Schülerumfrage: Gewalt in der Geburtshilfe

Das Thema Gewalt in der Geburtshilfe war lange Jahre ein Tabuthema. „Hauptsache, das Baby ist gesund.“ Langsam hebt sich der Mantel des Schweigens. Der Roses Revolution Day ist nur eine von vielen Möglichkeiten, darauf aufmerksam zu machen.

Für eine Seminararbeit beschäftigen sich nun zwei Schülerinnen und ein Schüler des Gottfried-Seume-Gymnasiums Vacha mit dem Thema und haben eine Umfrage gestartet, auf die ich an dieser Stelle gern aufmerksam machen möchte.

An wen richtet sich die Umfrage?

Die Umfrage richtet sich nicht nur an Frauen, die Gewalt unter der Geburt erlitten haben. Die Fragen sind so formuliert, dass eine Teilname auch sinnvoll ist, wenn du eine schöne Geburt erlebt hast oder wenn deine Geburt zwar traumatisch war, die Traumatisierung aber nicht mit Übergriffigkeiten oder Gewalt zu tun hatte.

Ziel der Umfrage

Die Schüler*innen wollen herausfinden, wie sich die gewaltvolle Erfahrung danach im Familienleben niederschlägt.

Wie wird Gewalt unter der Geburt definiert?

Die Schüler*innen definieren Gewalt unter der Geburt zu Beginn ihrer Umfrage nicht. Allerdings schlüsseln sie im Laufe der Umfrage auf, welche Art von Gewalt die Schwangere, das Baby oder der Partner erfahren hat.

Dabei geht es ihnen unter anderem um die Themen Aufklärung, Maßnahmendurchführung und Gesprächsführung.

Sie unterscheiden außerdem zwischen gewaltvollen Erfahrungen mit kurz- und langfristigen Folgen einerseits und starken Traumatisierungen andererseits.

Dabei berücksichtigen sie ausdrücklich nicht nur die Gebärende, sondern auch Begleitpersonen und das Baby.

Maßnahmen, denen die Gebärende nicht zugestimmt hat, werden ebenso genannt wie nicht umgesetzte Aufklärung.

Anmerkungen

Teil der Umfrage ist eine Liste von Symptomen. Du sollst alle anklicken, die bei dir vorkamen. Die Liste zeigt für mich, dass die Schüler*innen sich durchaus konkret mit dem Thema beschäftigt haben. Die Liste physischer Auswirkungen ist ungefähr so lang wie die Liste psychischer Auswirkungen.

Sehr positiv finde ich, dass die Umfrage am Ende auf Trauma Geburt e.V. und auf die Telefonseelsorge verweist.

Fazit: Mitmachen

Die Umfrage der Schüler*innen ist durchaus ernst zu nehmen. Wahrscheinlich werden sie kein repräsentatives Setting gewährleisten können und vermutlich wird ihr Ergebnis kaum ein Krankenhaus dazu bringen, etwas zu ändern. „Es handelt sich ja nur um Kinder“.

Ich wünsche mir dennoch, dass möglichst viele von euch mitmachen (auch diejenigen ohne gewaltvolle Geburtserfahrung). Und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Der Fragebogen zeigt, dass die Schüler*innen das Thema ernst nehmen. Und das sollten wir honorieren.
  2. Das Thema muss weiter in die Öffentlichkeit. Zumindest die Eltern der Schüler*innen sowie die entsprechenden Lehrkräfte werden die Arbeit lesen. Vielleicht lesen noch ein paar weitere Menschen sie Korrektur. Je mehr, desto besser.
  3. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn man wegen Datenmangels nicht weiterkommt. Es ist frustrierend, dann nur eine Literaturrecherche abgeben zu können.
  4. Aus Schüler*innen werden Forscher*innen, Politiker*innen und Eltern. Und diese werden sich weiterhin für gewaltfreie Geburten einsetzen, wenn sie jetzt eine erfolgreiche Seminararbeit schreiben.

Der Link zur Umfrage

Die Umfrage ist hier verfügbar: Umfrage für die Facharbeit von Schüler*innen des Seume-Gymnasiums zu gewaltvollen Geburtserfahrungen.

Danke für deine Teilnahme!

Lass deine Geburtsgeschichte aufschreiben —

auch, wenn die Erfahrung schmerzhaft war

Gerade, wenn Gewalt im Spiel war, tust du dich vielleicht schwer damit, deine Geschichte in liebevollen Worten aufzuschreiben. Dir wurde schließlich Leid zugefügt. Dieses Leid ist da. Gleichzeitig ist die Geburt deines Kindes auch eine Liebesgeschichte. Du bist die Heldin dieser Geschichte, die für ihr Kind alles gegeben hat. Und das hat es verdient, aufgeschrieben zu werden. Nicht als Rechtfertigung oder um damit ein Krankenhaus zu verklagen, sondern als Liebesbrief an dein Kind.

Wenn dir selbst die Worte oder die Zeit fehlen, kontaktiere mich. Ich helfe dir gern dabei, deine Erinnerungen aufzuschreiben und zu verewigen. Als Geschenk für dich und dein Kind — und als Zeugnis deiner Liebe.

Schreibe einen Kommentar