Katrin: Ein sanfter Notfallkaiserschnitt

Übermorgen ist schon Heiligabend! Falls du gerade in letzten Vorbereitungen untergehst, nimm dir ein paar Minuten Zeit, um Katrins wunderbare Geburtsgeschichte zu lesen. Katrins Sohn kam wegen einer Schwangerschaftvergiftung in der 37. Woche per Kaiserschnitt zur Welt. Und Katrin erlebte diese Geburt als selbstbestimmt, vertrauensvoll und magisch. Viel Spaß beim heutigen Türchen des Geburtsgeschichten-Adventskalenders.

Nichts ist so wie geplant, es ist so wie es sein soll. Vertrauen ins Leben.

Unsere Geburtsgeschichte Katrin und Yaro


Wie so viele Frauen hatte ich genaue Vorstellungen davon, wie ich gebären und mein Kind auf dieser Erde willkommen heißen wollte. Ich wünschte mir eine magische natürliche Geburt im Geburtshaus, lernte Hypnobirthing*-Techniken
und bereitete mich so gut ich konnte vor.

Doch dann kam alles anders als geplant. Zu Beginn des dritten Trimesters wurde aus meiner wunderschönen Bilderbuchschwangerschaft eine Schwangerschaft mit Schwangerschaftsvergiftung. Dennoch bemühten wir uns, so gut es ging, alles zu tun, um vielleicht doch noch eine natürliche Geburt erleben zu können.

In der 37. Schwangerschaftswoche gab mein Körper sich der Krankheit hin und mein Kind musste geboren werden. Statt im Geburtshaus landeten wir im Krankenhaus. Statt in Entspannung und mit Ruhe und Geduld, war jetzt alles anders.
Es ging nicht mehr darum was ich wollte und was ich mir so schön und kraftvoll vorgestellt hatte, es ging nun darum, unser beider Leben zu retten.

Willensstark wie ich bin fingen wir an eine Geburt einzuleiten, denn ich wollte absolut wirklich eine natürliche Geburt erleben.

Nach fast einem ganzen Tag Versuchen und Anregen und Bitten, dass sich alles gut fügen würde, war die Stimmung plötzlich anders. Es wurde ein Notkaiserschnitt angesetzt.

Trotzdem die Situation angespannt war und alles sehr schnell gehen musste, fühle ich mich immer in guten Händen und in meinem Sein geachtet. Ich wusste ganz sicher und tief in mir: Es würde alles gut gehen.

Mein Partner war an meiner Seite, ebenso wie meine wunderbare Hebamme und eine Handvoll Ärztinnen. Ja genau, Ärztinnen. Wenn ich jetzt an unsere Bauchgeburt denke, ist eines der wunderbarsten magischsten Dinge, die ich erinnere, mein Kind in einem Raum voller Frauen bekommen zu haben.

Tatsächlich war das einer meiner tiefsten und längsten Wünsche zum Thema Geburt. Ich wollte immer schon gerne in einem Kreis von Frauen gebären, sicher und gehalten.

Ebenso war es mein großes Glück, mich für den Fall der Fälle genau informiert zu haben und so wusste ich genau, welche Art von Kaiserschnitt ich mir wünschen würde. Ich wollte einen sanften Kaiserschnitt, bei dem ich wach sein konnte und meinem Baby so viel natürliche Geburt nachgeahmt wurde wie möglich. Damit wir beide so viel Geburtserlebnis wie möglich haben konnten.

Und genau das hatten wir. Wir hatten einen sanften Kaiserschnitt und eine Geburt. Eine Bauchgeburt eben.
Ich bekam jeden Schritt, der gemacht wurde, genau erklärt und konnte irgendwie, wenn auch betäubt,
alles genau spüren. Die Bewegungen der Ärztin genauso wie die meines Babys in mir.

Ich spürte dieses kleine Menschlein aus mir kommen und durfte es auch sofort sehen. Es war trotz des Schnittes und der Geschwindigkeit, in der alles passieren musste, eine friedliche Geburt.

Mein winziges frisches Baby machte kurz darauf seine ersten Laute und Schrei in den Armen meiner Hebamme. Sie lächelte und legte ihn mir sanft auf die Brust. In der Sekunde, in der seine Haut meine berührte, als sein winziges kleines Herz auf meinem schlug, beruhigte er sich langsam. Er schaute hoch zu mir und ich schaute zu ihm.
Wir schauten uns das aller erste mal in die Augen und sofort hörte er auf die schreien. Er war so friedlich und ruhig und ich war es auch.

