Ernährung in der Schwangerschaft: E-Book-Rezension „Babys Ernährungsreise“

Im Internet finden wir viele Informationen frei zugänglich, wenn wir nur lange genug suchen. Das gilt für viele Fachartikel, aber genauso für Bücher, die sich an Laien richten. Gerade bei solchen Texten stellt sich dann häufig die Frage: Handelt es sich um sinnvolle Informationen oder um Bullsh*t? Ich habe während der Weihnachtstage das E-Book Babys Ernährungsreise — bewusst essen von Anfang an gelesen und möchte euch das Buch hier vorstellen. Das E-Book könnt ihr kostenlos hier herunterladen.

Da es auf Ich Gebäre vor allem um Geburten geht und weniger um das erste Babyjahr, habe ich das Buch entsprechend in Bezug auf Ernährung als Geburtsvorbereitung gelesen und werde mich auch in dieser Rezension auf den entsprechenden Buchteil konzentrieren.

E-Book-Cover „Babys Ernährungsreise“, Quelle: Baby-Walz

Inhaltsüberblick

Das Buch widmet sich den Grundlagen: Warum ist gesunde Ernährung überhaupt wichtig? Danach werden die Grundlagen gesunder Ernährung erklärt. Klar, irgendwie wissen wir das alle auch, aber es ist schon sinnvoll, es immer wieder zu lesen: Lieber selber zubereiten als fertig kaufen, langsam essen, genügend ungesüßte Flüssigkeit trinken und so weiter. Der Inhalt ist gut verständlich aufbereitet und will Mut machen zur Umsetzung. Fachbegriffe werden nur wenig genutzt und dann erklärt.

In den weiteren Kapiteln werden die Besonderheiten der Ernährung in der Schwangerschaft, während der Still- beziehungsweise Fläschchenzeit, zur Beikosteinführung und im Kleinkindalter abgedeckt. Dabei geht es den Autor*innen vor allem um die Umsetzung im Alltag. Studienergebnisse werden genannt, aber nicht im Detail auseinander genommen. Das ist auch durchaus in Ordnung so — immerhin handelt es sich um Einstiegslektüre. Abgerundet wird das E-Book von fünf Rezepten von Miss Broccoli sowie zwei Interviews.

Natürlich gibt es am Ende auch noch eine Liste mit Quellenangaben.

Was ich an Babys Ernährungsreise gut fand

Insgesamt hat mir das E-Book gut gefallen. Es fasst wesentliche Aspekte der gesunden Ernährung auf. Besonders angetan war ich von folgenden Aspekten:

Infos für Einsteiger*innen

Immer wieder stelle ich fest, dass viele Frauen auf der Suche nach Infos auf Einstiegsniveau sind. Klar, wenn ich mich täglich mit dem Thema beschäftige, kommen mir viele Sachen ganz selbstverständlich vor. Das geht aber vielen Frauen nun mal anders. (Ich merke das immer, wenn ich mal die Elektrotechnik-Zeitschrift meines Mannes durchblättere… Da bin ich nämlich Laie.) Und genau deshalb ist es wichtig, gute Informationen für Einsteiger*innen zusammenzustellen. In diesem Aspekt macht das Buch eine gute Figur.

Alternativen

Häufig ist es in Sachbüchern so, dass eine Meinung vertreten und diese dann mit vielen verschiedenen Fakten untermauert wird. In diesem E-Book dagegen fiel mir sofort auf, dass verschiedene Herangehensweisen nebeneinander Platz finden. Das ist nicht selbstverständlich und umso wichtiger, da es sich um ein Grundlagenbuch handelt, durch das Frauen erstmals mit dem Thema Ernährung für sich und das Baby in Berührung kommen. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen gibt es zum Beispiel beim Thema „Stillen oder Ersatzmilch“, aber auch bei der Breikosteinführung im Vergleich zum Baby-Lead-Weaning.

Übersichtliche Tabellen

Zu mehreren Themen gibt es übersichtliche Tabellen. Diese helfen, schnell etwas nachzuschlagen: Sinnvolle und problematische Nahrungsmittel in der Schwangerschaft, verschiedene Stillprobleme und geeignete Sportarten in der Schwangerschaft werden so übersichtlich dargestellt. Einziges Manko ist, dass die Tabellen nicht im Inhaltsverzeichnis gelistet sind. Da hilft dann nur das gute alte Lesezeichen — ob nun digital oder als Eselsohr in der ausgedruckten Seite.

