Erzählcafé zu Hausgeburten: Offene Gespräche

Bericht Erzählcafé zu Hausgeburten

Am Sonntag, 20. September 2020, fand das dritte Erzählcafé statt, an dem ich beteiligt war. Dieses Mal habe ich es zusammen mit Sophie Mikosch von Mütterimpulse ausgerichtet. Es war dieses Mal explizit ein Erzählcafé zu Hausgeburten.

Wir waren insgesamt zu fünft. Einerseits war das eine tolle Gruppengröße, andererseits war ich etwas enttäuscht, weil es wesentlich mehr Anmeldungen gab und nur eine Angemeldete kurzfristig abgesagt hat. Alle anderen sind schlicht nicht aufgetaucht. Doch das nur am Rande.

Erzählcafé mit Schwerpunkt Hausgeburten

Inhaltlich war das Erzählcafé nämlich wirklich großartig. Wir hatten den Schwerpunkt dieses Mal explizit auf Hausgeburten gelegt.

Die erzählten Geschichten waren sehr unterschiedlich, und doch waren sie in einem alle gleich: Nur, wer weiß, was sie will, kann das auch bekommen.

Laura: Letzte Fragen vor der Hausgeburt

Laura, die kurz vor der Geburt ihres 2. Kindes steht (vielleicht ist es jetzt sogar schon da?!) nutze die Gelegenheit, um einerseits noch mal Kraft zu tanken durch die Geschichten der anderen, andererseits aber auch gezielt Fragen zu stellen. So ging es unter anderem um die Frage, welche Hilfsmittel wir für eine Hausgeburt empfehlen könnten. Vom Tragetuch zum Reinhängen über vorbereitetes Essen, flauschige Handtücher und eine Salzkristialllampe ging es bis zur Geburtsfotografin. Auch über die Rolle von älteren Geschwisterkindern haben wir lange gesprochen. Das Fazit hier: Häufig geht die Geburt so los, dass die älteren schlafen oder gut versorgt werden können. Für alle Fälle ist es aber sinnvoll, eine Kinderbetreuung zu organisieren, denn nicht jedes Kind will oder kann bei der Geburt dabei sein.

Denise: Eine eventuelle Behinderung blockierte kurz den Kopf

Denise erzählte, wie sie wegen einer eventuellen Behinderung ihres Babys während der Geburt kurz den Glauben an sich selbst verlor, bevor sie „einfach“ alle Angst los ließ und ihr Kind zu Hause gebar. Weder während noch nach der Geburt musste das Kind medizinisch versorgt werden. Denise‘ Befürchtungen waren unbegründet.

Lucie: Niemand schränkt mich ein!

Lucie erzählte, dass sie ihre Hebamme erst sehr spät zur Geburt dazu rief, weil sie vorher so lange wie möglich allein bleiben wollte. Sie machte deutlich, dass es ihr dabei vor allem darum ging, sich bei nichts einschränken zu lassen und sich selber voll zu vertrauen.

Das Verhältnis zwischen Hebamme und Gebärender

Daraus ergab sich auch noch ein weiterer Schwerpunkt, nämlich das Verhältnis zwischen Hebamme und Gebärender. Die Hebamme muss gewisse Richtlinien erfüllen — auch bei Hausgeburten. Das kann auch gegen den Willen der Gebärenden gehen. Zwar sind Übergriffigkeiten bei Hausgeburten seltener als im Krankenhaus, doch das Spannungsfeld zwischen der Selbstbestimmung der Mutter und der Verpflichtung der Hebamme gibt es auch hier. Wir unterhielten uns lange darüber, was wir uns eigentlich konkret von unseren Hebammen wünschen und wie das in Deutschland umzusetzen ist.

Entsprechend  verlagerte sich das Gespräch zwischendurch weg von den persönlichen Erlebnissen hin zu politischen und gesellschaftlichen Fragen rund um die Geburt – sowohl bei der Frage der Hebammen als auch bei der Frage der schließenden Geburtsstationen. Denn auch für Hausgeburtsmamas ist es wichtig, dass der nächste Kreißsaal nicht erst nach einer Dreiviertelstunde Fahrt erreicht wird.

Fazit: Erzählcafés sind so wichtig! Gerade zu Nischenthemen wie Hausgeburten!

Der direkte (wenn auch virtuelle) Austausch mit anderen ist wirklich wichtig, hilfreich, und (so blöd es klingt) auch einfach immer wieder schön.

Ich danke allen, die dabei waren!

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