Checkliste: Anmeldung nach Freier Geburt

Diagramm Anmeldeunterlagen Ausschnitt

Keine Angst: Die Anmeldung beim Standesamt nach einer Alleingeburt ist gut möglich!

Eine Freie Geburt ist eine Geburt ohne medizinisches Personal. Auch Alleingeburten sind somit Freie Geburten. Und nach einer solchen Geburt soll das Kind angemeldet werden beim Standesamt — geht das? Braucht da man nicht eine Bescheinigung der Hebamme?

Alles Wichtige zum Thema Geburtsbescheinigung nach Freien Geburten findest du in diesem Beitrag: Die Rechtliche Grundlage, einen Erfahrungsbericht und praktische Hinweise.

Ganz unten findest du den Download-link für die Checkliste.

Diese Checkliste bezieht sich auf Deutschland.

Die Rechtliche Grundlage

In Deutschland kann eine Frau selber entscheiden, wo und mit wem sie ihr Kind zur Welt bringt. Das Neugeborene muss dann beim Standesamt angemeldet werden. Die rechtliche Grundlage hierzu ist die „Verordnung zur Ausführung des Personenstandsgesetzes (Personenstandsverordnung – PStV)“. Ich zitiere die aktuelle Fassung der PStV aus Buzer:

Wird die Geburt eines Kindes angezeigt, soll das Standesamt verlangen, dass ihm folgende Unterlagen vorgelegt werden:

[…]

4. bei mündlicher Anzeige eine von einer Ärztin oder einem Arzt oder einer Hebamme oder einem Entbindungspfleger ausgestellte Bescheinigung über die Geburt, soweit sie bei der Geburt zugegen waren.

Zitiert aus: Verordnung zur Ausführung des Personenstandsgesetzes (Personenstandsverordnung – PStV), §33. Abgerufen von Buzzer am 5. August 2019.

Und genau dieser letzte kleine Nachsatz ist die entscheidende Informationsquelle: Falls — und nur falls! — medizinisches Personal bei der Geburt zugegen war, sollte die entsprechende Geburtsbescheinigug ausgestellt werden. Falls niemand dabei war, dann entfällt diese Bescheinigung. Zur Anmeldung beim Standesamt nach einer Alleingeburt bringendie Eltern also nur die anderen geforderten Unterlagen mit (siehe Absätze 1 bis 3 des Gesetzes).

Ein Erfahrungsbericht

Anna*, eine befreundete Doula, hat mir erlaubt, ihren Erfahrungsbericht hier zu veröffentlichen:

Ich habe meinen Standesbeamten vorher angerufen, die Situation neutral und unaufgeregt beschrieben und auf §33 PStV verwiesen, der die Anmeldung im Standesamt nach einer Alleingeburt regelt. Der Standesbeamte war etwas verdutzt und meinte zu mir: „Oh, da muss ich mich erst mit meinen Kollegen beraten!“

Kurz darauf rief er mich zurück und meinte, eine Bestätigung einer anwesenden Person sei genug — es brauche kein medizinisches Personal zu sein. Er ergänzte, ich solle meinen Mutterpass mitbringen. Ohne Mutterpass bräuchten sie die Bescheinigung eines Arztes, dass ich schwanger war und kürzlich entbunden habe.

Die Bestätigung der Geburt stellte in meinem Fall mein Mann aus. Schlicht und einfach: „Hiermit bestätige ich, ____ (Name), dass Frau _____ (Gebärende) am ________ (Datum) um _____ (Uhrzeit) ihre Tochter / ihren Sohn ____ (ggfls. Name des Kindes) zu Hause, _______ (Adresse) geboren hat.
Name, Datum, Unterschrift.

Manche Leute rieten mir dazu, zu schwindeln und zu sagen „das Kind kam so schnell, dass wir es nicht mehr ins Krankenhaus geschafft haben“ – aber ich wollte nicht lügen, weil ich finde, dass es normal sein sollte, sein Kind auch außerhalb des Krankenhauses auf die Welt zu bringen. Je mehr Menschen davon hören, desto besser. Und der ehrliche Weg hat für uns prima geklappt.

* Anna möchte anonym bleiben. Ich habe ihren Namen deshalb geändert.

Tipps zur praktischen Umsetzung

In Kombination sind die rechtlichen Grundlage und Annas Geschichte eine gute Basis für eine Checkliste zur Anmeldung beim Standesamt nach einer Alleingeburt:

