Die Farbenlehre des Fruchtwassers

Fruchtwasser — ein komisches Wort. Das Wasser, in der die Frucht deines Leibes heranwächst. Dein Nachwuchs „schwimmt“ darin und genießt deshalb (bis zu einer gewissen Größe) eine hohe Bewegungsfreiheit im Mutterleib. Das Fruchtwasser bremst alle äußeren Einflüsse auf das Baby ab — Bewegungen, Stöße, Geräusche.
Indem das Baby Fruchtwasser schluckt, übt es die Schluckbewegungen für das Leben außerhalb des Mutterleibes, wenn es auf Saugen (wird übrigens ebenfalls bereits im Mutterleib trainiert: Über’s Daumen-nuckeln) und Schlucken der Milch angewiesen ist, um zu überleben.

Baby, Plazenta und Fruchtwasser sind von der Fruchtblase umschlossen, und zwar im Normalfall bis kurz vor der Geburt.

Während der Schwangerschaft erneuert dein Körper das Fruchtwasser fortwährend; so bleibt es frisch und schmackhaft, obwohl das Kind im Mutterleib auch bereits seine Darmtätigkeit übt.

Und dann, wenn die Fruchtblase platzt, tritt das Fruchtwasser aus. Gerade bei deiner ersten Schwangerschaft, und wenn du noch keine weiteren Anzeichen für einen Geburtsbeginn spürst (z.B. Wellen oder die Entleerung von Magen und Darm, wie bei Sylvia), könntest du verunsichert sein: Ist das nun Fruchtwasser, oder war ich nur nicht rechtzeitig auf der Toilette? (denn auch zweiteres kommt gegen Ende der Schwangerschaft ja schon mal vor…) Ist das nun das komplette Fruchtwasser, oder nur ein kleiner Teil?

Fruchtwasser riecht normalerweise süßlich und ist farblos. Der PH-Wert liegt bei circa 6,5 (zum Vergleich: Urin einer gesunden Person hat einen ph-Wert von circa 6,0, wobei Schwankungen zwischen 4 und 7 normal sind).

So weit zum Normalfall. Fruchtwasser kann aber auch zwei andere Färbungen annehmen:

Rotes oder rosanes Fruchtwasser lässt auf Blut schließen. Dies ist nicht unbedingt ein Grund zur Sorge: Ein wenig Blut kann vollkommen normal sein, wenn durch den „Schwung“ beim Platzen zum Beispiel ein kleines Äderchen im Bereich des Muttermundes gleich mit geplatzt ist.

Problematisch wird es, wenn die Färbung tatsächlich eher rot ist und auf eine größere Menge Blut schließen lässt. Hier gilt: Hol am besten sofort medizinischen Rat ein! Fahr ins Krankenhaus, falls du eine Krankenhausgeburt geplant hast und nicht schon so wie so dort bist. Kontaktier deine Hebammen, falls du eine außerklinische Geburt mit Betreuung anstrebst. Unter Umständen schicken auch diese dich ins Krankenhaus. Wenn du weiter weg wohnst, solltest du auch den Ruf des Rettungswagens in Erwägung ziehen.

Blut im Fruchtwasser kann mehrere Ursachen haben. Eine Verletzung des Babys ist möglich; wahrscheinlicher ist allerdings eine vorzeitige Ablösung der Plazenta von der Gebärmutter oder andere Plazenta-Probleme. Diese können dazu führen, dass das Kind im Mutterleib über die Nabelschnur nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden kann. Um Mutter und Kind zu retten, kann ein schneller Kaiserschnitt nötig werden.

Grünliches Fruchtwasser: Grünliches Fruchtwasser ist ein Anzeichen dafür, dass dein Kind relativ kurz vorher seinen Darm entleert hat und der Körper noch keine Zeit hatte, das Fruchtwasser komplett zu reinigen.

Grünliches Fruchtwasser wird meist als Zeichen von Stress des Babys gewertet. Die Logik ist ähnlich wie bei Erwachsenen: Wenn wir fliehen müssen, entleeren sich Darm und Blase häufig noch schnell, so dass wir keine unnötige Ballast mit uns herumschleppen. (Andererseits wird die Verdauung jenseits der Darmentleerung eingestellt, um keine Energie darauf zu verschwenden, siehe auch hier: „Nur weg hier“ — Als Fluchttier bei der Geburt.)

Sollte dein Fruchtwasser frün sein, bedeutet das nicht automatisch, dass ein Notkaiserschnitt eingeleitet werden muss. Allerdings werden die medizinischen Kräfte um dich herum dich und vor allem dein Kind genauer beobachten wollen: Wie sind die Herztöne, geht die Geburt voran? Sprich: Gab es einen Stress-Grund; jetzt ist die Lage aber wieder entspannter? Oder steht dein Kind immer noch unter Stress bzw. wird dieser sogar stärker? In jedem Fall ist grünes Fruchtwasser ein Ausschlussgrund für eine Haus- oder Geburtshausgeburt mit Hebammenbetreuung (mehr dazu liest du hier: Medizinische Voraussetzungen für eine Hausgeburt).

 

Erzähl mir gerne von deinen Erfahrungen mit Fruchtwasser — hast du es sofort erkannt, oder warst du dir erst unsicher? Welche Farbe hatte es und hatte das einen Einfluss auf den weiteren Geburtsverlauf? Hinterlass mir gerne einen Kommentar!