Natalie: Langes Rumgewehe und Plötzliches Plopp

Plötzlicher Blasensprung

Heute öffnen wir schon das 14. Türchen des Adventskalenders. Natalie erzählt, wie Theodor nach wochenlangem Rumgewehe dann doch recht pötzlich auf die Welt kam. Zumindest Theodors Papa nahm das Platzen der Fruchtblase noch nicht so ganz ernst…

Theodor
39+4, 17.07.2020 um 16:32 Uhr
3930 Gramm, 54 cm und 36,5 Kopfumfang

Senkwehen

Seit einigen Wochen war unser erneutes Ü-Ei, welches wir wieder in Hebammenbetreuung heranwachsen ließen, bereits durch mir diesmal neue knackige Senkwehen ins Becken tief gerutscht. Ich kannte das tage- und nächtelange Rumwehen von den beiden Mädels nicht und so dachten wir, dass unser Baby bestimmt nicht mehr lange auf sich mehr warten ließe und waren ab Rufbereitschaftsbeginn quasi bereits startklar.

Aber ich erreichte meine 40. Schwangerschaftswoche und wir warteten, teils natürlich ein wenig ungeduldig, einfach noch ab. Eine Achterbahn der Gefühle voll Spannung und Vorfreude, aber auch Wehmut, die Schwangerschaft loslassen zu müssen.

Rumgewehe oder Geburtsbeginn?

In der Nacht vom 17.07. wachte ich um drei Uhr von einer Wehe auf. Ich dachte mir nichts dabei, denn das Rumgewehe war ja mittlerweile fester Bestandteil meiner Tage und teils auch Nächte. Etwas genervt ging ich auf Toilette und legte mich wieder hin. Es kamen weitere Wehen in recht regelmäßigen Abständen. Die Dauer und Intensität fühlte sich aber irgendwie doch bisschen anders als sonst an.

So wurde ich ein wenig stutzig und beschloss das Geschehen weiter zu beobachten, denn schlafen ging nicht mehr. Die Abstände waren kontinuierlich alle 5 bis 8 Minuten und die Wehen hielten brav eine gute Minute an. In meinem Kopf begann es zu arbeiten und die Vorfreude auf das Baby stieg.

Ich ging aufs Sofa, legte mich dort nieder und ließ die Zeit verstreichen. Gegen fünf Uhr kam mein Mann recht verdutzt zu mir und fragte was ich denn hier machte, ob ich wohl wieder Wehen hätte und nicht schlafen könnte. Ich bejahte dies und fügte hinzu, dass es sein könne, dass er heute nicht arbeiten gehen könne. So ganz sicher waren wir uns nicht. War es Fehlalarm? Nahm die Intensität der Vorwehen einfach nur weiter zu? Sponn ich vielleicht und interpretierte zu viel rein?

Nein, mein Baby sagte mir, dass ist das Ganze, ich komme heute – also sagte mein Mann in der Arbeit Bescheid und blieb vorerst mal Zuhause. Ich ruhte mich weiter auf der Seite liegend aus und lud jede Wehe ein.

Gegen halb acht wachten die Mädels auf und die Große fragte direkt, da Papi daheim war, ob das Baby an ihren gewünschten 17.07. wohl nun komme. Wir bejahten es vorsichtig und so genossen wir unser Frühstück – welches ich mit Wehen begleitete. Die Abstände und die Intensität blieben nach wie vor konstant bei alle 5 bis 8 Minuten, je eine gute Minute. Das zog sich durch den ganzen Vormittag.

Ich war leicht unsicher ob es doch nichts würde. Mein Mann und die 8-jährige Tochter fragten auch stetig, ob sich denn nicht mal mehr tue. „Nein! Packt die 2-jährige ein, geht bitte den Wocheneinkauf machen, ich mag gern bisschen meine Ruhe.“ Gesagt, getan und die aufgeregte Bande trollte davon.

Ich schnappte mir den Hund und ging eine Runde um den Block. Über dem Laufen veränderte sich die Lage der Wehen und es bitzelte am Muttermund. Ich dachte mir: Nun gebe ich doch mal meinen Hebammen Bescheid, dass muss doch heute was werden und so können sie sich ein wenig richten für den Fall der Fälle. Wir vereinbarten, in Kontakt zu bleiben und sie zu rufen, wenn wir sie richtig bräuchten.

Glück kann man nicht kaufen

Ich hab die Beiden so so gern und ich war beim positiven Test so glücklich, dass die beiden Herzensmenschen uns wieder betreuten. Glück kann man nicht kaufen, aber man kann ihm begegnen und meine zwei Hebammen sind richtige Glückstreffer!

