Saskia: kurzfristige Hausgeburt

Der Adventskalender ist zwar vollständig geöffnet, aber es geht doch nichts über eine schöne Geburtsgeschichte zwischen den Jahren. Ich freue mich deshalb, dass ich heute Saskias Geburtsgeschichte veröffentlichen darf. Saskia entschied sich erst kurz vor der Geburt dafür, zu Hause zu bleiben. Eigentlich war eine Geburtshausgeburt geplant.

Ich danke zunächst den starken Frauen aus dieser sehr hilfreichen Facebook-Gruppe! Monatelang habe ich mitgefiebert und so viel gelernt über das Gebären, aber war bis zum Ende gespannt darauf, wie es wirklich werden würde und ob wir unsere „Traumgeburt“ erleben dürften.

Die Grenzerfahrung

Sie war so mächtig und kraftvoll, so eine Grenzerfahrung, aber mein Partner hat das Baby und mich ganz dolle unterstützt und wir hatten eine super Hebamme, die uns auf diesem Weg begleitet hat. Wir hatten eigentlich vor, ins Geburtshaus zu fahren, in den letzten Wochen manifestierte sich aber immer mehr der Gedanke an eine Hausgeburt und in den letzten Tagen hatten wir uns dann schließlich für zuhause noch einen Geburtspool „angeschafft“, so dass wir uns die Entscheidung zumindest bis zum Ende nach Gefühl offen halten konnten.

Innere Entspannung, Fragen von Außen

Seit heute Nacht dürfen wir nun kuscheln und ich möchte Euch so gerne berichten, wie es gewesen ist. Einige Tage zuvor hatte ich immer wieder gemerkt wie alles weicher und offener wurde. Mir ging es eigentlich noch gut und ich dachte, ob ich nicht etwas mehr jammern sollte, um den Geburtsprozess anzuregen, aber eigentlich wollte ich ihm freien Lauf lassen. Nur die Fragen von außen empfand ich bereits als sehr mühsam, obwohl wir sogar noch ein paar Tage vor ET waren.

Ein bisschen spekulierte ich dann auf den Vollmond am Freitag. Tatsächlich war ich in dieser Nacht soooo müde, dass ich einfach fühlte: Mein Körper sammelt jetzt nochmal all seine Energie.

Chilenische Musik zum Geburtsbeginn

Samstag wurde geputzt und die Checkliste für die Geburt nochmal durchgegangen, so richtig hatten wir die Liste nicht nachvollzogen vorher, so dass es mir dann ein finales gutes Gefühl gab. Wir waren dann am späten Nachmittag mit Freunden auf einem Festival mit chilenischer Musik (hatte dort mal gelebt und das hat mir so gute Gedanken beschert).

Da hatte ich plötzlich Wellen ab 18 Uhr in Abständen von sechs bis sieben Minuten: sehr regelmäßig, gut aushaltbar, daher blieben wir noch etwa zwei Stunden dort. Ich fühlte, dass etwas Ablenkung sicher gut täte, um die erste Phase zu überstehen. Und da es die erste Geburt von mir war, dachte ich: „Das wird dauern.“

Auf dem Rückweg fuhren wir noch in den Supermarkt, um noch etwas Gemüse und Käse für die nächsten Tage zusätzlich einzukaufen. Dort gingen die Wehen auf Fünfminutenabstände. Sie waren immer noch noch gut zu veratmen.

3 Zentimeter geschafft

Zuhause angekommen rief ich dann erstmalig die Hebamme an. Sie war so in weiteren 20 Minuten da (das war so gegen 21 Uhr). Sie kontrollierte die Öffnung des Muttermundes: 3 Zentimeter! Puh schon etwas geschafft! Positiv denken!

Sie schlug vor nochmal zu gehen, da sie um die Ecke wohnte, und wir sollten anrufen, wenn wir das Gefühl hätten, wir könnten ihre Hilfe gut gebrauchen.

Kaum war sie aus der Tür, gingen die Wellen auf Abstände von drei Minuten. Wow! Und ich merkte, sie wurden deutlich kraftvoller, aber auch noch gut zu veratmen.

