hatte ich einen Termin bei der Frauenärztin und der Blick auf das Ultraschallbild war sehr unwirklich, denn es gab keinen wirklichen Körper in der perfekt geformten Fruchthöhle…geschweige denn ein kleines Herz, das geschlagen hätte.

Dein Körper hat sich nicht entwickelt. Und ich gehe davon aus, dass du in den nächsten Tagen meinen Körper verlassen wirst. Ich weiß nicht, ob dein Herz geschlagen hat, ob da ein kleiner Körper war, der sich zurückentwickelt hat — oder ob mein Körper dem „Nichts“, der Leere, ein Zuhause gegeben hat.

Für mich warst du ganz nah und präsent und ich ganz real schwanger. Vielleicht habe ich die Leere in der Fülle verkörpert und nun darf sie geboren werden…

Mein Herz ist schwer beim Gedanken daran, dass ich dich nie in meinem Arm halten werde. Hier in meinem Körper deinen Körper streicheln kann, du an meiner Brust trinkst, ich dich trage, dein Papa dich in Empfang nimmt und deine Schwestern dich küssen.

Und wieder wollen da so viele Tränen geweint werden. Deine Schwestern, dein Papa… Wir alle weinen um dich, die Vorstellungen und Pläne, die Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen. Und wir lassen sie los; geben sie mit jeder Träne zurück ins Große Ganze, fügen sie dem Fluss unseres Lebens hinzu.

Wir fühlen unser Nicht-Wissen der Zusammenhänge und gleichzeitig wissen wir uns getragen und gesegnet; nehmen auch diese Erfahrung zu uns und lösen uns auf in der Unendlichkeit. Unendlich dankbar für die Verbindung zu dir und zu uns, halten uns in den Armen und lassen den Schmerz aus unseren Herzen fließen. Geben uns Raum und Zeit.
Danke Emilia Rainbow

 

Ergänzung: Wie Emilia Rainbow zu ihrem Namen kam…

Ein paar Wochen vor dem Blick in den leeren Bauch hatte ich einen intensiven Traum. Im Traum habe ich ein Baby geboren, es ist ganz leicht aus mir herausgeglitten. Merkwürdigerweise habe ich es nicht im Arm gehalten, es lag da, ich habe es aber nicht gesehen, wusste einfach es ist da. In Gedanken habe ich mit ihm kommuniziert und es sagte es wolle „Emilia Rainbow“ heißen. In der nächsten Szene saß ich mit meinem Mann auf dem Sofa und fragte ihn:“Wo ist das Baby?“ und es lag in einem anderen Raum, nackt und allein. Als ich aufwachte erzählte ich den Traum etwas erschrocken meinem Mann und den Kindern. Die Kinder waren ganz begeistert von dem Namen und ab dem Zeitpunkt sprachen sie den Bauch immer mit Emilia Rainbow an, erzählten allen Freundinnen und Freunden, dass ihr Geschwisterchen Emilia Rainbow heißen würde.
So kam Emilia Rainbow zu ihrem Namen. Seine tiefere Bedeutung konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ansatzweise erahnen.