Als alle wieder daheim waren, baute mein Mann im Wohnzimmer mit den Kids unseren Geburtsplantschbeckenpool auf und machte das Zimmer mit meiner Mantrawimpelkette, Geburtskerze und zugezogenen Vorhängen richtig schön gemütlich. Auf der Yogamatte und Pezziball spielten die Kids ein wenig vor sich hin und ich ließ mich ein wenig in der Badewanne im Bad nieder um zu sehen, ob sich etwas im Wasser änderte, ehe wir das Wasser im Pool einlassen würden. Aber nein nichts, nach wie vor das selbe Spiel an Abstand und Intensität.

Jedoch waren die Wehen im Wasser richtig angenehm und so beschloss ich, dass der Pool nun doch mal gefüllt würde. Während das Wasser also in den Pool plätscherte, schrieb ich nochmal mit meiner Freundin, die auch Doula ist und mich im Falle einer Verlegung in ein KH begleitet hätte, da in diesem Fall mein Mann leider daheim bei den Kids hätte bleiben müssen. Sie machte mir Mut und Zuversicht, dass das Baby bestimmt heute noch käme und ich ganz bei mir bleiben solle. Das tat mir gut und so kreiste ich mein Becken im 4-Füsslerstand am Pezziball gelehnt bei jeder Wehe. Das war mir 2018 bei Mathilda schon sehr angenehm.

Das Geburtsteam

So langsam wurde der Abstand doch kürzer und ich musste auch leicht das vertönen der Wehen anfangen. Ich ging nun in den warmen Pool und hing mich erneut im 4-Füsslerstand beziehungsweise eher ein bisschen gehockt mit dem Oberkörper auf den Rand gestützt. Das Wasser tat richtig gut. Die Große und auch die Kleine streichelten mir immer mal wieder den Kopf und mein Mann versorgte mich mit Trinken und Traubenzucker. Eine tolles Geburtsteam hatte ich da Zuhause!

Fruchtblasenplopp

Auf einmal legte der gemütliche Gang einen Schalter um und es ploppte, die Fruchtblase platzte im Wasser. Ein lustiges Gefühl, dieses Plopp. Ich freudestrahlend am rufen, aber nur einen halben Satz rausbringend „Sven die Fruchtblase ist geplaaaaa…! “ denn im gleichen Moment rollte eine ganze Wehenflut an und ich beendete meinen Satz zu meinem Mann mit „…sag unseren Hebammen Bescheid! Jetzt!!“

Er nahm die Lage aber noch nicht so ernst und meinte zu Friederike am Telefon, dass sicher Zeit ist, gemütlich zu uns zu kommen. Aber bei mir im Körper legte sich der Schalter um und ab dem Platzen der Fruchtblase hatte ich immens das Bedürfnis, mitzuschieben. Wehe für Wehe, die nun alle zwei Minuten mindestens anbrausten, kreiste ich mein Becken im Wasser und lehnte mich am Poolrand an meinen Mann.

Ich erinnerte mich an Cordulas Worte die sie mal sagte: „Jede Wehe ist wie deine beste Freundin, da hast du bei der Geburt ganz viele!“ Da musste ich für mich schmunzeln und nahm sie dankend an.

Die Kids waren total lieb und warteten einfach ganz entspannt auf dem Sofa und beobachteten, was um uns herum geschah, machten mit mir beim Tönen mit und waren einfach mega mega lieb und fürsorglich.

Weiter zur Geburt: Diese gewaltige Urkraft war wieder da. Dieser Drang, aktiv das Baby ans Licht der Welt zu schieben, durchfuhr meinen Körper und ich konnte mich nicht weiter zurückhalten und ging diesem starken Gefühl nach. Mein Mann und ich waren erneut das Team der Geburt!

Hebammenunterstützung

Es klingelte, Cordula kam genau zu einer Presswehe und verständigte dadurch direkt Friederike, dass es hier nun echt abging. Sie untersuchte mich einmal und horchte nach den Herztönen des Babys. Ihre lieben Worte taten mir sehr gut. Sie hat immer die passenden parat. Sie ermunterte mich, aktiv das Baby in meine Hand zu schieben, dass ich das Köpfchen selber merkte und mich weiter anspornte.

Was für ein erneut tolles Gefühl, tatsächlich das Köpfchen zu fühlen! Mensch Natalie, in wenigen Minuten ist das Baby geboren, sagte ich zu mir und war total überwältigt, dass es jetzt wirklich gleich soweit war. Friederike kam nur wenige Minuten nach Cordulas Nachricht hinzu und die Beiden waren mir mit Sven wieder eine so tolle Stütze, wenn auch diesmal nur in der kurzen Zeit. Aber dass sie da waren, war einfach wieder total schön.

