Lisa: War diese Geburt nachhaltig?

Lisa: Nachhaltigkeit und Geburt

Lisa Marie schreibt auf ihrem Blog Lisieu über Nachhaltigkeit, ihre Schwangerschaften, Geburten und das artgerechte Familienleben.
Ich freue mich, dass sie für Ich Gebäre von ihrer zweiten Geburt berichtet — und dabei die Frage stellt, wie nachhaltig eigentlich Geburten sind.
Danke, Lisa, für deine Geschichte & deine Gedanken!

Die Fotos in diesem Beitrag sind Lisas Privateigentum und dürfen nicht ohne ihre ausdrückliche Erlaubnis genutzt werden.

Nachhaltigkeit — dieses Thema wurde spätestens mit der Fridays for Future-Bewegung omnipräsent. Diese Bewegung begann innerhalb des ersten Lebensjahres meines ersten Sohnes und setzte sich auch während der Schwangerschaft mit meinem zweiten Sohn fort. Dass wir nur diesen einen Planeten haben, war mir immer bewusst, und auch dass ich gerne dazu beitragen möchte, ihn zu erhalten.

Seit ich aber Kinder habe beschäftigt mich dieses Thema noch mehr — schließlich sind sie diejenigen, die diesen Planeten von uns erben und ich kann ihnen ein nachhaltigeres Leben vorleben. Aber das umzusetzen ist nicht immer einfach. Wo fange ich an? Gesund ernähren in der Schwangerschaft? Nicht so viel Geld für Umstandsmode ausgeben? Eine nachhaltige Erstausstattung besorgen (gut unser Kleiner kann dann viel vom Großen auftragen)? Stoffwindeln verwenden? Und was ist, wenn in manchen Stunden einfach die Nerven blank liegen und ich beispielsweise keinen Nerv habe Gemüse zu schnippeln oder die Stoffwindeln zu waschen und stattdessen Wegwerfwindeln verwende? Bin ich dann nicht mehr nachhaltig? 

Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz

Allerdings ist Nachhaltigkeit auch noch mehr als nur Umweltschutz. Julia Dibbern und Nicola Schmidt fassen in ihrem Ratgeber Slow Family wissenschaftliche Erkenntnisse zu wirklicher Nachhaltigkeit folgendermaßen zusammen: es gibt vier Dimensionen der Nachhaltigkeit, die „untrennbar miteinander verflochten [sind]“ (32).

  • Die erste Dimension umfasst die ökologischen Kernprobleme, wie den Klimawandel, den Verlust der Biodiversität oder dass das Trinkwasser knapp wird.
  • Die zweite Dimension hingegen umfasst Soziales wie zunehmende Verstädterung, den Welthunger oder weltgesundheitliche Aspekte.
  • Die dritte Komponente bezieht sich ihrerseits auf ökologische Kernprobleme, die beispielsweise die Globalisierung mit sich bringt oder Kosten, die soziale und ökologische Probleme nach sich ziehen.
  • Schließlich umfasst die vierte Dimension der Nachhaltigkeit kulturelle Kernprobleme. Kulturelle Vielfalt geht oft verloren durch die Dominanz der „westlichen“ Kultur. 

Puh! Ganz schön viel! Und es ist ziemlich schwer alle Dimensionen zu berücksichtigen. Oftmals sind Kompromisse notwendig. Julia Dibbern und Nicola Schmidt sind jedoch der Ansicht, dass Familien eine entscheidende Kraft sein können, diesen Planeten zu erhalten, ganz nach dem Slogan artgerecht — happy families, happy planet! Dies bedeutet, dass glückliche Familien oft weniger konsumieren und somit Ressourcen schonen. Eine naturnahere, artgerechte Erziehung tut ihr Übriges. Allerdings, und das finde ich sehr tröstlich, sind die beiden sehr undogmatisch. Sie wollen langsam, achtsam, echt sein. Allein nach diesem Leitfaden zu leben ist schon schwer genug, aber es tröstet mich, dass nicht alles perfekt sein muss. 

Nachhaltigkeit und Geburt

Und was hat all das jetzt mit der Geburt meines zweiten Sohnes zu tun? In erster Linie erst einmal sehr wenig bis gar nichts.

Indirekt hingegen schon.

