Sabrina: Informationsloser Notfallkaiserschnitt

Sabrina erzählt, wie die Geburt zuerst nur sehr langsam voran schritt — und dann mit der PDA zunächst alles besser wurde. Bis auf einmal ein Kaiserschnitt nötig wurde, für den sie immer noch nicht die genauen Gründe kennt…

Unser geplanter Geburtstermin war der 15.08.2018. Ich dachte immer, mein Schatz käme früher; hatte in den Nächten davor auch schon stärkere Vorwehen, und so rechnete ich immer damit, dass es losging.
 
Auch mein Freund fragte mich täglich, ob mein Gefühl mir sagte, es sei so weit.
 
Am 15.08. tat sich nichts — keine Wehe, alles vorbei. Wir gingen sogar noch an den See baden.
 
Am 16.08 war der nächste Kontrolltermin: Beim Baby war alles in Ordnung; es wollte einfach noch nicht raus.
 
Am 17.08.2018 um 9 Uhr abends stach es aufeinmal am Muttermund und ich musste sogar schreien, weil es weh tat. Das Baby bewegte sich auch eigenartig im Bauch. Ich hatte das Gefühl, er würde mit seinen Händen irgendwas machen…
 
Dann hatte ich um 0.30 eine starke Wehe und plötzlich platzte die Fruchtblase. Ich war sofort munter, habe meinen Freund aufgeweckt und er sah nach. Er meinte, „ja, ist die Fruchtblase“, und brachte mir ein Handtuch.
 
Ich war sehr aufgeregt, es war ja mein erstes Baby. Wir riefen den Rettungswagen, aber der kam nicht. Am Telefon meinten sie, wir sollten selber ins Krankenhaus fahren — gut dann halt selber.
 
Ich zog mir ein Kleid an, dazu Flip Flops, und watschelte mit Handtuch zwischen den Beinen zum Auto.
Während der Fahrt ins Krankenhaus war ich sehr aufgeregt; mein Freund vermutlich auch. Wir waren aber bald da, da es nicht weit weg war. Ich hatte mir vorher zwei Krankenhäuser angesehen. Eigentlich wollte ich zuerst in das andere. Es wäre weiter weg, aber familiärer gewesen. Als ich allerdings zum Anschauen dort war, war das Gefühl nicht gut. Deswegen entschied ich mich dann vorher für das Landeskrankenhaus, in das wir dann auch fuhren.
 
Beim Krankenhaus meldeten wir uns an, und ich kam erstmal in den Kreissaal. Dort wurde mir der Wehentropf gesetzt. Das machte eine Auszubildende — leider verstach sie sich ein paar mal, bis eine Hebamme kam, die das dann richtig gemacht hat.
Ein CTG wurde gemacht: Leichte Wehen. Der Muttermund war erst fingerdurchlässig. Den Tropf bekam ich, weil die Wehen laut CTG nicht stark genug waren.
 
Also kam ich ins Zimmer; mein Freund musste nach Hause. Ich hätte ihn lieber dabei gehabt. Aber gut, er musste ja auch mal schlafen.
 
Am nächsten Morgen ging ich um 10 wieder in den Kreisssaal, mit meinen Freund.
 
Ich wollte wissen, ob sich in der Nacht bei der Muttermundsöffnung etwas getan hatte. Nach der Untersuchung stand fest: Der Muttermund war erst 1cm geöffnet. Die Wehen waren schon stärker. Ich lag am Bett im Kreisssaal, und eine etwas ältere Hebamme wollte nachsehen. Da kam gerade eine starke Wehe und ich verkrampfte, sie zog die Beine außernander und mozte mich an, ich solle gefälligst entspannen, auch wenn ich Wehen hätte müsste ich das machen…. Es ging aber in den Moment nicht.
Ich fühlte mich unverstanden, dachte mir, „hoffentlich hab ich die nicht bei der Geburt“. Gesagt hab ich nicht viel, nur, dass das Wasser heiss sei. Sie sagte nur „ist handwarm.“ Was ich mir sonst gedacht habe, weiß ich nicht mehr.
 
