Laura: So schnell kann keine Hebamme sein

Schnelle Alleingeburt

Heute öffnen wir das fünfte Türchen des Adventskalenders. Laura erzählt von ihrer Alleingeburt. So schnell kann nun wirklich keine Hebamme kommen — selbst, wenn sie im gleichen Stadtteil wohnt!

Am 13.10.2020 um 01:28 Uhr kam meine Tochter bei 41+0, wie ihr großer Bruder, bei uns Zuhause auf die Welt. Da die Geburt bei meinem Sohn im Jahr 2017 bereits sehr schnell ging, habe ich mich mental damit auseinandergesetzt, dass die Hebamme es eventuell nicht rechtzeitig zur Geburt schaffen könnte und ich meine Kleine alleine gebären werde. Mein Wunsch war aber eine Geburt zusammen mit meiner Hebamme Lida, meinem Mann und dem „großen“ Bruder Mika.

Wehenbeginn

Am 13.10.2020 wurde ich um 00:01 Uhr mit leichten Wehen wach. Ich habe direkt gespürt, dass dies keine der zahlreichen Übungs- oder Senkwehen waren, die ich schon seit Wochen immer wieder spürte, sondern dass diese Wehen konkret Richtung Geburt gingen. Die Wehen kamen zwar direkt in kurzen Abständen von wenigen Minuten, waren aber absolut gut auszuhalten.

Mein Sohn schlief neben mir friedlich weiter, also beschloss ich, ins Untergeschoss zu gehen und ein paar Vorbereitungen zu treffen. Meinen Mann und meine Hebamme wollte ich um diese Uhrzeit nicht schon wecken, weil die Wehen wie gesagt noch problemlos auszuhalten und gar nicht schmerzhaft waren.

Ich sah dann über das Babyphone, dass mein Sohn wach wurde und etwas trinken wollte. Also weckte ich meinen Mann und bat ihn, zu Mika hoch zu gehen. Jedoch fing der Kleine an zu weinen, als er merkte, dass mein Mann statt ich da war und daher bin ich zu den beiden nach oben gegangen. Im Liegen hielt ich es aber nicht lange aus, und ich habe mich nach 10 Minuten wieder rausgeschlichen.

Jetzt wusste mein Mann immerhin, dass unsere Kleine Maus bald auf die Welt kommen würde. Er dachte nur nicht, dass es so bald sein würde…

Heublumendampfsitzbad führt zu Presswehen

Mein Sohn hat nicht wieder richtig in den Schlaf gefunden, was sonst nach einem Schluck Wasser eigentlich eine Frage von Sekunden ist, daher blieb mein Mann bei ihm oben liegen. Ich ging ins Bad und machte ein Heublumendampfsitzbad. Und wie beim großen Bruder setzen von jetzt auf gleich die Presswehen ein. Ich bin auf die Badematte auf alle Viere gegangen und mit der ersten Presswehe ist die Fruchtblase geplatzt.

Ich war ziemlich perplex und konnte es immer noch nicht wahrhaben, dass es JETZT losgeht und fühlte erstmal nach meinem Muttermund. Dieser war schon vom Köpfchen gedehnt und ich konnte bereits ihre Haare berühren.

Das kürzeste Telefonat aller Zeiten

Nach der nächsten Presswehe habe ich meine Hebamme angerufen, die zum Glück direkt im Nachbarstadtteil wohnt. Sie ging an ihr Telefon, aber da war auch schon die nächste Presswehe da. Ich konnte nur ihren Namen sagen und sie meinte direkt „Laura, ich komme sofort!“ Ich war hin- und hergerissen zwischen „ich muss warten, gleich ist Lida da“ und „wir rocken das jetzt, kleine Maus“. Aber die Presswehen waren so stark, dass ich schnell die Entscheidung getroffen habe „ich bringe mein Baby jetzt auf die Welt!“

Alleingeburt im Badezimmer

Mit der nächsten Presswehe war auch schon der Kopf da. Ich habe unter mir entlang geschaut und wollte auf ihre Drehung warten, um die Schultern zu gebären. Jedoch folgte unmittelbar die nächste Presswehe, die auch wieder so heftig war, dass ich nicht auf ihre Drehung warten konnte und mitgeschoben habe. Bei dieser Wehe wurde unsere kleine Tochter Finja geboren. Sie glitt sanft unter mich auf den Badteppich und ich holte mir schnell ein Handtuch aus dem Schrank, um sie einzukuscheln.

