Frau Mutterherz: Oles Rüttel-Kaiserschnitt

In ihrem Blog https://einstrichphobie.wordpress.com berichtet Frau Mutterherz über ihren lange unerfüllten Kinderwunsch. Und, als es endlich klappte, über die Schwangerschaft mit Ole und auch über seine Geburt. Ihren Geburtsbericht, den ihr im Original hier findet, durfte ich auf meinem Blog ebenfalls veröffentlichen.

Ihr lest, wie Ole nicht nur bei Frau Mutterherz, sondern später auch bei der OP-Ärztin, nicht so richtig „rausflutschen“ wollte, am Ende aber alles gut lief — ein optimaler Kaiserschnitt mit sofortiger Eltern-Bindung und erfolgreichem Stillen.

26.04.18:

Gegen 4:30 Uhr wache ich auf, irgendwie fühlt sich was komisch an… ich gehe auf Toilette und überlege lange, ob ich nun einen Blasensprung habe oder ob der Bub nur so ungünstig liegt, dass ich halt vor mich hin tröpfle. Schließlich entscheide ich mich für Variante 2.

An Schlaf ist dennoch nicht mehr zu denken, denn ich bemerke eine erste Wehe, die ich aber nicht einordnen kann. Ich verziehe mich aufs Sofa und beschließe, den Lieblingsmann schlafen zu lassen. Die Wehen kommen alle 30 Minuten und sind easy zu veratmen. Beim nächsten Toilettengang bemerke ich etwas Schleim und Blut und bin mir nun sicher, dass es heute losgeht. 😍 Vorfreude und Aufregung mischen sich und ich versuche mich weiter auszuruhen…

Als der Lieblingsmann aufwacht, informiere ich ihn, sage aber gleich, dass es bestimmt noch dauert. Wir frühstücken. Irgendwie verbringe ich den Morgen… vermutlich vorm TV?! 🤔 Gegen 11 Uhr gehe ich in den Garten und wir bepflanzen noch einige Schalen und unsere Balkonkästen – ich ahne, dass das die letzte Chance ist.

Zur Mittagszeit kommen die Wehen alle 15 Minuten und ich veratme sie noch immer locker. Ich bin geistig total gelassen und vertraue auf mich und meinen Körper. Nach dem Essen beschließe ich den Wannentest zu machen… die Abstände werden wieder größer, dafür werden die Schmerzen intensiver. An den Nachmittag kann ich mich kaum erinnern. Aber als die Wehen stärker werden und ich leicht jammere, ist Fritz dezent irritiert.

Abends gegen 18 Uhr kommen die Wehen im 7 Minuten Takt und ich veratme sie tönend. Ich kreise auf dem Ball UND HABE HUNGER! 😂 Der Lieblingsmann will gerne los, ich bestehe darauf, Strammen Max zu kochen und erst zu essen und erinnere an die Worte der Hebamme: Wer noch Hunger hat, ist noch nicht unter der Geburt. 😉 Wobei ich schon froh bin, nicht mehr allein zu sein. Nachmittags war der Lieblingsmann nämlich kurz weg und das fand ich gar nicht lustig…

Jedenfalls sagt der Lieblingsmann dann, dass ER nun ins Krankenhaus möchte 🤣🙈, ich gebe nach und ziehe mich an – die Wehen kommen alle 5 Minuten. Sie tun weh, aber so richtig glaube ich nicht, dass es nun losgeht. Der Lieblingsmann macht dezent Druck, dass er nun los will. Im Auto sage ich noch, dass sie uns sicher wieder heim schicken und komme mir blöd vor, jetzt schon ins Krankenhaus zu fahren (die Wehen hören sogar kurz auf)… von wegen die Geburt verpasst niemand und du weißt, wenn es echte Wehen sind…😉

Im Kreißsaal empfängt uns Almuthe (eine alte Hebamme mit Perlenkette, Föhnwelle und perfektem ﹰMakeup — wir kennen sie schon vom Wochenende und freuen uns riesig, dass sie Schicht hat 😊).

Wir dürfen in „unseren“ Kreißsaal und schreiben erstmal ein CTG. Das zeigt ordentliche Wehen im 5 minütigen Abstand. Mir geht es immernoch super und Almuthe lobt mich und sagt, dass das was wird. 😘 Ich verstehe gar nicht, was sie meint… bis sie den Lieblingsmann losschickt, um mich anzumelden. Sie stehen vor dem Kreißsaal. Er fragt noch, ob stationär oder ambulant. Und Almuthe antwortet sehr amüsiert… natürlich stationär. Sie bekommt ja ein Kind.