Dann sagte sie, ich sei komplett verstopft und sie wolle mir einen Einlauf machen. Meinen Freund schickte sie raus (gut so! ich wollte ihn da nicht dabei haben!), und machte mir den Einlauf. Es fühlte sich an als würde mein Darm brennen…
 
Nach den Einlauf musste ich wieder ins Zimmer. Mein Freund fuhr einstweilen nach Hause, da sich nichts tat.
 
Den ganzen Tag hatte ich mit starken Wehen zu kämpfen. Ich versuchte, sie so gut wie möglich veratmen; irgendwie fühlte es sich so an, dass ich ihnen hilflos ausgesetzt war. Dabei war ich alleine. Nur zum Schluss half mir die Hebamme. Das Essen, das ich bekam, würgte ich schnell runter; an Essen wollte ich in den Momenten nicht denken…
 
Um 6 Uhr abends kam mein Freund wieder und wir gingen in den Kreisssaal. Der Muttermund war 2cm offen… Ich dachte das gibt’s ja nicht.
 
Sie schickten ihn wieder nach Hause, er solle schlafen und sie würden ihn dann anrufen, wenn es soweit wäre.
 
Um 8 Uhr hielt ich die Schmerzen nicht mehr aus und wollte ein Schmerzmittel haben. Ich ging in den Kreisssaal und begnete der Hebamme, die später auch beim Kaiserschnitt dabei war. Sie war sehr nett und einfühlsam. Der Muttermund stand 2cm offen. Sie konnten mir nur ein Zäpfchen geben, was nicht mal geholfen hat. Für stärkere Schmerzmittel, so sagte sie, sei der Muttermund noch nicht weit genug geöffnet.
 
Und ich solle duschen gehen und schlafen. Schlafen???? Mit solchen Schmerzen alle 3 Minuten war das leider nicht möglich. Die Dusche half auch nicht. Also kauerte ich über dem Bett zusammen, da die Wehen im Liegen stärker waren.
 
Um 10 Uhr leutete ich bei der Schwester, ich hatte solche Schmerzen… Aber sie konnte mir nichts geben, da das nur im Kreisssaal möglich wäre. Sie sagte, ich soll ein bisschen herum gehen, also ging ich alleine eine Stunde hin und her im Gang. Irgendwie fühlte ich mich alleine. Die Wehen waren schon sehr heftig.
 
Um 11 Uhr kam eine auszubildende Hebamme und sah mich zusammengekauert am Gang. Sie meinte, ich solle mit ihr gehen, und wir gingen in den Kreisssaal. Dort kam die Ärztin und schaute wegen der Muttermundsöffnung. Er war ca 5 cm offen. Ich war froh, dass es weiterging! Die Schmerzen waren für mich nicht mehr auszuhalten. Ich war schon ziemlich laut, biss in die Decke, sagte mir aber, ich müsste entspannt atmen wegen des Babys.
 
Ich fragte nochmal nach Schmerzmitteln. Mir riet die Hebamme zu einer PDA; es würde sonst nichts mehr wirken. Und mein Freund sollte kommen, wenn die PDA gesetzt wäre. Ich war einverstanden, in dem Zustand hätte ich alles genommen. Zum Glück hatten mein Freund und ich uns bereits vorher zu Hause über die Möglichkeit einer PDA unterhalten, so dass ich mir bei der Entscheidung sicher war.
 
Der Arzt kam nach einer Viertelstunde und fragte mich, ob mir schon mal schlecht wurde von einer Betäubung. Ich verneinte und er begann, die PDA zu setzen. Die Hebamme hielt mich fest, da ständig Wehen kamen. „So ein zartes Mädchen“, sagte sie, „nur 1.54 groß, und so einen Riesen Bauch.“ Ja, er war in der Tat riesig, hatte einen 120cm-Umfang.
 
Als die PDA gesetzt war, fragte mich der Arzt, ob alles in Ordnung sei. Er sagte, es würde noch dauern bis die Wirkung einsetzte, aber es wirkte sofort, und ich musste lachen, so glücklich war ich darüber.
 
