Jana: Geburtshausgeburt mit viel gelassener Zeit und viel Geburtskraft

Jana brachte ihr zweites Kind im Geburtshaus zur Welt. Ich wünsche euch ganz viel Freude mit der 19. Geschichte im Geburtsgeschichten-Adventskalender.

Geburtsbericht Mats Milo

16.12.2020
7:39 Uhr
4150 g,
54 cm,
Kopfumfang 36 cm
Geburtshaus Erdenlicht Kempten

Blöde Warterei

Ich hatte seit Tagen, wenn nicht sogar Wochen, immer wieder Wehen, die aber immer wieder verschwanden. Das hat mich psychisch unglaublich mitgenommen. Natürlich habe ich mir immer wieder gesagt, das mein Kind sich seinen Tag aussuchen würde, aber fast jeder,

der irgendwann über Termin geht, kann wohl meine innere Unruhe verstehen. Ich habe immer eine Geburt im Geburtshaus geplant und hier wäre ET+14 Endstation gewesen.

An ET+9/10 hat mein ganzer Körper angefangen, sich auf die Geburt vorzubereiten. Ich hatte keinen Kopf für nichts mehr, ich habe mich einige Male übergeben müssen und mein Darm hat sich permanent entleert. Ich habe richtig gemerkt, wie mein ganzer Organismus auf nichts anderes mehr Lust hatte, als auf Geburt.

Aufbruch ins Geburtshaus

Nachts um 2 Uhr habe ich dann die Hebamme angerufen, da auch die Wehen alle 6-7 Minuten kamen und ich mich aufgrund der Übelkeit Zuhause nicht mehr wohlgefühlt habe. Danach sind wir ins Geburtshaus gefahren. Dort angekommen war die Stimmung super. An der Stelle sei schon Mal gesagt, dass meine Hebammen einfach die besten waren!

Leider hörten die Wellen aber wieder mal auf, der äußere Muttermund war nun aber bei 3 Zentimetern, der innere bei einem Zentimeter. Also waren die Wellen wenigstens wirksam.

Einfach nur schlafen!

Nun sind wir um 15 Uhr wieder nach Hause und ich hab einfach nur geschlafen. Von 21-06 Uhr durch. Obwohl ich sonst alle 2 Std zur Toilette musste wegen des dicken Bauches.

Mein Körper brauchte Ruhe.

Schon wieder ein Cocktail

Am nächsten Tag, also ET+11, verabredete ich mich für den Nachmittag mit der Hebamme zu einem Rizinuscocktail. Ich hatte immerhin den perfekten Befund für den Versuch, damit die Wellen in Schwung zu bringen.

Nachmittags um 16 Uhr bekam ich den Cocktail, gegen 17 Uhr merkte ich bereits, dass meine Wellen wieder da waren und gegen 19 Uhr wusste ich: „Das wird was!“

Um 21 Uhr übernahm wieder die Hebamme vom „Fehlalarm“ die Betreuung und die andere ging nach Hause.

Ich veratmete meine Wellen im Stehen am Bett und hatte dabei links und rechts einen Kamm in der Hand, welche ich während der Wellen in meine Handfächen drückte. Das tat sehr gut.

Badewanne

01 Uhr, ET+12: Die Hebamme schlägt mir die Badewanne vor und ich nehme sehr gerne an. Sie wusste, dass ich mir eine Wassergeburt wünschte und alles deutete auf einen baldigen Endspurt hin.

Ca 03 Uhr: Muttermund fast vollständig eröffnet, aber das Kindlein hat sich plötzlich verdreht und findet nicht mehr ins Becken…

Jetzt kommt der „Tricky Teil“ der Geburt.

Fast vier Stunden hatte ich wirklich — sorry für den Ausdruck und sorry an alle, die sich auch mit Hypnobirthing* vorbereiten — Arschloch-Wehen!

Das Kindlein hat mir so in den Rücken gedrückt und ich spürte einfach diesen krassen Druck nicht mehr nach unten, sondern ganz falsch nach hinten… Die Hebamme hat dann die andere vom Rizinuscocktail wieder dazu gerufen und ich sollte aus der Wanne raus.

Nun sollte ich mich hinlegen auf die rechte Seite, damit er den Weg finden würde. In diesen Stunden gab es genau eine Affirmation für mich, immer und immer wieder: „Mein Kind kennt den Weg. Mein Kind kennt den Weg. mein Kind kennt den Weg…“ so veratmete und vertönte und leider auch verschrie ich die Wellen wie sie kamen.

Die Hebammen dachten irgendwann leise über eine Verlegung in die Klinik nach. Doch ich wusste, das war keine Option für mich und mein Kindlein sollte hier zur Welt kommen. Nur irgendwie konnte ich mich auch nicht mehr dazu äußern, ich war total bei mir und meiner Affirmation.

Eine Hebamme hob und drückte also bei jeder Welle gegen mein oberes Bein, mein Mann musste mir Gegendruck am Rücken geben und die zweite Hebamme massierte meinen Bauch mit Ut-öl…

So ging das eine ganze Weile.