  • Strategie: Überleg dir deine Strategie. Willst du, wie Anna, von vornherein mit offenen Karten spielen? Oder wirst du behaupten, das Kind kam einfach so schnell, dass du zu Hause bleiben musstet? In diesem Fall solltest du allerdings darauf vorbereitet sein, dass du gefragt wirst, warum du keinen Krankenwagen gerufen hast.
  • Kenne deine Ansprechperson: Mach dich vorher schlau, welches Standesamt zuständig ist. Wenn du in einer kleinen Gemeinde ohne Kreißsaal wohnst (das kommt ja immer häufiger vor...), kann es sein, dass das dortige Standesamt sich zwar gut auskennt mit Hochzeiten und Sterbefällen, aber eben nicht mit Geburten. Unser Baby kam im Dezember zur Welt. Ihre Geburtsurkunde trägt die Nummer 6. Sie war erst das sechste Baby, das in diesem Jahr in der Gemeinde geboren wurde. Denn fast alle anderen fahren ins Krankenhaus in der nächsten Stadt — dort ist dann ein anderes Standesamt zuständig. Bereite die zuständige Ansprechperson darauf vor, dass du kommst. Häufig ist es günstig, einfach zu fragen, wann man zur Beurkundung einer Geburt kommen kann bzw. ob ein Termin nötig ist.
  • Kenne deine Rechte: „Aber das steht doch so im Gesetz!“, sagst du. „Wo denn?“, fragt der*die Standesbeamt*in. „Äh“, sagst du. Schreib dir einen Spickzettel: „Personenstandsverordnung, Paragraph 33, Absatz 4!“.
  • Kenne deine Pflichten: An den Absätzen 1 bis 3 unseres Lieblingsparagraphs kannst du nicht rütteln. Bring mit, was mitzubringen ist — Eheurkunde und Geburtsukunden der Eltern, Vaterschafts- und Sorgerechtsurkunden (bei unverheirateten Paaren), Personalausweise. Schau vorher nochmal drauf, ob eure Ausweise nicht zufällig abgelaufen sind. *Hust hust! Das ist mir natürlich nie passiert.*
  • Kenne Öffnungszeiten: Nichts ist störender, als im Wochenbett vor einer verschlossenen Amstsstube zu stehen. Lieber doppelt nachfragen. Wie gesagt, unser Baby kam im Dezember — ich hatte sogar nach den Weihnachtsferien und den Öffnungszeiten zwischen den Jahren gefragt.
  • Kenne Besonderheiten: Was sind Besonderheiten!? Alles, was bisher nicht behandelt und trotzdem möglich ist… Je nach Standesamt kann das ganz unterschiedlich sein. Bei Anna war es der Mutterpass, der verlangt wurde, oder die Bescheinigung einer vor kurzem beendeten Schwangerschaft. Möglich wäre auch, dass verlangt wird, das Baby mitzubringen — erst Recht, wenn es außer dir gar keine Zeug*innen für die Geburt gibt.
  • Hole dir Verstärkung: Selbst, wenn du die Geburt deines Kindes vollkommen alleine erleben möchtest, ist es sinnvoll, sich Verstärkung zu holen für die Behördengänge danach. (Es hört ja bei der Anmeldung im Standesamt nicht auf… Ich sage nur Krankenkasse, Arbeitsstelle, Elterngeldstelle, Kindergeldantrag und so weiter und so fort.) Besonders, wenn du vermeiden möchtest, allein, übermüdet, mit Milchflecken auf dem Shirt und noch nicht mal ansatzweise stabilem Beckenboden vor überforderten Standesbeamt*innen zu stehen, bietet es sich an, jemanden mitzunehmen: eine Begleitperson, die nicht gerade die typischen Hormonschwankungen durchmacht und die für dich sprechen kann, wenn es sinnvoll ist.
  • Hab deine Unterlagen bereit: Druck vorher, am besten bereits zu Beginn des Mutterschutzes, deine „Bescheinigung über die Geburt“ aus oder schreibe sie vor. Egal, ob jemand anderes oder du selber sie dann ausfüllst: Hauptsache, sie liegt mit den anderen Unterlagen bereit. Du trägst nur noch die Geburtsdaten des Kindes oder der Kinder ein und hast dann alles beisammen.
  • Und wenn doch Probleme auftreten? Um ehrlich zu sein: Wenn ein*e Ärzt*in feststellt, dass du vor kurzem schwanger warst und ein Kind zur Welt gebracht hast, kann das kein Standesamt der Welt leugnen. Natürlich könnten sie beanstanden, dass du theoretisch das Zwillingskind unterschlagen könntest, oder ein falsches Geschlecht angibst. Das sind aber doch sehr theoretische Fälle. Falls du keine ärztlichen Nachweise über die Anzahl der Kinder und deren Geschlecht hast, hilft da wohl nur: Baby mitbringen. Natürlich kann es auch noch vorkommen, dass das Kind zwar ordnungsgemäß angemeldet wird, du dich aber mit einer Zurechtweisung über deine Unverantwortlichkeit auseinander setzen musst, dass du das Kind der Gefahr einer Hausgeburt ausgesetzt hast. Überleg dir vorher, ob du so etwas ignorieren würdest, oder mit Statistiken zurückschlägst. (Hierzu wird noch ein Beitrag folgen).

Fazit

Es ist in Deutschland erlaubt und auch mit relativ wenig Aufwand möglich, Kinder beim Standesamt anzumelden; auch, wenn bei der Geburt keine Hebamme, kein Entbindungspfleger und kein*e Ärzt*in anwesend war. Die Anzahl der Fälle ist allerdings sehr gering, so dass Standesbeamt*innen oft erst einmal verwirrt oder verunsichert sind. Da wir davon ausgehen, dass Menschen grundsätzlich gut sind, gehen wir auch davon aus, dass eine eventuelle anfängliche Ablehnung auf Unwissenheit beruht und dementsprechend durch Wissen abgefangen werden kann.

Die Checkliste als Download

Unter diesem Link könnt ihr euch die Checkliste kostenlos als PDF herunterladen – inklusive Gesetzestext und Schaubild zur Ermittlung der nötigen Dokumente.

Hier geht es zum Download der Checkliste zur Anmeldung nach einer Geburt ohne Anwesenheit von medizinischem Personal.

Eure Erfahrungen

Jetzt seid ihr dran: Berichtet mir von euren Erfahrungen mit der Anmeldung von Freien Geburten beim Standesamt. Welche Dokumente wurden gefordert? Gab es Probleme bei der Anmeldung? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar!

Links und Verweise

Interne Links

Externe Links

https://www.buzer.de/gesetz/8471/a157409.htm

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