Claudia: Kinderglück in der Badewanne statt Wehenschmerz

Claudia erzählt, wie sie die Wehen bewusst annahm — ohne Schmerzen, nur mit Freude.

 

Ich hoffe, dass unser Geburtsbericht werdende Mütter bestärkt, in Ihre Kraft zu kommen und den Weg einer natürlichen Geburt zu gehen. So, wie es auch mir damals half, über andere positive Geburten zu lesen.

Vorbereitung in der Schwangerschaft

Nach dem SanfteGeburt®-Kurs bei Urs Camenzind in meiner 26. SSW habe ich täglich mit seinen CDs gearbeitet — immer auch, wenn ich ein Basenbad nahm.

Das hatte auch einen „Gute-Laune-Effekt“ und mich relativ rückenschmerzfrei durch den Tag gebracht – zusätzlich mit den täglich kräftigen Massagen von meinem Mann.

Den Massagen von meinem Mann und auch den Fussreflexzonen-Massagen meiner Hebamme schreibe ich sehr viel Einfluss bezüglich meiner schnellen Entspannungsfähigkeit während der Geburt zu.

Unregelmäßig habe ich mit dem Epino trainiert und war auf 8cm am Tag vor der Geburt. Weiter wollte ich nicht. Das empfand ich als zu unangenehm.

Es ging auf Weihnachten zu – und auf unsere Geburt. Unsere Hebamme Berti stammt aus dem Dorf, in dem mein Mann aufgewachsen ist. Sie ist eine ganz besondere Hebamme und Frau.

Von Anfang an wollten wir im Geburtsnest, von Ihr und Ihrer Kollegin von www.natuerliche-geburt.com,  oder zu Hause unser Baby bekommen.

Das habe ich auch in meinem (ausführlichen und immer wieder ergänzten) Drehbuch geschrieben.

Der Geburtsbeginn

Die letzte Woche vor der Geburt waren wir im  Elternhaus meines Mannes. Da haben wir in der Wohnung der Ur-Oma gewohnt. Zwei Tage vor der Geburt spürte ich immer wieder so etwas wie Luftdruck in meinem Bauch, der meinen Bauch verformt hat. Gespürt habe ich nur sanften Druck. Automatisch habe ich dann jeweils wie im SanfteGeburt®-Training geübt, tief geatmet und visualisiert, bis es wieder vorbei war.

4 Stunden vor der Geburt ging ein wunderschöner Abend mit der ganze Familie zu Ende. An diesem Tag war alles wie gewohnt, anstrengend, langsam – Hochschwanger eben. Nur meine Beine waren extrem geschwollen. Ich hatte jetzt 24 kg mehr auf der Waage. An diesem Abend hatte ich ein Gefühl von „Verstopfung und nicht gehen können“.

Nachts gegen 03.30 Uhr bin ich erwacht und musste auf Toilette. Wie immer seit dem 7. Monat. Dass die Geburt kurz bevorstand, merkte ich nicht. Ich dachte einfach, ich muss mal. Ich hatte leichten Durchfall und freute mich, dass die Verstopfung jetzt weg ist.

Dann spürte ich ein bisschen Bauchschmerzen. So wie leichte Regelschmerzen. Ich kannte das Gefühl (auch ca. seit dem 7. Monat) und atmete es, mit den Techniken die wir gelernt hatten, weg. In den nächsten Minuten wurden die Empfindungen doch stärker. Das Gefühl kannte ich wiederum nicht.

Meine Hebamme hatte mir bei unserem letzten Treffen geraten, erst zu baden, wenn ich Bauchschmerzen habe. Also habe ich mir eine Wanne eingelassen. Im warmen Wasser merkte ich, dass ich dieses Ziehen super wegatmen konnte. Sogleich war es aber wieder da.

Um 03.55 Uhr rief ich meinen Mann, er solle die Hebamme benachrichtigen – es könnte wohl los gehen. Und die Heizung anzumachen — es sei zu kalt (mein Mann dachte, dass er diese Hitze jetzt ewig aushalten müsse). Ich habe am ganzen Körper angefangen zu zittern. Ich kann mich noch an die kleinen Wellen in der Wanne erinnern, die durch das Zittern entstanden sind. Jetzt ging alles ganz schnell.

30 Minuten vor der Geburt

Berti, meine Hebamme, kontrolliert den Muttermund. In dem Moment habe ich heftigste Kontraktionen. Sie sagt zuversichtlich: „Wir gehen nirgendwo mehr hin, der Kopf ist schon zu spüren“. Dann ist sie gegangen, um einen richtigen Pool zu holen. Ich wäre aber da schon nie mehr aus der Badewanne gekommen. Völlig unmöglich. Als  Berti wieder da war, setzten die Presswehen ein.

Der Druck im Becken wurde riesig. Und ich bekam auch Angst. Berti sagte zu mir: „Das ist die Grenze, über die Du gehen musst“.

Und dann habe ich mir vorgestellt, wie sich der ganze Beckenbereich und der Muttermund öffnet. Und ich habe geatmet, so wie ich es immer eingeübt und im Kurs gelernt hattee.

Mein Mann wollte mir irgendwie helfen, aber ich wollte keine Berührung mehr. Er dachte, es dauert jetzt noch sehr lange.

Berti hat immer mitgeatmet und gesummt. Das hat mir sehr geholfen. Den starken Druck im Becken konnte ich  durch „ausschreien“ und extrem tiefes Atmen bewältigen. Ein unbeschreibliches Gefühl! Ich habe mich in jeder Sekunde ganz bewusst auf mein Baby gefreut.

Die Presswehen waren, wie im Kurs beschrieben. Ich habe geatmet und mein Bauch sah von ganz alleine aus wie eine Laolawelle. Ich habe nur geatmet und mich geöffnet. Eine Presswehe habe ich nur gesehen aber nicht gespürt. Es ging unglaublich schnell. Alles!

Unseren kleinen Magnus habe ich im Becken deutlich gefühlt. Ich wusste genau, wo er war. Und dann habe ich angefangen, zu schwitzen — und sein Kopf kam heraus. Das Druckgefühl war extrem. Seinen Kopf habe ich beim Durchtritt durch den Damm kaum gespürt; die Schultern und den restlichen Körper dann doch schon mehr.

Und dann war er auch schon da. Ich kann wirklich sagen, dass für mich keine einzige Wehe in irgendeiner Weise schmerzhaft oder unangenehm war. Teilweise während der Geburt überhaupt nicht spürbar. Nur mein geliebtes Kind, das habe ich gespürt.

Es war meine erste Geburt. Ich hatte keine grossen Verletzungen, und sie verlief so schnell, dass ich nach ein paar Stunden schon wieder recht fit war. Und natürlich — wie jede Mutter — total stolz.

Gerne nutze ich die Gelegenheit, danke zu sagen, dass es den SanfteGeburt®-Kurs gibt!

Die Übungen, die Infos, Hilfsmittel und CDs, sowie Urs‘ große Erfahrung, waren so wertvoll für mich und meinen Mann.  Ich hätte keine uninformierte Geburt erleben wollen.

Fam. Blatter Privatfoto mit Erlaubnis der Autorin