Plötzlich verstehe ICH die Situation. Ich strecke den Kopf aus dem Kreißsaal und schaue sie verblüfft an… nur zur Sicherheit frage ich nochmal, ob sie sich sicher ist, dass das jetzt diese Geburt ist. 😂🙈😂🙈

Bitte fragt mich nicht, warum ich es ewig nicht gecheckt habe… ich vermute, weil bis dahin alles so einfach verlief… Die Hebamme tastet mich ab. Wir sind bei einem knappen Zentimeter. Sie ist total erstaunt, dass ich noch nicht ins Krankenhaus wollte, denn bei diesen Wehen könnte sich da schnell was tun. Kindchen du bist verrückt, sagt sie und lacht. 😄

Wir informieren noch meine Eltern und die beiden Patinnen, wo wir sind und, dass es mir bisher super geht. Alle wünschen mir alles Gute und viel Kraft.

Es ist gegen 20 Uhr und ich denke, dass bald alles gut wird und ich Mama bin.

21 Uhr war im Kreißsaal Schichtwechsel. Almuthe kam nochmal zu uns, meinte, dass wir bestimmt bald zu dritt sind und verabschiedete sich dann. Ab sofort begleitete uns Yvonne. Anfang 40. Auch sympathisch, aber mit Almuthe nicht zu vergleichen… und leider kannten wir sie auch noch nicht vom Wochenende.

Mittlerweile hatte ich einen Zugang in der Armbeuge gelegt bekommen – leider von der Assistenzärztin, die ich schon bei der Anmeldung nicht mochte und die mich schon 2 mal beim Blutnehmen traktiert hatte. Mir wäre die Braunüle in der Hand ja lieber gewesen, der Hebamme auch, aber Frl. Doktor hat’s weder mit Blutnehmen noch mit Zugängen. 🙈

Nachdem wir fertig waren, durften wir erstmal auf unser Zimmer. Wir hatten Glück, denn das neuste Familienzimmer war frei. Es erinnert noch mehr an ein Hotelzimmer und gefiel mir gut. 😍 Allerdings hatte ich mittlerweile doch arge Schmerzen und bekam ein Buscopanzäpfchen und ne Wärmflasche mit.

Wir versuchten etwas zu dösen, was mir aber nur wenige Minuten gelang… die Schmerzen wurden immer stärker und gegen 23 Uhr gingen wir zurück in den Kreißsaal zum nächsten CTG. Der vorherige Ultraschall zeigte, dass Ole sich von der 1. SL in die 2. SL gedreht hatte. Und das CTG bestätigte, was ich fühlte, er strampelte wie wild… die Ärzte waren durchaus überrascht, dass er das immernoch konnte. Gleichzeitig waren seine Werte natürlich deswegen wieder auffällig. Unterdessen kam ich immer schlechter mit dem Schmerz klar. Tatsächlich vergisst man den Schmerz wieder, ich weiß aber noch wie ich ihn der Hebamme beschrieben habe.

Es war wie starke Regelschmerzen. Aber nur vorne am Schambein und auf dem Höhepunkt der Wehe fühlte es sich ganz spitz an. So sahen die Wehen auf dem CTG auch aus… keine langen Berge, sondern Spitzen… alle 3 Minuten.

Ich musste mich auf die rechte Seite legen, da alles Kreisen nicht half, damit er ins Becken kommt. Ich weiß noch, dass sich ab da jede Wehe falsch anfühlte. Aber da Yvonne ja meinen super-Start nicht mitbekommen hatte, dachte sie wohl, dass ich recht zimperlich bin. Das CTG zeigte kaum noch Ausschläge. 19 Uhr hatte ich 120er Wehen locker veratmet und nun krümmte ich mich bei 40er Werten. Ich kam mir selber blöd vor. Außerdem wollte ich plötzlich nicht mehr berührt werden – sodass der Lieblingsmann wirklich nur noch zuschauen konnte.

Dann kam sie irgendwann und fragte, wie ich es denn mit Schmerzmitteln halten wolle… soll sie was anbieten oder auf unsere Nachfrage warten?…Schmerzmittel!!… verdammte Axt, warum fragt sie erst jetzt?!? Ich dachte man sieht, dass ich was brauche und bietet es mir an, wenn es was gibt, dass ich nehmen darf. 🙈Also ja. Her damit.

Ich bekam nen Tropf und konnte endlich etwas durchatmen. Weil ich allerdings auf meinem rechten Arm lag, lief der Zugang nicht so richtig…Braunüle in die Hand legen lassen! Wichtig für alle, die es noch vor sich haben!

