Katrin: Trauerbegleitung bei Fehlgeburt und unerfülltem Kinderwunsch

Katrin: Trauerbegleitung

Auch heute darf ich wieder eine Frau vorstellen, die beruflich mit Geburten zu tun hat. Katrin ist Heilpraktikerin. Nach ihrer eigenen Fehlgeburt spezialisierte sie sich auf Trauerbegleitungen für Eltern nach einer Fehlgeburt oder unerfülltem Kinderwunsch. Wenn du alle Beiträge aus dieser Serie lesen willst, schau mal hier in die Übersicht: Serie: Fachkräfte bei der Geburt.

Stell dich doch bitte kurz vor!

Mein Name ist Katrin Wiesneth, ich bin gerade 40 Jahre alt geworden, bin verheiratet und habe 2 Töchter (7 Jahre und 2 Jahre) und ein Sternenkind (August 2016).

Porträt Katrin Wiesneth
Copyright Katrin Wiesneth.

Welchen Beruf übst du aus, der mit der Geburt zu tun hat?

Ich bin Heilpraktikerin und Trauerbegleiterin bei Trauer in der Kinderwunschzeit. Als Trauerbegleiterin unterstütze ich Frauen und Paare, die ihr Kind während der Schwangerschaft oder um den Zeitpunkt der Geburt herum verloren haben und solche, die unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch leiden. Manchmal kommt auch beides zusammen und die Frau hat während der Kinderwunschbehandlung eine Fehlgeburt. Auch Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch hatten und unter dem Verlust leiden, kommen zu mir.

Grundsätzlich behandle ich schwerpunktmäßig Menschen mit seelisch-emotionalen Beschwerden. Dazu gehören auch Krisen und Schwierigkeiten rund um die Schwangerschaft und nach der Geburt. In meiner Praxis hat sich die Kombination aus Psychologie, Kreativität, Naturheilkunde und Entspannung bewährt.

Wann und warum hast du dich entschlossen, diesen Beruf zu ergreifen?

Zur Trauerbegleitung kam ich durch meine Fehlgeburt im Sommer 2016. In der 9. SSW bekam ich die Diagnose „Missed Abortion“ und gleich die Überweisung zur Ausschabung. Ich war völlig schockiert und tieftraurig und wollte auf keinen Fall eine Ausschabung sondern eine natürliche Fehlgeburt .

Weil ich selbst Therapeutin bin, konnte ich mir naturheilkundlich und psychologisch helfen, aber ich hätte mir gewünscht, dass mich jemand bei diesem Prozess begleitet, sowohl beim körperlichen als auch beim seelischen Abschied nehmen.

Deshalb habe ich beschlossen, diese Art der Begleitung für andere Frauen und Paare anzubieten.

Seit wann arbeitest du in diesem Beruf?

Als Heilpraktikerin arbeite ich schon seit 2011. Die Trauerbegleitung habe ich erst 2018 dazugenommen als meine jüngste Tochter 1 Jahr alt war.

Erzähle uns von den schönen Seiten deines Berufs!

Zu Beginn jeder Stunde bei mir zünden die Mutter oder der Vater eine Kerze für ihr Kind an. Dieses bewusste Innehalten und Erinnern schafft oft eine ganz besondere Nähe zum verstorbenen Kind und öffnet nicht selten den Zugang zu den Gefühlen, für die im Alltag vielleicht wenig Zeit und Raum ist. Das empfinde ich als besonderen Moment.

Es ist schön, wenn sich die Betroffenen am Ende unserer gemeinsamen Trauerarbeit so gestärkt fühlen, dass sie sich wieder dem Leben zuwenden können und das verlorene oder nicht empfangene Kind ein Teil ihrer Lebensgeschichte sein darf.

Und wenn Patientinnen (wieder) schwanger werden, freue ich mich natürlich mit ihnen.

Erzähle uns von Situationen, in denen du dich nicht wohl gefühlt hast und warum das so war!

Im Zusammenhang mir der Trauerbegleitung habe ich noch keine solche Situation erlebt.

Manchmal ärgere ich mich, wenn Patientinnen erzählen, welche herabwürdigenden Kommentare sie sich von ihren ÄrztInnen anhören müssen, weil sie zur Heilpraktikerin gehen, oder die Pille absetzen wollen. Da muss ich mich schon bemühen, den Spieß nicht umzudrehen, sondern meine Patientinnen zu stärken und ihnen die Verunsicherung zu nehmen.

Nenne uns ein paar Eigenschaften, die nötig sind, um deinen Beruf gut auszuführen!

Neben dem fachlichen Wissen braucht man die Fähigkeit, mitzufühlen ohne mitzuleiden und die innere Stärke, den Schmerz der Trauernden auszuhalten ohne sich davon mitreißen zu lassen. Kreativität und Spontaneität, um auf die Bedürfnisse der Trauernden individuell und situativ passend eingehen zu können, finde ich auch sehr wichtig.

Wie wünschst du dir deine Rolle bei Geburten und was kannst du davon im Normalfall umsetzen?

Ich wünsche mir, dass Frauen / Paare bei Problemen rund um Schwangerschaft und Geburt automatisch unbürokratisch und schnell psychologische Hilfe bekommen und von ihren behandelnden ÄrztInnen entsprechende Adressen bekommen.

Aktuell kommen die Betroffenen zu mir, wenn sie schon länger leiden und sich selbst auf die Suche nach Hilfe gemacht haben. Dazu fehlt in der Akutphase aber oft die Kraft und das Wissen über Hilfsangebote. Ich glaube, dass besonders frühe Fehlgeburten schnell als „normal“ abgetan werden und die Frauen allein mit ihren Gefühlen und Fragen dastehen. Da wäre ich gerne früher involviert.

Welche strukturellen Verbesserungen wünschst du dir für deinen Beruf?

Die Kostenübernahme von Heilpraktikerleistungen durch die gesetzlichen Krankenkassen. Ganz besonders Trauerbegleitung sollte automatisch angeboten und finanziert werden.

Und ich wünsche mir, dass alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen auf Augenhöhe zusammenarbeiten, damit Patientinnen und Patienten die bestmögliche Versorgung bekommen.

Welches Vorurteil über deinen Beruf würdest du gerne aus der Welt schaffen?

Dass Heilpraktiker Scharlatane ohne Qualifikation sind, die den Leuten nur das Geld aus der Tasche ziehen.

Sowohl ich als auch die KollegInnen, mit denen ich in Kontakt stehe, haben viele Jahre Erfahrung, sind sehr gut ausgebildet und bilden sich kontinuierlich weiter.

Ich sehe mein Angebot nicht als Ersatz für die Schulmedizin sondern als zusätzliche Bereicherung in einem ganzheitlichen Verständnis von Gesundheit.

Wenn du mit einem Fingerschnipsen eine Sache in der deutschen Geburtshilfe und Geburtsmedizin ändern könntest, was wäre das?

Dass Frauen selbstbestimmt und sicher entbinden können egal ob in der Klinik oder außerklinisch. Dazu brauchen wir viel mehr Hebammen, die deutlich mehr verdienen und mehr Zeit für jede einzelne Frau haben.

Kontakt zu Katrin

Du erreichst Katrin über die folgenden Kanäle:

Katrin Wiesneth
Heilpraktikerin
Ellenbogen 6
91056 Erlangen
Telefon: 09131/991449
E-Mail: info@heilpraktikerin-wiesneth.de
www.heilpraktikerin-wiesneth.de

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