Franziska: Wehencocktail vor der Hausgeburt

Ihr lieben wundervollen Wesen da draußen, schon ist es Heiligabend. Und Franziska erzählt heute, in der letzten Folge des diesjährigen Adventskalenders, von der ihrer Hausgeburt voller Vorfreude, Ungeduld und Liebe. ET war übrigens der 24.12!

An dieser Stelle möchte ich mich bei euch bedanken für ein grandioses Jahr 2021 und für einen wunderschönen Adventskalender. Danke an alle Menschen, die ihre Geschichten erzählt haben, und danke an alle, die diese Geschichten gelesen haben. Denn jede Geburtsgeschichte ist einzigartig und verdient es, erzählt zu werden.

Nun aber hops — ab zu Franziskas Geschichte!

Ein Brief zur Geburt

Liebe Flocke, dein errechneter Geburtstermin war Heiligabend, ein Weihnachtskind. So genau kann man das ja aber nie wissen, aber das war die Vermutung nach dem ersten Ultraschall. Mein Gefühl sagte mir, dass du dich eher auf den Weg machen würdest, aber da hat mich mein Gefühl ganz schön getäuscht.

Einige Zeit vor Heiligabend (bestimmt eine Woche eher) stand der Pool schon im Wohnzimmer bereit. Mein Geburtstag kam und ich war froh, dass ich ihn für mich behalten konnte.

Ab und zu hatte ich abends Wehen und dachte, „in dieser Nacht geht es los!“ Am Morgen bin ich dann etwas ernüchtert und enttäuscht aufgewacht: ich habe immer noch meinen Kugelbauch und du turnst noch fröhlich darin herum.

Dann kam Weihnachten und ich war auch froh, dass du deinen Geburtstag nicht mit Jesus‘ Geburtstag teilen musst. Es war der 26.,27.,28. Dezember und immer wieder dachte ich, dass es diese Nacht losginge. Ich war noch zuversichtlich und gespannt.

Zunehmende Ungeduld

Am 30. war ich nochmal zur Kontrolle beim Frauenarzt: Alles okay und entspannt, aber falls du bis nach dem Jahreswechsel nicht da wärest, bräuchten wir einen Plan. Langsam wurde ich ungeduldig, ab und zu unsicher, selten genervt, unruhig. Ich wollte dich doch endlich kennenlernen und vor allem wünschte ich mir, dass du zuhause und ohne Einleitung auf die Welt kommen könntest.

Am 3. Januar hat meine Hebamme eine Eipollösung gemacht, aber auch das hat nichts gebracht. Ich habe angefangen dich anzustoßen: spazieren, scharfes Essen, Bauchmassage. Immer mehr, damit du dich endlich auf den Weg machtest. Teilweise hat mich das ganz schön gestresst und hibbelig gemacht.

Ich habe versucht loszulassen und zu vertrauen. Ein Pendeln zwischen ungeduldig unsicher und entspannt zuversichtlich sein. Zwischen bangen und hoffen. Auf den Schnee warten, weil du bestimmt auf Schnee wartetest.

Am 5.Januar war ich beim Frauenarzt. Die Ärztin hat mich mit ihrer Kommunikation ziemlich aus meiner Mitte gebracht: wir sollten uns möglichst sofort im Krankenhaus vorstellen, damit das dann nicht genervt wäre, wenn wir zur Geburt kämen. Das CTG war nicht hilfreich (du hast dich nicht gerührt, dadurch sah es schlecht aus).

Glücklicherweise konnte ich mit Freundinnen und mit meinen beiden Hebammen Nancy und Maria reden und bei Gott alles abgeben. Ich war wieder geerdet und zuversichtlich, dass es in den nächsten Nächten losgehen würde.

Am Mittwoch hatte ich wieder leichte Wehen. Dein Papa war müde, hat den halben Tag geschlafen und ich war sauer. Mittags, als deine große Schwester Madita geschlafen hat, bin ich eine Runde spazieren gegangen, um die Wehen anzuheizen. Unterwegs habe ich meine Hebammen zurückgerufen. Ein großer Schock: „Die Regelungen haben sich geändert, heute ist der letzte Tag für eine außerklinische Geburt.“

Wir haben vereinbart, dass ich mich später nochmal melden würde, wie sich die Wehen entwickelten und was wir machen würden. Nachmittags kam deine Cousine Helen vorbei, um mit Madita zu spielen. Nach dem schönen Spaziergang mit leichtem Schneefall, wo ich auch schon die Fotografin Anne informiert hatte, dass wir heute zur Einleitung vermutlich ins Geburtshaus fahren würden, habe ich gebadet. Leider sind dabei die Wehen wieder weggegangen, also doch noch keine richtigen Wehen.

Einleitung im Geburtshaus

Daraufhin habe ich Maria angerufen und wir haben vereinbart, dass wir in einer Stunde ins Geburtshaus zur Einleitung kommen. Ich habe alles zusammen gepackt und wir sind mit dem ganzen Pack zum Geburtshaus gefahren: sprich dein Papa, deine Schwester Madita, deine Cousine Helen als Babysitter und ich. Es war so unwirklich diese Fahrt dorthin. Ich wusste, nun wäre es nicht mehr lange, bis wir dich kennenlernen würden.