Blasensprung

07 Uhr: die Hebammen wollen meinen mutterpass, mein Mann muss ihn aus dem Auto holen. (Wollten sie nun den Transport vorbereiten? Ich weiß es nicht.)

Genau zu diesem Zeitpunkt sprang meine Blase und die Hebamme, die noch bei mir war, rief sofort meinen Mann und die andere Hebamme wieder rein. Ich spürte jeden Millimeter, den mein Kleiner durch mein Becken nahm. Was für ein unglaubliches, unbeschreibliches Gefühl!

Ich spürte genau wie er nach unten „fuhr“ und zwar ziemlich eilig. Ich wollte mich endlich wieder aus dieser ekligen Liegeposition befreien und sagte den Hebammen, dass ich mich hin hocken wollte. Also setzte mein Mann sich auf die Bettkante und ich durfte mich mit den Ellenbogen auf seinen Knien abstützen und hockte somit vor dem Bett.

Ich hatte schon auf dem Weg in diese Position das Gefühl, der Kleine fiele raus und schrie nur noch „Hilfe Hilfe Hilfe“, was wirklich eher lustig als beängstigend war, da eine der Hebammen sagte „nicht Hilfe schreien, dann Kindlein kriegt ja Angst“

Geburt

Also vertiefte ich mich wieder und ließ mein Kind mit den nächsten zwei Presswehen das Licht der Welt erblicken. Es ging plötzlich so schnell, dass meine Hebamme kaum hinterher kam und gerade noch so Handschuhe anziehen konnte. Ich war dann aber die Erste, die ihn hochnahm und legte ihn mir auf die Brust.

So kuschelten wir und ich habe gemerkt, wie unglaublich stark ich war. Dass die Geburt zwar vier Stunden kürzer hätte sein können, wenn er sich nicht verdreht hätte, aber genau diese Geburt war UNSERE TRAUMGEBURT. Sie hat mich zu einer Mutter eines wundervollen Sohnes gemacht und mir gezeigt, welche Urkräfte eine Mutter für ihre Kinder mobilisieren kann.

Ich danke Gott jeden Tag für dieses Wunder und dieses Geschenk. Was für eine lange aber wundervolle Geburtsreise wir haben durften, werde ich nie vergessen.

Der kleine „krabbelte“ dann irgendwann selber zur Brust und dockte an. Das war mir auch sehr wichtig. Wir haben seitdem eine wundervolle Stillbeziehung.

Ich hatte keine Verletzungen und 3 Stunden nach der Geburt waren wir bereits daheim im Bett.

Nun genießen wir die Zeit zu viert, mit der großen bald dreijährigen Schwester.

Alle Geschichten im Adventskalender

  1. Rebekka: Traumgeburt mit Pizza
  2. Doris: Nele — Geburt in drei Akten
  3. Jeanette: Heilsame Hausgeburt im Wohnzimmer
  4. Dieter & Katrin: Alleingeburt aus Sicht eines Vaters
  5. Franziska: Das fünf-Kilo-Baby
  6. Franziska: Ein Sternengucker
  7. Carina: Schnelle Alleingeburt
  8. Sintia: Alleingeburt beim ersten Kind: Weil es genau das Richtige war
  9. Cindy: Angst ist ein schlechter Ratgeber
  10. Jana: Hockergeburt im Krankenhaus
  11. Nora: Beckenendlagengeburt
  12. Nora: Wassergeburt zu Hause
  13. Katrin: Hausgeburt einer Hebamme
  14. Barbara: Hausgeburt trotz extrem kurzer Nabelschnur
  15. Miriam: Geburt einer Sternenguckerin mit PDA und toller Unterstützung
  16. Andrea: Wassergeburt im Krankenhaus
  17. Nora: ungeplante Alleingeburt
  18. Kasia: Magische Vollmondgeburt
  19. Jana: Geburtshausgeburt mit viel gelassener Zeit und viel Geburtskraft
  20. Jessica: Die Wellensurferin
  21. Anna-Elisabeth: Drei Tage Blubbern vor dem Kaiserschnitt
  22. Katrin: Ein sanfter Notfallkaiserschnitt
  23. Sintia: Alleingeburt vor dem Klo
  24. Franziska: Wehencocktail vor der Hausgeburt

Und deine Geschichte?

Diese Geschichte habe ich nicht geschrieben, durfte sie aber veröffentlichen. Hast du deine Geburtsgeschichten aufgeschrieben? Oder fehlen mir dir die Worte? Willst du dazu meine Unterstützung in Anspruch nehmen, um die richtigen Worte zu finden? Ich helfe dir beim Schreiben der Geburtsgeschichte. Achtung, sie wird lang. Viel länger als diese hier. Das liegt alleine schon daran, dass du nicht schreiben musst, sondern erzählst. Hier gibt es mehr Informationen!

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