Gesine: Wie die Mutter-Tochter-Beziehung Geburten beeinflusst

Wie beeinflusst die Mutter-Tochter-Beizehung die Geburt? Interview mit Gesine Gammert

Im heutigen Interview darf ich dir Gesine Gammert vorstellen. Gesine arbeitet rund um das Thema Mutter-Tochter-Beziehung. Da diese ja bekanntlich bereits vor der Geburt beginnt, habe ich ein spannendes Interview mit ihr führen dürfen. Sie geht unter anderem darauf ein, wie sich „Geburtstraditionen“ über Generationen hinweg wiederholen und wie wir mit Fehlgeburten und Abtreibungen umgehen können.

Hallo Gesine, stell dich doch bitte kurz vor!

Hallo liebe Leserin von „Ichgebäre“, mein Name ist Gesine Gammert, und ich bin Heilerin & Coach für Töchter, die eine problematische Beziehung zu ihrer Mutter haben. Das beginnt bei simplen Alltagsmissverständnissen zwischen beiden bis hin zum totalen Kontaktabbruch. Mein Ziel ist es dabei nicht, Friede-Freude-Eierkuchen zwischen beiden herzustellen, sondern der Tochter (egal wie alt) zu helfen, endlich emotional unabhängig von ihrer Mutter zu sein und damit in ihre Freiheit zu kommen. Das ist möglich, davon bin ich überzeugt.

Gesine Gammert. Copyright: Malina Ebert Fotografie

Wie kamst du auf das Thema Mutter-Tochter Beziehung?

Auf mein Thema kam ich ziemlich organisch. Zum einen habe ich selbst eine Zeitlang eine sehr belastete Beziehung zu meiner Mutter gehabt. Es war kaum Kommunikation möglich, nach Telefonaten fühlte ich mich bleischwer und ich wusste nicht, woran es lag.

Beruflich war ich auch unzufrieden, so dass ich anfing, nach den Ursachen zu suchen. Dabei landete ich oft bei der Beziehung zu meiner Mutter als „Ursprung“. Ich setze das in Anführungsstriche, weil ich mittlerweile weiß, dass die Mutter nicht immer direkt damit zu tun bzw. „Schuld“ hat, sondern viele andere Aspekte und Emotionen mitmischen, so zum Beispiel ungeborene Kinder, die Vergangenheit der Mutter und andere Dinge. Familiäre Beziehungen sind sehr komplex, aber noch mehr wirken sie unterbewusst, rein energetisch.

Der zweite Grund sind die Frauen, die zu mir fanden, als ich mit den Heilsitzungen anfing. Bei allen war tatsächlich die Mutter die Ursache für ihre aktuellen Probleme. Sie wurden von ihr verlassen, missbraucht, waren ihrem unberechenbaren Verhalten komplett ausgeliefert als Kind. Das hat sie enorm beeinträchtigt in ihrem Leben.

Der dritte Grund ist die riesige Bedeutung der Tochter-Mutter-Beziehung. Sie ist so viel größer. Unsere Mutter ist unser weibliches Vorbild. In unserer Kindheit liegen die Ursachen für unser Selbstbewusstsein, unser Selbstverständnis als Frau. Die Beziehung zur Mutter ist unsere erste, sie beeinflusst alle weiteren und natürlich unsere wichtigste – die zu uns selbst.

Und wenn wir uns mal unsere Beziehungen zu anderen Frauen anschauen – inwiefern erinnern die uns an die Beziehung zu unserer Mutter? So kann ich durch die Heilung der Tochter-Mutter-Beziehung auch die Frauen an sich und miteinander heilen. Das ist so wichtig in dieser neuen Zeit – die Stärkung der Weiblichkeit, das Miteinander und das gegenseitige Unterstützen. Eine Frau, die von ihrer Mutter z.B. nie unterstützt wurde, hat es oft schwer, darum zu bitten oder Unterstützung von anderen anzunehmen. Dabei sollte das das Natürlichste der Welt sein! Hier habe ich meine Herzensberufung gefunden.

Hast du selber Kinder?

