Doula Patricia: „für einen leichten, entspannten, intensiven und schönen Start ins Leben!“

Doula Patricia

Stell dich doch bitte kurz vor

Ich bin Patricia, 52 Jahre alt, Mutter, Großmutter, Erzieherin und angehende Doula.

Welchen Beruf übst du aus, der mit der Geburt zu tun hat?

Als Erzieherin habe ich öfter mit Familien gearbeitet, direkt in der Betreuung mit einem älteren Kind (2-3 Jahre alt), dessen Mutter ein zweites Baby erwartet, und so kam ich dazu, viele Mütter zu begleiten in der Phase vor und nach der Entbindung. Nun bin ich aber in verschiedenen Ausbildungen, um Doula für die Postpartum Zeit zu werden.

Wann und warum hast du dich entschlossen, diesen Beruf zu ergreifen?

Ich wollte schon immer Hebamme werden, es kam dann anders, ich wurde Erzieherin und schließlich Doula. Es war kein besonderes Schlüsselerlebnis, es war schon immer in mir drin, selbst als Kind wusste ich schon, ich werde mit Kleinkindern, Babies und Mütter arbeiten wollen.

Doula Patricia und ihr Enkelkind. Die Bildrechte liegen bei Patricia.

Seit wann arbeitest du in diesem Beruf?

Schon immer habe ich mich dazu berufen gefühlt, mit Kindern zu arbeiten, die Geburt und das Erwachen zur Welt eines neuen Menschenkindes hat mich schon immer fasziniert, aber meine Schwangerschaften und Entbindungen haben mir gezeigt, dass da wirklich Hilfe nötig ist und noch eine Art der Begleitung, weil Frauen oft ziemlich ratlos und nur sehr „technisch“ begleitet werden, und nicht genug menschlich emotional.

Damals hörte man noch nichts von Doulas und selbst Hebammen waren eher „technische“ Begleiterinnen. Erst viel später hörte ich vom Beruf der Doula, und fand, dass es genau dem entspricht, wonach ich mich gesehnt habe, und war begeistert.

Bevor ich daraus einen Beruf machte begleitete ich schon einige Frauen, (ohne bezahlt zu werden, einfach so) kann also gar nicht sagen, wann es anfing, ab wann ich anfing es als einen Beruf zu betrachten.

Erzähle uns von den schönen Seiten deines Berufs!

Dass ich mir  Zeit nehmen kann, den Frauen und Kindern wirklich meine Aufmerksamkeit zu schenken, und sie zu unterstützen. Karriere ist mir unwichtig, ich möchte anderen helfen, die  Stütze zu haben, die mir gefehlt hat. Keine schnellen Termine, sondern je nach Bedürfnis zur Verfügung zu stehen, soviel Zeit wie benötigt wird, egal wie viel Geld mir das einbringt. Daran denke ich überhaupt nicht. Ich sehe es mehr als eine Lebensaufgabe bzw Berufung, als einen Beruf. Die Schwangerschaft, Geburt und die ersten Wochen des Babies sollten für Mutter und Kind leichter, entspannter, intensiver und schöner erlebt werden können. Sie sind ein Grundstein des Lebens als Menschenwesen und eine wichtige Grundlage für das  Familienleben.

Erzähle uns von Situationen, in denen du dich nicht wohl gefühlt hast und warum das so war!

Wenn werdende Mütter eine Fehlgeburt haben, leide ich noch zu sehr mit ihnen. Da kann ich ihnen Mitgefühl schenken, aber vielleicht nicht die genügende professionelle Distanz und Standhaftigkeit.

Und auch wenn eine Geburt die eines kranken oder behinderten Kindes ist, dann leide ich auch mit den Eltern, und tu mir schwer, genau zu wissen, wie ich ihnen helfen kann, außer mit Mitgefühl und Zuhören, ihnen zu erlauben, traurig zu sein und ihre Angst auszusprechen. Aber da fühle ich mich so unbeholfen.

Nenne uns ein paar Eigenschaften, die nötig sind, um deinen Beruf gut auszuführen!

Geduld, Zuhören können, Mitgefühl, Kreativität um richtig zu reagieren und wirklich eine Hilfe zu sein, Wege finden, wie man jede einzelne Mutter, jedes einzelne Kind den Bedürfnissen entsprechend begleiten kann. Viel Verständnis und Offenheit, denn jede Frau, jede Schwangerschaft und Geburt ist anders.

Wie wünschst du dir deine Rolle bei Geburten und was kannst du davon im Normalfall umsetzen?

Gerne würde ich eine emotionale Stütze sein, für Mutter und Vater, und die Freiheit Vorschläge zu machen, wie man die Geburt positiver gestaltet, eine richtige Partnerschaft mit der Hebamme und Arzt. Dies ist hier in Frankreich noch nicht soweit, dafür sind die Doulas noch nicht anerkannt genug.

Welche strukturellen Verbesserungen wünschst du dir für deinen Beruf?

Echte Zusammenarbeit zwischen Doulas und Hebammen, Frauenärzten, Kinderärzten, Krankenschwestern. Alle Berufe, die um die Schwangerschaft und Geburt kreisen, sollten sich treffen und zusammenarbeiten. Jeder mit seiner Spezifizität, mit seinem Schwerpunkt. Mit Respekt für die Arbeit des Anderen. Austausch und Unterstützung könnten so viel Fortschritt für sanftere, leichtere Geburten und Nachgeburtszeiten bedeuten.

Welches Vorurteil über deinen Beruf würdest du gerne aus der Welt schaffen?

Dass eine Doula nur eine „Mode für reiche Grosstädtler“ ist, die außer ein bisschen Wohlbefinden, nichts bringt und unnötig ist.

Wenn du mit einem Fingerschnipsen eine Sache in der deutschen Geburtshilfe und Geburtsmedizin ändern könntest, was wäre das?

Dass es keine „Gewalt“ im Kreisssaal mehr gibt, keine Geburten mehr als medizinisch oder menschlich kalt oder gar wirklich unsanft stattfinden, damit die Mutter respektiert wird und keine Geburtstraumata mehr passieren, die menschlich verhinderbar sind.

Ich bedanke mich für das Interview!

Und gerne verlinke ich an dieser Stelle auch noch die Geschichte von Patricias Sternenkind: Stella das Sternenkind.

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