Linda: Hausgeburt nach Kaiserschnitt

Hausgeburt nach Kaiserschnitt

Der heutige Beitrag im Geburtsgeschichten-Adventskalender ist von Linda. Sie erzählt von einer Schwangerschaft in schwierigen Zeiten und von ihrer Hausgeburt nach Kaiserschnitt.

Ungünstige Zeitplanung

Nachdem meine Vbac [vaginal birth after C-Section, also eine Vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt] 2019 so schön und heilsam war und ich auch merkte, in meinem Herzen ist noch Platz, wurde ich im Februar dieses Jahr wieder schwanger. Tja Mist, ausgerechnet in diesem Zyklus hatte es geklappt. Mein Mann hatte seine Meisterprüfung…

Nun gut, selber Schuld… Doch drei Tage war mir erst mal nur zum Heulen zumute. Meine Tochter wurde noch gestillt. In dieser Schwangerschaft war alles anders. Es war einfach keine Zeit da, sich schön vorzubereiten, wie es bei Lucy war. Mit viel Körperarbeit, Schwangeren-Qi-gong, mentaler Vorbereitung, viel Bezug zum Baby.

Meisterschule, Corona, quirliges Kleinkind, der große Sohn bekam auf einmal Tourette dieses Jahr. Es blieb uns nichts erspart. Und somit startete ich mit deutlich dünnerem Nervenkostüm in die Geburt.

Vorstellungen vor der Geburt

Ich stellte mir diese Geburt genauso vor wie bei Lucy. Kurz, intensiv und knackig. Ich hoffte innerlich: „Der Kerl fällt uns in die Hände und die Hebamme schafft es nichtmal.“ Von den Plänen der Hausgeburt nach einem Kaiserschnitt erzählt ich extra niemanden was.

Da während der Schwangerschaft mein Unteriner Maternaler Doppler so schlecht war und mein Kerl zart blieb und die Pränatalmedizinerin Infarkte in der Plazenta gesehen hatte, war nicht klar, wie lange und wie weit wir an den errechneten Geburtstermin gehen könnten.

Geburtseinleitung

Und man empfahl, am errechneten Termin einzuleiten. Somit war für meine Hebamme und mich klar: Wir fangen vorher an zu stupsen. Ab 37+3 fingen wir an, den Muttermund vorzubereiten. Dies geschah mit Nelkenöl, Gelsenium und Caulophyllum. Mein Befund war: Muttermund 1 1/2 Finger zu GBmH 1cm.

Nach der ersten Manipulation passierte erst mal nicht viel. Es blieben den ganzen Tag leichte Wehen, die nachts dann verschwanden. Am Freitag dann die zweite Manipulation. Der Befund laut Hebamme: deutlicher Fortschritt. Innerer Muttermund auf 2 fingerdurchlässig und Gebärmutterhals verstrichen.

Somit starteten wir mit der Eipollösung. Meine Hebamme meint schon, mein Mann solle sich bereit machen, könnte sein, dass es los ginge. Ich war also den ganzen Tag geburtsbereit und legte alles zurecht. Es kamen Wehen alle 7 Minuten. Und das blieb erst mal so.

Abends in der Wanne flachten die Kontraktionen ab, so dass mir klar war, das gibt heute doch keine Geburt. Ich legte mich dann mit meiner Tochter schlafen.

Geburtsbeginn?

Um eins wachte ich von Wehen auf. Alle 3-5 Minuten und zwar so, dass ich im Familienbett auch keinen stören wollte, meinen Mann weckte und runter ins Wohnzimmer ging. Mein 13-jähriger war noch wach. Ich sagte ihm, dass ich nebenan bin, so kam er rüber und wir schauten eine Serie, während ich auf dem Gymnastikball Platz nahm und kreiste.

Da ich mit einer schnellen Geburt rechnete, rief ich meine Hebamme an. Als sie kam, ging mein Sohn hoch zu seiner Schwester und schlief bei ihr weiter. Zuvor war mein Mann noch gereizt und meckerte nachts um drei mit dem großen, weil er dies und jenes nicht gemacht hatte. Das vermieste mir schon mal die Stimmung, beschwerte sich noch über dies und jenes, was mir bestätigte, das wir ab 22:00 zu nix mehr zu gebrauchen waren und machte mich sauer, dass es nachts losging.

Die Hebamme tastete den Befund. 2-3 cm alles butterweich. Im Endeffekt legte ich mich nachher auf die Matratze im Wohnzimmer und versuchte, in den Wehenpausen zu schlafen. Das war natürlich nicht möglich, die Abstände zum Schlafen zu gering und zu intensiv — und zum Gebären viel zu lasch. Da war ich echt enttäuscht. Die Geburt verlief überhaupt nicht, wie vorgestellt. Latenzzeit — als Drittgebärende??? Ich dachte, mit dem Thema müsste ich mich nicht mehr anfreunden.

