Runas Geburt [Kinderbücher zur Geburt]

Der Oktober ist da, und so startet heute der Schwerpunkt! Es geht los mit der Serie „Kinderbücher zur Geburt“ (eine Übersicht über früher besprochene Kinderbücher zur Geburt findest du hier), und zwar mit dem Buch „Runas Geburt. Meine Schwester kommt zur Welt“ von Uwe Spillmann und Inga Kamieth. Die komplette Quellenangabe findest du unten im Beitrag.

Altersempfehlung

Auf dem Bucheinband gibt es keine Altersempfehlung. Die Icherzählerin ist vier Jahre alt, und für Vierjährige ist das Buch aus meiner Sicht auch passend in Bezug auf Länge, Wissensvermittlung und die Bilder.

Hauptperson

Hauptperson ist ist die vierjährige Lisa. Sie ist die Icherzählerin der Geschichte. Lisa begrüßt die Leser*innen denn auch gleich mit „Ich heiße Lisa, ich bin vier. Seht ihr mich?“

Vorlesedauer

Das reine Vorlesen dauert circa zehn Minuten. Wenn die Bilder dazu auch noch besprochen werden, dauert es etwas länger.

Handlung

Fragen

Lisa stellt keine expliziten Fragen, allerdings wird immer wieder erzählt, dass sie das, was sie weiß, von ihren Eltern oder der Hebamme erfahren hat.

Wie / wo läuft die Geburt ab

Der Schwerpunkt des Buches ist die Geburt an sich. Das Buch beginnt damit, dass sich alle zu Hause auf die Geburt vorbereiten — die hochschwangere Mutter, der Vater, die Patentante. Als es losgeht, kommt dann die Hebamme dazu. Denn Lisas Geschwisterchen soll zu Hause zur Welt kommen. Es wird deutlich, dass eine Hausgeburt gut vorbereitet werden sollte.

Viele Aspekte einer Geburt finden im Buch kurz und kindgerecht Beachtung:

  • Die Betreuung älterer Geschwisterkinder durch Freunde oder Verwandtschaft („Meine Patentante hat ganz viel Zeit für mich.“)
  • die Einbindung des werdenden Vaters in die Geburt („Papa streichelt Mamas Bauch und massiert Mamas Rücken. Papa hilft Mama so gut wie er kann beim Babykriegen.“)
  • Die Dauer einer Geburt: Lisas Freund Fabio kommt und spielt mit ihr, dann geht er aber auch wieder. Die Wehen setzen beim Frühstück ein; das Kind wird gegen Nachmittag geboren (zumindest gehen alle ins Bett, nachdem aufgeräumt wurde)
  • Geburtspositionen: Lisas Mutter steht, liegt in der Badewanne oder rollt auf dem Gymnastikball herum. Sie ist in Bewegung, so wie es ihr gut tut. Das Kind wird auf dem Ehebett, indem es vermutlich auch gezeugt wurde, geboren.
  • Rolle der Hebamme: Die Hebamme Karin kontrolliert die Vitalwerte des Babys mit dem CTG (Achtung beim Vorlesen: Im Buch steht das Wort in Lisas Lautschrift: „Zehteegeh“), massiert der Mutter den Rücken im Bad und fängt das Baby auf.

Wie werden die Kinder eingebunden?

Lisa wurde vor der Geburt bereits in die Planung eingebunden. Sie kennt Karin bereits, als diese zur Geburt ankommt. Sogar Lisas Spielfreund Fabio kennt Karin bereits. Lisa darf bei der Geburt zu Hause bleiben, hat allerdings während der Eröffnungsphase eine Betreuungsperson, so dass sich der Vater voll auf die Gebärende konzentrieren kann.

Immer wieder bietet das Buch auch Einblicke in Lisas Position: Als Vierjährige ist die lange Eröffnungsphase einer Geburt nicht immer spannend. Manchmal sind die Tierfiguren, der Kaufladen oder das Dreirad einfach wichtiger. So entsteht nicht der Eindruck, als ob Lisa die ganze Zeit konzentrierte Beobachterin der Geburt wäre, sondern eher, dass sie einen ganz normalen Tag erlebt, beim sie zwischendurch immer mal wieder auch in die Geburtszimmer schaut und feststellt, was ihre Mutter dort gerade treibt.