Zunächst ist eine Geburt definitiv ein Ereignis, das die Psyche und oft auch die Physis der Gebärenden und auch des Kindes nachhaltig prägt. Teilweise so nachhaltig, dass es über einen längeren Zeitraum sehr unglücklich machen kann. Solch ein Zustand lässt auch das Zusammenleben als Familie leiden. Die soziale und die gesundheitliche Dimension leiden also darunter. Wenn ich unglücklich bin, habe ich beispielsweise keine Nerven dazu, Stoffwindeln zu nutzen und zu waschen und greife auf Wegwerfwindeln zurück, um auch die ökologische Komponente zu erwähnen. Aus diesem Grunde habe ich mir diesmal eine „artgerechtere“ Schwangerschaft und Geburt gewünscht; vor allem war meine erste Schwangerschaft alles andere als artgerecht und auch die Geburt war definitiv nicht die schönste, wenn aber auch nicht wirklich gewaltvoll, was leider doch häufiger vorkommt. 

Ich wünschte mir eine artgerechte, nachhaltige, minimalistische Schwangerschaft und Geburt. Doch wie sieht so etwas aus? Keine Umstandsmode zu kaufen, sondern meine Lieblingskleider so lange sie passten waren für mich ein Anfang. Aber reicht so etwas? 

Doch wie sehen so eine „artgerechte“ Schwangerschaft und Geburt aus? Verallgemeinern lässt sich hier sicher nichts. Deshalb schreibe ich von meinen individuellen Wünschen und Umsetzungen. Vorab kann ich direkt sagen, dass sich nicht alles davon erfüllt hat. 

Ähnlich wie meine erste war zu Beginn auch meine zweite Schwangerschaft geprägt von Angst. Im dritten Trimester machte ich mich schließlich komplett davon frei. Ich versuchte „natürlicher“, nachhaltiger und intuitiver zu essen und stellte auch in Sachen Körperpflege meine Produkte peu à peu um und versuchte in meiner Wohnung und in meiner Seele auszumisten um freien Raum für das neue Baby zu bekommen. Nicht alles gelang mir, aber insgesamt habe ich diese Schwangerschaft deutlich mehr genossen als meine erste. Ich muss dazu jedoch sagen, dass ich eine wundervolle Gynäkologin habe, die unglaublich entspannt ist, sodass ich mir habe keinen Stress machen lassen. Die habe ich auch gebraucht, denn meine Hebamme war zunächst krank. Eigentlich wollte ich nämlich nicht so viele Ultraschalluntersuchungen und mich fast nur von einer Hebamme untersuchen lassen. Mit dieser entspannten Gynäkologin war es jedoch ein Kompromiss.

Was mir deutlich mehr Angst machte als in meiner ersten Schwangerschaft war die Geburt — und zwar nicht die Geburt als solches, sondern die Umstände, das „Wie“ des Gebärens. Diesmal wollte ich auf jeden Fall eine Geburt ohne Schmerzmittel, am liebsten im Wasser und am liebsten außerklinisch, an einem Ort, an dem ich mich wohlfühlen kann. Klingt simpel, so einfach gestaltete es sich allerdings nicht. Unsere Wohnsituation ist derzeit alles andere als optimal. Ich fühle mich nicht komplett unwohl, aber auch nicht richtig wohl, sodass eine Hausgeburt nicht wirklich infrage kam. Auch mein Mann war nicht dafür. Das Geburtshaus war ihm zu weit weg um mich dort hinzufahren, wenn es losgehen sollte. Er hatte Angst. Wahrscheinlich hätte ich ohnehin keinen Platz bekommen, so wie die Hebammen am Telefon klangen (bei meiner ersten Entbindung bekam ich eine PDA und eine Vakuumextraktion war notwendig — offenbar kein guter Ausgangspunkt). Also stimmte ich widerwillig zu im Krankenhaus um die Ecke zu entbinden. Aber auf jeden Fall ambulant. Ich wollte nicht mehr auf diese schreckliche Wöchnerinnenstation. 

Kaiserschnitt oder nicht?

Der Tag bis zur Geburt rückte immer näher und mein Unterbewusstsein sträubte sich immer mehr gegen das Krankenhaus. Die Chancen auf eine Spontangeburt sanken in meinem Kopf. Das Kind lag relativ lang in Beckenendlage und ich hatte grenzwertig viel Fruchtwasser, sodass es sich auch aus der Schädellage jederzeit hätte drehen können. Glücklicherweise ist die Klinik bei uns um die Ecke grundsätzlich mit einer Spontangeburt in Beckenendlage einverstanden. Der Oberarzt sagte zu mir allerdings, er traue mir dies nicht zu, da ich sehr klein und zierlich bin (nicht einmal 1,50m) und schon bei meinem in Schädellage liegenden Großen, der nicht einmal 2500g bei seiner Geburt wog eine Saugglocke notwendig war; ihm persönlich sei eine Spontangeburt in Beckenendlage zu riskant. Eine äußere Wendung wollte er im Falle eines Falles aufgrund meiner Vorderwandplazenta auch nicht durchführen. Ich verstand die Argumente des Arztes, aber ich war enttäuscht und traurig, da das einfach nicht das war, was ich mir ursprünglich gewünscht hatte. Künstlicher als eine Sectio ging es in meinen Augen nicht. Es war also absolut nicht artgerecht meines Erachtens. 

