Anna-Christina: Druckvolle Hausgeburt

Anna-Christina erlebte die Geburt ihrer Tochter zu Hause. Druckvoll, und doch friedlich. Eine vermutete Plazenta Praevia war kein Problem. Viel Spaß beim Lesen der Geschichte hinter dem 23. Türchen.

Plazenta Praevia

Meine zweite Schwangerschaft war von den Bedingungen ganz anders als die erste. Die Hausgeburt stand zwischenzeitlich auf der Kippe, weil meine Plazenta zunächst vor dem Muttermund lag, also eine Plazenta prävia zunächst. Hat mir so gar nicht gepasst und ich war wochenlang wie gelähmt, dass ich sogar einen Kaiserschnitt brauchen könnte.

Ende gut, alles gut.

Zur 34. SSW war die Plazenta und die Babygesundheit in bester Ordnung. Ich muss noch erwähnen, dass wir direkt auf dem Land wohnen und alle Krankenhäuser in der Umgebung etwa 25-40 Minuten entfernt waren. Aus diesem Grund haben mir auch viele von der Hausgeburt abgeraten. Doch ich habe meinen Plan durchgezogen.

Der errechnete Geburtstermin kommt und geht

Meine Hausgeburtshebamme hat mich unheimlich toll während der ganzen Zeit begleitet. Sie hat mir meine Ängste genommen und mich unterstützt, als ich über den ET hinaus ging. Der eigentliche ET wäre der 18.2. gewesen und da meine Tochter so pünktlich kam, war ich auf 10 Tage mehr nicht vorbereitet.

Ich habe tagelang versucht, die Wehen anzustoßen, denn ich hatte regelmäßig Wehen, die wieder weg waren und das hat mich so fertig gemacht.

Ich hatte Unmengen an Wassereinlagerung und fühlte mich zum Schluss elend.

Dann kamen noch Krankheiten von meiner Tochter und mir dazu. Es war wie verhext. Ich redete mit meinem Sohn, tanzte durch die Bude nachts, hüpfte auf dem Pezziball und war hinterher weichgespült von täglichem Baden.

Als meine Hebamme mir dann verkündete, dass sie leider am 28.02. einen wichtigen Termin hatte, den sie nicht verschieben konnte, wurde ich auch nervös. Zudem war meine Sorge, dass ich ein Schaltjahrbaby bekomme. Der 29.02. ist zwar ein seltenes Datum, aber für ein Baby und irgendwann Kind nicht so schön, nur alle 4 Jahre richtig Geburtstag zu haben.

Am 27.02. kam meine Hebamme zu mir, sie hat mich mit Fußreflexzonenmassage und einer Rückenmassage verwöhnt und mir den Tipp gegeben, mal den Tagesablauf zu verändern. Ausnahmsweise mal meinen Mann früher Zuhause zu haben, der auf meine Tochter aufpasst, und ich dann einfach mal was nur für mich mache.

Das tat ich dann auch. Am Abend bekamen wir von meinen Schwiegereltern Besuch, die im Voraus ihren Aufenthalt hier gebucht hatten, um meinen Sohn kennenzulernen. Ab 17:00 übergab meine Hebamme der 2. Hebamme die Hausgeburt und Unterlagen über mich. Ich hatte die 2. Hebamme bereits als Vertretung kennengelernt und mochte sie auch von Anfang an. Sie wohnte auch nicht ganz so weit von mir entfernt, was im Nachhinein ein echter Glücksfall war. Ich ging nach dem Abendessen nochmal baden, dann ins Bett. Ich spürte, dass sich was tat an dem Abend. Ich meditierte noch einmal und dann kamen ein paar regelmäßige Wehen.

Eindeutig Geburtswehen

Ich rief meine Hebamme an, da ich aber noch nicht 100% sicher war, gab sie mir den Tipp, nochmal die Augen zu zu machen und einen Powernapp zu machen. Kurz und gut. Es hat 10 Minuten gedauert, und die Wehen waren nun eindeutige Geburtswehen.

Ich ging runter, als sich meine Schwiegereltern verabschiedeten. Es war 22:30, als ich mit meinem Mann im Wohnzimmer blieb. Meine Tochter schlief. Ich hörte Musik und tanzte. Endlich ging es los, und dann auch gleich richtig.

Ich rief meine Hebamme an, die zunächst im Funkloch war. Also wartete ich ein paar Minuten. Da entleerten sich mein Magen und Darm. Diese Geburt war durchaus intensiver als die erste. Ich atmete bei jeder Wehe tief ein und lange wieder aus. Ich war wirklich im Flow.

