Kinderwunsch-Expertin Dorothee Struck im Gespräch

Kinderwunschexpertin im Interview: Dorothee Struck

Ich darf heute ein Interview mit euch teilen, dass ich vor Kurzem mit Dorothee Struck geführt habe. Sie ist Ärztin und betreibt eine Kinderwunschpraxis in Kiel. Im Interview erzählt sie, was sie am Thema Kinderwunsch so fasziniert und was sie sich für die deutsche Geburtshilfe wünscht.

Stell dich bitte kurz vor!

Moin, ich bin ein Nordlicht, geboren vor 52 Jahren, keine 500 Meter von der Kieler Förde entfernt. Frauengesundheit ist mir ein wichtiges Anliegen, so wie ich es aus der feministischen Frauengesundheits-Bewegung der 80er und 90er Jahre kenne (nicht, wie einige Sparten der Pharmaindustrie das Wort mittlerweile besetzt haben): Respekt dem weiblichen Körper gegenüber, Verständnis über die Funktionen des Körpers und so weit wie möglich Anleitung zu Selbsthilfe oder natürliche Behandlungsansätze.

Dorothee Struck. Foto: Privat. Copyright: Dorothee Struck

Im Medizin-Studium im FFGZ Kiel tätig, war ich danach einige Jahre in norddeutschen Kliniken beschäftigt. Viel Zeit davon habe ich im Kreißsaal und auf Wochenstationen verbracht. Und damit ist klar: ich bin Frauenärztin, zusätzlich auch Ärztin für Naturheilkunde und habe seit 2005 wieder im Heimathafen Kiel festgemacht mit meiner eigenen Privatpraxis.

Wie kam es dazu, dass du dich besonders auf Kinderwunsch spezialisiert hast?

Dieses unglaubliche Wunder, wenn ein Neugeborenes sich in den ersten Minuten nach der Geburt „entfaltet“: Erst die „kritische Falte“ zwischen den Augenbrauen, voll auf sich konzentriert, jetzt selber atmen, alles anders, heller, trockener, lauter und dann nach wenigen Minuten verstreicht diese, die Augenbrauen gehen hoch, Aufmerksamkeit auf die Umwelt und wahrnehmen, wer ist da? Mama, Papa…

Solche Momente sind wahre Magie und ich hatte nach über 1000 Geburten, bei denen ich dabei war, immer noch mal Tränen in den Augen, weil ich so berührt war. Ich wünsche jeder Frau, die Kinder möchte, dieses Glück! Und nach 10 Jahren viel Geburtshilfe, war es dann einfach nur konsequent neben der allgemeinen Frauenheilkunde den Schwerpunkt auf den Kinderwunsch zu legen 😉

Welche Leistungen bietest du in deiner Kinderwunschpraxis in Kiel an?

Ich betreue Patientinnen in meiner Praxis mit einer Kombination aus konventioneller Medizin, Endokrinologie und Naturheilkunde. Mir geht es vor Allem darum Frauen zu helfen einen gesunden, normalen Zyklus zu schaffen. Fruchtbarkeit ist ein Ausdruck von Gesundheit und Frauenkörper sind sehr resilient und regenerationsfähig, manchmal braucht es aber sehr gezielte Nachhilfe mit Heilpflanzen, mikrobiologischer Therapie, Homöopathie & Co. Gesunde Ernährung und Bewegung gehört natürlich auch dazu, es gibt aber kein Patentrezept. Eine Patientin mit PCO-Syndrom wird andere Empfehlungen bekommen als jemand mit PMS oder Endometriose.

Ich habe festgestellt, dass ich gerne mit einzelnen Frauen bzw. Paaren sehr intensiv arbeite und in die Tiefe gehe. Der Ersttermin in der Praxis für ein Paar ist dann oft länger als vier Stunden, Gespräch, Untersuchung, Therapiekonzept entwickeln… Zoom-Termine für Frauen, die nicht nach Kiel kommen können und müssen, dauern mindestens 2 Stunden. Das klingt für viele Kollegen wahnsinnig, aber mir macht es unglaublich viel Spaß, Detektivin zu spielen und herauszufriemeln, was eine Frau bzw. ein Paar braucht um ein Kind zu bekommen.

