In guten Händen: Buchrezension Teil 9/9

Heute erscheint der letzte Teil meiner Buchrezension zu Nora Imlaus Sachbuch in guten Händen. Unten findest du auch nochmal alle anderen Teile verlinkt.

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Um denjenigen gerecht zu werden, die sich mit den Worten „Frau“ oder „Mutter“ nicht identifizieren können, obwohl in ihrer Geburtsurkunde „weiblich“ steht, habe ich mich dazu entschlossen, in meinen eigenen Beiträgen „Mutter“ und „Frau“ jeweils mit dem Inklusionssternchen zu versehen. Ihr werdet also Frau* oder Mutter* lesen (falls der Text von mir kommt und nicht von anderen Menschen). Geschlechtergerechte und inklusive Sprache ist mir ein Herzensthema, allerdings ist (meine persönliche und die gesellschaftliche) Entwicklung dazu noch lange nicht abgeschlossen. Mal sehen, wie ich es in Zukunft angehe. Mehr zum Thema liest du unter anderem hier: Sollte ein Geburtsblog geschlechtsneutral sein, Gebären wie eine Feministin und Sex, Gender, Geburten und die deutsche Sprache.

In guten Händen: Alle Teile der Rezension

(bitte zum Lesen aufklappen)
  1. Teil: (hier lesen)
    • Überblick
    • Einleitung
    • Kapitel 1: Ein Dorf für uns und unser Kind
  2. Teil: (hier lesen)
    • Kapitel 2: Auf die Bindung kommt es an
    • Kapitel 3: Familie und Freundeskreis (Einleitung, Bezugspersonen von Babys)
  3. Teil: (hier lesen)
    • Kapitel 3: Familie und Freundeskreis (Fortsetzung bis Kapitelende)
  4. Teil: (hier lesen)
    • Kapitel 4: Was prägt uns in der Betreuungsfrage? Eine Spurensuche
  5. Teil: (hier lesen)
    • Kapitel 5: Unseren Weg als Familie finden
  6. Teil: (hier lesen)
    • Kapitel 6: Ein guter Ort für unser Kind
  7. Teil: (hier lesen)
    • Kapitel 7: Es geht los
  8. Teil:
    • Kapitel 8: Neue Beziehungen: Schule und Kinderfreundschaften
  9. Teil:
    • Der Schluss: Ein Netz, das trägt
    • Meine Meinung: In guten Händen
    • Fazit

Der Schluss: Ein Netz, das trägt

Das inhaltliche Ende dieses Buches bildet dieses kurze Kapitel von drei Seiten. Nora Imlau geht darauf ein, dass wir als Eltern vielleicht mehr als ein Netz brauchen. Ein Netz ist super, denn es fängt uns auf, wenn wir ansonsten fallen würden. Es ist eine Absicherung. Doch vielleicht, so die Autorin, brauchen wir mehr: Vielleicht brauchen wir eigentlich ein System, das uns nicht nur im Notfall auffängt, sondern uns auch die Möglichkeit gibt, zwischendurch auszuruhen und Kraft zu tanken.

Die Autorin macht auch deutlich, dass es sich immer noch komisch anfühlen kann, das Netz nicht nur zu weben, sondern es dann auch tatsächlich in Anspruch zu nehmen. Denn wir alle haben viel zu häufig gelernt, dass wir alles alleine schaffen müssten. Und nun müssen wir erst wieder lernen, dass unsere Kinder auch bei anderen Menschen in guten Händen sein können. Nora Imlau macht uns Mut, genau das zu tun: Bauen wir uns ein Netz, das manchmal sogar eine Hängematte sein kann, und vertrauen wir darauf, dass unsere Kinder in guten Händen sind.


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Titelbild: Was hat Geburt mit Feminismus zu tun?

Meine Meinung: In guten Händen

Das Schreiben dieser Rezension hat ziemlich lange gedauert. Bei Nora und beim Ullstein-Verlag möchte ich mich dafür von Herzen entschuldigen. Ich habe es nicht als undankbare Aufgabe empfunden, sondern eher als ein Projekt, vor dem ich zu viel Ehrfurcht hatte. Denn dieses Buch war für mich eine Bestätigung in vielen Aspekten, aber auch ein Finger in der Wunde, wenn ich mir mal wieder eingestehen musste, dass mein Blick sich verstellt hatte auf Unwesentliches, wenn ich meine Ansprüche falsch gestellt hatte oder wenn ich Dinge zu sehr aus Elternsicht statt aus Sicht meiner Kinder bewertete.