Und dennoch wusste ich nicht wirklich, was mich erwartete. Im Geburtshaus war wie immer eine schöne, lockere, entspannte Atmosphäre. Wir haben unsere alten Hebammen Larissa und Myriam wiedergesehen. Nach der Untersuchung und CTG habe ich die Hälfte des Wehencocktails getrunken (hat mit Mandel und Aprikose gut geschmeckt, nur eklig ausgesehen).

Danach sind wir eine große Runde an der Elbe entlang gelaufen. Madita ist auf ihrer Giraffe gedüst, gelaufen, saß im Buggy oder hat sich tragen lassen. Am Ende sind wir noch beim Döner vorbei und haben Essen gekauft, was wir dann im Geburtshaus gegessen haben.

Mittlerweile war es schon um 8, Matthias hat Madita bettfertig gemacht, sie ins Tuch gepackt und Helen zur Haltestelle gebracht. Wie gehofft ist Madita dabei eingeschlafen. Maria und ich haben ein CTG zur Kontrolle gemacht und uns unterhalten. Ich hatte leichte Wehen, die auch stärker geworden sind. Nach einigem Abwägen haben wir uns dazu entschlossen, dass ich noch die zweite Hälfte trinke. Ich wollte einfach nicht nochmal am nächsten Morgen aufwachen und feststellen, dass du immer noch im Bauch wärest.

Da nach dem Cocktail immer etwas Kontrolle notwendig ist, mussten wir noch etwas im Geburtshaus bleiben. Ich habe mich noch etwas ausgeruht. Nach um 11 sind wir dann nach Hause gefahren. Ich bin direkt ins Bett gegangen und habe Matthias gebeten, dass er gleich nachkommt.

Nächtlicher Geburtsbeginn

Gegen Mitternacht lag ich im Bett, habe erst noch überlegt, ob ich nicht doch nochmal aufstehe und eine Runde spazieren gehe. Ich konnte mir erst nicht vorstellen einzuschlafen, weil die Wehen schon spürbar waren. Ich habe dann aber doch schnell zur Ruhe gefunden und bin Punkt 1 mit Wehen aufgewacht.

Als ich Matthias Rotwein trinkend und Chips essend im Kinderzimmer sitzend gefunden habe, war ich etwas genervt. Wir haben überlegt, was wir jetzt machen, ob ich nochmal in die Wanne gehe. Das habe ich aber gelassen, da wir befürchteten, dass das warme Wasser nicht für Badewanne und Pool reichen würde.

Die Wehen wurden schnell stärker und Viertel 2 haben wir erst Maria und danach Anne angerufen. Beide haben sich auf den Weg zu uns gemacht. Wir haben letzte Vorbereitungen getroffen: Wasser in den Pool eingelassen, Musik angemacht, alles bereit belegt. Kurz nacheinander kamen Maria und Anne an. Die Wehen waren bereits gut stark und ich musste gut mitarbeiten.

Matthias hat Kerzen angezündet und mit dem Weihnachtsbaum war es eine wunderschöne, friedliche, herzerwärmende Atmosphäre im Wohnzimmer. Die Stimmung war locker und ausgelassen. Wir haben erzählt und gelacht. Während der Wehen musste ich sofort einhalten und mich konzentrieren. In den Wehenpausen war es herrlich entspannt. Kurze Zeit später wollte ich in den Pool.

Irgendwann kam noch Laura, die Hebammenschülerin dazu. Kaum war ich im Pool, ist Madita wach geworden. Matthias hat sie mit rüber ins Wohnzimmer gebracht. Sie wollte nach einer Auftauphase mit in den Pool und da ich mir das schon vorher so vorgestellt hatte, durfte sie natürlich. Die Wehen wurden stärker und allein mit Madita im Pool war es ungünstig, da ich mich in den Wehen so konzentrieren musste und nicht auf Madita achten konnte. Da Matthias nicht mit in den Pool wollte, musste Madita raus zu Papa.

Die Wehen waren stark und kraftvoll. Ich musste mich konzentrieren und arbeiten. In den Pausen war ich entspannt, fröhlich und konnte lachen. Irgendwann musste ich mich übergeben.

Pressdrang & Geburt

Der Pressdrang kam ziemlich schnell. Ich habe mich ihm hingegeben und mitgeschoben. Das war der anstrengende Teil. Ich musste ordentlich Kraft hineingeben. Die Pressphase hat so lange gedauert, ganz anders als ich es von Madita gekannt habe (die beiden Geburten waren wirklich total verschieden). Es war anstrengend und kraftvoll. Ich habe laut mitgetönt (also man könnte auch geschrien sagen), Hände zerquetscht und gepresst, was das Zeug hält.