Zum Glück blieb mein Kleiner in Schädellage liegen. Meine Hebamme meinte schließlich, er würde sich nicht mehr drehen. Ich war erleichtert. Eine Chance auf eine Spontangeburt! Alles ist besser als ein Kaiserschnitt, dachte ich. 

Yoga zur Geburt

Die Wochen kurz vor der Geburt beschäftigte ich mich noch einmal intensiv mit meinem Körper und machte viel Yoga. Allgemein war der Zugang zu meinem Körper in meiner zweiten Schwangerschaft wesentlich besser als in meiner ersten. Ich bemerkte, wie der Kleine nicht oder nur schwer ins Becken rutschte und immer weniger aktiv wurde. Dies zeigte sich auch auf dem letzten CTG bei meiner Gynäkologin. Er verschlief quasi jede Kontraktion. Eine halbe Woche zuvor glaubte sie, das Kind käme bereits, aber jene letzte Untersuchung ließ sie zweifeln. Am Samstag, den 22.02.2020 um vier Uhr morgens waren mein Mann und ich zufälligerweise gleichzeitig wach und schauten nach unserem Großen, der im Familienbett zwischen uns lag. Ich verspürte seit einiger Zeit regelmäßige Wellen und sagte meinem Mann daraufhin, dass ich glaubte, die Geburt gehe an jenem Tag im Laufe des Tages los, aber ich jetzt nicht unnötig Panik oder Stress verbreiten wollte. Dennoch schrieb mein Mann seiner Mutter eine Nachricht. Meine wunderbare Schwiegermama hatte sich nämlich dazu bereit erklärt auf unseren Sohn aufzupassen während wir im Kreißsaal sind. Außerdem scheint diese Frau eine Antenne „nach oben“ zu haben (sei es G(o)tt, das Übersinnliche, die höhere Macht). Sie reagierte direkt auf die Nachricht zu solch früher Stunde. Ihr Lebensgefährte würde sie zu uns fahren. Das würde allerdings ein paar Stunden dauern. Noch war es aber auch nicht so weit. Mein Mann und ich versuchten noch ein wenig zu schlafen und wir atmeten den Duft von unserem Großen ein. Bald würde er kein Einzelkind mehr sein. Bald hätte er mich nicht mehr für sich allein. Meine Gedanken überschlugen sich. Das Herz wurde mir schwer. Er ist doch selbst auch noch so klein, dachte ich. Die Wellen wurden mit der Zeit stärker und die Abstände kürzer. Weder mein Mann noch ich fanden so richtig zurück in den Schlaf. Mein Liebster schlug mir schließlich vor ins Krankenhaus zu gehen. Ich stimmte zu. „Schaffst du das alleine?“, fragte er mich. Ich war zuversichtlich. Ich wollte meinen Sohn nicht wecken und mir war es lieber, wenn er noch ein bisschen in Papas Arm schlummerte und auch mein Mann sich noch ein bisschen ausruhte. So putzte ich mir schließlich die Zähne, zog mich an, trank ein bisschen Wasser, aß ein paar Datteln und machte mich auf den Weg ins Krankenhaus. Draußen war es noch dunkel, aber der Gang zum Klinikum tat mir ausgesprochen gut. (Warum gehe ich eigentlich nicht öfter morgens spazieren?) Es war dann doch schon sieben Uhr als ich im Kreißsaal ankam. Die Hebammen begrüßten mich und schlossen mich ans CTG an. In unserem Klinikum gibt es hierfür ein separates Zimmer. Dort wurde ich allein gelassen, was mich jedoch nicht störte. Ich war sehr froh, dass noch keine Patientin im Kreißsaal war. Somit war auch das Gebärzimmer mit der Wanne frei, das auch gleichzeitig das schönste ist. Ich freute mich und hoffte, dass niemand vor mir dorthin gebracht würde. Das CTG wurde in Seitenlage geschrieben. Ich konnte alle Wellen veratmen, trotzdem gefiel mir diese Lage nicht. Obendrein war mir ein bisschen übel. Nach ungefähr zwanzig Minuten kam die Hebamme zurück in das CTG-Zimmer. „Ihr Kind schläft“, sagte sie mir. „Trinken Sie die ganze Flasche Wasser aus.“ Außerdem durfte ich an einem mit Zitronenöl beträufelten Tuch riechen, um den Kleinen zu wecken. Rückblickend fragte ich mich, ob das Wecken wirklich notwendig war. Zu diesem Zeitpunkt akzeptierte ich es jedoch und so trank ich die Flasche Wasser. Der Kleine wachte allerdings nicht auf. Schließlich bekam ich Traubenzucker, der ihn dann weckte. Nach einer Stunde am CTG legte die Hebamme mir einen Zugang um mir intravenös Wasser zuzuführen, damit der Kleine wach blieb. Eigentlich wollte ich keinen Zugang, aber ich akzeptierte. Es gibt schlimmere Interventionen, dachte ich. Allerdings dachte ich, ich dürfte nicht in die Badewanne, was mich traurig stimmte. Danach wurde ich endlich vom CTG abgenommen und vaginal untersucht. Es war alles gut und der Muttermund bereits 5 cm geöffnet. Die Hebamme fragte mich, ob ich in die Wanne möchte, was mich überraschte. Ich konnte also doch ins Wasser. Ich freute mich. 

