Natalie: Auf einmal waren die Presswehen da

Plötzliche Presswehen

Heute öffnen wir das 19. Türchen des Geburtsgeschichten-Adventskalenders. Natalie erzählt von Mathildas Geburt: Eine Hausgeburt mit Hebammenbetreuung. Ruhig, gelassen, und voller Kraft. Und mit ein wenig Muskelkalter für den Hausgeburtsvater.

Mathilda 38+5
3360 Gramm, 51 cm und 36 cm Kopfumfang
03.04.2018, 19:34 Uhr

Vorarbeit

Am 02.04.2018, Ostermontag, war solch schönes Wetter, sodass wir beschlossen, um die nahe gelegene Ködeltalsperre zu laufen. Valentina fuhr mit ihren Rad und wir machten uns unseren schönen Nachmittag zu Dritt. Die Ruhe und das glitzernde Wasser taten mir sehr gut. Immer einmal hatte ich während der fast 12 km eine Wehe. Die hatte ich jedoch bereits seit gut zwei Wochen und ich war stolz auf meinen Körper, wie er Vorarbeit leistete. Babys Köpfchen hatte bei der letzten Hebammenvorsorge bereits Bezug zum Becken.

Nasses Bett

Am Abend gönnten Sven und ich uns noch ein Bad und hatten einen schönen Ausklang. Gegen kurz vor fünf Uhr am 03.04.2018 musste ich mal wieder auf Toilette (wie jede Nacht mindestens fünf mal). Als ich mich mit meinem dicken Babybauch ans Bettende vorrobbte, machte es innerlich knack und ich verlor Fruchtwasser. Als ich auf die Füße kam, kam ein richtiger Schwall (klar, mit Käseschmiereflocken).

Ich blieb bestimmt eine Weile stehen, bis ich zu Sinnen kam und Sven aufweckte. Er stand natürlich direkt im Bett und half mir auf Toilette. Dort verweilte ich nun ein paar Minuten, bis Sven mir ein paar Einlagen brachte und wir uns ins Bett zurückkuschelten — wir wussten ja nicht, wie lange die Wellen nun auf sich warten liessen.

Es dauerte aber nicht lange, mögen es vielleicht zwanzig Minuten gewesen sein, und es rollte die erste Welle für eine gute Minute an. Okay dachte ich mir, es geht los, heute werde ich ein Kind gebären, ich bin stark, ich schaffe das, ich vertraue mir und meinem Körper, sowie meinem Baby.

Der Vormittag

Gegen viertel sieben rief ich meine Hebamme Friederike an und sie war auch ganz entspannt – sie würde sich im Laufe des Vormittags, wenn sie von mir nichts hört, rühren. An Schlaf war nun nicht mehr zu denken und oben turnte Valentina bereits im Wohnzimmer rum. Also ging Sven zum Bäcker und wir frühstückten, wobei im Sitzen auf der harten Bank die Wellen, die weiter alle 7-10 Minuten regelmäßig kamen, nicht sehr schön waren.

Nach dem Frühstück machten wir im Haushalt noch klarschiff und ich suchte immer wieder den Pezziball auf, auf dem ich mein Becken kreisen ließ und die Wellen veratmete. Gegen halb neun telefonierte ich nochmals mit Friederike und wir beschlossen, dass Cordula gegen Nachmittag zu uns kommen würde, um nach uns zu sehen.

Badewanne

Ich bin dann gegen halb eins in die Wanne, welche ich mit Entbindungssalz und Kerzenschein einließ. In dieser verweilte ich eine gute Stunde, fühlte mich jedoch während der Wellen nicht besonders wohl. Ich fand keine gute Position und empfand die Wellen nicht wirklich schön im Wasser.

Sie kamen mittlerweile bereits alle fünf Minuten und wurden auch knackiger. Sven und Valentina kamen immer mal wieder nach mir schauen, das tat mir ganz gut. Über das Abtrocknen und Anziehen kam Cordula zu uns, es war halb zwei geworden. Wir begrüssten uns und sie setzte sich ganz unscheinbar an den Tisch und erledigte Papierkram.

Hebammenunterstützung

Ich war mit am Tisch und veratmete Welle für Welle. Sie lobte mich für die gute Atmung und horchte kurz mal nach dem Herz: Dem Baby ging es super, dass freute mich sehr. Ich beschloss, noch einmal in die Wanne zu gehen — diesmal blieb aber Sven bei mir, denn die Intensität der Wellen nahm gut zu. Auch musste ich stetig aufs Klo und mich entleeren. Ich sagte noch zu Sven, „Mensch das muss doch mal auffhören, sonst musst du nochmal Klopapier kaufen gehen.“ Auf Toilette hatte ich einen kurzen Zweifel, ob ich das alles schaffe, ob ich dem gewachsen sei was nun auf mich zukommt.