Geburt im Wasser

Der Kopf fühlte sich diesmal viel massiger an, aber nach ein paar weiteren Anläufen rutschte auch er aus mir raus. Nun nahm ich die Drehung der Schultern ganz bewusst war, da fokussierte ich mich diesmal drauf, weil ich das 2018 nicht so gemerkt habe. Der Körper kam nach etwas Hilfe auch nach und das Baby schwuppte ins Wasser auf die Welt.

Cordula entwickelte die straff sitzende Nabelschnur, die fest um den Hals und Schulter war, weswegen sich Kopf und Körper ein wenig geziert hatten, ganz rauszuploppen, und reichte mir unser kleines Bündel. Ich war überüberglücklich und so so stolz.

Dieses Gefühl, wieder Mama zu werden, ist einfach unglaublich. Mein Mann und die zwei Mädels waren bei mir und dem Baby am Poolrand gelehnt und staunten einfach überglücklich uns an. Valentina, die Große, sah auch schon direkt, dass es ein Bub ist und Sven sagte daraufhin ganz stolz unseren Namen, der für uns durch einen Traum von ihm schon lange feststand.

Als wir uns fertig im Wasser gekuschelt hatten, half uns Friederike ins Bett, in welchem ich auch die Plazenta gebar. Intakt und vollständig kam die diesmal an der Vorderwand haftende Plazenta. Ich ließ mir wieder ein Stück für die Nachwehen und kommenden Hormonsturm abschneiden und schluckte es.

Ich schnitt auch diesmal die Nabelschnur durch und Friederike untersuchte mich. Erneut blieb alles heil. Nun führten wir die U1 ganz gemütlich im Bett durch und Friederike notierte mit den Mädels alles. Cordula erledigte den anderen Papierkram im Wohnzimmer. Unsere lieben Hebammen beglückwünschten uns ausgiebig von Herzen und verabschiedeten sich nach einiger Zeit von uns für den heutigen Tag.

Zum Glück sahen wir uns auch noch im Wochenbett und ich konnte die Betreuung von den Beiden dort nun auch kennenlernen und sowieso schätzen. Die Mädels und mein Mann bestaunten mit mir unseren Theodor, der mittlerweile auch genüsslich an der Brust schmatzte. Was für ein ein toller und spannender Tag mit einem solch wunderschönen Geschenk. Wir sind überglücklich und stolz, unser Wunder wieder im eigenen Nest zu uns geboren zu haben.

Und deine Geschichte?

Diese Geschichte habe ich nicht geschrieben, durfte sie aber veröffentlichen. Hast du deine Geburtsgeschichten aufgeschrieben? Oder fehlen mir dir die Worte? Willst du dazu meine Unterstützung in Anspruch nehmen, um die richtigen Worte zu finden? Ich helfe dir beim Schreiben der Geburtsgeschichte. Achtung, sie wird lang. Viel länger als diese hier. Das liegt alleine schon daran, dass du nicht schreiben musst, sondern erzählst. Hier gibt es mehr Informationen!


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Der komplette Adventskalender

Hier findest du alle Geschichten, die ich im Geburtsgeschichtenadventskalender 2020 veröffentliche bzw. bereits veröffentlicht habe:

  1. Tina: Badewannengeburt mit Glückshaube
  2. Annika: Hausgeburt trotz hohen Blutdrucks
  3. Susa: Torpedo-Überraschungs-Ei
  4. Mirabella: Ein Wehentag mit großem Geschwisterkind
  5. Laura: So schnell kann keine Hebamme sein
  6. Anna: Heilsame Hausgeburt
  7. Anja: Silvesterknaller
  8. Anja: Anstrengende Geburt zu Hause
  9. Viola: insertio velamentosa bei der Hausgeburt
  10. Anja: Drei Tage Rumgewehe vor der Wassergeburt
  11. Katharina: Geburtshausgeburt mit Schlafmangel
  12. Anja: Schlechte Laune und gute Geburt
  13. Katharina: Steigerung von „Keine Verletzungen“
  14. Natalie: Langes Rumgewehe und plötzliches Plopp
  15. Sabine: Hausgeburt nach vier Krankenhausgeburten
  16. Linda: Hausgeburt nach Kaiserschnitt
  17. Barbara: Erst lag das Baby quer
  18. Julias Zwillinge
  19. Natalie: Auf einmal waren die Presswehen da
  20. Anna-Christina: Selbstbestimmt im Krankenhaus, bis auf die letzten Minuten
  21. Kristina: Ich kann gebären!
  22. Irene: Kurze, heftige Hausgeburt
  23. Anna-Christina: Druckvolle Hausgeburt
  24. Kristina: Natürlich eingeleitete Hausgeburt

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