Da stand ich nun, mit Baby auf dem Arm, und wusste im ersten Moment nicht so recht wohin. Am liebsten hätte ich mich auf den Badteppich gelegt, das ging aber nicht, weil der von dem Fruchtwasser ganz nass war. Dann wollte ich ins Bett gehen, aber als ich aufgestanden bin, habe ich gesehen, dass ich aufgrund eines Labienrisses etwas blutete. Also ging ich schnell — mit Finja auf dem Arm — unter die Dusche, um meine Beine abzuduschen. Anschließend habe ich mich mit der kleinen Maus ins Bett gekuschelt. Kurz darauf — nur 6 Minuten nach meinem Anruf bei ihr — kam Lida und fragt mit einem Blick auf uns, was sie noch für uns tun könne.

Ich habe sie dann gebeten, dem frischgebackenen Bruder und meinem Mann Bescheid zu sagen. Die beiden kamen nach unten und haben sich zu uns gekuschelt. Sie haben oben von nichts etwas mitbekommen! Der Große war total aufgeregt und hat sich so sehr über seine kleine Schwester gefreut!

Das Wiegen und Vermessen von Finja sowie das Nähen meines Labienrisses haben wir auf den nächsten Tag verschoben, damit wir erstmal in Ruhe kuscheln und uns ausruhen konnten.

Auch wenn die Geburt nicht so geplant war, war es ein tolles Erlebnis und ich bin stolz auf mich und die kleine Maus, dass wir das so toll zusammen geschafft haben!

Und deine Geschichte?

Diese Geschichte habe ich nicht geschrieben, durfte sie aber veröffentlichen. Hast du deine Geburtsgeschichten aufgeschrieben? Oder fehlen mir dir die Worte? Willst du dazu meine Unterstützung in Anspruch nehmen, um die richtigen Worte zu finden? Ich helfe dir beim Schreiben der Geburtsgeschichte. Achtung, sie wird lang. Viel länger als diese hier. Das liegt alleine schon daran, dass du nicht schreiben musst, sondern erzählst. Hier gibt es mehr Informationen!


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Der komplette Adventskalender

Hier findest du alle Geschichten, die ich im Geburtsgeschichtenadventskalender 2020 veröffentliche bzw. bereits veröffentlicht habe:

  1. Tina: Badewannengeburt mit Glückshaube
  2. Annika: Hausgeburt trotz hohen Blutdrucks
  3. Susa: Torpedo-Überraschungs-Ei
  4. Mirabella: Ein Wehentag mit großem Geschwisterkind
  5. Laura: So schnell kann keine Hebamme sein
  6. Anna: Heilsame Hausgeburt
  7. Anja: Silvesterknaller
  8. Anja: Anstrengende Geburt zu Hause
  9. Viola: insertio velamentosa bei der Hausgeburt
  10. Anja: Drei Tage Rumgewehe vor der Wassergeburt
  11. Katharina: Geburtshausgeburt mit Schlafmangel
  12. Anja: Schlechte Laune und gute Geburt
  13. Katharina: Steigerung von „Keine Verletzungen“
  14. Natalie: Langes Rumgewehe und plötzliches Plopp
  15. Sabine: Hausgeburt nach vier Krankenhausgeburten
  16. Linda: Hausgeburt nach Kaiserschnitt
  17. Barbara: Erst lag das Baby quer
  18. Julias Zwillinge
  19. Natalie: Auf einmal waren die Presswehen da
  20. Anna-Christina: Selbstbestimmt im Krankenhaus, bis auf die letzten Minuten
  21. Kristina: Ich kann gebären!
  22. Irene: Kurze, heftige Hausgeburt
  23. Anna-Christina: Druckvolle Hausgeburt
  24. Kristina: Natürlich eingeleitete Hausgeburt

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