Bei der Geburt sitzt Lisa auf dem Schoß ihrer Patentante Lore und schaut zu. Sie hört das erste „Uäääähhh“ des Babys. Nach der Geburt darf sie mithelfen beim Baden und Wickeln. Danach darf sie mit den Erwachsenen zum Geburtstag ihrer kleinen Schwester anstoßen und danach mit den Eltern und der frischgeborenen Runa im Bett kuscheln.

Welche Gefühle werden thematisiert?

Die ersten Gefühle sind Spannung und freudige Erwartung. Als die Mutter erklärt, dass es im Bauch ziehe, ruft Lisa „Hurra, heute kommt das Baby!“

Unterschwellig kommen auch Neid und Geltungsdrang zur Sprache, als Lisa davon berichtet, dass ihre Mutter gar nicht richtig bei den tollen Kunststücken zuschaue, die sie vorführe. Dies dient vor allem als Überleitung dazu, dass Lisas Patentante Lore die Betreuung übernimmt.

Als Lisa ihre Mutter stöhnen hört, ist ihr komisch. Sie weiß, dass es normal ist (das haben ihr die Erwachsenen erzählt), und sie ist trotzdem froh, nicht allein zu sein. Ihr Unbehagen wird also ernst genommen.

Es gibt keine wörtliche Beschreibung von Lisas Gefühlen, als sie der Geburt zuschaut. Das Bild zeigt, wie sie auf Lores Schoß sitzt und dort, eng an sie gekuschelt, verstohlene Blicke zum Bett wirft. Lisa scheint unsicher, vielleicht auch ein bisschen besorgt, und heilfroh, dass sie nicht alleine ist.

Nach der Geburt ist Lisa vor allem stolz, dass sie jetzt eine große Schwester ist und entsprechend auch schon ganz viel mithelfen darf: „Ich kann das gut, denn ich bin ja eine große Schwester.“ Und später, als alle im Bett liegen, kommt auch noch Liebe, gepaart mit Neugierde, zur Sprache: „Mama, Papa und ich können gar nicht die Augen von unserem Baby lassen.“

Fazit

Das Buch ist aus meiner Sicht gut geeignet, Kinder auf eine Hausgeburt vorzubereiten. Ganz kleine Geschwisterkinder sind eventuell von der Länge des Buches noch überfordert. In diesem Fall eignet es sich aber trotzdem, um anhand der Bilder verschiedene Situationen während der Geburt zu zeigen. Vorsicht ist allerdings in Bezug auf das Material geboten: Die Seiten sind aus Papier, nicht Pappe, und entsprechend leicht zu zerreißen und gefährlich für kleine Fingerchen.

Für alle Kinder ab vier Jahren bildet das Buch eine gute Grundlage. Das Thema „Zeugung“ wird komplett ausgelassen, dafür sind die Bilder zur tatsächlichen Geburt mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet.

Auf einem Bild sehen wir, wie das Köpfchen bereits geboren ist und die Mutter mit geschlossenen Augen die Konzentration und Kraft aufbringt, das Baby ganz zur Welt zu bringen. Der Vater stützt die Mutter dabei und die Hebamme hält sich bereit, das Kind in Empfang zu nehmen. Das Bild zeigt keine großen Blutlachen, verdeutlicht aber dennoch, dass Geburt in fast allen Fällen harte körperliche Arbeit ist.

Besonders gut gefallen mir die warmen Farben der Bilder und die wechselnden Gesichtsausdrücke der Mutter: Mal freudig erregt, mal entspannt, mal konzentriert.

In manchen Fällen sieht man dem Buch an, dass es 2001 erschien und damit fast 20 Jahre alt ist. In heutigen Büchern zu Hausgeburten würde ein Baby wohl nicht unbedingt direkt nach der Geburt gebadet. Das sind aus meiner Sicht aber Kleinigkeiten, die sich gut als Gesprächsbeginn nutzen lassen: „Dich haben wir nicht direkt gebadet. Frisch geboren hast du super geduftet!“

Bonus: Kostenlose Leseprobe!
Wer sich einen eigenen Eindruck vom Buch vermitteln möchte, sei auf die kostenlose Leseprobe auf www.Runas-Geburt.de hingewiesen. Dort findet man kurze Passagen und die entsprechenden Bilder dazu.

Quelle

Kamieth, Inga und Spillmann, Uwe: Runas Geburt. Meine Schwester kommt zur Welt, herausgegeben im Eigenverlag, Hildesheim und Ebersholzen, 2001. ISBN: 3-00-007551-8

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