Genau in dem Moment klopfte Cordula an der Tür und sie merkte meine kurze Anspannung und redete mir mit Sven gut zu, dies tat mir sehr gut. Sie fragte, ob sie nach dem Muttermund tasten solle, um mir ein Bild zu geben, ich bejahte dies. Wir sind so wieder ins Wohnzimmer und sie tastete behutsam: Köpfchen sehr tief im Becken zu spüren, Muttermund nicht erreichbar. Langte aber alles, um mir Hoffnung und Kraft zu geben.

Aufregung beim Geschwisterkind

Die Wellen wurden immer intensiver und ich hielt Sven oder Cordula ganz fest an den Händen. Gegen halb fünf Uhr wurde Valentina immer aufgeregter und ich merkte, dass es wohl doch besser wäre, wenn sie betreut würde und rief meinen Papa an. Dieser holte sie und den Hund gegen kurz vor fünf Uhr ab und ab da hatte ich auch ein immer stärker werdendes Druckgefühl während der Wellen.

Die Herztöne, die Cordula immer mal wieder anhörte, waren stets einwandfrei und stärkten mich, zu wissen, dass das Baby und ich gute Arbeit leisteten und aufeinander hörten. Mittlerweile wollte ich nicht mehr wirklich auf der Seite liegen, was mir sonst in den Wellenpausen sehr gut tat und ich Kraft schöpfen konnte.

Ich ging auf die Gymnastikamatte und lehnte mich im Vierfüsslerstand an Sven, der auf dem Pezziball saß. Während jeder Welle kreiste er, nach dem Tipp von Cordula, den Ball, so konnte ich das Becken mitbewegen und das Baby sich gut einschieben.

Presswehen schlichen sich ein

Ich tönte bereits lauter und was soll ich sagen, perfektes Timing, Friederike kam mit hinzu. Cordula begleitete mich mit zur Toilette, hier griff ich unter jeder Welle hoch zu ihren Schultern und konnte mich gut sitzend abstützen. Das Druckgefühl wurde immer intensiver und ich merkte, „hey das sind nun aber die Presswehen, ich bin im nächsten Stadium.“

Ein kurzes Unsicherheitsgefühl „Ich kann das nicht, ich mag nicht mehr“ überkam mich, welches meine Hebammen mir schnell wieder austrieben. Die beiden waren mir mit Sven einen wahnsinnige Stütze! Von der Kloposition wechselten wir ins Stehen und wieder zum Ball zurück auf welchem Sven wie ein Fels in der Brandung saß.

Der Druck wurde immer heftiger und stärker — Wahnsinn, was der Körper vollbringt. Friederike schlug vor, dass ich bei der nächsten Welle mal in mich langen und nach den Köpfchen tasten solle, um mich weiter zu motivieren und mir Kraft zu geben. Dies tat ich dann auch und ich spürte den Kopf. Ein irre Gefühl, dieses Köpfchen kommt bald aus mir raus.

Ich war bei jeder Presswehe ziemlich laut und Stück für Stück kam das Köpfchen immer weiter vor. Mir war nochmal nach der Kloposition und wieder hing ich mich dort an Cordula. Ich glaub ich hab ihr bald den Pullover zerrissen aber das Drücken war im Sitzen sehr kraftvoll und tat gute Arbeit. Zurück in den Vierfüsslerstand zu Sven und seinem Ball, knackig und voller Druck, es begann nun auch bei jeder Presswehe im Bereich der Scheide und des Damms zu brennen, ein immenses Gefühl fuhr durch meinen Körper — jedes mal tönte und schrie ich volles Rohr und klammerte mich an Sven.

Friederike schützte mit einer heissen Kompresse meinen Damm und alle redeten mir gut zu. Stück für Stück und sehr langsam schob sich das Köpfchen immer weiter vor, ich fragte, ob dies nun weitere Stunden ginge und die Hebammen lachten, ich soll schön hinlangen, eine Überwindung noch und Loslassen dann wäre es geschafft.

Ich griff nun beherzt in den Schritt und motivierte mich dadurch. Die Scheide mit samt des Damms fühlte sich an wie ein aufgeblasener Ballon und ich spürte, wie der Kopf schon durch die Scheide lugte, oh welch ein tolles Gefühl.

