[Serie: Geburten und Feminismus] Teil 4: Hebammen jenseits des Systems: Radical Birth Keepers

Radical Birth Keeper School

Ich kennzeichne diesen Beitrag trotz des kritischen Untertons als Werbung, weil er Affiliate Links beinhaltet.

Der Beitrag gehört zur Serie Geburten und Feminismus. Bisher veröffentlicht wurden:

  1. Mein Feminismus
  2. Was hat eine Geburt mit Feminismus zu tun? Geburten aus gesellschaftlich-feministischer, machtsystemischer Sicht
  3. Feministische Geburtsvorbereitung
  4. Hebammen jenseits des Systems
  5. Die Praxis: Gleichberechtigung und Geburt – überhaupt möglich?
  6. Geburten und Corona: Die Gesellschaft unter dem Brennglas der Pandemie

Die Free Birth Society hat ihren Ursprung in den USA. Sie ist relativ jung und eine Gemeinschaft von Menschen, deren Grundanahme lautet:

Die Verantwortung für eine Geburt liegt bei der Gebärenden.

Geburtsmedizin solle nur dann zum Einsatz kommen, wenn die Gebärende das bestimmte. Eine Geburt ohne Eingriffe sollte normal sein.

So weit, so gut.

Das klingt erst mal nach der feministischen Grundausrichtung, die ich auch im 2. Teil dieser Artikelserie bereits angesprochen habe. Dennoch sehe ich die Free Birth Society durchaus kritisch. Dabei ist mir bewusst, dass die Ausgangssituation in den USA nicht gleichzusetzen ist mit der Situation in Deutschland.

Die Gründerinnen der Free Birth Society sehen das medizinische System in den USA als ziemlich falsch an. Sie bevorzugen nicht nur außerklinische Geburten, sondern Geburten ohne die Anwesenheit von Fachpersonal. Insofern würden sie auch in Deutschland sehr viele Missstände erkennen. Ihr Ziel wäre wohl auch in Deutschland eindeutig:

Alleingeburten als ultimatives Ziel

Nun bin ich beim Thema Alleingeburt immer noch, und immer wieder, im Wandel. Die Gebärende entscheidet. Und was ist, wenn sie falsch entscheidet? Gibt es ein falsch, wenn es um den eigenen Körper geht, aber eben auch um ein anderes Wesen, ein Baby im Bauch? Sind Alleingeburten inakzeptabel?

Die Gründerinnen der Free Birth Society stellen die Alleingeburt als ultimatives Ziel dar.

Weil sie aber auch wissen, dass nicht jede Frau allein gebären will, haben sie ein Programm ins Leben gerufen, in dem Frauen* (so weit ich es verstehe, ist das Programm für Frauen und queere Menschen mit weiblicher Identität offen) lernen, andere bei der Geburt zu betreuen, ohne die Selbstverantwortung der Gebärenden einzuschränken.

Dieses Programm nennen sie die Radical Birth Keeper School.

Radical Birth Keeper School

Die Programmdetails reichen von Wissen über Geburten über rechtliche Fragen (vermutlich bezogen auf die USA) bis hin zum Aufbau einer Webseite als Selbstständige*r Geburtsbegleiter*in.

Das Ziel ist es also, das Fachwissen einer Hebamme zu vermitteln, aber eben ohne die rechtlichen Bedingungen, an die Hebammen gebunden sind. Als ich von dem Programm erfuhr, war ich zwiegespalten. Inhaltlich ist das Programm bestimmt spannend. Soll ich es auf meiner Vergleichsseite für online-Geburtsvorbereitungskurse vorstellen? Ich habe mich dann dafür entschieden, die Vorstellung der Radical Birth Keeper School in der gleichen Art umzusetzen, wie bei allen anderen Kursen. Ihr findet sie hier.