Die Hebamme sagte auch, „schau sie lacht wieder“. Dann kam endlich mein Freund, es war schon nach Mitternacht. Ich war tiefenentspannt und bereit für die Geburt.
 
Mein Muttermund war inzwischen auf 7cm offen, dann ging es los: Die Herztöne unseres Kindes waren unregelmäßig. Ich legte mich anders hin, dann waren sie wieder da und regelmäßig. Trotzdem hatte ich große Sorgen. Ich war mir sehr unsicher; ich war immer froh, wenn ich ihn dann kurz gespürt habe. Die Hebamme wollte seine Sauerstoffversorgung kontrollieren lassen und holte die Ärztin.
 

Diese nahm Blut von meinen ungeborenen Sohn aus der Fontanelle. 3 mal stach sie meinen Sohn in den Kopf, um das Blut abzunehmen. Seine Herztöne waren wieder da.Sie lachte und sagte es schiene, als gefalle ihm das.

 

Eine Stunde war um; meine Wehen wurden weniger. Davon bekam ich allerdings nichts mit. Ich habe nicht mal ein Ziehen gespürt. Vielleicht wäre ein bisschen Gefühl besser gewesen… So bekam ich ungefragt einen Wehentropf. Mein Freund war inzwischen da, ich hatte zum Glück keine Schmerzen mehr, die Herztöne waren streckenweise immer noch ungleichmäßig, ab und zu trat mein Sohn gegen das CTG.

 

Dann meinte die Hebamme, ich solle im Vierfüsslerstand krabblen; vielleicht gefalle unserem Sohn das besser… Mein Freund holte sich einstweil einen Kaffee, und ich hockte da und kreiste das Becken.
 
Plötzlich war die Hebamme sehr unruhig und sagte zur anderen Hebamme, dass sie jemanden anrufen solle. Sie meinte „warum?“, die Hebamme sagte, „hörst du eh, warum“, und ich ahnte schon was passierte.
 
Ich zitterte aufeinmal am ganzen Leib. Alle waren hektisch und liefen herum, gaben mir einen Zettel zum Unterschreiben und sagten, sie müssen einen Kaiserschnitt machen. Warum genau der Kaiserschnitt nötig war, erfuhr ich allerdings nicht. Den Zettel unterschrieb ich, ohne zu wissen, was drin stand — ich war so unter Schock, dass ich es automatisch unterschrieben habe.
 
Mein Freund war noch nicht da!! Ich bekam echt Panik um mein Baby.
Sie schoben mich in den Gang, dann in den OP-Saal. Da kam mein Freund. Er durfte aber nicht mit; er gab mir ein Bussi und ich sagte nur, „bitte komm mit“. Ich weiß bis heute nicht, warum er nicht mit durfte, hätte es mir aber wirklich sehr gewünscht.
Im OP war ich einfach nur erstarrt. Ich sah alle nur an, wie sie hektisch hin und her liefen, den Bauch abhörten, und sagten „alles in Ordnung, Frau Steiner“.
Dann bekam ich eine Maske auf: Sauerstoff sollte das sein. „Tief einatmen“, sagte der Arzt zu mir, der mir die PDA gesetzt hatte. Ich atmete ein und aus, dann sagte er „jetzt werden sie bald schlafen.“ Ich bin davon ausgegangen, dass es tatsächlich Sauerstoff gewesen war, und entsprechend unvorbereitet, dass es nun losgehen sollte. Dann schlief ich ein.

Ich wachte auf. Ich fragte, „wo ist mein Baby??“ Mein Freund hatte unseren Sohn im Arm und ich durfte ihn ein paar Sekunden sehen. Dann wurde ich in den Aufwachraum geschoben. Ich schlief ein.

 
Um 4 Uhr wurde ich munter und läutete. Die Schwester kam und ich verlangte mein Kind, ich bekam ihm aber nicht. „Erst um 6 Uhr“, sagte sie. Weitere Informationen dazu bekam ich nicht — ich vermute, dass ich wegen der Vollnarkose noch warten musste, aber genau weiß ich es nicht.
 