Ich habe dieses Buch um Laufe des Rezensionsforschritts mehrfach gelesen. Bei jedem Lesen sind mir andere Aspekte ins Auge gesprungen. Und so ist auch diese Rezension natürlich ausgesprochen subjektiv und beruht vor allem auf denjenigen Punkten, die mir persönlich wichtig sind.

„In guten Händen“ ist für mich vor allem deshalb so wertvoll gewesen, weil es nicht den einen richtigen Weg vorschreibt, den Eltern gehen sollen, sondern stattdessen unterschiedliche Optionen aufzeigt und damit den Blick für uns Eltern eher weitet als einschränkt. Natürlich heißt das auch, dass wir mit dem Lesen des Buches nicht am Ende sind. Denn jetzt geht es an die Umsetzung, bei der selbstverständlich wieder große Fallstricke lauern können. Umso wichtiger ist wohl die Unterstützung anderer Eltern, die es ähnlich machen wie wir. Denn natürlich wollen (und brauchen?) wir die Bestätigung, dass unser Weg nicht grundsätzlich falsch ist. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, offen zu bleiben für die Wege all derjenigen, die sich anders entscheiden.

Immer wieder im Buch geht es deshalb um gegenseitigen Respekt – unter Kindern, unter Erwachsenen, und von Erwachsenen den Kindern gegenüber.

Foto von Craig Adderley

Das ist natürlich in der Theorie immer einfacher als in der Praxis, wie auch unsere persönliche Beziehung zeigt. Das fängt mit den Großeltern an, die ja doch irgendwie der Meinung sind, dass wir ihre Ratschläge unbedingt umsetzen müssen, und geht weiter über Personal in Kita und Schule bis hin zu den Freund*innen, die sich unsere Kinder aussuchen und die wir vielleicht gar nicht so toll finden.

Doch ganz ehrlich: Wenn ich nicht mit dem Respekt vorausgehe, muss ich auch nicht erwarten, dass andere Respekt für meine Entscheidung haben. Dazu habe ich übrigens auch auf dem Blog Mütterimpulse einen Gastbeitrag geschrieben.

Was brauchen wir und und was wird von uns erwartet – dieser Widerspruch kommt im Buch immer wieder hoch. Natürlich dürfen wir uns selbst hinterfragen: Warum denke ich eigentlich, dass ich genau das brauche? Wie viel Prägung steht dahinter, wie viel Einfluss durch mein Umfeld und wie viel ist wirklich meines? Doch wenn wir das durchdacht haben und wissen, was wirklich unsere Bedürfnisse sind, heißt das noch lange nicht, dass das von den Menschen in unserem Umfeld auch so akzeptiert wird. Das gilt übrigens für Kinder wie auch für Erwachsene. Und wir dürfen auch immer wieder die Scheuklappen abnehmen und akzeptieren, dass andere Menschen vielleicht wirklich andere Dinge brauchen als wir (und das kann sogar auf unsere eigenen Kinder zutreffen).

Fazit

„In guten Händen“ von Nora Imlau ist ein Buch, das mich auf eine berührende und tiefgründige Reise mitgenommen hat. Die Autorin versteht es, die Bindungsgefüge auf eine Art und Weise zu beschreiben, die sowohl informativ als auch einfühlsam ist.

Das Buch ist vollgepackt mit Wissen und persönlichen Erfahrungen, die Eltern dabei helfen können, einen unverstellten Blick auf die Bedürfnisse der Familienmitglieder zu werfen und davon ausgehend ein Netz zu bauen, das gut in die Familienstruktur passt und Familien passgenau unterstützt.

„In guten Händen“ bietet keine einfach „mach es so und es wird alles tuffig“-Anleitungen, sondern eine Grundlage, aufgrund eigener Werte und Bedürfnisse einen guten Weg zu finden.

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Katharina Tolle

Wie schön, dass du hier bist! Ich bin Katharina und betreibe seit Januar 2018 diesen Blog zu den Themen Geburtskultur, selbstbestimmte Geburten, Geburtsvorbereitung und Feminismus.

Meine Leidenschaft ist das Aufschreiben von Geburtsgeschichten, denn ich bin davon überzeugt, dass jede Geschichte wertvoll ist. Ich helfe Familien dabei, ihre Geschichten zu verewigen.

Außerdem setze ich mich für eine selbstbestimmte und frauen*-zentrierte Geburtskultur ein. Wenn du Kontakt zu mir aufnehmen möchtest, schreib mir gern!

Foto von Katharina

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