Über die Homepage der Free Birth Society bin ich auch als Affiliate gelistet. Das bedeutet, wenn ich die Kurse bewerbe und jemand kauft über meinen Link, erhalte ich eine Provision. So ist es ja bei den meisten Kursen, die ich vorstelle. (Eine aktuelle Liste findest du hier.)

Unterstütze ich die Entwicklung eines Parallelsystems?

Doch möchte ich den Kurs überhaupt bewerben? Möchte ich, dass sich ein Parallelsystem entwickelt — jenseits von Hebammen, Krankenkassen und Vorsorge?

Zu was genau bilden die Kursleiterinnen ihre Teilnehmer*innen aus? Die beiden Leiterinnen sind selbst keine Hebammen. Das bin ich auch nicht. Und dennoch gebe ich Tipps weiter. Ich habe sogar einen Beitrag zur Geburtsvorbereitung auf eine Alleingeburt geschrieben.

Warum stößt mir also dieser Kurs auf? Ja, der Preis ist heftig, aber darum geht es nicht.

Ich fühle mich unwohl damit, dass die Gründerinnen nur Geburten ohne medizinischen Eingriff als wirkliche Geburtserfahrungen anerkennen. Mir scheint es, als seien alle Schwangeren, die sich für eine Geburt mit Hebamme oder Arzt entscheiden, keine wahren Frauen.

Der Respekt vor der Selbstverantwortlichkeit der Schwangeren kann irgendwann umschlagen in eine Verachtung, wenn sich die Schwangere nicht in der Lage sieht, ihr Kind allein zur Welt zu bringen.

Gesellschaftliche Indoktrinierung erkennen die Kursleiterinnen zwar als patriarchales Übel an. Diese Indoktrinierung müsse aber eben überwunden werden. Wenn das nicht gelinge, habe die Frau versagt. So wird aus einem Mantra schnell ein Dogma.

Außerdem ist aus meiner Sicht nicht jede Geburt mit medizinischem Personal automatisch eine Entmächtigung der Gebärenden. Nicht mal muss das Ziel einer feministischen Geburtsvorbereitung eine internventionsfreie Geburt sein. Auch ein Kaiserschnitt kann selbstbestimmt sein.

Inhaltlich kann ich nicht sagen, ob die Radical Birth Keeper School nun näher an einer Hebammen- oder Doula-Ausbildung dran ist. Die Kursleiterinnen selbst nennen das Programm einen Kurs in Authentic Midwifery. Sind dann also alle anderen Hebammen nicht authentisch?

Ich habe das Programm nicht mitgemacht. Es reizt mich einerseits, andererseits ist mein Schwerpunkt das Schreiben. Das ist es, was ich kann. Also bleibt es bei einer Außenansicht. Ich bin mir sicher, dass viel wertvolles Fachwissen vermittelt wird, das auch für Menschen sinnvoll ist, die dem Einsatz von Geburtsmedizin offener gegenüber stehen als die Free Birth Society.

Affiliate für die Radical Birth Keeper School

Doch will ich denn nun einen Kurs bewerben, der so offensichtlich mit einem Bruch des Systems wirbt? Komisch, eigentlich werbe ich doch auch immer dafür, systemkritisch zu sein und nicht einfach blind dem System zu vertrauen.

Tja, und so folgt das Fazit:

Ich stimme nicht in allen Punkten mit der Philosophie der Radical Birth Keeper school überein. So geht es mir aber in unterschiedlicher Intensität bei anderen beworbenen Kursen auch. Letztendlich ist es bei der Kurswahl nicht anders als bei der Geburt: Eine Lösung für alle passt nicht. Viele individuelle Lösungen sind es, die gebraucht werden. Und bestimmt ist auch die Radical Birth Keeper School für manche Menschen* genau der richtige Ansatz, um ihren Weg zu gehen. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, auch für dieses sehr streitbare Programm zu werben. Wenn du also Interesse an der Radical Birth Keeper school hast, kannst du hier mehr erfahren.

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