Entspannt in der Wehenwanne

Bis das Wasser eingelassen war saß ich noch auf einem Gymnastikball, kreiste mein Becken und sang ein bisschen um meinen Atem tiefer werden zu lassen und mich zu entspannen. In der Badewanne entspannte ich mich schließlich gänzlich. Es war wunderschön und die Wellen ließen sich wunderbar veratmen. Nach zwei Stunden im Gebärzimmer kam dann auch mein Mann an, was mich sehr froh machte. Ich freute mich von ihm zu hören, dass es allen gut ging und bin meiner Schwiegermutter und ihrem Lebensgefährten sehr dankbar, dass sie so schnell wie möglich zu uns nach Süddeutschland gefahren sind. Nach kurzer Zeit der Zweisamkeit im Gebärzimmer kam die Hebamme mit der diensthabenden Ärztin hinein, welche einen Ultraschall machte. Alles war in Ordnung. Die Hebamme untersuchte mich anschließend erneut vaginal und stellte fest, dass das Köpfchen des Kindes sich noch immer sehr weit oben befand. Daraufhin empfahl sie mir nicht mehr in die Wanne zu steigen, sondern ein bisschen im Zimmer herumzulaufen. Also lief ich, nun im Krankenhemdchen bekleidet mit meinem Mann ein bisschen herum. (Was ein bisschen ärgerlich ist, ist dass mein Mann mich nicht wirklich beim Atmen unterstützen konnte. Der Hintergrund dazu ist folgender: in der Schwangerschaft mit unserem ersten Sohn machten wir einen unfassbar schlechten Geburtsvorbereitungskurs, in dem wir tatsächlich nichts lernten. In meiner zweiten Schwangerschaft machten wir keinen Kurs. Im Nachhinein denke ich, dass wir in einen Hypnobirthing-Kurs hätten investieren sollen. Beim nächsten Kind dann vielleicht.) Die Wellen wurden stärker, der Muttermund öffnete sich weiter. Bald darauf fiel es mir immer schwerer sie zu veratmen. Auch meine Erinnerungen hierzu sind nur noch vage und bruchstückhafter als zuvor. Im Vierfüßlerstand oder auch im Stehen spielte mein Kreißlauf verrückt und mein Rücken schmerzte. Aus Wellen wurden Wehen. Ich legte mich auf die Seite. Die Assistenzärztin und die Oberärztin kamen unterdessen hinein. (Zwischenzeitlich ließ die Hebamme meine dicke, pralle mit sehr viel Fruchtwasser gefüllte Fruchtblase zerplatzen, damit der Kleine endlich tiefer ins Becken rutschen konnte.) Ich verlangte nach einer PDA, die ich eigentlich nicht wollte. Aber es schmerzte so sehr. Ich wollte zurück ins Wasser, mich in Trance versetzen. Die Ärztinnen meinten jedoch, es sei zu spät für eine PDA. Ich schrie vor Schmerzen und presste. „Es geht nicht! Ich kann nicht mehr!“, schrie ich immer wieder. Die Hebamme war glücklicherweise ein ähnliches Temperamentsbündel wie ich. Sie schrie zurück: „Doch!“ Dieses harsche Widersprechen hatte ich gebraucht um alle meine Kräfte zusammenzunehmen. In der Zwischenzeit bekam ich eine Sauerstoffzufuhr. 