Ich hing seit einer Ewigkeit am CTG. Dann machten sie nochmals einen Ultraschall und beschlossen, die Oberärztin zu kontaktieren. Diese wollte dann die Herztöne von Ole ohne Wehen testen und so wurde der Schmerztropf abgehängt und ein Wehenhemmer kam zum Einsatz.

Halleluja. Ich wollte die Pause nur noch für Schlaf nutzen und schickte den Lieblingsmann für selbigen aufs Zimmer. Alleine im fast dunklen Kreißsaal fuhr ich etwas runter und erholte mich… Ole ging es gut und so wurde nach gut 30 Minuten der Wehenhemmer wieder gestoppt. Innerlich heulte und fluchte ich darüber. Eigentlich wusste ich da schon, dass ich nicht mehr mag. So nicht. So falsch wie sich das anfühlte. Gegen 2:15 Uhr kam auch der Lieblingsmann zurück. Bis kurz vor 3 Uhr lief der restliche Schmerztropf durch und wir wurden aufs Zimmer geschickt. Sollten am besten erst nach 6 Uhr wieder kommen, außer die Schmerzen würden schlimmer.

Zurück auf dem Zimmer half der Tropf noch kurz, doch irgendwann stöhnte ich wieder vor Schmerz. Gegen 4 Uhr sah die Nachtschwester nach uns – wohl weil ich immer lauter wurde. Ich beschloss, dass ich wieder in den Kreißsaal wollte. Es dauerte über 30 Minuten, bis ich in der Lage war, die 20 Meter dorthin zu gehen.

Dort angekommen untersuchte mich die Hebamme und ich war nun bei einem guten Zentimeter! WTF??😲🤤😭 Ich dachte, ich fall vom Bett. Am liebsten hätte ich geheult. Von knapp zu gut… faktisch hatte sich also NICHTS getan. Wäre ich wenigstens zu ner vernünftigen PDA-Weite gekommen. Aber so? Anscheindend waren die Wehen VÖLLIG nutzlos. Ole stieß nur immer gegen die Symphyse ohne irgendwelchen Druck auf den Muttermund auszuüben. 🙈😭

Und dann sagte ich es. Ich hatte mir fest vorgenommen, mich und ihn in einem solchen Fall nicht ewig zu quälen oder gar zu gefährden.

Ich will einen Kaiserschnitt. War ich dem Skalpell doch tapfer zweimal ausgewichen, wollte ich nun nichts mehr. Etliche Male hatte ich in den letzten Stunden überlegt, dass Ole schon 9 bzw. 6 Tage bei uns sein könnte… 😐

Da die Oberärztin aber noch eine Zeit brauchte, bis sie da war und ich AUF KEINEN FALL von der Assistenzärztin operiert werden wollte…Es lebe die Chefarztbehandlung!…durfte ich gegen kurz nach 5 Uhr noch in die Wanne. Schmerzmittel durften/ wollten sie mir wohl vor der OP nicht mehr geben. Obwohl ich quasi minütlich danach fragte. 😅

So lag ich da in der Wanne. Kämpfte gegen den Schmerz und plötzlich hörte ich es hinter mir Schnarchen. 😂😂😂 Die Liege hinter der Wanne war anscheinend sehr bequem. Irgendwann hieß es dann, dass die Oberärztin in 10 Minuten käme und ich musste mein „Wellnessbad“ beenden.

In der Zwischenzeit war auch die Hebamme der Tagschicht da. Iris – die Rebellin, mit der wir uns am Wochenende blendend verstanden hatten. 😊 Das fand ich beruhigend und eigentlich hätte ich es gerne mit ihr probiert – aber ich war an diesem Punkt schon durch. Sie untersuchte mich nochmals. Ein Zentimeter. Ich wiederholte meine Bitte nach Schmerzmittel und einem Kaiserschnitt.

Auf dem Gang hörte ich, wie Iris zu Yvonne sagte, dass ich nicht die Frau Zweistrich sei, die sie kannte. Später erzählte der Lieblingsmann ihr den Geburtsverlauf und dann konnte auch sie meinen Wunsch nachvollziehen…

Dann kam die Oberärztin, checkte nochmal die Lage und gratuliete mir zu der vernünftigen Entscheidung. In nicht mal einer Stunde wäre ich Mutter… die OP-Maschinerie lief an. Ich bekam die Antibiose, den Katheder und die Stützstrümpfe. Wurde umgebettet und wir warteten auf das GO. In dieser Phase fühlte ich mich am unwohlsten, da erstmals kaum jemand etwas erklärte und plötzlich der Lieblingsmann weg war. (Man hatte ihn frühstücken geschickt, damit er nicht umkippt.)