Essen ist nicht alles

Sowohl im Kapitel über Ernährung in der Schwangerschaft als auch später, wenn es um die Ernährung des Babys und Kleinkindes geht, werden Exkurse in den Bereich Bewegung gewagt. Auf den ersten Blick könnte man natürlich fragen, was Bewegungstipps und Vorschläge für Sportarten in einem Ernährungsratgeber zu suchen haben (immerhin heißt das Buch Babys Ernährungsreise.) Für mich hängen allerdings Bewegung und Essen eng zusammen. Wer bestimmte Sportarten ausübt, hat einen anderen Nährstoffbedarf als eine Person, die hauptsächlich am Schreibtisch sitzt. Ernährung ohne Bewegung zu betrachten, ist nur bedingt sinnvoll.

Hol dir Rat von Fachpersonen

An verschiedenen Stellen im Buch wird darauf hingewiesen, dass es sinnvoll ist, die spezifischen Besonderheiten einer Person von einer Fachkraft einschätzen zu lassen, um eine passende Lösung zu finden. So heißt es zum Beispiel ausdrücklich, dass Nahrungsergänzungsmittel nur in Rücksprache mit Ärtz*innen oder Hebammen genommen werden sollten.

Im Kapitel zu Sport in der Schwangerschaft wird außerdem ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bestimmte Sportarten unter fachkundiger Anleitung ausgeführt sollen.

Obwohl wir diese Hinweise alle irgendwie kennen, ist es extrem wichtig, sie zu beherzigen. Ein Buch kann kein Medizinstudium ersetzen. Hebammen durchlaufen nicht ohne Grund eine langjährige Ausbildung (und nun auch in Deutschland ein Studium). Und auch ein*e ausgebildete*r Übungsleiter*in ist wichtig.

Diese deutliche Herausstellung gefällt mir ausgesprochen gut.

Interviews

Sachinfos sind wichtig. Eine persönliche Einschätzung ist zusätzlich auch immer wieder sinnvoll, weil wir so merken, wie unterschiedlich die persönlichen Motive sein können. Im Buch gibt es zwei Interviews, und zwar einmal mit Dr. med. Jael Backe*, einer Frauenärztin und einmal mit der Influencerin Scarlett Gartmann Reus.

Das Fachinterview mit Dr. Backe greift sehr schön die wichtigsten Fragen zum Thema Ernährung in der Schwangerschaft. Im zweiten Interview geht es dagegen eher um persönliche Erfahrungen. Und obwohl ich zugeben muss, vorher noch nie von Scarlett Gartmann-Reus gehört zu haben, war sie mir beim Lesen direkt sympathisch:

Das muss wirklich jede Mutter für sich entscheiden und die Meinungen gehen dabei sehr auseinander.

Scarlett Gartmann-Reus im Buch Babys Ernährungsreise über das Stillen.

Ja, so ist es: Jede Frau muss es für sich entscheiden. Genauso, wie nur die Frau entscheiden kann, ob sie schwanger werden möchte und wie sie ihr Kind zur Welt bringen will, kann auch nur sie entscheiden, ob und wie lange sie stillen möchte. (Schade finde ich es nur, wenn das Stillen nicht gesellschaftlich nicht unterstützt wird oder wenn Frauen keine Hilfe bekommen, obwohl sie sie wollen…)

Was mir nicht so gut gefallen hat

Natürlich gibt es selbst in einem Buch, das ich prinzipiell empfehle, ein paar Kleinigkeiten, bei denen ich die Stirn gerunzelt habe. Vermutlich fallen sie den meisten Leser*innen gar nicht groß auf. Da ich nun aber mit dem Anspruch das Buch gelesen habe, es hier vorzustellen, habe ich natürlich auch auf diese Aspekte geachtet.