Ich nehme neue Patientinnen nur nach einem Vorgespräch, damit ich sicher bin, dass ich die Richtige für das Paar und das jeweilige Problem bin. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie finden diese Gespräche auch verstärkt online statt, und anmelden kann man sich auch online.

Erzähl uns von den schönen Seiten deines Berufs!

Oh, das sind viele, viele! Da wüsste ich gar nicht, wo anfangen….

Natürlich ist es das Größte, wenn eine Kinderwunschpatientin endlich ihr Lüttes auf dem Arm hat und zur Nachuntersuchung nach der Geburt kommt. Aber es gibt auch die 15 -jährige, die peinlich berührt rumdruckst „Sie kennen mich nicht, meine Mama ist hier und jetzt will ich ne Pille, weil ich hab nen Freund“ und ich muss mir ein Schmunzeln verkneifen, denn ich erinnere mich nur zu gut, dass diese junge Dame vor 10 Jahren immer gemeckert hat, wenn die Buntstifte im Wartezimmer abgebrochen oder die Malbücher voll waren.

Welche Seiten deines Berufs magst du nicht so gern?

Dass Sprechende und auch Hörende Medizin im Vergleich zu Gerätemedizin grottenschlecht bezahlt werden und damit im normalen medizinischen Alltag oft viel zu kurz kommen. Das war übrigens auch ein Grund, warum ich keine Kassenzulassung gekauft habe, als ich mich niedergelassen habe: 5-Minuten-Medizin, damit kann ich einfach nicht leben, ein Routinetermin braucht bei mit 30 Minuten.

[Tipp zum Weiterlesen: Dr. Ute Taschner, Expertin für Geburt nach Kaiserschnitt, im Interview.]

Diese Freiheit habe ich nur mit einer Privatpraxis. Ich finde das selber aber unschön. Es wird immer von „2-Klassen-Medizin“ gesprochen… es gibt schon lange 3 Klassen:

  • die Frauen, die gut privat versichert sind und vieles erstattet bekommen z. B. Neuraltherapie bei schmerzhaften Dammschnittnähten
  • Gesetzlich Versicherte, die es sich leisten können, solche Behandlungen selber zu bezahlen oder z. B. eine homöopathische Anamnese bei einer Heilpraktikerin
  • Diejenigen Frauen, die gesetzlich versichert sind, aber die finanziellen Möglichkeiten nicht haben, Alternativen „zuzukaufen“.

Wenn du eine beliebige Sache in der deutschen Schwangerschaftsbetreuung und Geburtshilfe ändern könntest, was wäre das?

[Tipp zum Weiterlesen: Hier gibt es noch mehr Expertinnenwünsche für die deutsche Geburtshilfe.]

Besseres Gehalt und Arbeitsbedingungen für Hebammen und 1:1 Betreuung unter der Geburt! – Und wenn ich einen zweiten Wunsch hätte: kombinierte Betreuung der Schwangeren von Ärztin und Hebamme Hand in Hand, so wie ich es aus dem Englischen Gesundheitssystem kenne!

Mir werden gesunde Schwangere oft zu sehr medikalisiert bei uns. Und ich habe es bei den Briten sehr genossen, wirklich Zeit für die Risikoschwangeren mit Gerinnungsproblemen oder anderen Grunderkrankungen zu haben, die mich als Ärztin wirklich brauchen.  

Wie können wir dich erreichen?

Meine Homepage ist unter www.frauengesundheit-kiel.de zu erreichen.

Hier könnt ihr ein Vorgespräch buchen

Und für meinen Newsletter eintragen könnt ihr euch hier.

Ich danke Dorothee Struck für das Interview!

Übrigens gibt Dorothee am 16. November 2020 ein kostenloses Webinar zum Thema Kinderwunsch trotz Fehlgeburt. Hier kannst du dich anmelden.

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