Wehenpause

Morgens um 5 ging meine Hebamme wieder. Um 9 wurde meine Tochter abgeholt. Die Wehen ließen nach. Ich dankte dem Herren und schlief zwei Stunden. Ich wurde wach von dem Besuch meiner Hebamme mittags. Sie wollte mir was spritzen: Meptid. Ich wollte nichts, was mich benebelt. Ich hasse solche Sachen. Ich hatte nun zwei Stunden geschlafen. Die Wehen waren weg. Mir ging es gut. Ich mochte den Tag. Die Sonne schien. Nachts ist alles dunkel und meine Stimmung lässt sich schneller drücken.

Ich bin ein Tagmensch. Also was nun tun?? Der Muttermund war nun gute 3 cm offen und sie meinte, das sei einfach schon zu weit, als dass es jetzt einfach aufhöre. Es könnte also heute Abend wiede Fahrt aufnehmen. Sie bot mir den Wehencocktail an. Den wollte ich im Prinzip auch nicht. Sie sagte, wenn du den trinkst, sehen wir uns in zwei Stunden mit Geburtswehen. Die Vorstellung reizte mich schon, ich hatte aber Angst vor Durchfall und Bauchweh vom Cocktail. Nein, der würde nur Wehen machen, sagte sie.

Wehencocktail

Nun ja, er schmeckte herrlich und ich fluchte während ich ihn trank, was für eine kack-Geburt das jetzt ist.

Hätte ich das ja nur vorher gewusst. Was mir einfällt, eine Hausgeburt zu wollen, dachte ich. Im Prinzip halt nur negativ Gedanken.

Nach dem Cocktail wollte ich raus. Die Sonne sehen. Aus dem tristen Wohnzimmer raus. Es wurden Tips abgegeben, wann der Kleine heute kommt. Mein Mann und ich gingen spazieren und waren eine Weile draußen. Es passierte auch erst mal nix. Denn der Cocktail verspricht keine Garantie.

Meine Schwägerin kam am späten Nachmittag, weil meine Tochter wieder zurück kam. Ich war erleichtert, als meine Tochter wieder zuhause war. Ich hatte sie vermisst. Als meine Schwägerin da war, kamen die Wehen wieder, die auch vertönt wurden. Sie sagte: „Oh, da werden wieder Erinnerungen wach.“ Meine Tochter schaute irritiert. Meine Hebamme schrieb mich an, ob sich was zusammenbrauen würde. Ich sagte, sie solle ruhig mal kommen. Dann musste ich auf Toilette dann kam eine satte Wehe. Ich tönte, Blut ging ab, der vollständige Schleimpropf verabschiedete sich.

Und somit war alles klar: Es ging los!

Jetzt aber richtig

Meine Schwägerin hat zwischenzeitlich meine Tochter mit in die unteren Räume genommen. Und meine Hebamme kam an.

Sie hörte mich und sagte: „Das hört sich ja gut an!“ Ich rief: „Den Geburtskorb bitte hochbringen.“

Die Matratze wurde vor dem Bett ausgelegt ich lehnte mich stehend drauf zum Bett und vertönte. Während der Wehe untersuchte sie und sagte „Okay, das dauert nicht lange.“

Die Blase spannte schon den ganzen Tag und war total stramm. Ich wollte, um Dammverletzungen zu vermeiden, in den Vierfüßlerstand gehen. Sollte jedoch die Beine oben eher was zusammen und die Unterschenkel weiter auseinander machen. Da hatte ich irgendwie meine Probleme mit und musste korrigiert werden, weil ich anders den Beckeneingang verkleinerte. Meine Hebamme massierte in jeder Wehe mein Kreuz. Der Muttermund war relativ schnell dann auch vollständig. Zwischendrin war immer mal wieder ein Toilettengang erforderlich. Ich befand mich in der gehassten Übergangsphase.

Zwischenzeitlich wurde eine zweite Hebamme beordert. Das bekam ich kaum mit. Während der Übergangsphase verlor ich aber so langsam die Nerven. Und schrie nur noch A Töne. Meine Kraft und Stimme befanden sich an der Grenze. Kniend abwechselnd ein Bein oben ging ich durch die Wehen. Die Blase sprang auch einfach nicht.