Rein in den Pool, raus aus dem Pool

Nach circa anderthalb Stunden stieg ich in den Birthpool und konnte dort gut zehn Wellen mitmachen, dann hatte ich das Gefühl: Hebamme anrufen und raus. Zwischen den Wellen legte ich mich für die kurze Zeit der Pausen von anderthalb bis zwei Minuten ins Bett aber musste vor der Welle wirklich aufhechten, da sie mittlerweile sehr sehr mächtig wurden. Ich dachte mir: „Wie viel wuchtiger dürfen die noch werden? Wow.“

Die liebe Hebamme war nun gegen 23.30 Uhr wieder da. Der Muttermund war 6 Zentimeter geöffnet. Von da an wusste ich: Jede Welle bringt mir das Baby näher! Ich musste mich wirklich von Welle zu Welle arbeiten, weil es sooo wahnsinnig kraftvoll wurde und mein Partner mich aber ganz toll mit Atmung unterstützt hat und mich immer wieder erinnert hat, dass ich nicht vor Schreien oder Aaaaa das Atmen vergaß.

Immer in Bewegung

In dieser Phase platzte dann auch die Fruchtblase und ein richtiger Schwall klares Fruchtwasser ergoss sich auf dem Boden. Wieder einen Schritt weiter. Richtig froh war ich, dass ich mich immer frei bewegen konnte und das hab ich als so wertvoll aufgenommen.

Meine Kraft schwand, da ich mit den Dreiminutenabständen wenig Verschnaufpausen hatte. Es folgten noch einige seeeehr umwerfende Wellen und dann bat ich die Hebamme, nochmal zu schauen. Es war 1.20 Uhr und ich war voll eröffnet.

Ich hatte das Gefühl, dass eine wärmende Wanne genau das Richtige sein würde, um wieder zu Energie zu kommen. Ich lutschte zwischenzeitlich an einem Eiswürfel und legte mir einen Waschlappen in den Nacken. So wohltuend! Ab dem Moment fühlte ich einen wahnsinnigen Druck nach unten. Während der Wehen fand ich die Hocke im Pool passend. In den Pausen setzte ich mich im Pool hin und hielt mich mit den Händen am Rand fest.

Gipfelsturm

Was für eine Reise.

Ich musste immer daran denken, einen Berg zu besteigen, da man den Gipfel zwar vor sich sieht, aber es fällt schwer, abzuschätzen, wie anstrengend es am Ende noch wird. Ich fühlte, die Pausen wurden länger, und ich war plötzlich in so einer Trance und so mit mir und dem Baby, teils auch vor Erschöpfung, dass ich alles vergaß und sogar zwischenzeitlich döste.

Mein Partner und meine Hebamme hielten sich in dieser Phase sehr zurück, reichten mir ab und zu etwas Wasser und den kühlen Waschlappen. Es fühlte sich so selbstbestimmt und rein an. Das war wundervoll. Nach gefühlt zehn bis fünfzehn Wellen hielt ich den Kopf mit so flaumigen Haaren in den Händen und nach weiteren zwei Wellen schwamm sein Körper direkt in meine Hände.

Welch wundervoller Moment. Es war vollbracht, oh mein Gott, Glück, Erleichterung, Stolz, Ehrfurcht vor der weiblichen Urkraft!

Somit hat unser Kleiner heute Nacht, einen Tag vor errechnetem Geburtstermin, um 2.41 Uhr im heimischen Birthpool das Licht der Welt erblickt! Wir alle sind wohlauf. Er ist 3600g schwer und 51 cm lang, bei einem Kopfumfang von 36 Zentimetern.

Jetzt befinden wir uns auf dem Abstieg des Gipfels und erholen uns so langsam von dem Glücksmoment des Ankommens, der Freiheit von oben, der Belohnung, so dass wir in ein paar Tagen, denke ich, wieder mit Energie gefüllt unten ankommen. Wir sind einfach so dankbar!

Ein Gedanke zu „Saskia: kurzfristige Hausgeburt“

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