Determinismus: Wenn du gut isst, wird dein Kind gesund sein

Wir alle wissen, dass Ernährung wichtig ist. Doch manchmal schlägt der Stil des Buches für mich einen zu deterministischen Ton an: Es klingt dann so, als sei eine gute Ernährung alleiniger Faktor für ein gesundes Leben. Das stimmt natürlich so nicht: Manche genetischen Defekte, Umwelteinflüsse oder einfach Pech können wir nicht beeinflussen. Kranke (auch chronisch kranke) Kinder sind nicht immer einfach deshalb krank, weil die Eltern sich nicht um eine gute Ernährung gekümmert hätten.

Genauso können Krankheiten der Mutter dazu führen, dass das Baby trotz einer sehr kontrollierten Ernährung der Mutter nicht automatisch mit allem versorgt wird, was es braucht.

Ich hätte mir hier einen sensibleren Umgang mit „Ursache und Wirkung“ gewünscht, um nicht automatisch Schuld auf diejenigen zu laden, deren Kinder nicht gesund sind.

Generisches Maskulinum & Entbindung

(Mir ist klar, dass dieser Abschnitt sehr subjektiv ist und auch nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Aber hey, es geht ja hier auch um meine persönliche Einschätzung des Buches. Wenn euch die folgenden Aspekte nicht stören, ist das ja für’s Lesen umso besser.)

Tja, leider ist das Buch im generischen Maskulinum geschrieben, was ich persönlich sehr schade finde. Ich schätze meine Frauenärztin sehr und würde mich freuen, wenn auch sie mit angesprochen würde.

Und statt Geburt fällt oft das Wort Entbindung, was ich persönlich nicht gern lese.

Ein paar sachliche Ungenauigkeiten

Ja, ich weiß, ich bin pingelig. Durch die Satzreihenfolge wird zum Beispiel suggeriert, dass ein Fötus Nährstoffe über das Fruchtwasser aufnähme, nicht aber über die Nabelschnur. Dass die Nabelschnur Nährstoffe zum Kind transportiert, ist dagegen unbestritten.

Beim Sport in der Schwangerschaft hat mir außerdem gefehlt, dass es immer auf die Ausgangslage der Frau ankommt, ob eine bestimmte Sportart geeignet ist oder nicht. Zwar ist Schwimmen prinzipiell ein sehr sicherer Schwangerschaftssport. Trotzdem kann es für eine Frau mit massiven Hautproblemen genau falsch sein, sich wöchentlich chlorhaltigem Wasser auszusetzen.

Spannend fand ich zudem, dass zwar gesagt wird, man solle in der Stillzeit keinen Alkohol trinken — aber von der Schwangerschaft steht da kein Wort. Falls du hierzu mehr wissen willst: Lies die beiden Beiträge der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Thema Alkohol in der Schwangerschaft sowie Alkohol in der Stillzeit.

Vereinfacht ist zum Beispiel auch der Verzehr von rohem Fleisch: Rohes Rindfleisch überträgt keine Toxoplasmose (kann aber andere Krankheitserreger enthalten).

Nun ist das Buch für Einsteiger*innen gedacht und auf dem entsprechenden Niveau geschrieben. Doch glaube ich, dass in diesen Aspekten eine größere Genauigkeit dem Verständnis keinen Abbruch getan hätte.

Fazit

Jahrhundertelang waren Frauen (nicht nur in der Schwangerschaft) unterversorgt. Und es betraf natürlich nicht nur Frauen, sondern fast alle Menschen. Mangelerscheinungen waren für den Großteil der Menschheit normal und sind es in manchen Gegenden der Welt immer noch.

Dagegen ist bei uns in Mitteleuropa nun eher die Überversorgung des Körpers mit Nahrungsmitteln ein Problem. Es kann deshalb sinnvoll sein, darauf zu achten, was aus dem reichhaltigen Angebot von Wochenmarkt, Lebensmittelmarkt, Späti, Kiosk, Tankstelle, Einkaufshalle oder Direktvermarktung wir zu uns nehmen.

Frauen, die sich bisher bereits mit ihrer Ernährung beschäftigt haben, werden in diesem Ratgeber vermutlich nicht viel Neues erfahren. Für Frauen, die bisher über ihre Ernährung nicht nachgedacht haben, kann das E-Book ein guter Einstieg in die Materie „Essen in Schwangerschaft und Babyzeit“ sein.

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