Der Katheder beunruhigte mich arg, doch irgendwann ging es endlich los. Wohlgemerkt hatte ich immernoch Wehen, die sie nicht betäubten, damit der Test bei der Spinal auch aussagekräftig ist. Im OP fuhr mich der Pfleger erstmal gegen eine Tür. Genau während einer Wehe. Autsch! 😣

Eigentlich hatten sie im Kreißsaal gehofft, mich in die OP-Tagschicht zu schicken. Leider gab es wohl Probleme und so war die Nachtschicht noch da – die nur so halb begeistert war. Dennoch waren alle super nett, stellten sich vor und beruhigten mich. Der Anästhesiepfleger bereitete mich auf die Spinale vor und nach einer weiteren Wehe – ich hatte mega Angst sie würden während der Wehe stechen und rief Wehe Wehe Wehe! — legten sie die Betäubung. Ich dachte noch, dass ich völlig umsonst so einen Schiss davor hatte und dass das ohne Wehen ja ein Klacks gewesen wäre.

Übringens dämmerte mir erst im OP, dass sie ja jetzt mein Baby holen. Davor war ich irgendwie in einer Gedankenschleife aus… ich muss operiert werden, weil ich so Bauchschmerzen habe. 🙈

Das Tuch wird ausgebreitet, ich bekomme ein Bondingband und der Lieblingsmann kommt hinzu. Ich frage noch, ob sie auch wirklich vorher die Schmerzfreiheit testen – da gab der Anästhesist schon das Zeichen zum Schnitt (laut Lieblingsmann)… ich hatte den Test gar nicht bemerkt. 😊 Pseudomäßig fragte man mich, ob ich DAS spüren würde… 😉.

Wenige Minuten später sagt die Ärztin gleich wäre er da… und dann: Wo hängt der denn jetzt noch? Es wird gedrückt und gerüttelt – ich bin völlig ruhig und komme gut damit klar, lächle in mich hinein, dass selbst die Ärztin ihn nicht sofort rausbekommt – und dann höre ich schon einen kräftigen Schrei. Mein Herz springt. Ich denke sofort, gut er schreit, er atmet.

Iris zeigt ihn mir und ich breche in Tränen aus. Der Lieblingsmann und ich denken übrigens bei Oles Anblick das Gleiche: Ja, das ist er. Er sieht genauso aus wie auf dem Ultraschallbild. 😍

Ich rufe seinen Namen. Sage wie sehr ich ihn liebe. Er wird kurz untersucht und kommt dann umgehend auf meine Brust. Ich bin völlig fertig und weine vor Glück und finde es unfassbar. UNSER Baby. 💖💖💖 UNSER Ole. 💖💖💖 Dass man mich nebenbei zunäht, bekomme ich gar nicht mit.

Irgendwann wird mir übel. Ich will es nicht sagen, damit sie ihn nicht wegnehmen. Aber ich habe Angst, ihn voll zu kotzen und überlege, was das für die Mutter-Kind-Bindung für Folgen hat. 😅 Ich sage es und Iris schaltet und schlägt vor den Käfer mit dem Papa zu wiegen und ihn dann kuscheln zu schicken. Ich stimme zu, sie tauschen Baby gegen Schale und ich breche umgehend. 🤤 Der Anästhesist erklärt, warum mir schlecht wird und was er mir jetzt gibt… allgemein redet er viel mit mir.

Als sie fertig sind, gratulieren mir die Ärztin und alle Anwesenden und sie sagen wie cool sie den Namen OLE finden. THOR verstehen etliche nicht, also glänzt der Anästhesist mit einem Exkurs über den Donnergott. 😍 Ich mag ihn grad sehr. 😉

Dann kommt das übliche Zittern nach der Narkose – ich bekomme noch ein Mittel dagegen und werde in den Kreißsaal gebracht. Dort liegen meine zwei Herzmänner und kuscheln. 😍😍😍 Ich bekomme Ole umgehend. Lege ihn an und er stillt über 30 Minuten. Ich bin so froh, dass das klappt und voller Glück. Wir kuscheln noch etwas und dann ruft der Lieblingsmann unsere Familien an.

Nach ca. 2 Stunden ziehen wir in unser Zimmer um. Iris gibt mir den heißen Tipp auf das Familienzimmer zu verzichten, da es kein elektrisches Bett hat, was nach einem Kaiserschnitt doof ist.

Wir bekommen ein tolles Eckzimmer mit Blick ins Grüne. Und dann sind wir plötzlich eine Familie.

💞 5 Jahre Kinderwunschleid lösen sich langsam auf während ich das Lächeln unsers Sohnes betrachte. 💞