Saugglockengeburt

Ich presste. Ich weiß nicht wie oft. Die Oberärztin meinte schließlich, das Kind sei gestresst und sie wollte es nicht länger in diesem Zustand lassen, der Kleine sei schon so lange im Geburtskanal. Also entschloss sie sich, ihn mit einer Saugglocke zu holen. Ich presste also und sie zog den Kleinen heraus. Er kam wach, schreiend und blau im Gesicht zur Welt. Die Farbe verschwand glücklicherweise sehr schnell. Er wurde mir auf den Bauch gelegt und ich konnte mit ihm kuscheln. Die Hebamme und die Ärztin achteten sehr darauf, die Nabelschnur auspulsieren zu lassen, was ich mir gewünscht hatte. Allerdings hatte ich vergessen diesen Wunsch auszusprechen, weshalb ich mich sehr freute, dass sie darauf von sich aus geachtet hatten. 

Fünf weitere Stunden verbrachten wir im Kreißsaal und konnten uns kennenlernen. Wir genossen die Dreisamkeit und freuten uns aber auch nach besagten fünf Stunden zu unserem Großen nach Hause zurückzukehren und den Kleinen direkt in unser Familienleben integrieren zu können. Herzlich Willkommen, kleiner Schatz!

Herzlich Willkommen, kleiner Sohn!

Wunderbar an dieser Geburt fand ich die Möglichkeit am Anfang im Wasser entbinden zu können, dass die Nabelschnur auspulsieren konnte, dass ich ohne Schmerzmittel entbinden durfte und dass ich das Glück hatte die ganze Zeit von der gleichen Hebamme betreut zu werden. Da in dieser Zeit keine andere Geburt stattfand, hatte ich eine 1:1-Betreuung. 

Diese Geburt war nicht die 100 Prozent „artgerecht“. Aber es war definitiv eine Verbesserung im Gegensatz zu meiner ersten Entbindung. Für eine Klinik-Geburt war sie im Grunde sehr schön. Die Bindung zu meinem zweiten Sohn kann wachsen, ohne dass ein Geburtstrauma dazwischen kommt. Mein Wochenbett versuche ich tatsächlich „langsam, achtsam, echt“ zu gestalten. Wir wachsen als Familie zusammen. Wenn sich alles eingependelt hat, versuchen wir wieder besser unseren Planeten zu retten.

Hebammenmangel ist nicht nachhaltig

Um noch einmal auf die ökonomische Komponente der Nachhaltigkeit zu sprechen zu kommen: die extreme Einsparung an Personal in Kliniken und die Unterbezahlung der Hebammen (insbesondere wenn es um Hausgeburten oder Geburtshäuser geht) ist alles andere als nachhaltig. Gebärende Frauen können nicht richtig betreut werden, die Hebammen ihren Job nicht so ausführen, wie sie es gerne würden. Muss man hier wirklich immer sparen, sparen, sparen? Eine Geburt ist keine Fließbandarbeit! Es geht hier nicht darum etwas schnell, effizient und kostengünstig herzustellen. Und dabei ist es egal, was die Gebärende sich wünscht. Auch ein geplanter, gewünschter Kaiserschnitt sollte ebenso liebevoll begleitet werden wie eine Hausgeburt. 

Zu guter Letzt muss ich noch unbedingt erzählen, was uns beim Verlassen des Krankenhauses passiert ist: Kurz vor dem Ausgang stehen in unserem Klinikum ein paar Automaten. Snack-Automaten und solche, an denen die Patient_innen Karten für Fernsehen und W-LAN aufladen können. Aus einem der letzten glitt doch tatsächlich ein 10 Euro-Schein, als wir daran vorbeiliefen. Unser kleiner Sohn scheint ein Glückskind zu sein. 

Referenzen: Dibbern, Julia und Schmidt, Nicola: Slow Family: Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern, Beltz-Verlag (Wenn du das Buch bestellen möchtest, kannst du diesen Werbelink nutzen, ich bekomme dann eine Provision, ohne dass du mehr zahlen musst).

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4 Gedanken zu „Lisa: War diese Geburt nachhaltig?“

      1. Oh ja gerne! Ich denke schon, dass es Nummer drei noch geben wird. Egal ob Klinik-, Geburtshaus- oder Hausgeburt; in Konstanz werden wir dann wohl nicht mehr wohnen und die Geburtsumgebung wird demnach eine andere sein.

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