Ich selbst habe keine Kinder. Das hat sich für mich nicht ergeben. Aber ich kenne mittlerweile sehr gut die Dynamiken, die innerhalb von Familien und zwischen Menschen wirken können. Ich finde es irre spannend, hier die Ursachen herauszufinden bzw. die Klientin zur Lösung und in ihre Befreiung zu führen.

Hat die Geburt deiner Ansicht nach einen Einfluss auf die Mutter-Tochter-Beziehung?
Kommt dieser Einfluss bei den Geburtserfahrungen der Tochter zum Tragen?


Absolut hat der Geburtsvorgang Einfluss auf die Beziehung zwischen beiden. Die Geburt ist generell, so wie sie „normalerweise“ vollzogen wird, traumatisch. Wir werden aus dem wohligen, geschützten Bauch gedrängt, müssen uns durch einen engen Kanal quetschen, in dem wir oft feststecken und hängen dann schutzlos, festgehalten von fremden Händen in der Luft, werden womöglich medizinisch untersucht in einer sterilen Umgebung (Bei mir war das so) und die Geborgenheit ist jäh futsch, ohne dass man weiß, was hier abläuft. Das ist traumatisch, bei einem Kaiserschnitt sowieso, wo die Trennung brutal abrupt vorgenommen wird. Auch die anschließende Narbe hinterlässt meist ein unerkanntes Trauma in der Mutter, das geheilt werden sollte. Eine gesunde Bindung zur Mutter kann hergestellt werden, wenn man den engen Körperkontakt, also die vertraute Umgebung, möglichst beibehält.

An die eigene Geburt erinnert sich jede Zelle (das Unterbewusstsein, der Körper speichert jede einzelne Erfahrung und Emotion). Dadurch werden werdende Mütter natürlich beeinflusst, alte Emotionen kommen hoch. Sie sind dem aber nicht auf ewig ausgeliefert. Durch gezielte Heilarbeit kann man die gespeicherten Erinnerungen reduzieren bis verschwinden lassen und sogar durch positive ersetzen.

Und was viele verlernt haben: Aufregung ist normal! Eine Geburt ist doch ein irres Erlebnis, die Schwangerschaft und der Vorgang, einen kleinen Menschen auf die Welt zu bringen. Das ganze Leben ändert sich. Das ist natürlich aufregend – aber man verwechselt es mit Angst!

Überhaupt spielt die gesellschaftliche Umgebung eine große Rolle, auch von ihr sind wir beeinflusst, von dem, was als „normal“ gilt, genauso die Mutter und ihr Verhalten uns gegenüber.

Wenn man eine schöne, sichere Geburt erleben möchte, muss man auf sich selbst hören. Und hier ist Vertrauen in sich selbst ganz wichtig. Im Grunde ist es wie bei jeder anderen Thematik auch: Ich muss mich frei machen von allem, was ich darüber „weiß“, glaube, denke und was andere mir darüber erzählen. Stattdessen erspüre ich meine ganz eigene Wahrheit in mir und handle danach voller Vertrauen.

Wie sollte eine Geburt aussehen, damit daraus eine gesunde Mutter-Tochter-Beziehung werden kann?

Die Geburt ist nur ein Baustein in der Beziehung zwischen Tochter und Mutter. Die beginnt ja schon bei der Empfängnis – ist das Kind gewollt? Wie ist die Beziehung zum Vater? Verläuft die Schwangerschaft emotional sicher?

Das heranwachsende Baby bekommt alles mit. Schon im Bauch bildet es Überzeugungen, Emotionen und eine Beziehung zur Mutter. Manche noch urtümliche Kulturen schotten werdende Mütter von allen äußeren Einflüssen ab, so dass sie und ihr Baby sich bis zur Geburt ungestört entwickeln können. Eben weil man um den Stress weiß, den eine ungünstige Umgebung auslösen kann.

