Gebärendenstärkungsgesetz! (Statt Fokus auf Hebammenstudium und Geburten an Tankstellen)

Kennt ihr das? Eigentlich sind die Beiträge für die nächsten Wochen gesetzt. Klar, die Kinderbücher zur Geburt kommen! Doch dann liest du etwas, und wirst emotional. Und willst das teilen. So ging es mir gerade. Also schreibe ich jetzt komplett außer der Reihe einen Beitrag zum Hebammenstudium und zur Geburt an einer Tankstelle. Und meine Forderung ist klar: Ich fordere ein Gebärendenstärkungsgesetz!

Ich fordere ein Gebärendenstärkungsgesetz!

Das Gesetz zum Hebammenstudium

Gestern hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, durch das Hebammen demnächst ein duales Studium absolvieren, bevor sie zum Beruf zugelassen werden.

Über die Vor- und Nachteile der Akademisierung könnte man eigene Artikel schreiben. Will ich aber gar nicht. Zumindest jetzt nicht.

Mir geht es an dieser Stelle darum, dass die gebärenden Frauen in dem Entwurf nicht vorkommen.

Die Rede aus Sicht des Gesundheitsministeriums hielt die parlamentarische Staatssekretärin für Gesundheit, Sabine Weiss MdB. Sie besprach die Praxisausrichtung des neuen Studiums, die finanzielle Sicherheit und Übergangsregelungen für Hebammen ohne Studienabschluss.

Sie fügte hinzu, dass die Hebammenversorgung auch durch das Gesetz für schnellere Termine, ein Hebammensuchverzeichnis sowie die Aufnahme der Hebammen in das Terminservice- und Versorgungsgesetz verbessert worden sei. Außerdem lobte sie die Inauftraggebung des Gutachtens über die Stationäre Hebammenversorgung.

So weit, so gut. Und jetzt!?

„Wir wünschen uns nicht nur für alle Babys einen guten Start ins Leben, sondern für die Hebammen auch einen guten Start in die Ausbildung“,

sagte Frau Weiß zum Ende ihrer Rede wörtlich.
Die komplette Rede findet ihr auf der Seite des Bundestages: https://dbtg.tv/fvid/7391284.

Genau. Es geht um die Babys. Und um die Hebammen. Irgendjemand fehlt doch noch.

Äh, genau. Die Mütter.

Mütter kommen im Gesetz nicht vor

Mütter kommen im Gesetz nicht vor. Hebammen kommen vor, Babys kommen vor. Eine bessere Versorgung mit Hebammen ist super. Ich stehe voll auf Hebammen. Ich finde Hebammen klasse und bin der Meinung, dass es wenige so wichtige Berufe gibt. Und wenn das Gesetz tatsächlich dazu führt, dass die Arbeit zwischen Hebammen und Ärzt*innen besser läuft, weil jetzt beide Berufsgruppen studiert haben, ist das total gut.

Und doch: Wer gebiert nochmal das Kind?

So weit ich weiß, ist das die Frau. Die Schwangere. Die werdende Mutter. Gewalt unter der Geburt, Alleingelassenwerden, zu geringe Betreuung — das alles wird im Gesetz, wenn überhaupt, nur angedeutet.

Frauen werden allein gelassen. Davon zeugt auch die folgende Geschichte:

Kreißsaal geschlossen — Geburt an der Tankstelle

Die Wertschätzung, die wir Frauen bei der Geburt entgegen bringen, zeigt sich auch an der Tatsache, dass immer mehr Kreißsääle in Deutschland geschlossen sind. Die Karte von Mother Hood e.V. gibt Aufschluss darüber.

So ging es auch Christina Müller, über die das SWR-Fernsehen am Mittwoch, 25.9.2019, in der Landesschau Rheinland-Pfalz berichtete: Der nächste Kreißsaal in Daun war geschlossen worden. Die Fahrt nach Bitburg dauerte drei Mal so lang — zu lang für Christina Müller.

Sie bekam ihr Kind an einer Tankstelle.

Danke auch, für jeden geschlossenen Kreißsaal in Deutschland. Man stelle sich vor, wir würden die Rettungsstellen genauso miserabel behandeln…

Christina Müller brachte es auf den Punkt: Man lässt die Frauen im Stich. Die Proteste gegen die Schließungen wurden bisher gekonnt ignoriert.

Den Beitrag des SWR kann man sich übrigens hier anschauen.

Wir brauchen ein Gebärendenstärkungsgesetz!

Was brauchen wir also!?

Ein Gebärendenstärkungsgesetz.

Wir brauchen ein Gesetz, das die Frauen befähigt, selber zu gebären. Ohne Panik. Mit viel Vertrauen.

Nein, nicht jede Frau soll allein und im Wald gebären. Ja, jede Frau hat aus meiner Sicht Anspruch auf eine 1:1-Hebammenbetreuung. Am besten mit Beleghebammen. Am besten in einem Krankenhaus, das so nah ist, dass sie sich keine Sorgen machen muss, rechtzeitig dort zu sein.

Die Vorteile wohnortnaher 1:1-Betreuung sind vielfältig. Aber der Nachteil ist, dass eine solche Betreuung Geld kostet.

Geld, das lieber in andere Dinge gesteckt wird. Gebärende Frauen sind nicht besonders wichtig. Immerhin sind nur wenige Frauen in Deutschland häufiger als zwei Mal von Geburten betroffen, und die paar Stunden hält man schon aus.

Es ist gut, die Hebammen zu stärken. Es ist gut, das Berufsbild zu modernisieren. Es ist nicht gut, darüber die gebärende Frau zu vergessen.

Wenn wir die Gebärende nicht als Subjekt ihrer Geburt behandeln, nutzt uns auch die beste Versorgung mit Hebammen und Kreißsäälen nichts.

Darum:

Legt den Fokus auf die gebärende Frau! Ich fordere ein Gebärendenstärkungsgesetz!

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