In diesem Moment gab kurz nur uns beide. Die Zeit stand für einen Moment still und ich wusste es würde nie eine vergleichbare Liebe geben wie diese. Ein Gefühl in mir das ich noch niemals so spürte. Der kleine Junge, der da so winzig auf meiner Brust lag, hatte noch keinen Namen. Aber das war gut so, so konnte er dabei sein. Nach einem kurzen Blick auf ihn und einem weiteren kurzen Blick zum Kindsvater flossen seine beiden Namen einfach aus mir heraus.
All die Namenslisten und Überlegungen zuvor waren in diesem Moment unwichtig.

Für eine halbe Stunde lag mein kleiner Schatz noch auf meiner Brust und wir beide in den Armen meines Liebsten. Es war so friedlich und magisch dieses kleine Wesen zu spüren, seinen Atem zu hören, seinen Geruch in meiner Nase.

Ich brauchte für zwei Tage noch ein wenig Unterstützung und so verbrachte mein gesundes Frühchen seine ersten Tage nur mit seinem Papa und ein paar liebevollen Kinderschwestern. Mein Körper heilte so gut und schnell er konnte und ich durfte zwei Tage nach der Geburt meines Sohnes, an Heilig Abend, zu ihm.

So erschöpft und glücklich zugleich war ich bis dahin noch nie. So glücklich, ihn in meinem Bett, in meinem Arm, zu haben.

Ich weiß jetzt noch ganz genau, wie ich mich gefühlt habe, und wie mein Baby sich in meinen Armen angefühlt hat. Wie winzig seine kleinen langen Finger waren und seine großen fast schwarzen kugelrunden Augen.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, ob ich wirklich in Worte fassen kann, wie sich die Geburt meines ersten Kindes tatsächlich für mich angefühlt hat. Tatsächlich glaube ich, ich integriere immer noch, was ich erlebt habe und lerne immer noch, was es für mich bedeutet hat, ein Kind zu bekommen. Genau so wie ich glaube, dass die Postpartumzeit niemals wirklich aufhört. Wir werden immer Stück für Stück Mutter werden, jeden Tag mehr und anders.

Was ich aber sicher sagen kann, ist, dass wir auch mit einem Notkaiserschnitt und anderen Wünschen eine wundervolle und gute Geburt hatten. Dass ein Kaiserschnitt auch eine Geburt ist und eine Bauchgeburt genauso wundervoll magisch und wertvoll sein kann wie eine natürliche Geburt.

Solange du Vertrauen hast in dich, dein Kind und das Leben, kann jede Form von Geburt zu deiner ganz besonderen Erfahrung werden und dich in deine Mutterschaft wachsen lassen.

Der Anfang einer wunderbaren Reise.

Über Katrin

Katrin ist Wochenbett-Doula in Ausbildung und Energiearbeiterin für Frauen. Mehr erfährst du auf ihrer Homepage: https://dalpriya.com/

Alle Geschichten im Adventskalender

  1. Rebekka: Traumgeburt mit Pizza
  2. Doris: Nele — Geburt in drei Akten
  3. Jeanette: Heilsame Hausgeburt im Wohnzimmer
  4. Dieter & Katrin: Alleingeburt aus Sicht eines Vaters
  5. Franziska: Das fünf-Kilo-Baby
  6. Franziska: Ein Sternengucker
  7. Carina: Schnelle Alleingeburt
  8. Sintia: Alleingeburt beim ersten Kind: Weil es genau das Richtige war
  9. Cindy: Angst ist ein schlechter Ratgeber
  10. Jana: Hockergeburt im Krankenhaus
  11. Nora: Beckenendlagengeburt
  12. Nora: Wassergeburt zu Hause
  13. Katrin: Hausgeburt einer Hebamme
  14. Barbara: Hausgeburt trotz extrem kurzer Nabelschnur
  15. Miriam: Geburt einer Sternenguckerin mit PDA und toller Unterstützung
  16. Andrea: Wassergeburt im Krankenhaus
  17. Nora: ungeplante Alleingeburt
  18. Kasia: Magische Vollmondgeburt
  19. Jana: Geburtshausgeburt mit viel gelassener Zeit und viel Geburtskraft
  20. Jessica: Die Wellensurferin
  21. Anna-Elisabeth: Drei Tage Blubbern vor dem Kaiserschnitt
  22. Katrin: Ein sanfter Notfallkaiserschnitt
  23. Sintia: Alleingeburt vor dem Klo
  24. Franziska: Wehencocktail vor der Hausgeburt

Und deine Geschichte?

Diese Geschichte habe ich nicht geschrieben, durfte sie aber veröffentlichen. Hast du deine Geburtsgeschichten aufgeschrieben? Oder fehlen mir dir die Worte? Willst du dazu meine Unterstützung in Anspruch nehmen, um die richtigen Worte zu finden? Ich helfe dir beim Schreiben der Geburtsgeschichte. Achtung, sie wird lang. Viel länger als diese hier. Das liegt alleine schon daran, dass du nicht schreiben musst, sondern erzählst. Hier gibt es mehr Informationen!

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