Eine Schwangerschaft, in der das Baby unsicher heranwächst, kann es sogar daran hindern, rauszukommen. Das Baby kann sich tatsächlich sträuben, weil es nicht vertraut. Dies ist aber individuell, Kinder reagieren unterschiedlich, auch wenn sie unter ähnlichen Bedingungen aufwachsen. Es ist in jedem Fall wichtig, dass die Mutter entspannt ist und selbst vertraut, das spürt das Kind, es ist ja vollkommen von ihr abhängig und hat alle Sinne nach ihr ausgerichtet.

Du gibst Heilsitzungen nach Fehlgeburten oder Abtreibungen. Warum ist es wichtig, so eine
Erfahrung zu heilen? Was genau passiert dabei?


Dieses Thema hat sich auch ergeben. Ich biete das jetzt bewusst an und auch erstmalig für eine kleine, geschützte Gruppe. Frauen kamen mit dem Problem Mutter zu mir und wir haben oft Fehlgeburten als eine gravierende Ursache aufgedeckt, ziemlich häufig sogar. Viele haben das überhaupt nicht auf dem Schirm. Aber die Emotionen
kommen sofort hoch, wenn ich danach frage.

Ganz allgemein kann man sagen: wenn eine Mutter ein Kind verliert und es nicht gesund verabschiedet, wird es
problematisch für alle in der Familie, vor allem für die Kinder, die danach kommen. Die Trauer, die Schuldgefühle und auch die Scham der Mutter überschatten ihre anderen Gefühle – für den Partner, die Kinder und auch für sich selbst.

Warum hat eine unverarbeitete Fehlgeburt so eine Wirkung? Die Mutter ist unbewusst fixiert auf ihr Kind und
daher nicht mehr vollständig „anwesend“. Sie hat weniger bis gar keine Aufmerksamkeit mehr für ihre
Umgebung, das hat überhaupt nichts mit den Betroffenen zu tun.

Was auch viele nicht wissen: ein fehlgeborenes Kind ist ein vollwertiges Mitglied der Familie. Ihm gebührt sein
natürlicher Platz. Den kann es nicht einnehmen, wenn es emotional festgehalten oder verschwiegen wird (von
der Mutter meistens). Die folgenden Kinder wollen das „lösen“, indem sie das verlorene Kind „ersetzen“. Somit
geben sie ein Stück von sich selbst auf. Und auch sie trauern, fühlen sich schuldig, weil sie leben und das
Geschwister nicht.

Hier löse ich viel auf – bei Geschwistern von Fehlgeburten. Oft sind es auch die Umstände einer Fehlgeburt, z.B. wie sie „entsorgt“ wird. Die Erinnerungen daran sind manchmal ein dunkles Geheimnis, das die Frau trägt und das sie sich nicht verzeihen kann – aber auch hier ist Heilung möglich!

Wenn die Mutter das verlorene Kind auf richtige Weise verabschiedet – und zwar auf allen Ebenen – kann sie loslassen und wird vollständiger. So kann sie sich auch wieder ihren Lieben zuwenden. Das Paar kann dann auch gemeinsam loslassen, gemeinsam fühlen und sich wieder näher kommen.

Bei Abtreibungen ist es ähnlich, hier überwiegen jedoch Schuldgefühle und Reue. Gesellschaftliche Ächtung und
Verurteilung beeinflussen die betroffene Frau ebenfalls enorm.

All die negativen Gefühle verhindern, dass die Mutter die Trauer fühlen kann, sie ist verdeckt oder abgespalten.

In meinen Sitzungen arbeite ich energetisch und sehr intuitiv. Oft wird die Situation, in der alles geschah, in
geschütztem Rahmen noch einmal erinnert oder wir „treffen“ das verlorene Kind. Alles passiert im Kopf, in der
Vorstellung, ich leite an und fühle mich ein (alles online übrigens). Die Begegnung ermöglicht, dass alle Gefühle
endlich erlaubt und gefühlt werden. Schicht für Schicht kommt dann zum Vorschein. Die Mutter sagt dem Kind,
was sie ihm damals hätte sagen wollen und auch einige bestimmte Sätze, die ich vorschlage und die sehr
heilsam sind.

Die Hauptsache ist: ALLES DARF sein und wird endlich ausgesprochen und angeschaut. Dann kann es gehen, ganz leicht und natürlich.