Der Kopf ging immer wieder vor und zurück, was sich im Nachhinein als sehr gut rausstellte, weil sich so alles toll dehnte und ich keine Verletzung mir zuzog, jedoch war dieses Hin und Her sehr kräftezerrend. Ich wollte nun weiter und und ließ los.

Ich wich von Sven ab, schmiss meinen Oberkörper aufs Sofa und presste noch drei Presswehen so kräftig ich konnte. Es machte plopp und der Kopf war geboren, direkt in Svens Hände. Cordula sagte, Becken kreisen würde nun den Körper gut zum Drehen bewegen und so kreiste ich das Becken mit Köpfchen ins Svens Hände. Die nächste Presswehen rollte an und ich gab nochmal alles und so flutschte der Körper aus mir raus und Sven empfing unser Baby.

Blickkontakt nach der Geburt

Es war geschafft, unser Ü-Ei war geboren, selbstbestimmt und in eigenen Tempo aus eigener Kraft ohne jegliche medizinische Hilfe. Ein Mädchen ist es geworden – 19:34 Uhr nach 14 Stunden Geburtsreise. Ich schaute sie ganz lange an und sie mich, dieser Moment war magisch. Ich zog sie mir dann auf dem Bauch, angelehnt an Sven, bewunderten wir zusammen die Maus.

Als die Nabelschnur auspulsierte, klemmte diese Friederike ab und ich schnitt sie stolz durch. Ein paar wenige Minuten danach gebar ich auch schon die Plazenta — diese war einwandfrei und vollständig. Nun schauten meine Hebammen nach Geburtsveletzungen, aber alles blieb, dank eigenem Gebärtempo und Ruhe, heil.

Wir kuschelten uns auf die Couch und unser Baby suchte auch bereits die Brust, an der es genüsslich schmatzte. Das erste Mal wieder zu stillen, war so schön und erinnerte mich glücklich an Valentinas Stillzeit. Friederike schnitt mir noch ein Stück Plazenta ab, welches ich aß, und half mir bei der Katzenwäsche und den Weg zum Bett. Wir verabschiedeten uns von unseren wunderbaren Hebammen und genossen uns noch intensiv, bis wir gegen halb zwölf die Augen schlossen.

Und deine Geschichte?

Diese Geschichte habe ich nicht geschrieben, durfte sie aber veröffentlichen. Hast du deine Geburtsgeschichten aufgeschrieben? Oder fehlen mir dir die Worte? Willst du dazu meine Unterstützung in Anspruch nehmen, um die richtigen Worte zu finden? Ich helfe dir beim Schreiben der Geburtsgeschichte. Achtung, sie wird lang. Viel länger als diese hier. Das liegt alleine schon daran, dass du nicht schreiben musst, sondern erzählst. Hier gibt es mehr Informationen!


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Der komplette Adventskalender

Hier findest du alle Geschichten, die ich im Geburtsgeschichtenadventskalender 2020 veröffentliche bzw. bereits veröffentlicht habe:

  1. Tina: Badewannengeburt mit Glückshaube
  2. Annika: Hausgeburt trotz hohen Blutdrucks
  3. Susa: Torpedo-Überraschungs-Ei
  4. Mirabella: Ein Wehentag mit großem Geschwisterkind
  5. Laura: So schnell kann keine Hebamme sein
  6. Anna: Heilsame Hausgeburt
  7. Anja: Silvesterknaller
  8. Anja: Anstrengende Geburt zu Hause
  9. Viola: insertio velamentosa bei der Hausgeburt
  10. Anja: Drei Tage Rumgewehe vor der Wassergeburt
  11. Katharina: Geburtshausgeburt mit Schlafmangel
  12. Anja: Schlechte Laune und gute Geburt
  13. Katharina: Steigerung von „Keine Verletzungen“
  14. Natalie: Langes Rumgewehe und plötzliches Plopp
  15. Sabine: Hausgeburt nach vier Krankenhausgeburten
  16. Linda: Hausgeburt nach Kaiserschnitt
  17. Barbara: Erst lag das Baby quer
  18. Julias Zwillinge
  19. Natalie: Auf einmal waren die Presswehen da
  20. Anna-Christina: Selbstbestimmt im Krankenhaus, bis auf die letzten Minuten
  21. Kristina: Ich kann gebären!
  22. Irene: Kurze, heftige Hausgeburt
  23. Anna-Christina: Druckvolle Hausgeburt
  24. Kristina: Natürlich eingeleitete Hausgeburt

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