Sie wurde dann bei einer Wehe eröffnet. Auf einmal wurde aber dann auch der Druck geringer. Ich betete immer weiter, er möge endlich kommen. Ich verlor den Mut. Meine Hebamme meinte, in drei Minuten hätte ich seit zwei Stunden Wehen… Tja nun — so wirklich motivierte mich das nicht. Denn für mich ging das alles schon wesentlich länger.

Rutschendes Köpfchen

Der Kopf war zwar in richtiger Position, aber rutschte noch nicht tiefer. Das zermürbte mich, wartete ich doch auf den langersehnten Pressdrang.

Meine Hebamme sagte: „Auf der Toilette gefällst du mir am besten!“ Ich jammerte und heulte nur noch „nein…!“

Aber es half ja nix. Also wieder hin. Da ein paar Wehen verschreien. Dort stellte sich aber dann endlich der Pressdrang ein. Somit sind wir wieder rüber ins Schlafzimmer. Ich musste aber immer wieder zum richtigen Atmen angeleitet werden, weil ich das selber nicht mehr schaffte.

Geburt mit letzter Kraft

Die Hebamme half mit dem Finger nach, dass der Kopf durch konnte. Und als sie sagte, der Kopf ist geboren, da fasste ich echt wieder die letzten Ressourcen. Mit der nächsten Wehe war dann auch der Körper geboren. Ein ganz zartes Stimmchen schrie. Ein bisschen bläulich war er und hatte noch viel Käseschmiere. Ich weinte vor Erleichterung und nahm ihn mir hoch und legte mich auf die Matratze. Meine Hebamme spritze mir Oxytozin und schaute nach Verletzungen. Echt einfach nichts! Sie legte mir Akupunkturnadeln. Ich sagte: „mir tut der Arsch weh!“ Okay das war wohl ein Zeichen, dass sich die Plazenta löste.

Zittern und Kuscheln

Ich zitterte echt am ganzen Körper und Kiefer. Der Stress fiel wohl ab.

Ein paar Minuten später kraxelte ich auf unser Bett und das ausführliche Familienkuscheln konnte beginnen.

Da war ich nun echt glücklich, dass alles gut überstanden war.

Die letzte Geburt war in meinen Augen deutlich einfacher. Aber dafür hatte ich im Wochenbett gelitten wie ein Hund.

Dieses Mal bin ich im Wochenbett deutlich fitter.

Ich bin nun glücklich, dass wir komplett sind, und würde die Hausgeburt immer wieder vorziehen.

Und deine Geschichte?

Diese Geschichte habe ich nicht geschrieben, durfte sie aber veröffentlichen. Hast du deine Geburtsgeschichten aufgeschrieben? Oder fehlen mir dir die Worte? Willst du dazu meine Unterstützung in Anspruch nehmen, um die richtigen Worte zu finden? Ich helfe dir beim Schreiben der Geburtsgeschichte. Achtung, sie wird lang. Viel länger als diese hier. Das liegt alleine schon daran, dass du nicht schreiben musst, sondern erzählst. Hier gibt es mehr Informationen!


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Der komplette Adventskalender

Hier findest du alle Geschichten, die ich im Geburtsgeschichtenadventskalender 2020 veröffentliche bzw. bereits veröffentlicht habe:

  1. Tina: Badewannengeburt mit Glückshaube
  2. Annika: Hausgeburt trotz hohen Blutdrucks
  3. Susa: Torpedo-Überraschungs-Ei
  4. Mirabella: Ein Wehentag mit großem Geschwisterkind
  5. Laura: So schnell kann keine Hebamme sein
  6. Anna: Heilsame Hausgeburt
  7. Anja: Silvesterknaller
  8. Anja: Anstrengende Geburt zu Hause
  9. Viola: insertio velamentosa bei der Hausgeburt
  10. Anja: Drei Tage Rumgewehe vor der Wassergeburt
  11. Katharina: Geburtshausgeburt mit Schlafmangel
  12. Anja: Schlechte Laune und gute Geburt
  13. Katharina: Steigerung von „Keine Verletzungen“
  14. Natalie: Langes Rumgewehe und plötzliches Plopp
  15. Sabine: Hausgeburt nach vier Krankenhausgeburten
  16. Linda: Hausgeburt nach Kaiserschnitt
  17. Barbara: Erst lag das Baby quer
  18. Julias Zwillinge
  19. Natalie: Auf einmal waren die Presswehen da
  20. Anna-Christina: Selbstbestimmt im Krankenhaus, bis auf die letzten Minuten
  21. Kristina: Ich kann gebären!
  22. Irene: Kurze, heftige Hausgeburt
  23. Anna-Christina: Druckvolle Hausgeburt
  24. Kristina: Natürlich eingeleitete Hausgeburt

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