Anna-Christina: Selbstbestimmt im Krankenhaus, bis auf die letzten Minuten

Krankenhausgeburt

Heute öffnen wir das 20. Türchen des Geburtsgeschichten-Adventskalenders. Anna-Christina brachte ihre Tochter im Krankenhaus zur Welt. Sie genoss die Geburt, bis das Personal anfing, sie zu bevormunden.

Unproblematische Schwangerschaft

Als ich mit meiner Tochter schwanger wurde, war ich in der Ausbildung zur Physiotherapeutin. Ich habe vor der Geburt das Examen hochschwanger bestanden und hatte die letzte Prüfung direkt am Mutterschutztermin. Danach habe ich mich dann mit der Geburt beschäftigt. Wobei ich durch die Ausbildung doch viel anwenden konnte, speziell die Atmung.

Das hat mir sehr viel Sicherheit gegeben. Ich hatte mich im Krankenhaus angemeldet aus Vorsicht und weil mir viele Mütter aus dem Dorf dazu geraten hatten.

Spaziergänge

Nun ja, der ET wäre der 10.05.17 gewesen und die ersten Geburtswehen hatte ich in der Nacht am 11.05. um 2:00. Ich merkte, dass die Abstände immer kürzer wurden und morgens gegen 7:30 sind meine Mutter, mein Mann und ich ins Krankenhaus gefahren. Dort wurde ich untersucht und mir wurde gesagt, dass sich der Muttermund zwar öffnete, aber dass es noch nicht sicher sei, ob die Geburt nun weiterginge. Ich hatte nun die Wahl, dort vor Ort noch ein wenig spazieren zu gehen mit meinem Mann, oder gleich nach Hause zu fahren. Ich ging mit meinem Mann spazieren, es war ein wunderschönes Frühlingswetter und ich atmete eine Wehe nach der anderen aus.

Ich stellte mir vor, wie jede Wehe mein Baby in meine Arme brachte. Immer näher kam die Sehnsucht, endlich mein kleines Mädchen in die Arme zu schließen. Nach zwei Stunden Spaziergang bin ich nochmal ins Krankenhaus und die Untersuchung ergab, dass noch nicht viel passiert war. Also sind wir wieder nach Hause gefahren und ich konnte den ganzen Nachmittag in meiner gewohnten Umgebung sein. Das war wirklich angenehm. Ich lag mal auf dem Sofa, spazierte durch den Garten und ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Ich atmete bei jeder Wehe ein und lange wieder aus. Ich beobachtete unsere Pferde auf der Weide, die mir immer Ruhe vermittelten.

Erbrechen als Startschuss fürs Krankenhaus

Irgendwann waren die Abstände noch geringer und ich musste mich übergeben. Das war für mich der Startschuss, um ins Krankenhaus zu fahren. Es war 18:00. Dort durfte ich dann auch bleiben.

Der Kreißsaal war angenehm und ich hatte eine Beleghebamme, die frisch fertig war mit ihrer Ausbildung. Ich fand sie sehr angenehm und war leicht verwundert, dass dann leider viele Hebammenwechsel waren. Letztendlich habe ich sie wenig gebraucht. Ich bin im Raum rumspaziert, habe eine Wehe nach der anderen veratmet und ging alle 5 Minuten auf die Toilette.

Um 20:30 sprang dann die Fruchtblase auf der Krankenhaustoilette. Ich habe einen großen Platsch gehört und dachte mir nicht so viel dabei. Doch der Drang nach unten wurde immer stärker. Das war der für mich unangenehmste Teil.

Unangenehme Krankenhausroutine: CTG und Liegen

Ich weiß nicht mehr, in welchen Abständen ich am CTG hing. Ich weiß nur noch, dass mich das sehr gestört hat. Ich habe mich nur nicht getraut, das zu sagen. Ich wollte weder sitzen, noch liegen. Stehen und Gehen war für mich der richtige Rhythmus. Irgendwann hing ich dann an einem Seil und spürte immer mehr Drang nach unten.

Da kam dann leider ein Teil, an dem ich mich führen ließ. Ich sollte mich hinlegen und nach 3 Presswehen war meine Tochter endlich da. Es war 23:48 am 11.05.17.