Ich selbst hatte weder Fehlgeburten noch Abtreibungen. Das empfinde ich jedoch als „Vorteil“, so kann ich da ganz objektiv rangehen. Gerade bei solch sensiblen und hochemotionalen Themen bleibe ich unbefangen – und doch ganz nah dabei. Und es ist ja meine Aufgabe, den Raum zu schaffen und zu halten für solche intensiven und intimen Momente – es ist dann wunderschön anzusehen, wenn die Frauen endlich loslassen können und die Liebe fließt.

Kannst du auch bei unerfülltem Kinderwunsch helfen?

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann zusammenhängen mit Ängsten und Erfahrungen der Mutter. So steht z.B. die Fehlgeburt der Mutter im Wege für eine Schwangerschaft ihrer Tochter – genauer gesagt die Angst, das gleiche zu erleben. Hier helfe ich der Tochter, sich bewusst abzugrenzen und das Schicksal bei der Mutter zu lassen bzw. es ihr zurückzugeben. Sie möchte es nämlich gern mittragen oder sogar abnehmen. Die Rückgabe geschieht u.a. mit einfachen, aber sehr wirksamen Ritualen.

Manchmal scheinen Fehlgeburten in der Familie zu liegen. Wie kann eine Mutter verhindern, dass ihrer Tochter irgendwann das gleiche passiert?

Das zu verhindern steht wohl nicht in ihrer Macht – von niemandem. Aber es ist möglich, dass die Mutter sich bewusst von der Tochter abgrenzt und die eigene Verantwortung übernimmt. Oft projizieren Mütter ihre Ängste auf die Tochter und halten diese damit „klein“. Dabei ist es so wichtig, der Tochter alles Vertrauen auszudrücken, ihr alle Kraft zuzutrauen, ihr Leben bestmöglich leben zu können. Das verleiht ihr wahrlich Flügel!

Wenn du einer Schwangeren einen Tipp für die bevorstehende Geburt ihres Kindes geben sollst: Was rätst du ihr?


Weiter oben habe ich das schon mal erwähnt: Eine Schwangere sollte Ängste und Sorgen abbauen, die eigene Intuition stärken, das eigene Körpergefühl, die positiven Gefühle stärken. Dazu gehört auch, sich mit Menschen zu umgeben, mit denen man sich wohlfühlt, die nicht stressen. Denn: Worauf ich mich konzentriere, das wird gestärkt.

Manchmal gibt es in Familien auch so Schicksale, die die Töchter wiederholen, wie zum Beispiel Abtreibungen. Hier war vielleicht irgendwann in der Frauenreihe eine Abtreibung die Lösung, die „Rettung“. Seitdem wird das in jeder Generation wiederholt, wie eine innere Übereinkunft. Hier gehe ich dann zur Ursprungssituation und schaue, was da passiert ist. Auf jeden Fall kann man das lösen.

Wie können Leser*innen mit dir Kontakt aufnehmen?

Ich bin über meine Webseite zu erreichen unter www.gesinegammert.com, oder per E-mail an hello@gesinegammert.com. Gern kann man meiner FB-Gruppe beitreten: Töchter, die aus der Reihe tanzen [beim Klick auf den Link gelten die Datenschutzbestimmungen von Facebook]. Meine Blog findest du ebenfalls auf meiner Homepage: https://gesinegammert.com/blog-ii/

Ich biete Einzelsessions zum Kennenlernen, ein kostenloses Erstgespräch und längere Coaching-Programme an, in denen ich mit der Klientin wirklich ihr Fundament freiräume und festige, damit daraus dann die eigene Freiheit und Unabhängigkeit erwachsen kann.

Das Heilen von Fehlgeburts-Traumata und Abtreibungen sind ein wichtiger Teil davon. Die aktuellen Angebote findest du hier: https://gesinegammert.com/gruppen-heilsitzung-fehlgeburt/

Und hier geht es auch zu meinen aktuellen Terminen: https://gesinegammert.com/workshops-fuer-dich/

Ein Gedanke zu „Gesine: Wie die Mutter-Tochter-Beziehung Geburten beeinflusst“

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