Zwischenzeitlich war ich mir wirklich sicher, dass es hier nichts würde und wir noch ins Krankenhaus müssten. Maria hat mich wunderbar unterstützt, mich angeleitet und mich gelobt. Es ging in die heiße Phase und dann endlich, endlich nach gefühlt vielen weiteren Presswehen warst du da! Maria hat dir einen Stups nach vorne gegeben und ich habe dich aus dem Wasser gehoben und auf meine Brust gelegt.

Ich war so unglaublich erleichtert! „Ein Mädchen!“, habe ich voller Freude und Erleichterung zu Matthias gesagt. Du lagst auf meiner Brust und warst ganz schön schlapp. Wir haben dich angepustet, damit du atmetest. Selbst Madita hat mitgeholfen.

Anfängliche Atemschwierigkeiten

Ich sollte aus der Wanne raus. Maria und Myriam (die zweite Hebamme, die dazukam) haben dich beamtet und die Nabelschnur durchtrennt. Ich habe zugeschaut, lag in Lauras Armen und die Plazenta kam auch schon. Ich habe dich dort liegen sehen und habe gemerkt, dass es ernst war. Aber Angst hatte ich keine. Ich wusste, dass du nur etwas Hilfe bräuchtest und dann würde alles klappen.

Der Rettungsdienst wurde gerufen und wir sind rüber ins Kinderzimmer gegangen. Ich habe mich in die Kuschelecke gelegt und dich warm eingepackt auf meinen Brust gelegt. Du hast unterwegs direkt Kindspech ausgeschieden. An meiner Brust hast du geatmet und bist rosig geworden.

Als der Rettungsdienst kam, war die Situation schon entschärft. Keine Ahnung, was der Auslöser für deine Atemverzögerung war. Geschlucktes Fruchtwasser, der Wehencocktail, Kälte nach der Geburt. Es ist auch ganz egal, denn dir ging und geht es gut. Die Rettungskräfte waren froh, dass sie kaum Arbeit hatten. Wir wurden durchgecheckt und es wurde beratschlagt, wie es weitergehen sollte. Myriam hat super die Kommunikation mit der Notärztin geleitet. Wir konnten zuhause bleiben. Wir hatten Zeit zum Ankommen.

Du hast Milch getrunken, deine Schwester kennengelernt. Später hat Matthias deine Schwester in den Schlaf getragen. Du und ich, wir haben gekuschelt. Dein Papa hat dich gebadet und du wurdest gemessen und gewogen. Ich bin mit Marias Hilfe auf Toilette gegangen und habe geduscht, während Papa mit dir gekuschelt hat. Irgendwann sind alle gegangen und wir überglücklich ins Bett zu Madita. Nun warst du endlich da und wir bis zum Platzen voll mit Glück, Dankbarkeit und diesem Wunder, das wir erlebt haben.

Fotos zur Geburt

Fotos von Franziskas Geburtserfahrung könnt ihr übrigens auf dem Instagram-Kanal der Fotografin Anne Richard finden.

Der gesamte Geburtsgeschichten-Adventskalender 2021

  1. Rebekka: Traumgeburt mit Pizza
  2. Doris: Nele — Geburt in drei Akten
  3. Jeanette: Heilsame Hausgeburt im Wohnzimmer
  4. Dieter & Katrin: Alleingeburt aus Sicht eines Vaters
  5. Franziska: Das fünf-Kilo-Baby
  6. Franziska: Ein Sternengucker
  7. Carina: Schnelle Alleingeburt
  8. Sintia: Alleingeburt beim ersten Kind: Weil es genau das Richtige war
  9. Cindy: Angst ist ein schlechter Ratgeber
  10. Jana: Hockergeburt im Krankenhaus
  11. Nora: Beckenendlagengeburt
  12. Nora: Wassergeburt zu Hause
  13. Katrin: Hausgeburt einer Hebamme
  14. Barbara: Hausgeburt trotz extrem kurzer Nabelschnur
  15. Miriam: Geburt einer Sternenguckerin mit PDA und toller Unterstützung
  16. Andrea: Wassergeburt im Krankenhaus
  17. Nora: ungeplante Alleingeburt
  18. Kasia: Magische Vollmondgeburt
  19. Jana: Geburtshausgeburt mit viel gelassener Zeit und viel Geburtskraft
  20. Jessica: Die Wellensurferin
  21. Anna-Elisabeth: Drei Tage Blubbern vor dem Kaiserschnitt
  22. Katrin: Ein sanfter Notfallkaiserschnitt
  23. Sintia: Alleingeburt vor dem Klo
  24. Franziska: Wehencocktail vor der Hausgeburt

Und deine Geschichte?

Diese Geschichte habe ich nicht geschrieben, durfte sie aber veröffentlichen. Hast du deine Geburtsgeschichten aufgeschrieben? Oder fehlen mir dir die Worte? Willst du dazu meine Unterstützung in Anspruch nehmen, um die richtigen Worte zu finden? Ich helfe dir beim Schreiben der Geburtsgeschichte. Achtung, sie wird lang. Viel länger als diese hier. Das liegt alleine schon daran, dass du nicht schreiben musst, sondern erzählst. Hier gibt es mehr Informationen!

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