Das Baby ist da

Wir hatten es geschafft. Ich zitterte am ganzen Körper. Ich hatte einen Labienriss. Sie wurde mir direkt auf die Brust gelegt, allerdings wurde sie schnellt zur U1 wieder mitgenommen und mein Mann machte das mit der Hebamme zusammen.

Nachgeburt, Labienriss, Stillprobleme

Bei mir ließ sich die Plazenta noch Zeit. Doch anstatt mir die Zeit zu geben, wurde mir auf dem Bauch rumgedrückt, damit sie schneller käme. Das Nähen der Schamlippe wurde zur gefühlten Ewigkeit, weil der Gynäkologe eine Schnarchnase war und nicht vorne und hinten wusste was er brauchte. Die Hebamme fragte ihn permanent, was er denn brauchte und so zog sich das Ganze hin, bis ich endlich mein Baby an die Brust legen durfte.

Als es dann soweit war, wollte meine Tochter nicht an die Brust. Sie schrie die Brust an und ich war vollkommen überfordert. Der ganze Krankenhausaufenthalt war ein Hin- und Her zwischen Schreien und dem Versuch, sie an die Brust anzulegen. Irgendwann versuchten wir es mit dem Strohhalm und mit Stillhütchen. Und ich habe es leider nie geschafft, ihr das Stillhütchen abzugewöhnen. Bei den U-Untersuchungen war sie immer im unteren Perzentilbereich und die Kinderärztin sah keinen Zusammenhang mit dem Stillhütchen. Im Nachhinein war meine Vermutung und mein Gefühl richtig, dass das Stillhütchen verantwortlich für ihr Gewicht war und auch im Nachhinein betrachtet wurde meine anfänglich selbstbestimmte Geburt zu einer Übernahme, allein weil ich noch nicht die Weitsicht hatte, welche Folgen das ganze hatte. Das macht mich mittlerweile traurig, weil ich wirklich eine tolle erste Geburt hatte und es auch lange für gut hielt, bis auf den Schluss und den Krankenhausaufenthalt.

Doch aus jeder Erfahrung lernt man mehr dazu. Das war der Anstoß bei der zweiten Schwangerschaft eine Hausgeburt zu planen.

Und deine Geschichte?

Diese Geschichte habe ich nicht geschrieben, durfte sie aber veröffentlichen. Hast du deine Geburtsgeschichten aufgeschrieben? Oder fehlen mir dir die Worte? Willst du dazu meine Unterstützung in Anspruch nehmen, um die richtigen Worte zu finden? Ich helfe dir beim Schreiben der Geburtsgeschichte. Achtung, sie wird lang. Viel länger als diese hier. Das liegt alleine schon daran, dass du nicht schreiben musst, sondern erzählst. Hier gibt es mehr Informationen!


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Der komplette Adventskalender

Hier findest du alle Geschichten, die ich im Geburtsgeschichtenadventskalender 2020 veröffentliche bzw. bereits veröffentlicht habe:

  1. Tina: Badewannengeburt mit Glückshaube
  2. Annika: Hausgeburt trotz hohen Blutdrucks
  3. Susa: Torpedo-Überraschungs-Ei
  4. Mirabella: Ein Wehentag mit großem Geschwisterkind
  5. Laura: So schnell kann keine Hebamme sein
  6. Anna: Heilsame Hausgeburt
  7. Anja: Silvesterknaller
  8. Anja: Anstrengende Geburt zu Hause
  9. Viola: insertio velamentosa bei der Hausgeburt
  10. Anja: Drei Tage Rumgewehe vor der Wassergeburt
  11. Katharina: Geburtshausgeburt mit Schlafmangel
  12. Anja: Schlechte Laune und gute Geburt
  13. Katharina: Steigerung von „Keine Verletzungen“
  14. Natalie: Langes Rumgewehe und plötzliches Plopp
  15. Sabine: Hausgeburt nach vier Krankenhausgeburten
  16. Linda: Hausgeburt nach Kaiserschnitt
  17. Barbara: Erst lag das Baby quer
  18. Julias Zwillinge
  19. Natalie: Auf einmal waren die Presswehen da
  20. Anna-Christina: Selbstbestimmt im Krankenhaus, bis auf die letzten Minuten
  21. Kristina: Ich kann gebären!
  22. Irene: Kurze, heftige Hausgeburt
  23. Anna-Christina: Druckvolle Hausgeburt
  24. Kristina: Natürlich eingeleitete Hausgeburt

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