Es war die Hölle für mich — mein Kind wurde mir entrissen und ich durfte ihn nicht mal haben!! Endlich war es 6 Uhr; ich kam in mein Zimmer und bekam meinen Sohn. Er war müde und erschöpft — genau wie ich. Endlich war das Wesen, das ich 10 Monate unter meinen Herzen getragen hatte, da — mein Sohn Noah.
Ich war froh darüber, als Noah endlich bei mir war. Aber irgendwie fühlte ich mich als Versagerin. Meine Zimmergenossin hatte eine normale Geburt. Da kam der Arzt und lobte sie dafür, was für eine tolle Geburt sie abgeliefert hatte. Ich war eifersüchtig darauf, dass ich es nicht hinbekommen hatte.
Mein Freund kam um Punkt 6 Uhr, weil er wissen wollte, ob alles in Ordnung sei. Die Hebammen schickten ihn aber weg, es sei noch keine Besuchszeit. So kam er dann später.
 
Das Stillen klappte leider noch nicht, da Noah sehr erschöpft war und viel Fruchtwasser im Magen hatte. Am ersten Tag ging mal gar nichts, weil er zu schwach war. Mir wurden Stillhütchen in die Hand gedrückt, da ich angeblich flache Brustwartzen hätte.
Am 2. Tag aben sie Noah ins Kinderzimmer genommenen, damit ich mal schlafen konnte. Ich wollte Noah dann in der Früh anlegen, da hat eine andere alte Hebamme, die mir total unsympathisch war, gesagt, er habe gerade getrunken. Ich solle ihm den Schnuller geben. Ich war sehr unzufrieden: Erstens hatte ich extra gesagt, ich wolle stillen und keine Flaschennahrung — und sie hat ihm trotzdem in der Nacht 4 mal ohne meiner Erlaubnis Fläschchen gegeben, statt mich zu wecken. Zweitens wollte ich auch keinen Schnuller.
 
Nach 3 Tagen hatte ich den Milcheinschuss und nach und nach klappte das Stillen – ich wollte schon fast aufgeben. Eine andere Hebamme hat es mir dann super gezeigt. Leider sind wir das stillhütchen nicht mehr losgeworden — er nimmt die Brust ohne nicht mehr. Es tat noch sehr weh: Circa 2 Wochen lang hatte ich blutige Brustwarzen und Schmerzen. Aber ich biss die Zähne zusammen.
Zum Glück unterstützte mich mein Umfeld beim Stillen. Mein Freund hatte allerdings ziemliches Mitleid mit mir, weil ich echt geheult hab vor Schmerzen.
Mir ging es nach dem Kaiserschnitt nicht besonders gut. Der erste und zweite Tag war echt schrecklich: Ich hab geschwitzt, weil es so heiß war, und fühlte mich nicht gut… Ich habe eine große Narbe. Jetzt geht es mir besser damit; die Narbe nervt zwar, aber ich kann damit leben.
 
Noah ist ein sehr anhängliches Baby: Er will immer getragen werden, schläft nicht alleine und weint, wenn man ihn kurz alleine lassen will. Ich vermute, es war der plötzliche Kaiserschnitt, der ihm so zusetzt, da er die Wehen miterlebt hat, und dann plötzlich heraus gerissen wurde.
 
Ich selber leide noch darunter: Ich mache mir große Sorgen um ihn wegen Kleinigkeiten; ich habe sogar in der Nacht ein Atemmessgerät an seinem Körper, weil ich so Angst um ihn habe, dass ihm jemals etwas passieren könnte.
Ich glaube, ich will keine natürliche Geburt mehr. Ich habe Sorgen, dass alles wieder passieren könnte. Ich würde einen geplanten Kaiserschnitt vorziehen, bei dem ich mein Kind dann sofort bekomme und eine Bindung an aufbauen kann. Ich liebe mein Baby  Noah, aber das erste Bonding mit ihm fehlt mir schon.