Ankunft der Hebamme

Mein Mann kümmerte sich rührend um mich. Wir hatten ein Seil wie im Kreißsaal an die Decke gehängt, an dem hing ich, als die Hebamme kam. Ich war erleichtert, denn ich brauchte an der Stelle Hilfestellung. Sie untersuchte die Herztöne und dann im Liegen einmal den Muttermund. Sie war ganz überrascht, dass die Eröffnungsphase beendet war, jetzt musste sich nur noch die Fruchtblase öffnen.

Das passierte dann auch bei der nächsten Wehe. Ich ließ mich nun von der Hebamme ein wenig leiten, denn der Druck war schon sehr stark. Ich drehte mich auf die Seite und atmete jede Wehe aus.

Gemeinsam mit der Hilfe der Hebamme ging ich in den Vierfüßlerstand. Ich stütze meine Arme am Pezziball ab. Mein Mann war am Kopf und unterstütze mich.

Es war die Schlussphase.

Ich brauchte 3 Presswehen, als ich meinen Sohn gesund im eigenen Wohnzimmer in die Arme nehmen konnte.

Das war die bisher beste Entscheidung in meinem Leben. Die Hebammen kümmerten sich liebevoll um uns. Sie gaben mir und uns die Zeit, die Nabelschnur in Ruhe auspulsieren zulassen. Meine Plazenta kam auch ganz von allein und das Stillen klappte beim ersten Anlegen.

Das beste an der Geburt war, dass ich sie mir genau so vorstellte. Bis auf den Spaziergang draußen war alles so, wie es gekommen ist. Meine Tochter wurde wach, als der Kleine da war. Wir schliefen alle gemeinsam bei Kaminfeuer im Wohnzimmer und erholten uns.

Am 27.02 hätte mein Pony Happy Geburtstag gehabt (wir mussten sie leider 2 Monate vorher mit 28 einschläfern lassen) und in dieser Nacht machte sich mein Sohn auf den Weg und war am 28.02. um 0:22 auf der Welt. Ich bin dankbar für 2 gesunde Kinder und dafür, diesen Weg gegangen zu sein. Auch im Hinblick, was in den Monaten danach hätte passieren können.

Und deine Geschichte?

Diese Geschichte habe ich nicht geschrieben, durfte sie aber veröffentlichen. Hast du deine Geburtsgeschichten aufgeschrieben? Oder fehlen mir dir die Worte? Willst du dazu meine Unterstützung in Anspruch nehmen, um die richtigen Worte zu finden? Ich helfe dir beim Schreiben der Geburtsgeschichte. Achtung, sie wird lang. Viel länger als diese hier. Das liegt alleine schon daran, dass du nicht schreiben musst, sondern erzählst. Hier gibt es mehr Informationen!


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Der komplette Adventskalender

Hier findest du alle Geschichten, die ich im Geburtsgeschichtenadventskalender 2020 veröffentliche bzw. bereits veröffentlicht habe:

  1. Tina: Badewannengeburt mit Glückshaube
  2. Annika: Hausgeburt trotz hohen Blutdrucks
  3. Susa: Torpedo-Überraschungs-Ei
  4. Mirabella: Ein Wehentag mit großem Geschwisterkind
  5. Laura: So schnell kann keine Hebamme sein
  6. Anna: Heilsame Hausgeburt
  7. Anja: Silvesterknaller
  8. Anja: Anstrengende Geburt zu Hause
  9. Viola: insertio velamentosa bei der Hausgeburt
  10. Anja: Drei Tage Rumgewehe vor der Wassergeburt
  11. Katharina: Geburtshausgeburt mit Schlafmangel
  12. Anja: Schlechte Laune und gute Geburt
  13. Katharina: Steigerung von „Keine Verletzungen“
  14. Natalie: Langes Rumgewehe und plötzliches Plopp
  15. Sabine: Hausgeburt nach vier Krankenhausgeburten
  16. Linda: Hausgeburt nach Kaiserschnitt
  17. Barbara: Erst lag das Baby quer
  18. Julias Zwillinge
  19. Natalie: Auf einmal waren die Presswehen da
  20. Anna-Christina: Selbstbestimmt im Krankenhaus, bis auf die letzten Minuten
  21. Kristina: Ich kann gebären!
  22. Irene: Kurze, heftige Hausgeburt
  23. Anna-Christina: Druckvolle Hausgeburt
  24. Kristina: Natürlich eingeleitete Hausgeburt

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